Neue Rechtschreibung

Dieser Artikel stellt die Neuerungen dar, die sich durch die Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 ergeben haben, einschließlich der Nachänderungen von 2004 und 2006. Es gibt einen separaten Artikel über die Auseinandersetzungen um die Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996.

In der Literatur und in der öffentlichen Diskussion wird weitgehend die Bezeichnung „neue deutsche Rechtschreibung“ verwendet, mitunter „reformierte Rechtschreibung“ oder „Reformschreibung“.

Die bis 1996 gültige Regelung wird im nachfolgenden Text auch „traditionelle (deutsche) Rechtschreibung“ genannt.

Inhaltsverzeichnis

Änderungen nach 1996

Im Jahre 2004 wurden einige Regeln modifiziert und weitere Schreibweisen als Varianten zugelassen. Im Jahre 2006 kam es zu umfangreicheren Änderungen am Regelwerk. Hierbei wurden auch erstmals weitere Schreibweisen für ungültig erklärt. Letztere sind heute in Schule und Behördenverkehr ebenso überholt wie diejenigen, die schon seit 1998 nicht mehr gelten.

Änderungen der Rechtschreibung im Jahr 2004 gegenüber 1996

Durch die Neufassung der amtlichen Regelung im Jahre 2004 wurde noch keine der 1996 neu eingeführten Schreibweisen widerrufen, es wurden ihnen jedoch weitere Varianten hinzugefügt.

  • Zusätzlich zu Leid tun wurde als neue Variante leidtun eingeführt.
  • Bei festen Verbindungen aus Präposition und nicht dekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel wurde zusätzlich zur Kleinschreibung auch die Großschreibung zugelassen: von neuem/Neuem, bei weitem/Weitem, bis auf weiteres/Weiteres, seit längerem/Längerem, binnen kurzem/Kurzem.
  • Bei bestimmten Verbindungen mit Partizip wurden auch die zusammengeschriebenen Positivformen wieder zugelassen: z. B. neben Zeit sparend auch wieder zeitsparend (entsprechend zum Komparativ zeitsparender und zum Superlativ am zeitsparendsten).

Änderungen der Rechtschreibung im Jahr 2006 gegenüber 2004

Am 2. März 2006 hat die Kultusministerkonferenz (KMK) die vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagenen Änderungen übernommen, die ab dem 1. August 2006 gelten und mit dem 1. August 2007 verbindlich wurden. Dem Schreiber ist jetzt noch mehr als bisher freigestellt, sich für die eine oder andere Schreibweise zu entscheiden. Einige Änderungen sind jedoch verbindlich, das heißt, ältere Reformvarianten gelten als falsch. Diese Fälle sind in der nachfolgenden Darstellung durch ein schwarzes, ausgefülltes Quadrat (■) gekennzeichnet.[1]

Getrennt- und Zusammenschreibung

Verben
  1. ■ Verbpartikel, die unfeste Zusammensetzungen bilden, sind nicht mehr nur die Präpositionen und eine eng vorgeschriebene Anzahl von Adverbien, sondern praktisch alle Adverbien, soweit sie den Hauptton tragen. Also jetzt auch ... beisammenbleiben ... Trägt das Verb die Betonung, schreibt man auseinander: zusammen tanzen, nacheinander gehen, voneinander lernen ...
  2. Verb + Verb: Bei Verbindungen aus zwei Verben mit bleiben und lassen als zweitem Bestandteil ist bei übertragener Bedeutung gemäß § 34 E7 wieder Zusammenschreibung möglich, also liegenbleiben, sitzenbleiben, stehenlassen …. Dasselbe gilt für kennenlernen.
  3. Substantiv + Verb: Zusammenschreibung als Zusammensetzung oder Getrenntschreibung als Wortgruppe ist jetzt außer bei danksagen/Dank sagen und gewährleisten/Gewähr leisten auch möglich bei achtgeben/Acht geben, achthaben/Acht haben, haltmachen/Halt machen, maßhalten/Maß halten sowie in Fällen wie marathonlaufen/Marathon laufen, staubsaugen/Staub saugen.
  4. ■ verblasstes Substantiv + Verb: Die Verben eislaufen, kopfstehen, leidtun und nottun werden nur noch als Zusammensetzungen behandelt (hier ist auch die Groß- und Kleinschreibung betroffen): Es tut mir leid. – Seefahrt tut not. …
  5. Adjektiv + Verb: Stellt ein einfaches Adjektiv das Ergebnis des Vorgangs dar, kann getrennt oder zusammengeschrieben werden: fern bleiben/fernbleiben, näher kommen/näherkommen, voll laden/vollladen, warm halten/warmhalten …; bei neuer Bedeutung nur zusammen: kurzarbeiten, richtigstellen, schwerfallen …
    An die Stelle der Regelungen mit steigerbarem Adjektiv oder Adjektiven mit den Suffixen -ig, -isch, -lich ist die Formulierung „Verbindungen mit morphologisch komplexen oder erweiterten Adjektiven“ getreten.

