Arnsfeld
Arnsfeld
Gemeinde Mildenau
Koordinaten: 50° 35′ N, 13° 7′ O50.57861111111113.116944444444550 - 650Koordinaten: 50° 34′ 43″ N, 13° 7′ 1″ O
Höhe: 550 - 650 m ü. NN
Fläche: ca. 11,9 km²dep1
Einwohner: 1.106 (30. Juni 2011)
Eingemeindung: 1. Jan. 1999
Postleitzahl: 09456
Vorwahl: 037343

Arnsfeld ist ein Ortsteil der Gemeinde Mildenau im Erzgebirgskreis. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1385.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Das Siedlungsgebiet erstreckt sich im oberen Erzgebirge in einer Höhe von 550 bis 650 NN. Die höchste Erhebung ist die Fuchshöhe mit 728 m Meereshöhe. Der Dorfbach, welcher am südlichen Ende des Kernsiedlungsgebietes in der "Rumedaneswies" sein ursprüngliches Quellgebiet hat, durchfließt den Ort in nördlicher Richtung und mündet dann am Ende in die "Rauschenbach". Am Laufe des Dorfbaches, der auch von zahlreichen Quellen aus den Hanglagen östlich und westlich davon gespeist wird, lagen in früheren Zeiten vor allem Mühlen und Schmieden, welche die Wasserkraft nutzten, um diese zum Antrieb für Mühlsteine und Blasebalge zu nutzen. Zu nennen wären die die Ölmühle beim "Ölschläger" - die Seltmann-, Richter-, Rau-, Weber und Niedere Mühle. Die nordöstlich gelegenen Gehöfte weisen eine starke Hanglage am Beginn der Hufe auf. Die eigentlichen Flurgrenzen werden von den Flüssen Rauschenbach im Westen und der Preßnitz im Osten in den benachbarten Erzgebirgstälern gebildet.

Nachbarorte

Niederschmiedeberg
Mildenau Nachbargemeinden Mittelschmiedeberg
Grumbach Oberschaar

Geschichte

Kirche in Arnsfeld

Arnsfeld wurde ca. 1200 von Bauern aus Franken gegründet und als klassisches Waldhufendorf angelegt. Es sind Bodenfunde von typisch mittelalterlicher Keramik, bekannt als „Blaugraue Ware“, gefunden im südlichen Ortsteil, im Archiv des Sächsischen Museums für Ur- u. Frühgeschichte dokumentiert und aufbewahrt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Arnsfeld am 11. August 1385. Hans von Waldenburg übereignete damals Dorf und Gut Arnsfeld an die Kirche zu Wolkenstein. Das Kirchspiel Arnsfeld umfasste in früheren Zeiten fast alle Nachbargemeinden, wie Jöhstadt, Grumbach, Satzung und Steinbach.

Arnsfeld blieb über die Jahrhunderte geprägt von seinen Bauern und der Landwirtschaft, anders als in den meisten Gegenden des Erzgebirges spielte der Bergbau keine bedeutende Rolle. 1662 wurde durch Christian Meyer das Hammerwerk Mittelschmiedeberg gegründet, das bis um 1860 in Betrieb war. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden in den Ortsteilen Sägewerke, Textilfabriken und Pappenfabriken. Ein anderer wichtiger Wirtschaftsfaktor dieser Zeit war das Klöppeln, das in Heimarbeit ausgeführt wurde. Beim alliierten Bombenangriff in der Nacht vom 14. zum 15. Februar 1945 wurden in Arnsfeld mehrere Gebäude zerstört und eine Person getötet. Während des Luftangriffes beschossen deutsche Jagdflugzeuge das alliierte Bombergeschwader. Ein getroffenes Flugzeug stürzte zwischen Arnsfeld und Grumbach ab. Die fünf kanadischen Besatzungsmitglieder wurden auf dem Arnsfelder Friedhof begraben. Drei Jahre nach dem Krieg, am 14. April 1948 wurden sie in Anwesenheit russischer und britischer Soldaten exhumiert und weggebracht.

Seit dem 1. Januar 1999 bildet Arnsfeld zusammen mit Mildenau eine Einheitsgemeinde.[1]

Bevölkerungsentwicklung

1852 bis 1925

  • 1852 − 1420
  • 1885 − 1760
  • 1895 − 1686
  • 1905 − 1527
  • 1925 − 1450

1946 bis 1991

  • 1946 − 1533
  • 1958 − 1511
  • 1965 − 1523
  • 1991 − 1442
  • 2011 − 1106[2]

Gedenkstätten

  • Gedenksäule am südlichen Ortsausgang, "Reiter ohne Kopf" - (Schwedenstein), soll an ein Ereignis im Dreißigjährigen Krieg erinnern.
  • Grabstätte auf dem Ortsfriedhof der drei deutschen Wehrmachtssoldaten Ernst Geißler, Franz von Vohla und Adolf Dinges, die als Deserteure im April 1945 von der Feldgendarmerie ermordet wurden.

Persönlichkeiten

  • Anna Marschall v. Bieberstein geb. Luther und Johann Friedrich Luther (gest. 1599, begraben in der Arnsfelder Kirche), beide Enkelkinder von Dr. Martin Luther, lebten in Oberschaar.
  • Julius Ludwig Weisbach (1806–1871), Mathematiker und Ingenieur, Begründer der neuen Markscheidekunst, erstes Ehrenmitglied des VDI, geboren in Mittelschmiedeberg
  • Hironymus Schein, Vater des Kirchenliedkomponisten Johann Hermann Schein, (kurzzeitig in Arnsfeld als Pfarrer tätig)
  • Ferdinand Anselm von Lindenau, Pfarrer und Verwandter des damaligen sächs. Ministerpräsidenten Bernhard von Lindenau

Literatur

  • Horst Carlowitz: Daheim und anderswo. Geschichten aus Arnsfeld. Herausgeber: Verein zur Entwicklung der Region Annaberger Land. e. V., Arnsfeld, 2003.
  • Renate Hannemann, Wilfried Gerbig: Familienbuch für die Kirchgemeinde Arnsfeld mit Grumbach, Satzung und Steinbach 1574 - 1693. Leipzig: Deutsche Zentralstelle für Genealogie 1995 (= Schriften der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig 3).
  • Karl Lorenz: Wos dr Karlieb-Karl erzöhlt. Geschichten aus Arnsfeld, 2 Bände. Arnsfeld o. J. (um 1995).
  • Bernd Schreiter: Aus der Geschichte von Arnsfeld. Hrsg. Kommunaler Arbeitskreis Dorferneuerung Arnsfeld, 2002.
  • Arnsfeld mit Oberschaar und Mittelschmiedeberg. Historisches Einwohnerverzeichnis aus der Zeit um 1910. Arnsfeld, 2005.
  • Festschrift zum Orts- u. Heimatfest 1956.
  • Heimatchronik zur Festwoche 625 Jahre Arnsfeld, 7.-15. August 2010.
  • Richard Steche: Arnsfeld. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 4. Heft: Amtshauptmannschaft Annaberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 53.

Einzelnachweise

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  2. Freie Presse, Lokalausgabe Annaberg, S. 10.

Weblinks

 Commons: Arnsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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