Nichts
In vielen Kulturen wird Schwarz mit dem Nichts assoziiert.

Mit Nichts wird in der Alltagssprache ein universelles abstraktes Konzept bezeichnet, das verschiedene Bedeutungsaspekte besitzt:

  • Der Negationspartikel „nicht“ dient zur sprachlichen Negation von Aussagen oder Satzelementen.
  • Das Indefinitpronomen „nichts“ bedeutet „nicht irgend(etwas)“, kein Ding, keine Sache, nicht das Mindeste.
  • Die Nominalphrase „das Nichts“ bezieht sich auf das Gegenteil des Seins, die Negation und Abwesenheit des Seins, das Nichtsein, eine absolute Leere oder allgemeine Unbestimmtheit.
  • In der formalen Logik tritt „nichts“ ausschließlich in Gestalt des so genannten negierten Existenzquantors (\neg \exists x) auf. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass „nichts“ im Gegensatz zu „das Nichts“ kein Eigenname oder Nominator ist. Daher sind z. B. „Nichts existiert“ (d. i. „Es ist nicht der Fall, dass etwas existiert“) und „Das Nichts existiert“ keineswegs synonym.
  • Das Substantiv „Nichts“ kann zudem bezogen werden auf:
    • etwas Abwesendes, dessen Anwesenheit erwartet wurde (nihil privativum)
    • etwas Wesenloses, Nichtiges, nicht Greifbares
    • etwas, dem doch der eigentliche Inhalt, das innere Sein und Leben fehlt, der bloße „Schein“
    • ebenso kann damit eine Person oder Sache als unwert, unbedeutend, gehaltlos und nichtig etikettiert werden.

Das gemeinsame der substantivischen Verwendungen ist, dass eine Bestimmung (z. B. der Wert) irrelevant klein ist oder Null beträgt, oder eine Sache, deren Existenz oder Anwesenheit erwartet wurde, sich als fiktiv oder abwesend herausstellt.

Es kann darüber gestritten werden, ob diese Aspekte eine gemeinsame linguistische Quelle haben, oder ob es sich dabei zum Teil um Homonyme handelt, die auf fehlerhaften Umgang mit den Regeln der Oberflächengrammatik zurückzuführen sind.

Inhaltsverzeichnis

Das Nichts in der Philosophie

Der Umgang mit dieser Frage kann aus der Perspektive verschiedener philosophischer Disziplinen geschehen, Nichts kann als Thema der Metaphysik und Ontologie behandelt werden, wie bei Platon oder Hegel. Nichts kann aber auch als existentielle Erfahrung philosophisch beschrieben werden, wie bei Martin Heidegger oder Jean-Paul Sartre. Die Spuren von Nichts können als sprachphilosophische und logische Phänomene wie Verneinung oder Falschheit analysiert werden.

Die verschiedenen Bedeutungsaspekte von Nichts wurden in der Philosophie nicht immer klar unterschieden. Daher ist der Frage, ob sich „Nichts“ denken lässt oder nicht – und wenn ja, wie – in der Philosophiegeschichte auf sehr unterschiedliche Arten nachgegangen worden. Der Umgang mit dieser Frage kann in verschiedenen philosophischen Disziplinen geschehen; „Nichts“ kann als Thema der Metaphysik und Ontologie behandelt werden (z. B. bei Platon, im Gedenken der creatio ex nihilo oder in Hegels Metaphysik des Absoluten), „Nichts“ kann aber auch als existentielle Erfahrung philosophisch beschrieben werden (z.  B. bei Martin Heidegger oder Jean-Paul Sartre), oder die Spuren von „Nichts“ können als sprachphilosophische und logische Phänomene wie Verneinung oder Falschheit analysiert werden. Gelegentlich wird dabei das Nichts selbst negiert, so ist die Unmöglichkeit des Nichts in der Natur ein Grundsatz der Naturphilosophie des Aristoteles (horror vacui).