Adjektive
  1. unflektiertes Adjektiv + Adjektiv: Bei abstufender Bedeutung des 1. Adjektivs ist Getrennt- oder Zusammenschreibung möglich: früh reif/frühreif, leicht verdaulich/leichtverdaulich, schwer erziehbar/schwererziehbar …
  2. adjektivisch gebrauchte Partizipien: Getrennt- oder Zusammenschreibung ist wie seit 2004 möglich: allgemein bildend/allgemeinbildend, Hilfe suchend/hilfesuchend; klein kariert/ kleinkariert, selbst vermarktend/selbstvermarktend …

Groß- und Kleinschreibung

Desubstantivierungen
  1. verblasste Substantive + sein/bleiben/werden: Zu angst, bange … sind neu feind, freund, klasse, spitze und unrecht getreten: Ich bin ihm feind. – Das bleibt unrecht. …
  2. recht/Recht und unrecht/Unrecht + behalten, bekommen, geben, haben, tun: Groß- wie Kleinschreibung ist gestattet: Ich habe völlig recht/(Recht), Wir geben dir recht/Recht. Du tust mir unrecht/Unrecht. …
  3. Präposition + dekliniertes Adjektiv (ohne Artikel): Hier sind wie seit 2004 beide Schreibweisen korrekt: bis auf weiteres/Weiteres, seit kurzem/Kurzem …
  4. Präposition + undekliniertes Adjektiv (ohne Artikel): wie bisher Kleinschreibung, jetzt auch wieder bei zu eigen machen
  5. Adjektiv + Substantiv in fester Verbindung, (die keine Eigennamen sind): Generell gilt Kleinschreibung: das autogene Training, das neue Jahr, die grüne Witwe …
    Bei übertragener Bedeutung ist auch Großschreibung gestattet: der Blaue Brief, das Schwarze Brett – aber nur zur besonderen Hervorhebung.
    Lediglich Fachsprachen können andere Festlegungen treffen, etwa die Rote Karte, der Goldene Schnitt, die Kleine Anfrage, die Erste Hilfe.

Anredepronomen

Die Forderung der Reform von 1996, die zur Anrede verwendeten Pronomen der zweiten Person generell nur noch kleinzuschreiben, wurde 2006 insofern zurückgenommen, dass Pronomina, die auch grammatisch 2. Person sind, also du, ihr und ihre Ableitungen, jetzt in Briefen wahlweise groß- oder kleingeschrieben werden dürfen. In allen öffentlichen Verlautbarungen ist wie seit 1996 weiterhin Kleinschreibung vorgeschrieben.

Worttrennung

  1. ■ Einzelne Vokalbuchstaben werden am Wortanfang nicht abgetrennt und auch nicht in der Wortfuge bei Zusammensetzungen (wie bisher immer schon am Wortende, z. B. nicht [Treu-e]): also nicht mehr [a-ber], [O-fen], [Sonna-bend], [Ge-ografie] …'
  2. An der Trennung unmittelbar hinter Präfixen, die von den Wörterbuchverlagen bei Fremdwörtern vielfach nicht nachvollzogen wurden, wird festgehalten, also nur In-stanz, Kon-struktion, Pro-blem …

Zeichensetzung

Änderungen bei der Reihung von Sätzen mit und, oder, etc.

■ Nebensätze gleichen Grades dürfen nicht mehr durch ein Komma getrennt werden: Ich gehe davon aus, dass er Besorgungen macht und dass er bald zurückkommt. – Er hat nichts gesagt, weder dass er zahlungsunfähig ist noch dass er Hilfe braucht. …

Änderungen bei Abhängigkeit von einem Korrelat oder Verweiswort

■ Infinitiv-, Partizip-, Adjektiv- oder entsprechende andere Wortgruppen werden durch ein Komma abgegrenzt, wenn sie von einem Korrelat oder Verweiswort abhängen: Auf diese Weise, jede Adresse überprüfend, fanden wir ihn schließlich. – Nur so, verbittert und im Rollstuhl, ist mir mein Onkel in Erinnerung geblieben. – Mit dem Rucksack bepackt, so standen wir vor der Tür. …

Änderungen bei syntaktischer Sonderstellung

■ Infinitiv-, Partizip-, Adjektiv- oder entsprechende andere Wortgruppen werden durch ein Komma abgegrenzt, wenn sie als einem Substantiv oder Pronomen nachgetragene Zusätze anzusehen sind und damit aus der üblichen Satzstruktur herausfallen: Er, lauthals lachend, kam auf mich zu. Die Klasse, zum Ausflug bereit, war auf dem Schulhof versammelt. Cora, außer sich vor Freude, fiel Peter um den Hals. Er kam auf mich zu, lauthals lachend. Die Klasse war auf dem Schulhof versammelt, zum Ausflug bereit. Cora fiel Peter um den Hals, außer sich vor Freude. …

Änderungen beim Infinitiv mit zu
  1. ■ Infinitive mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als zu müssen wieder mit Komma abgetrennt werden: Er ging hinaus, um zu rauchen. – Anstatt zu helfen, beschimpfte er seine Freunde. – Ihnen blieb nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. …
  2. ■ Infinitive, die von einem Substantiv abhängen, also attributiv gebraucht werden, müssen wieder mit Komma (ggf. paarig) abgetrennt werden: Sein Vorschlag, auf den Ausflug zu verzichten, stieß auf wenig Gegenliebe. – Bei diesem Wetter macht es keinen Spaß, spazieren zu gehen. …
  3. ■ Infinitive, die von einem Verweiswort abhängen, müssen mit Komma (ggf. paarig) abgetrennt werden: Anita zieht es vor, lange auszuschlafen. – Regina hatte nicht damit gerechnet, doch noch ans Ziel zu kommen, und strahlte über das ganze Gesicht. …
  4. Bloße Infinitive, die von einem Substantiv bzw. einem Korrelat oder Verweiswort abhängen, erfordern kein Komma: Ich habe keine Lust(,) zu gehen. – Ich denke nicht daran(,) zu gehen. – Den Plan(,) abzureisen(,) hatte sie schon lange gefasst. …

Erweiterung des Geltungsbereichs

Als Varianten zu nach Hause und zu Hause waren bisher für die Schweiz und für Österreich auch nachhause und zuhause zugelassen. Seit 2006 gelten diese Varianten auch in den anderen an der Reform beteiligten Ländern.

