Arnold Schütz

Arnold „Pico“ Schütz (* 19. Januar 1935) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler, der als Aktiver des SV Werder Bremen 1961 den DFB-Pokal und in der zweiten Saison der Fußball-Bundesliga, 1964/65, die Deutsche Fußballmeisterschaft gewonnen hat.

Inhaltsverzeichnis

Laufbahn

Oberliga Nord, 1955 bis 1963

Im Stadtteil Walle aufgewachsen, entwickelte sich beim dortigen TuS Walle der Sohn des einstigen Bremer Auswahlspielers Heinrich Schütz bereits in der Jugend bei den Blau-Weißen, zu einem herausragenden Spieler. Im Jahr 1952 wurde der „Pico“ gerufene Spieler mit den Waller Junioren Bremer Stadtmeister und Pokalsieger. Nach dem Aufstieg 1954/55 in die Bremer Amateurliga wechselte er zur Runde 1955/56 zum norddeutschen Oberligisten SV Werder Bremen. Er erhielt anfangs eine monatliche Grundentschädigung von netto 120,00 DM und eine Leistungszulage von 10,00 DM pro Spiel.[1] Unter Trainer Fred Schulz absolvierte der in den Anfangsjahren seiner Werder-Laufbahn als durchsetzungs- und schussstarker Mittelstürmer agierende „Pico“ Schütz in seiner Debütrunde in der Oberliga alle 30 Rundenspiele und erzielte dabei 18 Tore. Er avancierte damit neben Willi Schröder auf Anhieb zum zweitbesten Werder-Torschützen. Tabellarisch ging es mit Werder nach dem Engagement des Altinternationalen Georg Knöpfle als Trainer ab der Runde 1958/59 deutlich aufwärts. Schütz und seine Mannschaftskameraden beendeten von 1959 bis 1963 fünf Mal die Oberligarunde im Norden auf der Vizemeisterposition hinter dem Serienmeister Hamburger SV. Insgesamt hat der auch im Mittelfeld (Außenläufer und Halbstürmer) und als Mittelläufer auflaufende Allrounder von 1955 bis 1963 in der Oberliga Nord 219 Spiele absolviert und 109 Tore erzielt. In den Endrunden um die Deutsche Fußballmeisterschaft hat Schütz in 21 Spielen 13 Tore für Werder in den Begegnungen gegen die Spitzenmannschaften aus dem Süden, Südwesten, Westen und Berlin von 1959 bis 1963 erzielt.

In der Oberligaära ragt der Erfolg in der Serie 1960/61 im DFB-Pokal heraus. Werder schaltete den 1. FC Saarbrücken, 1. FC Köln und den Karlsruher SC im Halbfinale aus und zog danach in das Finale am 13. September 1961 in Gelsenkirchen gegen den 1. FC Kaiserslautern ein. Mit der Abwehrformation Kokartis (Tor), Piontek, Nachtwey (Verteidiger) und der Läuferreihe mit Schimeczek, Schütz und Jagielski wurde die Offensive der Betzenberg-Elf in Schach gehalten und der Pokal mit einem 2:0 nach Bremen geholt. „Pico“ Schütz hatte zwar in der Oberligarunde 1960/61 mit 22 Treffern brilliert, füllte aber in der Serie 1961/62 durchwegs die Mittelläuferrolle aus. Als Pokalsieger nahm Schütz mit seinen Werder-Kollegen am Europacupwettbewerb der Pokalsieger 1961/62 teil und war in den vier Spielen gegen Aarhus GF und den späteren Cup-Sieger Atlético Madrid im Einsatz. Repräsentativ vertrat Schütz Norddeutschland in den Spielen gegen Süddeutschland (12. April 1959), Südwestdeutschland (19. März 1960), Westdeutschland (18. Dezember 1960) und während der Bundesligazeit am 30. September 1969 in Kiel gegen Jütland.

Insgesamt trug die Vereinslegende 826 Mal von 1955 bis 1972 das Trikot mit der Raute.

Bundesliga, 1963 bis 1972

In der ersten Runde der neu geschaffenen Fußball-Bundesliga, 1963/64, hatte Werder Bremen mit dem neuen Trainer Willi Multhaup den zehnten Rang belegt. Schütz hatte alle 30 Rundenspiele (16 Mannschaften) absolviert und zwölf Tore erzielt. Durch die geglückte Leistungszuführung mit den erstklassig passenden Neuzugängen Horst-Dieter Höttges, Klaus Matischak,Heinz Steinmann sowie Hans Schulz aus der eigenen Amateurelf, entwickelte sich Werder aber im zweiten Bundesligajahr 1964/65 überraschend zu einer Spitzenmannschaft. Nach der Hinrunde führte Bremen mit 20:10 Zählern - punktgleich mit Titelverteidiger 1. FC Köln - die Tabelle an. Mit 1860 München, dem 1. FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt folgten drei Konkurrenten mit jeweils 17:13 Punkten. Die Elf von Trainer Multhaup hatte in 15 Hinrundenspielen 17 Gegentore bekommen, die Kölner Meistermannschaft dagegen 27. Spielführer Schütz bewährte sich neben seiner Allrounderqualitäten als wuchtiger Distanzschütze - zehn Tore - und stellte sich für den Trainer als ordnungs- und richtungsgebende „Rechte Hand“ auf dem Platz dar. Da die Grün-Weißen in der Rückrunde mit 21:9 Punkten Konstanz beweisen konnten - nur eine Niederlage und sieben Unentschieden -, holte sich Bremen mit dem Torverhältnis von 54:29 Toren mit drei Punkten Vorsprung vor dem 1. FC Köln die Deutsche Meisterschaft 1965.