Der Frage, ob sich Nichts denken lässt oder nicht – und wenn ja, wie – ist in der Philosophiegeschichte auf sehr verschiedene Arten nachgegangen worden. Dabei wurde meist unterschieden zwischen einem relativen Nichts, das als Mangel oder Verneinung verstanden werden kann und einem absoluten Nichts, welches, da es sich nicht aus der Verneinung eines Seienden ergibt, bezugslos und differenzlos ist und damit potentiell undenkbar.

Vorsokratik

Die Frage nach dem Nichts beschäftigt die westliche Philosophie seit ihrem allerersten vorsokratischen Anfang. Der griechische Philosoph Parmenides von Elea behandelt das Thema in dem einzigen von ihm erhaltenen Fragment, seinem Lehrgedicht Über die Natur:

„Wohlan, so will ich denn verkünden (Du aber nimm mein Wort zu Ohren), welche Wege der Forschung allein denkbar sind: der eine Weg, daß (das Seiende) ist und daß es unmöglich nicht sein kann, das ist der Weg der Überzeugung (denn er folgt der Wahrheit), der andere aber, daß es nicht ist und daß dies Nichtsein notwendig sei, dieser Pfad ist (so künde ich Dir) gänzlich unerforschbar. Denn das Nichtseiende kannst Du weder erkennen (es ist ja unausführbar) noch aussprechen.““

Aus diesen Zeilen lässt sich die Handlungsanweisung entnehmen, sich nicht mit dem Nichtseienden zu befassen und alle Aufmerksamkeit stattdessen allein dem Seienden zukommen zu lassen. Es ist nämlich unmöglich, über das Nichtseiende zu sprechen, da im selben Moment, als man von diesem etwas aussagt, dessen Sein wieder voraussetzt. Außerdem sind Sein und Denken äquivalent: Über das Nichts kann man demnach nicht nachdenken. Auf diese Weise entsteht eine Definition der Aufgabe von Wissenschaft: lohnende Forschung kann alles zum Thema haben, nur nicht das Nichts. Der Spruch des Parmenides von Elea gilt als erste Formulierung abstrakter metaphysischer Reflexion im antiken Griechenland und dient Platons Dialog Sophistes als Ausgangspunkt.

Platon

Platon relativiert die Position des Parmenides vom absoluten Nichts. In dem Dialog Sophistes bestimmt er das Nichts als Nichtseiendes und dieses schließlich in einer längeren Argumentationskette als Verschiedenheit. Dabei werden fünf höchste Kategorien/Ideen entwickelt, die irreduzibel sind und an denen alle anderen Ideen teilhaben. Durch die Teilhabe an diesen fünf Ideen wird alles andere erst, was es ist, ohne mit den fünf Ideen identisch zu sein. Die fünf Ideen sind Sein, Ruhe und Bewegung, Identität und Verschiedenheit. Jede dieser Ideen ist mit sich selbst identisch und hat teil an den anderen Ideen. Durch die Verschiedenheit wird die Möglichkeit des Nichtseins aufgemacht. Die Idee der Ruhe ist mit sich selbst identisch, aber verschieden von den anderen vier Ideen. Sie hat Anteil z. B. an der Idee des Seins, sie ist jedoch nicht die Idee des Seins. Die Idee der Verschiedenheit eröffnet also die Möglichkeit des Nichtseins.

Spätantike und Mittelalter

In der frühchristlichen Philosophie stellt sich das Problem bei der Diskussion der göttlichen Schöpfung: sie kann nach Augustin nur ex nihilo, aus dem Nichts erfolgt sein, denn alles andere wäre keine Schöpfung, sondern lediglich eine Umwandlung. Tertullian differenziert zwei Sprechweisen und korrigiert Augustin: dieser meine die Schöpfung eigentlich a nihilo, 'von nichts her', ohne eigene Ursache. Ex nihilo hingegen bedeutete, das Nichts als eine Substanz zu fassen; dies führt nach Tertullian zur Gnosis. Nikolaus von Kues versteht unter dem Nichts die alteritas, die 'Andersheit', die je spezifisch zu einem möglichen Sein angelegt ist.