Länderabhängige Sonderregelung

Für Österreich wurde zusätzlich zu der Schreibweise Spaß auch die Variante Spass zugelassen.

Derzeit gültige Fassung von 2006

Die Neuregelungen in der Fassung von 2004 gegenüber der vor 1996 üblichen Rechtschreibung gliedern sich in folgende Bereiche:

  • die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben (hierunter fallen auch die Regeln zur Schreibung von Fremdwörtern);
  • Groß- und Kleinschreibung;
  • Getrennt- und Zusammenschreibung;
  • Schreibung mit Bindestrich;
  • Zeichensetzung;
  • Worttrennung am Zeilenende (die auch nach der Neuregelung nicht unbedingt eine Silbentrennung entsprechend Sprechsilben ist, aber dieses Prinzip noch mehr betont).

Von der Kultusministerkonferenz in Deutschland wurden als unstrittig betrachtet:

  • die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben (hierunter fallen auch die Regeln zur Schreibung von Fremdwörtern);
  • Groß- und Kleinschreibung;

Diese Schreibweisen sind seit dem 1. August 2005 für die deutschen Schulen verbindlich.

Als strittig galten zunächst

  • Getrennt- und Zusammenschreibung;
  • Zeichensetzung;
  • Worttrennung am Zeilenende.

Zu diesen Punkten erarbeitete der aus Vertretern von sechs deutschsprachigen Ländern bestehende Rat für deutsche Rechtschreibung, in Nachfolge zur Kommission aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung), Änderungsvorschläge.

Laute und Buchstaben

Straßennamensschild mit Dreifachkonsonant und Heysescher s-Schreibung (statt früherem ßs) in Aachen
Schild mit Dreifachkonsonant

Die Reform versucht, die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben zu systematisieren und das Stammprinzip zu stärken.

Schreibung von ss und ß

In reformierter Rechtschreibung wird die heysesche s-Schreibung verwendet, während in traditioneller Rechtschreibung die adelungsche s-Schreibung verwendet wird. Nach der reformierten Schreibung steht ß nur noch nach einem langen Vokal und nach einem Diphthong: das Maß – des Maßes; außen; gießen – er gießt. Nach einem kurzen betonten Vokal steht ss nicht mehr nur, wenn ein weiterer Vokal folgt, sondern auch vor Konsonanten und am Silbenende, wo in traditioneller Schreibung ein ß steht (Fluss, muss, nass, passt, Riss, wässrig). Damit wurde die Darstellung des stimmlosen [s]-Lautes der Verwendung von Einfach- und Doppelkonsonanten bei der Schreibung anderer Laute angenähert:

Bass – Bässe – Basston Fall – Fälle – Falltor
Maß – Maße – maßvoll Rat – Räte – ratsam

Einfaches s wurde abgesehen von Ausnahmen beibehalten, also auch in der Nachsilbe -nis, beispielsweise Ergebnis. Damit ist ß aus einer typographischen Variante (Ligatur) für eng zusammengehörendes, untrennbares ss zu einem Buchstaben mit eigenständiger Funktion geworden, auch wenn er im Gegensatz zu anderen Konsonantenbuchstaben nicht verdoppelt werden kann, sondern stattdessen ss geschrieben wird.

Wie auch in traditioneller Rechtschreibung wird ß durch ss ersetzt, wenn es im Zeichensatz nicht vorhanden ist, oder das ganze Wort in Großbuchstaben (Majuskeln, Versalien, Blockschrift) geschrieben ist. In der Schweiz wird ß nach wie vor nicht verwendet, stattdessen immer ss geschrieben.[2]

Die schon länger nicht mehr übliche Umschreibung mit SZ sieht die reformierte Schreibung nicht vor. Zur Unterscheidung in Zweifelsfällen (vgl. etwa MASSE - MASZE) bürgert sich stattdessen zunehmend die ß-Majuskel ein.

Dreifachkonsonanten und Dreifachvokale

Wo bei zusammengesetzten Wörtern drei gleiche Vokale zusammenfallen, gibt es nach der alten Rechtschreibung unterschiedliche Regeln für Substantive und kleingeschriebene Wörter: Substantive werden dann mit Bindestrich geschrieben, wie in See-Elefant, während kleingeschriebene Wörter wie Adjektive und Partizipien zusammenzuschreiben sind, also mit Dreifachvokal, etwa seeerfahren.

Nach der reformierten Rechtschreibung sind Substantive genauso mit Dreifachvokal zusammenzuschreiben wie kleingeschriebene Wörter, also Seeelefant wie seeerfahren.

Dreifachkonsonanten stehen nach der alten Rechtschreibung nur dort, wo der folgende Bestandteil eines zusammengesetzten Wortes mit einer Konsonantenkombination beginnt: Sauerstoffflasche, Werkstatttreppe. Beginnt der folgende Wortbestandteil mit nur einem Konsonanten, der dem vorangehenden Doppelkonsonanten gleicht, so wird in der Zusammensetzung einer der drei gleichen Konsonanten weggelassen.

