Artaunon

Artaunon (altgriechisch ῎Αρταυνον) ist bei Ptolemäus, Geographike Hyphegesis II 10,14 der Name eines nicht näher bezeichneten Ortes in Germanien mit den Koordinatenangaben 30°10' ö.Lä. (etwa 10°10' nach Greenwich) und 50°00' n.Br.

Inhaltsverzeichnis

Lokalisierung

Der Ortsname wurde zunächst, seit dem Humanismus, auf Würzburg bezogen. Später erst stellte man fest, dass zahlreiche Orte bei Ptolemäus weit nach Osten verschoben sind, so auch Novaesium, das sogar noch weiter östlich als Artaunon erscheint.

Eine spätere Lesart als ῎Αρκταυνον (=ähnlich arx tauni) ließ an die Erwähnung eines Kastells in monte Tauno bei Tacitus[1] denken, weshalb der Ort bei Friedberg oder auf der Saalburg vermutet wurde. 1919 wurde diese Lesart verworfen. Eine weitere Schwierigkeit bestand in der Tatsache, dass der Name Taunus erst im 19. Jahrhundert auf das Gebirge übertragen wurde, das im Mittelalter schlicht die Höh' genannt wurde. Ob die antiken Schriftquellen das gleiche Gebirge meinten, ist nicht unumstritten.[2]

Allgemein durchgesetzt hat sich der Konsens, Artaunon mit dem Heidetränk-Oppidum bei Oberursel gleichzusetzen.[3] Letztlich wird man darüber aber keine vollkommene Sicherheit erlangen. Es gilt auch zu bedenken, dass die dortigen Anlagen zur Zeit, als Ptolemaeus sein Werk verfasste, längst verlassen waren, wahrscheinlich sogar bereits vor der Ankunft der Römer.[4] Sprachlich könnte sich der Name herleiten von keltisch are (=an, bei, vor). Die Herkunft des Gebirgsnamens aus dem Keltischen ist damit allerdings nicht bewiesen.[5]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Annales I 56.
  2. Siehe dazu Andreas Mengel: Gesucht: Der mons Taunus. In: E. Schallmayer u.a. (Hrsg.): Die Römer im Taunus (Frankfurt a. M. 2005) S. 15-19.
  3. Erstmalig Karl Schumacher: Die πόλεις (oppida) Germaniens bei Ptolemaios. In: Germania 3, 1919 S. 79.
  4. A. Jockenhövel in: Fritz-Rudolf Herrmann u. Albrecht Jockenhövel: Die Vorgeschichte Hessens. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 1990, ISBN 3-8062-0458-6 S. 295.
  5. Herbert KühnArtaunon (῎Αρταυνον). In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1973, S. 438.

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