Arnold Paucker

Arnold Paucker, OBE (* 6. Januar 1921 in Berlin) ist ein international renommierter jüdischer Historiker, Herausgeber und Wissenschaftsorganisator.

Hauptgegenstand seiner wissenschaftlichen Arbeit ist die jüdische Selbstverteidigung im Wilhelminischen Deutschland und in der Weimarer Republik sowie der jüdische Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur nach 1933. Ein wichtiges Anliegen ist ihm dabei die Widerlegung des Vorurteils einer angeblichen "jüdischen Passivität". Zu seinen - bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von der Forschung weitgehend ignorierten - speziellen Forschungsthemen gehört der "Abwehrkampf" des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C. V.) von 1890 bis 1933.

Leben

Arnold Paucker schloss sich schnell der jüdischen Jugendbewegung an und wanderte Ende 1936 nach Palästina aus und blieb dort bis 1940.

1941 bis 1947 leistete er freiwillig Dienst in der britischen Armee, 1953 bis 1959 studierte er Germanistik in Birmingham und Nottingham und promovierte dann in Heidelberg.

1960 wurde er zum Direktor des Londoner Leo Baeck Instituts (das sich der Erforschung der Geschichte der deutschen Juden widmet) berufen, dessen Leitung er bis zum Sommer 2001 innehatte. 1970-1992 war er auch verantwortlicher Herausgeber des Year Book of the Leo Baeck Institute. Heute ist er internationaler Vizepräsident des Leo Baeck Instituts.

Im Juni 1996 verlieh ihm die Universität Potsdam die Ehrendoktorwürde. 2011 wurde er mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet [1]

Werke (Auswahl)

  • mit Werner E. Mosse (Hrsg.): Entscheidungsjahr 1932. Zur Judenfrage in der Endphase der Weimarer Republik. Tübingen 1965.
  • Der jüdische Abwehrkampf gegen Antisemitismus und Nationalsozialismus in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Hamburg 1968
  • mit Werner E. Mosse (Hrsg.): Deutsches Judentum in Krieg und Revolution 1916–1923. Tübingen 1971.
  • mit Hans Liebeschütz (Hrsg.): Das Judentum in der deutschen Umwelt 1800–1850. Studien zur Frühgeschichte der Emanzipation. Tübingen 1977.
  • mit Werner E. Mosse (Hrsg.): Revolution and Evolution 1848 in German-Jewish history. Tübingen 1981.
  • (Hrsg.): Enlightenment and Acculturation. Persecution under the Nazi Regime. London 1984.
  • (Hrsg.): From Weimar to Hitler. Demography and Sociology. London 1985.
  • (Mithrsg.): Die Juden im nationalsozialistischen Deutschland / The Jews in Nazi Germany 1933–1945. Tübingen 1986.
  • (Hrsg.): Nineteenth-Century Antisemitism and Nazi Rule. London 1987.
  • (Hrsg.): Emancipation and Defence. London 1988.
  • Jüdischer Widerstand in Deutschland. Berlin 1989.
  • (Hrsg.): German Jewry: Integration – Self-Questioning – Catastrophe. Post-War Historiography. London 1990.
  • (Hrsg.): A Community assailed. London 1991.
  • mit Ludger Heid: Juden und deutsche Arbeiterbewegung bis 1933. Tübingen 1992.
  • (Hrsg.): Enlightenment and Emancipation Antisemitism, War and Resistance. London 1992.
  • Standhalten und Widerstehen. Der Widerstand deutscher und österreichischer Juden gegen die nationalsozialistische Diktatur. 1995.
  • (Mithrsg.): Resistance and Liberation, Assimilation and Self-Perception. London 1995.
  • Deutsche Juden im Kampf um Recht und Freiheit. Studien zur Abwehr, Selbstbehauptung und Widerstand der deutschen Juden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. 2003.
  • mit Hans Erler und Ernst Ludwig Ehrlich (Hrsg.): „Gegen alle Vergeblichkeit“. Jüdischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 2003.
  • Standhalten und Widerstehen, 2007

Einzelnachweise

  1. http://news.bbc.co.uk/2/shared/bsp/hi/pdfs/11_06_11overseasmilitarylist.pdf Royal Birthday honors

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