In der reformierten Schreibung bleiben immer alle drei Konsonanten erhalten, so dass Dreifachkonsonanten jetzt recht häufig auftreten, beispielsweise in Schifffahrt, Schritttempo, wettturnen, Flusssenke. Ausgenommen sind nur die Wörter Mittag und dennoch, da sie nach Ansicht der Reformer nicht mehr als zusammengesetzt empfunden werden. Im ebenfalls als Ausnahme angeführten Wort Drittel gibt es dagegen keine Gelegenheit für einen Dreifachkonsonanten, da hier an den Stamm der Ordinalzahl nur die Endung -el angehängt wird: Dritt-el, genauso wie Viert-el, Fünft-el, Hundertst-el.

Zur Erleichterung des Lesens kann man freier als in traditioneller Schreibung den Bindestrich setzen: Sauerstoff-Flasche.

Neue Doppelkonsonanten

Einige Einfachkonsonanten nach kurzem Vokal wurden durch Doppelkonsonanten ersetzt:

  • In Wörtern, wo sie bisher erst bei Anhängen eines Suffixes verdoppelt wurden: Ass (wegen: des Asses, die Asse, Karamell (wegen: Karamelle), Mopp (wegen: moppen), Tipp (wegen: tippen)
  • In einigen Wörtern, für die sich Ableitungsbeziehungen herstellen lassen: Messner (reformiert zu: Messe, neben der traditionellen Form Mesner), nummerieren (zu: Nummer), Stepp[decke] (zu: steppen); Tollpatsch (zu: toll). Entsprechend werden einige wenige Wörter auf ck oder tz umgestellt: Stuckatur, Stuckateur (wegen: Stuck); platzieren (wegen: Platz).
  • Ausgenommen bleiben Wörter, die noch stark als Fremdwort aufgefasst werden oder wo der Vokal vor dem Konsonanten auch lang ausgesprochen werden kann: Mob = Pöbel (trotz mobben), Numerale und numerisch (trotz nummerieren)
  • Ausgenommen bleiben auch die Suffixe -in (Botin, trotz: Botinnen) und -nis (Zeugnis, trotz: Zeugnisse)

Neue Regeln für ä und e

Wegen teils nachgewiesener, teils assoziativ empfundener Ableitungsbeziehungen (siehe Volksetymologie) wurde die Schreibung des kurzen, betonten [ɛ]-Lautes in einigen Wörtern von e auf ä geändert: aufwändig zu Aufwand trotz aufwenden (Adjektive auf -ig sind häufiger aus Substantiven als aus Verbstämmen gebildet), Bändel (zu Band); behände (zu Hand); belämmert (zu Lamm); Quäntchen (zu Quantum); schnäuzen (zu: Schnauze); Stängel (zu Stange und Gestänge, trotzdem weiterhin Stenge [auf dem Segelschiff]); Gämse (wegen Gams); überschwänglich (zu Überschwang); einbläuen, verbläuen (wegen blau).

Unverändert mit e geschrieben wird jedoch, wo die Verbindung zum a wie bei Eltern (von alt) oder England (von Angelsachsen) weit zurückliegt, oder wo a als der abgeleitete Laut anzusehen ist, und e als die Grundform. So bedeutet setzen nicht etwa einen Satz machen, sondern Satz bedeutet das Gesetzte.

Regularisierung von Einzelfällen

  • rau (traditionell: rauh) wie blau, grau, genau, deshalb auch Rauheit nur mit einem h
  • Känguru wie Kakadu, Gnu (aber nicht wie Kuh)
  • Föhn auch in der Bedeutung „Haartrockner“ („Fön“ ist ein Markenname von AEG), Ton in seinen beiden Bedeutungen allerdings weiterhin ohne h
  • Rohheit und Zähheit, als Ausnahme jedoch unverändert Hoheit
  • der Zierrat wie der Vorrat und der Unrat (traditionell der Zierat wie die Heirat und die Heimat).

Freigabe von Alternativschreibungen

Es sind zum Beispiel erlaubt: Albtraum, Albdrücken wie Alptraum, Alpdrücken, aufwändig wie aufwendig, Messner wie Mesner.

Fremdwörter

In der offiziellen Systematik fällt die Fremdwörterschreibung unter das Kapitel Laut-Buchstaben-Beziehung.

Ausgangspunkt der Neuregelung ist die Beobachtung, dass häufig benutzte Fremdwörter nach jahrzehntelangem Gebrauch nicht mehr als Fremdwörter empfunden und dann zunehmend nach derselben Laute-Buchstaben-Beziehung wie heimische Wörter geschrieben werden. Beispiele: CoulisseKulisse; BureauBüro; ShawlSchal; StrikeStreik, TelephonTelefon, PhotographieFotografie. Diesen Anpassungsprozess soll die Neuregelung durch gezielte Variantenführung (lexikalische Querverweise von eingedeutschter auf originale Schreibung oder umgekehrt) unterstützen.

Es werden neue Varianten eingeführt: Differenzial, Potenzial, potenziell, substanziell, parallel zu den schon eingebürgerten finanziell, tendenziell; Portmonee; Exposee neben Exposé wie jetzt schon in Allee, Püree; Katarr neben Katarrh, Delfin neben Delphin, Tunfisch neben Thunfisch, Panter neben Panther, Jogurt neben Joghurt.

In Wörtern mit den Stämmen (Endungen) -phon, -phot, -graph kann ph prinzipiell durch f ersetzt werden. Diese Ersetzung gilt aber nicht für alle Wörter, in denen ein ph vorkommt. So gilt für die Wörter Alphabet, Philosophie, Physik, Amphetamin, Physiognomie nach wie vor nur die Schreibweise mit ph.