Nihil privativum

In der frühen Neuzeit wurde versucht, verschiedene Aspekte des nicht zu unterscheiden. Unter dem Begriff des nihil privativum wird das Nichts etwa als eine spezifische Abwesenheit von Etwas oder als Mangel definiert. Dabei handelt es sich um eine logische Entgegensetzung, die dem Negierten einen geringeren ontologischen Status zuweist: Dunkelheit ist nur die Abwesenheit von Licht, Das Böse nur die Abwesenheit des Guten (s. a. Theodizee), etc.

Hegel

Das Nichts ist für Hegel der Gegenbegriff zum Sein. Er beginnt seine Wissenschaft der Logik mit den drei Bestimmungen „Sein“, „Nichts“, „Werden“. Sein, „reines Sein“ soll als unbestimmtes Unmittelbares verstanden werden. Da das reine Sein unbestimmt sein soll, kann es keine Qualität haben, keine irgendwie geartete innere Komplexität, es können auch keine Beziehungen zu anderen Dingen oder Gedanken bestehen. Die Unmittelbarkeit des reinen Seins betont noch einmal, dass das reine Sein keinen äußeren Bedingungen unterliegt, keine Ursache hat, sondern einfach nur es selbst ist. Der Gedanke des reinen Seins erweist sich somit als vollkommen leer und das, was in diesem leeren Gedanken gedacht wird, ist eigentlich nichts. Die Bestimmungen vom reinen Sein und vom reinen Nichts erweisen sich als dieselben und auch der Gedanke vom reinen Nichts ist mit dem Gedanken vom reinen Sein identisch.

„Dies reine Sein ist nun die reine Abstraktion, damit das Absolut-Negative, welches, gleichfalls unmittelbar genommen, das Nichts ist.“ (Hegel: Enzyklopädie, § 87)

Kerngedanken dieses Zitats:

  • Das reine Sein ist für Hegel „reine Abstraktion“.
  • Aus dieser Eigenschaft lässt er folgen, dass das Sein das „Absolut-Negative“ sei.
  • Ist das Sein das Absolut-Negative, so ist es Nichts.

Heidegger v Carnap

Nach Martin Heideggers Vortrag Was ist Metaphysik? gehören das „Nichts“ und das „Sein“ zusammen. Sie sind nicht dasselbe, aber sie bedingen sich und gehören zusammen. Erst durch das „Nichts“ offenbart sich das „Sein“ als eine „Befremdlichkeit“ oder als das „Andere“. Deutlich spürbar ist dieses „Nichts“ in der „Stimmung“ der Angst, nicht in der Furcht vor etwas Bestimmtem, sondern in der tiefen, in uns verborgenen „Angst vor“, oder „wegen“. Nicht ganz unbestimmt, aber auch nicht in Worten fassbar, eben die Angst vor dem „Nichts“. In einer solchen Angst ist einem alles gleichgültig und zwar gleichermaßen gleichgültig. Ob Tisch oder Stuhl, Tod oder Leben, es hat keine Relevanz. Eine merkwürdige Ruhe durchzieht einen, fast wie in der Stimmung der Langeweile, die dem Sein am spürbar nächsten ist, und doch nicht ganz. Dieser kleine, von uns gefühlte Unterschied zwischen den beiden Stimmungen, wieder nicht in Worten fassbar, aber als etwas „Fehlendes“ fühlbar, ist das „Nichts“.

In prominenter Weise warf Rudolf Carnap als Vertreter des logischen Empirismus (Wiener Kreis) und der mittleren analytischen Philosophie dem Existentialismus Martin Heideggers vor, er würde den Begriff „Das Nichts“ fälschlich so verwenden, als ob er für eine bestimmte Entität stünde. Schon Rudolf Carnap tadelte diesen Punkt bei Heidegger in seinem Aufsatz „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“. Die Annahme, der Begriff „Das Nichts“ habe einen Inhalt, beruht Carnap zufolge auf einer Verwechslung von logischer und grammatischer Struktur von Begriffen und Sätzen. Die analytische Sprachphilosophie versucht zu zeigen, dass „Nichts“ einfach nur als „Nicht etwas“ verstanden werden kann und muss, so dass keine derartige Umformung möglich ist. Ihre Analyse ist also vor allem als Metaphysikkritik gemeint.

