Aron Baruch Dessauer

Alois Dessauer (geb. als Aron Baruch Dessauer, * 21. Februar 1763 in Gochsheim (Kraichtal); † 11. April 1850 in Aschaffenburg) war ein ehemals kurmainzischer Hofbankier und Militäradmodiator (Heereslieferant).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er wurde als Aron Baruch, Sohn des jüdischen Gemeindevorstehers Baruch Dessauer († 17. März 1772 Gochsheim/Baden) und Mindel Seligmann († 20. Februar 1795 Gochsheim/Baden), Tochter des Nathan Seligmann aus Gochsheim/Baden, geboren. Er kam 1792 nach Königshofen ob der Tauber und heiratete dort Behlasina (Belusina, Beile) David (* 25. Juni 1775 Königshofen † 11. Juni 1819 Aschaffenburg), Tochter des Joseph David († 1824), Bürger und Handelsmann in Königshofen, und der Henriette Sontheim. Sein Großvater war Jacob David, genannt „der Reiche“ († 1783), Bürger von Königshofen.

1798 kam der Handelmann und ehemals Churmainzische Hofbankier und Militäradmotiator mit seiner Familie nach Aschaffenburg. Dessauer wurden beste Beziehungen zum Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg nachgesagt; dennoch begann der soziale Aufstieg erst nach seiner Taufe im Jahre 1805. Am 23. August 1805 wurden Aron Baruch, seine Frau Behlasina und die 3 Kinder in der Pfarrkirche St. Agatha in Aschaffenburg getauft. Bei der Annahme eines Taufnamens wurde häufig der Anfangsbuchstabe beibehalten, so wurde aus Aron: Alois, seine Ehefrau erhielt den Namen Anna Elisabeth und die Kinder erhielten die Namen Joseph, Georg und Karl Friedrich. Das vierte Kind Franz Johann wurde bereits bei der Geburt katholisch getauft.

Am 5. September 1805 entrichtete er 15 Gulden und 34 Kreuzer Bürgereinzugsgeld und erhielt noch am selben Tag die Bürgerannahme der Stadt Aschaffenburg. Dessauer wurde nun in den verschiedensten Branchen aktiv, so z.B. als Papierhändler, Steintafel- und Feintuschefabrikant und gründete 1810 die Aschaffenburger Buntpapierfabrik. Er genoss in der Bürgerschaft hohes Ansehen und wurde 1805 bereits Ehrenmitglied der Schützengesellschaft und 1826 Magistratsrat.

Seine Söhne erlangten, teils in Aschaffenburg, teils in München größere Bedeutung als ihr Vater:

Joseph Dessauer

(* 21. November 1793 Königshofen ob der Tauber, † 27. Juli 1853 Aschaffenburg)

Er war in der väterlichen Fabrik tätig, heiratete am 5. März 1821 in Frankfurt am Main (Dompfarrei) Rosina (Rosa) Clara Guillelmine Feldmann (* 4. April 1802 Eupen, † 13. März 1886 Aschaffenburg), Tochter des Friedrich Karl Joseph Feldmann und der Maria Katharina Juliana Verken.

Aus der Ehe gingen 3 Kinder hervor:

  • Elisabeth Juliane Katharina Dessauer (* 21. Juni 1822 Aschaffenburg, † 8. September 1879 Aschaffenburg) heiratete am 21. März 1840 in Aschaffenburg Friedrich Joseph Ernst (* 2. Februar 1813 Aschaffenburg, † 15. Januar 1876 Aschaffenburg), Sohn des Jakob Ernst und der Theresia Pennerich. Friedrich Joseph Ernst und sein Schwager Alois Joseph Dessauer waren ab 1853 Inhaber der Alois Dessauer'schen Buntpapierfabrik, später Buntpapierfabrik AG in Aschaffenburg.
  • Alois Joseph Dessauer (* 19. April 1824 Aschaffenburg, † 4. April 1892 Aschaffenburg)
  • Franz Friedrich Karl Dessauer (* 6. Januar 1827 Aschaffenburg, † 22. Oktober 1827 Aschaffenburg)

Joseph Dessauer wurde am 9. August 1826 als Bürger und Handelsmann in Aschaffenburg angenommen. Am 22. März 1849 wurde er zum Major und Kommandanten des Landwehr-Bataillons Goldbach befördert.