Im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 1966 in England missglückte Schütz und Kollegen mit dem Erreichen des vierten Ranges hinter 1860 München (Meister), Borussia Dortmund und Bayern München die Titelverteidigung. Persönlich brachte „Pico“ in 23 Ligaspielen mit 20 erzielten Toren dagegen eine weit überdurchschnittliche Quote für einen Mittelfeldspieler zustande. Beim 5:2 Erfolg am 2. April 1966 gegen Borussia Neunkirchen zeichnete er sich als vierfacher Torschütze aus. Im Europacup der Meister scheiterte er mit Werder am späteren Finalisten FK Partizan Belgrad. Schütz brachte Werder im Rückspiel im Weserstadion in der 33. Minute mit 1:0 in Führung, aber der überragende Partizan-Torhüter Milutin Šoškić verhinderte weitere Treffer. In der 82. Minute wurde Schütz des Feldes verwiesen. Mit Trainer Fritz Langner platzierte sich Werder 1967/68 nochmals an der Tabellenspitze, Bremen erreichte die Vizemeisterschaft. Der 33-jährige Routinier war dabei als Chef der Abwehr in 30 Spielen auf dem Platz und erzielte zwei Treffer. Mit aller Disziplin und der ihm eigenen Kampfkraft und vorbildlichen Einstellung konnte er in den nächsten Jahren das Absinken seines Vereines in der Tabelle nicht verhindern. Noch mit 36 Jahren hatte er in der Saison 1970/71 unter Trainer Robert Gebhardt alle 34 Ligaspiele bestritten. Als die Werder-Führung zur Runde 1971/72 mit den Neuzugängen Peter Dietrich, Herbert Laumen (beide Borussia Mönchengladbach), Willi Neuberger, Werner Weist (beide Borussia Dortmund), Jürgen Weber (Hertha BSC Berlin) und Carsten Baumann vom VfL Osnabrück sich auf dem Transfermarkt massiv bedient hatte und damit die Hoffnung auf sportlich bessere Zeiten verband, stand „Pico“ Schütz nochmals in 15 Spielen mit drei Toren für Werder auf dem Platz. Die Hoffnungen auf einen Rundenverlauf in der Spitzengruppe der Bundesliga konnten nicht verwirklicht werden, Werder landete in der letzten Runde des Mannes aus Walle auf dem 11. Rang und hatte massive Turbulenzen zu überstehen gehabt. Der überforderte Trainer Robert Gebhardt wurde am 26. September 1971 entlassen, der Pensionär Willi Multhaup überbrückte bis zum 24. Oktober ehe der Trainerneuling Josef Piontek das Amt bis zum 7. Mai 1972 ausübte und ab dem 8. Mai 1972 noch von Fritz Langner abgelöst wurde. Das letzte Bundesligaspiel absolvierte der spätere Ehrenspielführer am 3. Juni 1972 bei dem 2:2 Remis im Niederrheinstadion gegen Rot-Weiß Oberhausen.

Von 1963 bis 1972 wird „Pico“ Schütz in der Fußball-Bundesliga mit 253 Spielen und 69 Toren geführt. In den Anfangsjahren der Oberliga Nord zumeist als Mittelstürmer agierend, hatte er sich im Laufe der Zeit zu einem ungemein vielseitigen Allrounder entwickelt, der im Mittelfeld die Fäden zog, die Defensive als Mittelläufer oder Ausputzer dirigierte, zugleich Tore erzielte und darüber hinaus als Freistoß- und Elfmeterspezialist (19 verwandelte Elfmeter in der Bundesliga) galt. Der in Worpswede mit Ehefrau Ursel wohnhafte Ehrenspielführer übte während seiner gesamten aktiven Laufbahn als Fußballer im höchsten Leistungsbereich im Hafen als Schadensbesichtiger einer Versicherung einen zivilen Beruf aus.

Neben dem Platz

Der Ehrenspielführer von Werder Bremen feierte am 19. Januar 2010 im Rahmen eines vom Verein ausgerichteten Empfangs im Weserstadion seinen 75. Geburtstag. Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer hielt die Laudatio. Zuvor wurde Schütz im November 2006 im Klinikum Bremen-Mitte erfolgreich ein Kiefer-Tumor entfernt.

Einzelnachweise

  1. Vertrag zwischen dem SV Werder von 1899 e. V. und Arnold Schütz von Juli 1955 in: Hans-Otto Busche/Heinz Fricke, Das große Werderbuch, Fußball- Geschichte und Geschichten, Seite 91

Quellen

  • Knieriem/Grüne: Spielerlexikon 1890 bis 1963, Agon-Verlag, 2006, ISBN 3-89784-148-7
  • Kropp/Schweer: Deutschlands große Fußballmannschaften, Teil 6: Werder Bremen, Agon-Verlag, 1994, ISBN 3-928562-52-5
  • Weinrich/Grüne: Deutsche Pokalgeschichte, AGON, 2000, ISBN 3-89784-146-0
  • Matthias Weinrich: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs, Teil 1: Die Gründerjahre 1963-1975, AGON, 1998, ISBN 3-89784-132-0
  • Jens R. Prüß: Geschichte der Oberliga Nord, Klartext, 1991, ISBN 3-88474-463-1
  • Merk/Schulin: Bundesliga-Chronik 1964/65, AGON, 2004, ISBN 3-89784-084-7
  • Hans-Otto Busche/Heinz Fricke, Das große Werderbuch, Fußball- Geschichte und Geschichten(Hg. SV Werder Bremen), Seiten 89-92, ohne ISBN

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