Nach Carnap beruhen sämtliche Sätze über das Nichts auf sprachlicher Verwirrung. Zwar sei die Bildung des Substantivs „das Nichts“ zwar syntaktisch korrekt; Sätze, die den Ausdruck beinhaltet, fallen aber in die Klasse der sinnlosen Sätze, da sie keinen empirischen Gehalt haben und unmöglichkeit verifiziert werden können. Der Verifikationismus gilt zwar als gescheitertes Projekt, Carnaps Analyse des Nichts (die ursprünglich vor allem gegen Heideggers Sein und Zeit gerichtet war) ist jedoch in der analytischen Philosophie zum Konsens geworden.

Heidegger wies diese Angriffe selbst zurück: Aus seiner Sicht sei es dogmatisch, Logik und Sprachanalyse als einzige philosophische Methoden zuzulassen. Seine Existenzialismus von 1927 versucht daher, die Rolle von Logik und Sprache innerhalb des gesamten menschlichen Daseins zu relativieren. In seinem Vortrag Was ist Metaphysik? hielt Heidegger dem logischen Empirismus vor, dass die modernen Wissenschaften auf logischen Prinzipien beruhten, ohne das Nichts zu thematisieren. Der logische Empirismus habe sich als ""Wissenschaftsphilosophie" daher auf einen begrenzten Erkenntnisbereich des Seienden, der einer methodischen Welterschließung (Wissenschaft) zugänglich ist, zu beschränken. Heidegger gibt zu, dass Wissenschaften das Nichts nur als Negation eines Seienden, als Mangel vorstellen können und müssen, was aber nicht dem phänomenologischen Charakter des Nichts als Nichts gerecht würde.

Sartres Bestimmung vom „Nichts“ als Freiheit

Jean-Paul Sartre bestimmt den Menschen in seinem Werk Das Sein und das Nichts als die Form des Seins, die das Nichts in die Wirklichkeit bringt und sich dadurch von allem anderen (bewusstlosen) Sein unterscheidet. Aus der Bewusstheit, die der Mensch über die Möglichkeit des Nicht-Seins hat, leitet er die Fähigkeit der „Negation“ ab. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich von bestimmten Zukunfts- und Vergangenheitsbildern zu distanzieren. Durch diese Fähigkeit der Negation hat der Mensch die Freiheit, sich in die Zukunft zu entwerfen und aus der Vergangenheit zu lösen. Diese Freiheit verstärkt sich noch, da der Mensch auch die Form der eigenen Gegenwart negieren kann („ich bin das, was ich sein werde“) und somit auch nicht von dieser „abhängig“ ist, bzw. „festgelegt“ wird. Das Nichts ist nach Sartre die Freiheit, die dem Menschen gegeben ist und die nicht abgelehnt werden kann.

Sartre verweist in seinem Werk Das Sein und das Nichts außerdem darauf, dass das Nichts eigentlich nicht durch Seinsbegriffe zu erfassen ist. Der transzendente Begriff des Nichts kann laut Sartre aufgrund der Nichtexistenz eines Inhaltes nur annähernd verdeutlicht werden, z. B. in der Grenzziehung zwischen einem Moment und dem folgendem. Versuchen wir uns hier eine Grenze vorzustellen, sind wir dazu nicht in der Lage und genau hier finden wir das „Nichts“.

Blochs Philosophie des Noch-Nicht-Seins

Eine differenzierte Philosophie des Nichts findet sich auch bei Ernst Bloch. Unter der Kategorie des 'Noch-Nicht-Seins' fasst Bloch die verschiedenen Formen der menschlichen Erfahrung des Mangels als Ausdruck einer fundamentalen 'Nichtigkeit' einer Gegenwart, in der allerdings Tendenzen auf ein mögliches, volles Sein angelegt sind.