In einem Einzelfall wurde eine integrierte Schreibung wieder (stillschweigend) zurückgenommen, obwohl sie recht verbreitet war: Statt Pußta sieht das amtliche Wörterverzeichnis nur noch Puszta vor (z. B. Pusztasalat). Die Schreibung „Pußta“ widerspricht nach den heutigen Regeln zur ß-Schreibung der Aussprache.

Groß- und Kleinschreibung

Generelle Regeln

Im Deutschen werden generell großgeschrieben:

  1. alle Substantive
  2. das erste Wort am Satzanfang
  3. das erste Wort einer wörtlichen Rede
  4. nach Doppelpunkt, wenn ein ganzer Satz folgt und keine Aufzählung
  5. substantivierte Adjektive u. Partizipien
  6. substantivierte Infinitive

Substantivierte Adjektive u. Partizipien werden großgeschrieben:

  1. mit Artikel (das Gute)
  2. mit Präposition (in Blau)
  3. mit Numerale (wenig, nichts Aufregendes)
  4. mit Pronomen (dasselbe, jene Angefertigte)

Substantivierte Infinitive (Nennformen) werden großgeschrieben:

  1. mit Artikel: ein Klopfen
  2. mit Präposition: mit Zittern
  3. mit Pronomen: dein Stottern
  4. mit gebeugtem Adjektiv: lautes Sprechen (aber: laut sprechen)

Doppelpunkt

Nach dem Doppelpunkt ist die Groß- und Kleinschreibung freigegeben. (In traditioneller Schreibung wurde zwischen Ankündigung und Zusammenfassung/Folgerung unterschieden).

Anredepronomen

In Briefen dürfen die zur Anrede verwendeten Pronomen der zweiten Person jetzt wahlweise groß- oder kleingeschrieben werden (§ 66 E), also du oder Du, ihr oder Ihr, dein oder Dein, euer oder Euer. Außerhalb von Briefen bleibt es bei der Kleinschreibung, also z. B. in feierlichen Aufrufen und Erlassen, Grabinschriften, Widmungen, Mitteilungen des Lehrers an einen Schüler unter Schularbeiten, auf Fragebogen, bei schriftlichen Prüfungsaufgaben und Ähnlichem. Die ausschließliche Kleinschreibung der betreffenden Pronomen gilt auch da weiterhin, wo sie schon vor 1996 galt, z. B. bei der Wiedergabe von Reden, Dialogen u. ä., in Protokollen, Prospekten, Lehrbüchern u. ä. Die Anrede „Sie“ ist dagegen zur Abgrenzung von tatsächlicher dritter Person in jeder Art von Text großzuschreiben und war das auch zwischen 1996 und den Modifikationen.

Eigennamen und feste Begriffe

Mehrteilige Eigennamen können andere Wortarten als Substantive enthalten: diese gleichen sich der Eigennamengroßschreibung an: der Schiefe Turm von Pisa, der Nahe Osten, die Schweizerischen Bundesbahnen.

Feststehende Begriffe aus Adjektiv und Substantiv, die keine Eigennamen im strengen Sinn sind, wurden nach traditioneller Schreibung meist großgeschrieben, wenn das Adjektiv seine ursprüngliche Bedeutung verloren hatte. 1996 wurde für die meisten dieser Verbindungen die Kleinschreibung vorgeschrieben. Nach den Modifikationen der Reform darf in etlichen Verbindungen das Adjektiv jetzt wahlweise klein- oder großgeschrieben werden.Beispiele: „das schwarze Brett“ oder „das Schwarze Brett“, „die schwarze Kunst“ oder „die Schwarze Kunst“, „das schwarze Loch“ oder „das Schwarze Loch“. Aber „schwarzer Humor“ darf nach alter wie neuer Regel nur kleingeschrieben werden („schwarz“ mit der gängigen Nebenbedeutung „böse“). Die schwarze Magie ist analog nur noch kleinzuschreiben (bis 1996 nur großzuschreiben). Großschreibung gilt unverändert in folgenden vier Bereichen:

  • Titel: Königliche Hoheit, Erster Bürgermeister;
  • Arten, Unterarten oder Rassen in der Biologie: Rauhaarige Alpenrose, Roter Milan;
  • besondere Kalendertage: Heiliger Abend, Weißer Sonntag; und
  • historische Ereignisse: der Westfälische Frieden, der Deutsch-Französische Krieg.

Aus Personennamen abgeleitete Adjektive

Bei der Schreibung der Ableitungen von Personennamen auf -isch oder -sch unterschied die traditionelle Schreibung zwischen persönlicher Leistung oder Zugehörigkeit und sekundärer Benennung: das Viktorianische Zeitalter (das Zeitalter Viktorias), aber der viktorianische Stil; das Ohmsche Gesetz (von Ohm selbst gefunden), aber der ohmsche Widerstand (nur nach Ohm benannt). In neuer Rechtschreibung werden diese (adjektivischen) Ableitungen wie alle übrigen auf -isch und -sch grundsätzlich kleingeschrieben.

Nur wenn der Eigenname zur Hervorhebung durch Apostroph abgetrennt wird und damit als etwas Eigenständiges in Erscheinung tritt, wird großgeschrieben: der ohmsche Widerstand, oder der Ohm'sche Widerstand.
Bei Eigennamen gilt auch hier die Großschreibung: die Meyersche (oder Meyer'sche) Verlagsbuchhandlung, die Schweizerischen Bundesbahnen.

