Arrangement (Musik)

In der Musik versteht man unter einem Arrangement die Umsetzung eines gegebenen Musikstücks in eine bestimmte Ausführungsgestalt, insbesondere seine Orchestrierung. Die Umsetzung kann in schriftlicher Form, aber auch in mündlicher Absprache erfolgen.

Inhaltsverzeichnis

Musikpraxis

Damit ist nicht die Instrumentation an sich gemeint, sondern viel mehr die individuelle, künstlerische Art und Prägung der Aufführung durch die jeweiligen Interpreten. Diese Art der Aufführung kann verschiedene Schwerpunkte haben, zum Beispiel hat das Arrangement einer Bigband des Swing Wert zu legen auf eine rhythmisch treibende Ausführung, während andere Ausführungen mehr Wert auf die melodiös klangliche Ausgestaltung, z. B. Filmmusik, legen. Weiter liegt in der heutigen Musikindustrie ein rein praktisches Problem der Produktion zugrunde. Kompositionen liegen meist in so genannter Leadsheetform vor, bestehen also nur aus Melodie und Kürzeln für das Harmonieschema. Dieses muss dann den Gegebenheiten der Aufführung angepasst werden, z. B. Aufführung am Broadway, mit einer Bigband oder einem Symphonieorchester und ist also abhängig von Größe des Orchesters, den beteiligten Musikinstrumenten und dem Zweck der Aufführung, ob es als Theaterorchester (Broadway), Tanzkapelle, Umzugskapelle oder klassisches Orchester zur Unterstützung anderer Musikgattungen (z. B. Rock/Pop) auftritt. Teilweise entscheidet sogar das Arrangement darüber, ob eine Komposition ein Erfolg wird oder nicht. Davon zeugen die Geschichten vieler berühmter Arrangeure.

Die größte Bedeutung kommt dem Arrangement in der nicht-orchestralen Musik seit dem 20. Jahrhundert zu. In der späten Renaissance- und der Barockmusik lag schon eine Kürzelschreibweise, wie heute die Leadsheets, vor: Der Generalbass oder basso continuo. So musste z. B. der Cembalist bei Vivaldi diese Kürzel improvisierend spontan ausspielen und sie wurden erst heute nachträglich explizit in Noten ausgesetzt, wobei natürlich der Improvisationscharakter verlorenging. Während in der „Klassischen Musik“ die Kunstmusik Note für Note auskomponiert und vom Komponisten instrumentiert wurde – abgesehen z. B. von den Überleitungsteilen Kadenzen –, räumen andere Musikstile der freieren Ausführung oder der Improvisation größeren Platz ein. Im Ausgang der Klassik legten die Komponisten (z. B. Richard Strauss noch in den 1940ern) großen Wert auf weitestgehende Kontrolle über ihre Musikstücke, da sie komplizierte Strukturen einbauten, z. B. für die Klangfarbe Bitonalität. Heute kann allerdings das gleiche Niveau von Kontrolle und Ausgestaltung (z. B. Thad Jones) erreicht, einschließlich der dennoch freien Improvisationselemente, und sogar in der Ausgestaltung der Rhythmik übertroffen werden.

Viele im 20. Jahrhundert entstandene Musikstücke – etwa im Blues, Jazz oder Pop, in der Volksmusik und allen davon abgeleiteten Gattungen – geben den ausführenden Musikern oder Sängern größere Freiheit in der Interpretation eines Stückes. Sie erstreckt sich nicht nur auf den Ausdruck, sondern schließt auch notations-technisch relevante Aspekte ein. Stücke aus diesen Bereichen sind oft nur in Melodielinie und Harmoniefolge vorgegeben. Aufgabe des Arrangeurs ist es, aus diesen wenigen Vorgaben ein Arrangement zu machen, in dem die Musiker genauere Angaben oder Ausführungsmöglichkeiten erhalten. Dies kann durch die Erstellung einer Partitur geschehen, durch mündliche Absprachen mit den Musikern oder manchmal auch durch Audiobeispiele.

Im Jazz, vor allem im Bereich der Big Band, spricht man von Live-Arrangement, wenn die Verteilung der Aufgaben unter den Mitspielenden erst kurz vor oder sogar erst während der Aufführung mündlich oder auf Zeichen erfolgt. Dazu muss vor allem das Hauptthema und die Harmoniefolge allen Musikern bekannt sein. Die Tutti-Abschnitte sowie zusätzliche gewünschte Effekte muss der Bandleader vorab erläutern oder einstudieren, sie liegen (seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts) deshalb als Partitur vor, die Solo-Teile können dann von einzelnen Musikern improvisierend gestaltet werden, wobei in besseren Arrangements auch diesen Teilen jeweils durchgeführte Partituren zugrundeliegen, die im Verlauf eine thematisch rhythmische Entwicklung aufweisen und die Veränderung von Solist zu Solist in die Gesamtentwicklung des Stück musikalisch einbauen.

Ein anderer Fall liegt vor, wenn ein Stück umarrangiert wird, wenn also von einem bestimmten Arrangement ausgegangen wird, um daraus ein anderes – etwa für eine andere Besetzung – zu gestalten. Für diesen Vorgang ist, speziell im Bereich der klassischen Musik, auch der Begriff Transkription üblich. Eine mögliche Vorgangsweise sei am Beispiel eines Bläserquartetts angedeutet, für das die ursprüngliche Komposition zwei Trompeten, eine Posaune und eine Tuba vorgesehen hat. Das Ensemble, das dieses Stück spielen möchte, hat allerdings nur eine Trompete und keine Tuba. Stattdessen hätte es außer der Trompete noch zwei Posaunen und ein Horn zur Verfügung. In einem neuen Arrangement werden nun die Stimmen neu verteilt und gegebenenfalls umgeschrieben.

Formen

  • Headarrangement, auswendig gespielt
  • Alternative Harmonisierung (Substitution, Reharmonisierung) eines Originals
  • Auskomponierte Stimmen, Partitur für:
    • die Themadarstellung
    • Begleitung improvisierender Solisten, auch verschiedene Varianten (z. B. für Basssolo, tief und leise und Trompetensolo, hoch und laut)
    • Beliebig gewichtete Vor-, Zwischen- und Nachspiele[1]

Literatur

  • Peter Kellert, Markus Fritsch: Arrangieren und Produzieren. Leu Verlag, ISBN 3-928825-22-4.
  • Ulrich Kaiser, Carsten Gerlitz: Arrangieren und Instrumentieren, Barock bis Pop. Kassel 2005, ISBN 3-7618-1662-6.
  • George T. Simon: Die Goldene Ära der Bigbands. hannibal Verlag, ISBN 3-85445-243-8.
  • David Baker: Arranging & Composing, For the Small Ensemble: Jazz, R&B, Jazz-Rock. alfred, komplette Anleitung von der Melodie über Harmonisierung bis hin zur sechsstimmigen Partitur.
  • Paul Wiebe: Bläser arrangieren. Wizoobooks Verlag 12/2007, ISBN 978-3-934903-61-6.
  • Achim Brochhausen: Arrangement Pop/Jazz/Rock. audio-workshop Fachskript, Leseprobe, keine ISBN.
  • Paul Wiebe, Streicher arrangieren, Wizoobooks Verlag 02/2009, ISBN 978-3-934903-70-8 - Wege zum perfekten Orchestersatz am Computer.

Quellen

  1. Martin Kunzler: Jazzlexikon. Rowohlt, ISBN 3-499-16316-0.

Siehe auch


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