Derridas Bestimmung vom „Nichts“ als Schweigen

In seiner Kritik an Foucaults Deutung des descartschenCogito“ entwickelt Jacques Derrida (Cogito und die Geschichte des Wahnsinns, in: Die Schrift und die Differenz) auch eine Bestimmung von „Nichts“. „Nichts“ ist die wahnsinnige Unbestimmtheit jenseits der von ihr befreiten „cogito-Erfahrung“, welche als feste Basis Gewissheit über unsere eigene Existenz gibt, jedoch nicht über selbige hinaus. Aufgrund des Wesens des „Nichts“ kann über es nicht gesprochen werden, da die Sprache Ausdruck der Vernunft ist, welche dem „Nichts“ gegenübersteht und es in Schach hält. „Nichts“ offenbart sich also ausschließlich im Schweigen.

„Nichts“ im Buddhismus

Der buddhistische Begriff Shunyata (Sanskrit, jap. , ) bedeutet Leere oder Leerheit. Eine Gleichsetzung von Shunyata (Mahayana) und Nichts (Nihilismus) wird üblicherweise vermieden. Der japanische Philosoph Nishitani bildet eine Ausnahme: Durch genaue Kenntnis der westlichen und östlichen Philosophie gelingt eine Paralleldarstellung von Nihil und Shunyata in existentialistischer Sprache. In der Übersetzung von Büchern, die Übungen im Zen-Buddhismus beschreiben, wird insofern auch vom Nichts gesprochen. Im Ideal ist dies die Praxis einer nicht vorhandenen Anhaftung. Der häufig verwendete Begriff Nirvana wurde durch eine Fehlübersetzung mit dem Nichts gleichgesetzt, bedeutet aber etwa 'verweht'.

Siehe auch: Mu (Philosophie), Das absolute Nichts der Kyōto-Schule

Das Nichts und die Naturwissenschaften

Während in der Zeit von Otto von Guericke und seinem Versuch mit den Magdeburger Halbkugeln vielen bereits die Abwesenheit von Luft als Nichts galt, würde heute niemand mehr das Vakuum – im Sinne eines materiefreien Raumes – als Nichts betrachten. Selbst wenn es gelänge, ein 100 %-iges Vakuum zu schaffen, in dem weder materielose Wellen oder wechselwirkende Felder vorkämen, so wäre dieser Raum dennoch nicht frei von Ereignissen bzw. Materie, da sich permanent Teilchen und Antiteilchen bilden und sofort wieder vernichten. Dieses als Vakuumfluktuation bezeichnete Phänomen wurde in seiner Ausprägung als Casimir-Effekt 1958 experimentell bestätigt.

Seit dem 20. Jahrhundert wird mit dem Begriff Nichts eher die dem menschlichen Verstand nicht zugängliche Abwesenheit jeglichen Seins, also auch von Raum und Zeit verstanden. Das heutige sogenannte Standardmodell der Kosmologie legt die Entstehung von Raum und Zeit in den Urknall. Deren im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie postulierten Eigenschaften verlieren jedoch bei der zeitlichen Annäherung an den Urknall, an der Schwelle zur Planck-Zeit ihre Gültigkeit. Der Begriff des Nichts im Sinne eines „vor dem Urknall“ wird aus diesen Gründen von der heutigen Naturwissenschaft nicht verwendet, sondern als physikalisch sinnlos betrachtet. Astronomen und Physiker sprechen im Zusammenhang mit dem Urknall von einer Singularität.