Substantivischer und adjektivischer Gebrauch gleicher Wörter

Die Großschreibung von Substantiven wurde modifiziert, um die Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von substantivischem und nicht substantivischem Gebrauch zu verringern; die Neuregelung bezieht sich auch in diesem Punkt verstärkt auf formale Kriterien und führt netto zu einer leichten Vermehrung der Großschreibung.

  • In festen Verbindungen gilt der Grundsatz: bei Getrenntschreibung groß: in Bezug auf, mit Bezug auf; zu Gunsten, aber auch zugunsten, zu Lasten, aber auch zulasten; Auto fahren, Rad fahren, Schlange stehen, Gefahr laufen, in Frage stellen, aber auch infrage stellen; außer Acht lassen, in Acht nehmen; Angst haben, Angst machen; Recht sprechen, Recht haben. Aber: eislaufen.
  • Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen werden gemäß § 55(6) großgeschrieben: heute Morgen, gestern Abend. In Verbindung mit Wochentagen ist aber gemäß § 37(1.1) nur Zusammenschreibung erlaubt: (am) Dienstagabend.
  • Die den Indefinitpronomina nahe stehenden Adjektive viel, wenig, ein, ander (mit allen ihren Beugungs- und Steigerungsformen: also auch mehr, am meisten) werden wie in der traditionellen Schreibung in der Regel kleingeschrieben, können zur Verstärkung aber auch großgeschrieben werden: Die wahren Hintergründe waren nur wenigen bekannt. Die meisten haben diesen Film schon einmal gesehen. Die einen kommen, die anderen gehen. Aber betont auch: Sie strebte etwas ganz Anderes (= ganz Andersartiges) an.
  • Adjektive mit demonstrativer Bedeutung werden dagegen wie andere substantivierte Adjektive ausnahmslos großgeschrieben: Sie sagte das Gleiche. Wir haben Derartiges noch nie erlebt. Merke dir Folgendes: ... Unter Verzicht auf Bedeutungsnuancen in traditioneller Schreibung wird das substantivierte Adjektiv in als Erste, als Letzter großgeschrieben.
  • Superlative mit am, nach denen man mit wie? fragen kann, werden kleingeschrieben: Der Löwe brüllte laut - lauter - am lautesten. Aber: Das ist das Beste, was du tun kannst.
  • Die Regel der traditionellen Schreibung, die beispielsweise zwischen auf dem trockenen sitzen (= kein Geld haben) und auf dem Trockenen sitzen (= festen Boden unter den Füßen haben) unterscheidet, ist abgeschafft: auch in festen Redewendungen werden substantivierte Adjektive immer großgeschrieben: ins Reine bringen; im Trüben fischen; im Dunkeln tappen; den Kürzeren ziehen; zum Besten geben. Das gilt auch für Wendungen, die nicht fest mit einem Verb verbunden sind: Diese Orchideen blühen im Verborgenen. Das andere Gebäude war um ein Beträchtliches höher. Wir sind uns im Wesentlichen einig. Daran haben wir nicht im Entferntesten gedacht. Sie hat mir die Sache des Näheren erläutert. Wir haben alles des Langen und Breiten diskutiert. Per Einzelfallregelung wurde angeglichen: an Kindes statt; im Nachhinein, im Voraus.
    • Einige feste adverbiale Wendungen können sowohl klein- als auch großgeschrieben werden, unter anderem: seit langem/Langem, von nahem/Nahem, bei weitem/Weitem, ohne weiteres/Weiteres.
  • Sprach- und Farbbezeichnungen im Zweifel groß: In Ostafrika verständigt man sich am besten auf Swahili oder auf Englisch. Die Ampel schaltet auf Rot. Wir liefern das Gerät in Grau oder Schwarz.
  • Nicht deklinierte Paarformeln werden einheitlich großgeschrieben: Das ist ein Fest für Jung und Alt. Vor dem Gesetz sind Arm und Reich gleich. Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Getrennt- und Zusammenschreibung

Die Getrennt- und Zusammenschreibung war bisher nicht amtlich geregelt. Ausgehend von der Beantwortung einzelner Fragen hatte die Dudenredaktion im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts zunächst Einzelentscheidungen im Wörterbuch festgelegt, später dann auch versucht, Regelhaftigkeiten zu beschreiben. Nach traditioneller Schreibung soll tendenziell bei „wörtlichem“ Gebrauch getrennt, bei „übertragenem“ Gebrauch zusammengeschrieben werden: Sie ist trotz der verschneiten Straßen gut vorwärts gekommen. aber Sie ist beruflich gut vorwärtsgekommen. Oder: Die Besucher sind stehen geblieben. (= standen weiterhin), aber Die Besucher sind stehengeblieben. (= haben einen Halt gemacht).

Nach Meinung der Reformer von 1996 war diese Regelung unübersichtlich, kompliziert und unsystematisch. Die Neuregelung wollte die Getrennt- und Zusammenschreibung nur noch über formalgrammatische Regeln; Bedeutungs- und Betonungsunterschiede sollten keine unterschiedliche Schreibung begründen. Die Getrenntschreibung sollte als Normalfall gelten. Diese Regel war aber heftig umstritten und wurde daher überarbeitet. Der Semantik und dem „Trend zur Zusammenschreibung“ wurde wieder der Vorzug gegeben, d. h. die Schreibweise richtet sich nun wieder verstärkt nach der Bedeutung der Wörter. Im Grunde genommen gelten daher wieder die vor 1996 üblichen Regeln. Die Getrenntschreibung ist seit März 2006 nicht mehr der Normalfall.

