Arnulf Baumann
Arnulf Baumann vor dem Wappen der Bessarabiendeutschen

Arnulf Baumann (* 2. April 1932 in Klöstitz/Bessarabien, heute Wessela Dolyna/Ukraine) ist ein Geistlicher mit bessarabiendeutscher Herkunft.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Arnulf Baumann wurde als Kind von Immanuel Baumann und seiner Ehefrau Else, geb. Schulz, in Bessarabien geboren. Sein Vater war Pastor und wurde später als Oberpastor der oberste evangelische Geistliche der Bessarabiendeutschen. Seine Mutter hatte das Evangelisch-deutsche Mädchenlyzeum in Tarutino besucht. Er entstammt damit dem Milieu der in Bessarabien sehr dünnen Schicht des Bildungsbürgertums.

Sein Geburtsort ist die Siedlung Klöstitz in Bessarabien, das in dieser Zeit zu Rumänien gehörte. Sie wurde 1815 von deutschen Auswanderern gründet und hatte 1940 etwa 3.300 Bewohner. Nach der Umsiedlung der Bessarabiendeutschen 1940 kam er mit seinen Eltern in ein Umsiedlungslager in Deutschland und von dort 1941 in das von Deutschland eroberte Wartheland in Polen. Die Familie lebte im Pfarrhaus in Konin, wo der Vater als Ansiedlerpastor und Superintendent deutsche Umsiedler aus Bessarabien in ihrem neuen Ansiedlungsgebiet betreute. In Konin besuchte Arnulf Baumann das Gymnasium. Als im Januar 1945 die Ostfront in Folge eines sowjetischen Großangriffs zusammenbrach, flüchtete die Familie nach Deutschland und trennte sich vorübergehend. Das Abitur legte er nach dem Krieg in Alfeld in Niedersachsen ab. Danach studierte er Theologie sowie Geschichte in Erlangen, Tübingen, Heidelberg und Göttingen. In den USA studierte er ein Semester Theologie. In Kanada betreute Baumann 1956 und 1957 vier evangelische Gemeinden. Seine Ehefrau lernte er während seiner Tätigkeit für die Evangelische Akademie Loccum kennen. Zeitweise war er als wissenschaftlicher Assistent an der theologischen Fakultät in Münster tätig. Zwischen 1971 und 1976 war er Referent des Landesbischofs der Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. Von 1976 bis 1997 leitete er das Diakonische Werk in Wolfsburg. Dabei stand er zeitweise vier Alten- und Pflegeheimen, einem Altenerholungsheim und zwei Altenpflegeschulen mit 530 Mitarbeitern vor. In dieser Funktion engagierte er sich für die Spätaussiedlerbetreuung durch Integrationsarbeit.

Arnulf Baumann ist verheiratet und hat Kinder. Er lebt in Wolfsburg. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Friede über Israel und war Mitarbeiter der Evangelischen Zeitung Niedersachsen für Kircheneinrichtungen im Bereich Wolfsburg.

Bessarabiendeutsches Engagement

Erst in späteren Lebensjahren übernahm Arnulf Baumann intensiv ehrenamtliche Tätigkeiten für die Bessarabiendeutschen. Damit führt er das Wirken seines Vaters Immanuel Baumann nach dessen Tod 1974 fort, um das kulturelle Erbe der bessarabiendeutschen Bevölkerungsgruppe in Deutschland zu bewahren. Bereits seit 1968 ist Arnulf Baumann Herausgeber der Kirchlichen Nachrichten als Beilage des Mitteilungsblattes der Bessarabiendeutschen. 1977 wurde er Bundesvorsitzender des Hilfskomitees der Evangelisch-lutherischen Kirche aus Bessarabien. Seit 1999 ist er Mitherausgeber des jährlich erscheinenden Heimatkalenders der Bessarabiendeutschen. Seit der Gründung des Bessarabiendeutschen Vereins 2006 ist Baumann stellvertretender Vorsitzender.

Werke

  • Die Deutschen aus Bessarabien. Hrsg: Ev.-Luth. Kirche, Hannover 2000, ISBN 3-9807392-1-X
  • Was jeder vom Judentum wissen muß, Gütersloh, 1990, ISBN 3-579-00788-2
  • Luthers Erben und die Juden, Hannover, 1984, ISBN 3-7859-0497-5
  • Spätaussiedler in Wolfsburg: Herkunft - Integration - Perspektiven, Wolfsburg, 1990
  • Ausgegrenzt: Schicksalswege „nichtarischer“ Christen in der Hitlerzeit, Hannover, 1992

Auszeichnungen

Literatur

  • Mitteilungsblatt des Hilfskomitees der Evangelisch-lutherischen Kirche aus Bessarabien und der Landsmannschaft der Bessarabiendeutschen vom 18. März 1982 und vom 19. März 1992

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