Balsamiren

Balsamiren

Balsamiren der Todten. Eine Kunst des Alterthums, die jetzt beinahe ganz verloren gegangen ist. Vor allen andern Ländern herrschte in Aegypten der Glaube, daß der Geist des Verstorbenen so lange bei dem Körper verweile, als dieser ganz erhalten würde, daher bemühte man sich, seine Dauer möglichst zu verlängern. Viele tausend Mumien, in Aegypten gefunden, gaben durch fleißige Untersuchung einiges Licht über das geheimnißvolle Verfahren des Einbalsamirens. Gemeinlich wurde durch die Nase, (deren obern Knochen man zerbrach) die weiche Marksubstanz, welche den Schädel füllt, entfernt; durch eine, unter dem Arm gemachte Oeffnung holte man auch die Eingeweide aus dem Körper; Geschäfte, welche schimpflich, mit dem Verlust der bürgerlichen Ehre verbunden waren, während das fernere Balsamiren sehr ehrenvoll und nur den Priestern auszuüben erlaubt war. Mit Alkalien, mit flüssigen Harzen, mit trocknenden Oelen, allerlei Gewürzen und Spezereien wurde nun der Körper mehrere Monate getränkt, dann getrocknet, meistens an Gesicht, Händen und Füßen vergoldet, hierauf sehr künstlich in seine Leinwandstreifen eingewickelt, in leichte, der Form der Mumie äußerlich ganz ähnliche Särge, oft drei in einander gelegt, und endlich an ganz trockenen Orten dem Schooß der Erde für die Nachwelt übergeben. Diese getrockneten Körper heißen Mumien. So haben sie sich bereits 3000 Jahre erhalten und könnten noch zehn Mal so lange dauern, wenn nicht raubgierige Beduinenhorden die Begräbnißplätze zerstört, die Mumien aus ihren Behältern gerissen, sie zum Theil zerstückelt hätten, nach Schätzen suchend, welche sie unglücklicher Weise manchmal wirklich fanden, wodurch nur immer mehr Verwüstungen im Reiche der Todten angestellt wurden. Durch die Bemühungen gelehrter Forscher sind mehrere wohlerhaltene Exemplare für die Cabinette archäologischer Merkwürdigkeiten gewonnen worden.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Balsamiren — Balsamiren, verb. reg. act. mit Balsam oder andern wohl riechenden Harzen bestreichen oder ausfüllen. Eine Leiche balsamiren. Handschuhe balsamiren. Daher die Balsamirung. Ehedem gebrauchte man dafür balsamen, welches Zachariä noch beybehalten… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Balsamiren — Balsamiren, einbalsamiren, Leichname durch verschiedene Mittel vor der Fäulniß bewahren; man wendet dabei Firnise an, mit welchen die Außenseite des Körpers überzogen wird, nachdem die Höhlungen desselben mit wohlriechenden Harzen und ähnlichen… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Balsamiren — Wenn man wohl balsamiret, so gewinnt der Handel einen guten Geruch. – Eiselein, 53 …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Einbalsamiren — Einbalsamiren, verb. reg. act. mit Balsam oder wohl riechenden Harzen inwendig ausfüllen, oder auch damit von außen umgeben; balsamiren. Eine Leiche einbalsamiren. So auch die Einbalsamirung …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Mumien — Mumien, siehe Balsamiren der Todten …   Damen Conversations Lexikon

  • Einbalsamiren — Einbalsamiren, s. Balsamiren …   Herders Conversations-Lexikon

  • einbalsamieren — Vsw std. exot. ass. (13. Jh., Form 17. Jh.) Hybridbildung. Verdeutlichung von älterem (mhd.) balsamiren. Gemeint ist die Haltbarmachung von Toten als Mumien (unter Verwendung von Balsam). In der modernen Sprache häufig übertragen verwendet (sich… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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