Georg von Dessauer

(* 19. September 1795 Königshofen ob der Tauber, † 8. Januar 1870 Kochel)

Als Nathan geboren wurde er später Jurist. Als „wirklicher Hofrat“ und Rechtsanwalt in München erhob ihn König Ludwig I. von Bayern am 31. März 1837 in den erblichen Adelsstand. Am 21. September 1823 heiratete er in Schwennigen (bei Blindheim Krs.Dillingen) Ludovika (Luise) Theresia Eleonora Katharina von Linder (* 3/4. November 1805 Straubing, † 3. September 1892 Kochel) Tochter des Kgl.Bayer.Appellationsgerichtsrats Franz Xaver von Linder, Gutsbesitzer in Schwenningen und der Eleonora Knorr, (1787-1866) aus Dachau. Aus dieser Ehe gingen 11 Kinder hervor.

Karl Friedrich Dessauer

(* 18. September 1799 Aschaffenburg, † 23. Juni 1845 München)

Er spielte eine bedeutsame Rolle in der Firmengeschichte der Aschaffenburger Buntpapierfabrk und war Mitglied der Handelskammer für Unterfranken und Aschaffenburg. Am 20. September 1824 heiratete er in Vaals (Niederlande) Amalie Katharina (Carolina) Theresia Feldmann (* 15. August 1803 Eupen, † 14. Januar 1879 Aschaffenburg), Tochter des Friedrich Karl Joseph Feldmann und der Maria Katharina Julie Vercken. Aus dieser Ehe gingen 6 Kinder hervor.

Franz Johann Dessauer

(* 17. Juni 1805 Aschaffenburg, † 26. Oktober 1872 Wien)

Gleich am Tage seiner Geburt wurde der jüngste Sohn in der Pfarrkirche St. Agatha katholisch getauft. Am 19. Oktober 1829 bat er als Handlungscommis um die Zulassung zur Prüfung zum Handelsmann, der am 26. Oktober 1829 als dieser und Bürger in Aschaffenburg angenommen wurde. Er heiratete am 25. November 1829 Alberta (Berta) Katharina Theresia Molitor (* 5. April 1810 Aufenau, † 10.05.1888 Aschaffenburg), Tochter des Kreis- und Stadtgerichtsrats Dr. Cosmas Damian Hatardus Molitor (1785-1852) und der Elisabeth (Lisette) Franziska Katharina Merz (1786-1856), die ihm 13 Kinder gebar.

Er schied 1850 aus der „Alois Dessauer'schen Buntpapierfabrik“ aus und gründete 1851 die „Franz Dessauer'sche Buntpapierfabrik“, die spätere Buntpapierfabrik A.G. Aschaffenburg. Er war auch als kgl. spanischer und portugiesischer Konsul tätig und betrieb eine "Generalagentur für Auswanderer nach Amerika" (über Le Havre).

Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab auf dem Aschaffenburger Altstadtfriedhof.

Der Sohn Philipp Dessauer (4. Kind) trat in die Fußstapfen seines Vaters.

Ein Enkel von Franz Dessauer war der am 19. Juli 1881 in Aschaffenburg geborene Biophysiker und Ingenieur Professor Dr. Friedrich Dessauer. Er war nicht nur ein führender Röntgenpionier, sondern auch Reichstagsabgeordneter (1924-1933) und Ehrenbürger der Stadt Aschaffenburg. Die ehemalige Oberrealschule trägt heute seinen Namen (FDG – Friedrich Dessauer Gymnasium).

Literatur

  • Albert Haemmerle: Stammtafel der Familie Dessauer aus Aschaffenburg. Als Manuskript gedruckt. A. Haemmerle, München 1962

Weblinks

Siehe auch


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