Bayard, Pierre du Terrail

Bayard, Pierre du Terrail, Herr von, der Ritter ohne Furcht und Tadel genannt, ein Held, angebetet von seinen Kriegern, geehrt von stolzen Königen, gefürchtet und doch bewundert von seinen Feinden, gleich groß als Krieger, wie als Mensch, stammte aus einer berühmten Familie, welche schon vor ihm reich an ausgezeichneten Kriegshelden war. Seine erste Waffenthat verrichtete er in der Schlacht von Verona. wo der 18 jährige Jüngling mit außerordentlicher Tapferkeit eine feindliche Fahne eroberte und zu den Füßen seines Königs, Karl's VIII., niederlegte. Sein Ruhm wurde schon in den ersten Jahren so laut, daß Ludwig Sforza ihm nicht nur Waffen und Roß zurückstellte, sondern auch die Freiheit gab, als er bei der Verfolgung der Feinde in Mailand gefangen wurde. In Apulien schlug er den Don Alonzo de Sotomayor, der ihm mit überlegener Macht entgegengerückt war, nahm ihn gefangen, behandelte ihn ritterlich-edel, forderte ihn aber, als dieser verrätherisch die Flucht genommen und seinen Sieger geschmäht, zum Zweikampf heraus und erlegte ihn. An der Brücke von Garigliano, wo er ganz allein dem verfolgenden Feinde sich entgegenstellte, rettete er das französische Heer vor Vernichtung. Als ihm ein Verräther seinen und Frankreichs erbittertsten Feind, Papst Julius 1J., ausliefern wollte, wies er diesen Antrag mit Verachtung von sich. In dem erstürmten Brescia, wo er verwundet wurde, schützte er Frau und Töchter eines entflohenen Edelmannes, seines Feindes, vor der Wildheit der Soldaten und schlug jede Belohnung aus. Bei Pavia schwer verwundet, mußte er nach Grenoble gehen, um dort das Krankenlager zu hüten. Hier entbrannte sein Herz in stürmischer Gluth zu einem schönen Mädchen. Die Noth und Unredlichkeit der Mutter, die Wohldienerei seiner Leute lieferte sie ihm für einen hohen Preis in die Arme. Schon wollte er den kostbaren Besitz im Rausche der Leidenschaft an seine Brust drücken, als ihm das Mädchen weinend zu Füßen sank, und ausrief: »Schonet mein, Herr und Gebieter! ich bin edlen Blutes, mißbraucht nicht unsre Noth!« Und er entsagte, errang den schönsten Sieg seines Lebens, gab die Tochter frei, schalt die Mutter ihrer Ehrvergessenheit wegen, steuerte jene glänzend aus und vermählte sie. – Der Krieg in Navarra erhöhte nur seinen Ruhm. Zum zweiten Male gefangen, wurde er ohne Lösegeld vom Kaiser Maximilian freigegeben. Nach der ruhmwürdigen Schlacht bei Marignan beugte König Franz I., hingerissen von Bewunderung und Verehrung, das Knie vor ihm und forderte den Ritterschlag von seiner Hand. Später rettete er Paris vor Karl's V. Heeresmacht. Als die französische Armee unter Bonnivet bei Rebod geschlagen worden war, deckte er den Rückzug; zum zweiten Male vertheidigte er eine Brücke mit Löwenmuth; eine Steinkugel streckte ihn zu Boden. »Setzt mich unter jenen Baum, sprach er, also daß mein Angesicht den Feind sehe!« Er küßte das Kreuz seines Schwertes, beichtete, tröstete seine Getreuen und starb vom Donner der Schlacht umbraust den 30. April 1524. Die Sieger sandten seinen Leichnam wohlbalsamirt dem trauernden Frankreich. Er ruht in der Kirche des Minoritenklosters bei Grenoble. Sein einfaches Brustbild und eine Inschrift ist sein einziges Denkmal. Als Krieger, Ritter und Mann bleibt er ein Muster für alle Zeiten. Man hat von Kotzebue ein Schauspiel der Ritter Bayard, würdiger verherrlicht hat den Helden aber Madame de Dufrenoy in ihrem Gedichte: La mort de Bayard, welches von der Akademie française gekrönt wurde.

–d–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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