Schreibung mit Bindestrich

Der unverändert obligatorische Bindestrich in Zusammensetzungen wie O-Beine, x-beliebig, UKW-Sender, soll auch in Zusammensetzungen mit Ziffern stehen: der 8-Pfünder, der 27-Tonner, 375-seitig, 99-prozentig, 37-jährig. Die Regel, Suffixe ohne Bindestrich anzuschließen, übernimmt die Neuregelung: der 68er. Daraus folgt die Schreibung: eine 25er-Gruppe. Neben in den 90er-Jahren ist jedoch auch in den 90er Jahren zulässig, und zwar, anders als nach traditioneller Schreibung, ohne Bezug auf unterschiedliche Bedeutungen (Altersangabe/Epochenangabe).

Der fakultative Gebrauch des Bindestrichs zur Verdeutlichung des Aufbaus zusammengesetzter Wörter ist freigegeben: neben Blumentopferde und See-Enge (wie in traditioneller Schreibung) darf auch Blumentopf-Erde und Seeenge geschrieben werden. Gedacht ist diese Regelung aber in erster Linie, um die Lesbarkeit besonders langer Komposita zu erhöhen (Bundesinnenministerkonferenz -> Bundesinnenminister-Konferenz). Aus semantischen Gründen sollten gängige (also die, die einen feststehenden Begriff bilden) und/oder kurze Komposita nicht mit einem Bindestrich geschrieben werden (z. B. Hausmeister, Tischfußball, Fahrradlampe, Boxkampf). Aus den gleichen Gründen ist auf die richtige Setzung des Bindestriches zu achten (z. B. Fußballweltmeisterschaft, Fußball-Weltmeisterschaft aber nicht Fußballwelt-Meisterschaft).

Zeichensetzung

Eine beträchtliche Schwierigkeit der Interpunktion nach traditioneller Rechtschreibung wird nicht nur im Inhalt der Regeln gesehen, sondern vor allem auch in deren unübersichtlicher, fein verästelter Gestaltung. Das neue Regelwerk enthält einen einfacher strukturierten Satz von Grundregeln, die inhaltlich insbesondere folgende Änderungen mit sich bringen:

Das Komma zwischen Hauptsätzen, die durch und, oder oder eine verwandte Konjunktion verbunden sind, ist nicht mehr zwingend vorgeschrieben, aber weiterhin zulässig: Hanna liest ein Buch und Robert löst ein Kreuzworträtsel. Angeraten wird es zwischen unterschiedlichen Hauptsätzen: Wir warten auf euch, oder die Kinder gehen schon voraus.

Die Kommasetzung ist bei Infinitiv- und Partizipgruppen nicht mehr Pflicht, aber weiterhin zulässig, um die Gliederung des Satzes deutlich zu machen und Missverständnisse zu vermeiden: Sie bot mir, ohne einen Augenblick zu zögern, ihre Hilfe an.
Ich rate, ihm zu helfen. zur Unterscheidung von Ich rate ihm, zu helfen.
Vor Anstrengung heftig keuchend, kam er die Treppe herauf. Er kam, vor Anstrengung heftig keuchend, die Treppe herauf.

Zwischen direkter Rede und Kommentarsatz soll grundsätzlich neben dem Anführungszeichen ein Komma stehen. Damit werden die Regeln für die direkte Rede an die für die indirekte Rede angeglichen. Unverändert: „Ich komme gleich wieder“, sagte sie. In neuer Rechtschreibung auch: „Wann kommst du?“, fragte sie mich. Sie sagte: „Ich komme gleich wieder“, und ging hinaus.

Worttrennung am Zeilenende

Als erste Grundregel gilt auch in der reformierten Rechtschreibung, nach Sprechsilben zu trennen (§ 107 des Regelwerks). Als zweite Grundregel gilt unverändert, dass von aufeinander folgenden Konsonanten nur der letzte auf die nächste Zeile gesetzt wird (Beispiel: kleb-rig; § 108; Regelwerk 2006: § 110), wobei „Buchstabenverbindungen wie ch, sch; ph, rh, sh oder th“ nicht getrennt werden, wenn sie „für einen Konsonanten“ stehen, da die Einzelbuchstaben sich nicht auf verschiedene Silben verteilen lassen (neues Regelwerk, ähnlich ebenso nach alter Regelung). Sie kommen ungetrennt auf die nächste Zeile.

Neu an der reformierten Regelung ist die Bestimmung, wann Einschränkungen bzw. Ausnahmen zu diesen Grundregeln zulässig sind. So zum Teil in den Fällen, wo die Zusammensetzung eines Wortes aus Wortbestandteilen nicht den Sprechsilben folgt. Außerdem die neue Einzelfestlegung, dass ck auch zu den „Buchstabenverbindungen wie ch, sch; ph, ...“ gehört und daher nach der zweiten Grundregel nicht getrennt werden darf.

Im Einzelnen gilt:

Frühere Trennregeln, die sich aus der ursprünglichen Zusammensetzung von Wörtern ergeben, aber den beiden Grundregeln zuwiderlaufen, gelten in der neuen Schreibung nur noch alternativ. (Bereits in der traditionellen Schreibung gab es einige Fälle, wo Trennungen nach Sprechsilben erlaubt waren, auch wenn sie der ursprünglichen Zusammensetzung von Wörtern entgegenstehen: al-lein, Tran-sit, Epi-sode, Te-trarch (heute: Tet-rarch) statt all-ein, Trans-it, Epis-ode, Tetr-arch u. Ä.)