Mathematik und Informatik

  • Die Null wird als Zahl mit dem Nichts in Verbindung gebracht. Aber auch negative Zahlen können als Ausdruck eines Mangels verwendet werden.
  • In der Gruppentheorie bildet die Null das neutrale Element der Additionsgruppe (Operator 'Plus'). Verallgemeinert: das neutrale Element einer Gruppe bewirkt keine Veränderung bei der Operation.
  • Die leere Menge enthält kein Element. In John von Neumanns mengentheoretischem Modell können die Natürlichen Zahlen aus der leeren Menge und einer einfachen Mengenbildungsregel konstruiert werden.
  • Im Kontext von Datenbanken bezeichnet man den Wert einer Zelle, die nichts, also auch nicht den Zahlenwert Null enthält, als Nullwert.
  • In diversen Programmiersprachen wird ebenfalls der Wert 'null' (teilweise auch 'NULL' oder 'NIL' geschrieben) verwendet, um auszudrücken, dass eine Pointervariable (noch) auf kein Objekt zeigt.
  • Die Ternäre Logik der Datenmanipulationssprachen kennt außer den Begriffen 'TRUE' und 'FALSE' noch 'UNKNOWN' für 'nicht bestimmt'.
  • Nicht-numerische Daten benötigen als Distanzhalter Leerzeichen, auch als 'SPACE' oder 'BLANK' bezeichnet. Um sie von anderen unsichtbaren Zeichen zu unterscheiden, bieten Textprogramme die Option, Leerzeichen durch einen Punkt zu kennzeichnen.

Siehe auch

„NICHTS“ in Kyritz

Literatur

  • Parmenides: Fragment Über die Natur, http://www.pinselpark.org/philosophie/p/parmen/texte/natur.html
  • Jacques Derrida, Cogito und die Geschichte des Wahnsinns, in: Die Schrift und die Differenz. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2000.
  • Thomas von Aquin: Über Seiendes und Wesenheit. Lateinisch – Deutsch, mit Einleitung, Übersetzung und Kommentar herausgegeben von Horst Seidl. Hamburg 1988.
  • Artikel „Nichts“ in: Walter Brugger, Harald Schöndorf (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. Alber, Freiburg im Breisgau 2007, ISBN 3-495-48213-X
  • Markus Wirtz: Geschichten des Nichts. Hegel, Nietzsche, Heidegger und das Problem der philosophischen Pluralität. Alber, Freiburg/München 2006, ISBN 3-495-48132-X
  • Joji Yorikawa: Das System der Philosophie und das Nichts. Studien zu Hegel, Schelling und Heidegger. Alber, Freiburg im Breisgau 2005, ISBN 3-495-48159-1
  • Hisaki Hashi: Die Dynamik von Sein und Nichts. Dimensionen der vergleichenden Philosophie. Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-50561-2
  • Keiji Nishitani: Was ist Religion? Insel, Frankfurt am Main 1982; als Taschenbuch: ebd. 2001, ISBN 3-458-34429-2
  • Ludger Lütkehaus: Nichts. Abschied vom Sein – Ende der Angst. Haffmans, Zürich 1999; 6. A. Haffmans bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-86150-544-4
  • Walter G. Neumann: Die Philosophie des Nichts in der Moderne. Sein und Nichts bei Hegel, Marx, Heidegger und Sartre. Die Blaue Eule, Essen 1989, ISBN 3-89206-330-3
  • Rudolf Carnap: Logische Syntax der Sprache. Springer, Wien 1934; 2. A. ebd. 1968
  • Henning Genz: Die Entdeckung des Nichts. Hamburg: Rowohlt 1999. ISBN 3-499-60729-8
  • Ute Guzzoni: Nichts. Bilder und Beispiele. Düsseldorf: Parerga 1999. ISBN 3-930450-39-9
  • Ludger Lütkehaus: Nichts. Zürich: Haffmans 1999 bzw. Frankfurt/Main: Zweitausendeins 2003
  • John D. Barrow: The Book of Nothing: Vacuums, Voids, and the Latest Ideas about the Origins of the Universe. Vintage Books; Auflage: Reprint (August 2002). ISBN 0-375-72609-8
  • bild der wissenschaft 10/2006, „Nichts“ (S. 40-59)
  • Markus Wirtz: Geschichten des Nichts. Hegel, Nietzsche, Heidegger und das Problem der philosophischen Pluralität. Freiburg/München: Alber 2006. ISBN 3-495-48132-X

Weblinks

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