Das betrifft:

  • deutsche Wörter, die nach Ansicht der Kommission nicht mehr als zusammengesetzt empfunden werden und bei denen keine Sprechsilbengrenze mehr nach dem Konsonanten (also an der ursprünglichen Wortfuge) existiert (in Klammern die traditionelle, auch in reformierter Schreibung zulässige Trennung): wa-rum (war-um), wo-rum (wor-um), hi-nauf (hin-auf), ei-nan-der (ein-an-der), be-o-bach-ten (be-ob-ach-ten);
  • zusammengesetzte Fremdwörter lateinischen oder griechischen Ursprungs, bei denen keine Sprechsilbengrenze mehr an der ursprünglichen Wortfuge existiert: Pä-da-go-gik (Päd-ago-gik), Chi-rurg (Chir-urg), Phi-lip-pi-nen (Phil-ip-pi-nen), Nos-tal-gie (Nost-al-gie), He-li-kop-ter (He-li-ko-pter), pa-ral-lel (par-al-lel), A-le-xan-der (Alex-an-der), neu-ralgisch (neur-algisch), Mo-narch (Mon-arch).

Die zweite Grundregel darf jetzt auch generell bei Fremdwörtern vor allem lateinischen oder romanischen Ursprungs angewandt werden, bei denen bisher galt, dass bestimmte Buchstabengruppen (vor allem solche auf -l, -n, -r) nicht getrennt werden durften:

  • wie bisher schon bei (ich) hob-le, üb-le, knusp-rig, seg-nen, trock-nen, Ak-ne, Misch-na, so auch jetzt bei nob-le (no-ble), Quad-rat (Qua-drat), möb-liert (mö-bliert), Mag-net (Ma-gnet), pyk-nisch (py-knisch), Hedsch-ra (He-dschra).

Die Grundregel, nach Sprechsilben zu trennen, ist auch auf alle Silben ausgedehnt, die nur aus einem Vokalbuchstaben bestehen (außer am Wortende): a-ber (traditionell nur aber), A-dria oder Ad-ria (Adria), Bi-o-müll (Bio-müll), be-o-bach-ten (be-ob-ach-ten), außerdem auf einige weitere Fälle wie z. B. Se-en-plat-te (Seen-plat-te), kni-en (knien).

Die zweite Grundregel, nach der von mehreren Konsonantenbuchstaben der letzte auf die nächste Zeile gesetzt wird, ist auf st sowie (wie oben gezeigt) unter Zulassung von Alternativschreibweisen auf manche zusammengesetzte und viele Fremdwörter ausgedehnt, beim ck aber durchbrochen:

Die Buchstabenfolge st kann getrennt werden, so wie nach traditionellen Regeln sp, pf und andere. Die traditionelle Regel, zwischen s und t nicht zu trennen (außer bei Zusammensetzungen wie Haus-tier), wird als überholt betrachtet, denn sie beruht auf einer Ligatur in den gebrochenen Schriften. Also: meis-tens, Kis-ten, schöns-te, sechs-te. Nicht getrennt wird „st“, wenn es sich in Wortzusammensetzungen am Teilwortanfang befindet: Maß-stab.

Die Buchstabenfolge ck wird nicht wie in traditioneller Schreibung in k-k aufgelöst oder nach der zweiten Grundregel c-k getrennt, sondern (ohne eine Begründung dafür zu nennen) in eine Reihe mit ch und sch gestellt und als eine nicht-trennbare Einheit behandelt. Also: Zu-cker, ni-cken, tro-cken, Cra-cker (aber weiterhin: Bec-que-rel, Broc-co-li, Mok-ka; Sac-cha-rin).

Auch die neue deutsche Rechtschreibung besitzt keine eindeutigen Regeln für den Umgang mit nicht gesprochenen Konsonantenbuchstaben zwischen Vokalen vor allem in Fremdwörtern und den Status von y zwischen Vokalen (meist sind nach Duden, 23. Aufl., beide Trennungen erlaubt): loy-al oder lo-yal (traditionell nur loy-al), Che-wing-gum oder Chew-ing-gum (aber nur Tel-to-wer, traditionell Tel-tow-er), Ca-yenne (aber Bay-er). Ebenso bleibt offen, welche Buchstabenfolgen (Digraphen) in Fremdwörtern als Einheit zu werten sind und damit nicht nach der zweiten Regel getrennt werden dürfen: z. B. Pi-ran-ha, aber Bud-dha.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung ab 1. August 2006 (PDF, 186 kB). Sprachreport, Extra-Ausgabe Juli 2006, Institut für Deutsche Sprache, Mannheim.
  2. Schweizerische Bundeskanzlei: Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung 2008 die amtliche Schreibweise

Literatur

  • Regeln und Wörterverzeichnis. Überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004. Rat für deutsche Rechtschreibung, München und Mannheim, Februar 2006. Online – Gültig ab August 2006
  • Regeln und Wörterverzeichnis. Amtliche Regelung. Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung, Mannheim, November 2004. Online (veraltet)
  • Klaus Heller: Rechtschreibreform. Sprachreport, Extra-Ausgabe Juli 1996, Institut für deutsche Sprache, Mannheim. Online
  • Zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung ab 1. August 2006. Sprachreport, Extra-Ausgabe Juli 2006, Institut für Deutsche Sprache, Mannheim (Online, PDF, 186 kB).
  • Karl-Heinz Göttert: Es gibt keinen Kuß mehr. Die neue Rechtschreibung erklärt, reclam, Stuttgart2007.

Weblinks


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