Arthotec
Strukturformel
Allgemeines
Freiname Misoprostol
Andere Namen

Methyl 7-{3-hydroxy-2-[(E)-4-hydroxy-4- methyloct-1-enyl]-5-oxocyclopentyl}heptanoat

Summenformel C22H38O5
CAS-Nummer 59122-46-2
PubChem 5282381
ATC-Code
DrugBank DB00929
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

E1-Prostaglandin

Fertigpräparate
  • Monosubstanz
    • Cyprostol (A)[1]
    • Cytotec® (in D nur als Importpräparat)[2]
  • in Kombination mit Diclofenac
    • Arthotec® (forte) (A, D)
Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 382,54 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [3]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 60-61-25
S: 53-22-36/37/39-45
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
LD50

81 mg·kg−1 (Ratte p.o.) [3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Misoprostol ist ein E1-Prostaglandin, das als Medikament für die Therapie und Prävention von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren zugelassen ist.

Inhaltsverzeichnis

Indikation

Misoprostol setzt die Säurebildung im Magen herab und unterstützt die Abwehrmechanismen der Magen- Darmschleimhaut. Dadurch können die durch Säureüberproduktion oder durch Schmerzmittel entstandenen Schäden im Magen oder Zwölffingerdarm verringert werden.

Wirkmechanismus

Misoprostol hemmt als Prostaglandin-Analogon die Säureproduktion im Magen und fördert gleichzeitig die schützende Bikarbonat- und Schleimproduktion.

Nebenwirkungen

Hervorzuheben bei der Therapie von Ulzera ist der in 13 % der Fälle entstehende Durchfall, der insgesamt bei 0,5 % zu einem Abbruch der Therapie führt.

Weitere Anwendungsgebiete

Andere Anwendungsgebiete liegen in der Gynäkologie und der Geburtshilfe. Nach der Geburt wird es zur Behandlung von Blutungskomplikationen angewandt. Außerdem wird es zur Weheneinleitung und zur Unterstützung des medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs im ersten und im zweiten Drittel (Trimenon) der Schwangerschaft eingesetzt.

Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch erfolgt durch die ärztliche Gabe von Mifepriston (z. B. Mifegyne®), zwei Tage später wird Misoprostol gegeben. Missbrauchsgefahr bestand darin, dass sich schwangere Frauen unter dem Vorwand von Magenbeschwerden aufgrund von Schmerzmittelgebrauch bei ihrem Hausarzt Misoprostol verschreiben lassen konnten, das Mittel dann allerdings zum illegalen Schwangerschaftsabbruch einnahmen.

Durch diese wichtigen Indikationen befindet sich der Arzneistoff auf der WHO-Liste der Essential Medicines.[4]

In einer kleinen, offenen Studie wurde Misoprostol als wirksam beschrieben in der Behandlung einer therapierefraktären Trigeminusneuralgie bei Patienten mit Multiple Sklerose.[5]

Vertriebssituation

Misoprostol wurde in Deutschland von der Firma Pfizer vertrieben, die das Medikament allerdings im Januar 2006 vom Markt nahm. Offizielle Begründung war, dass es genügend andere Medikamente für diese Indikation gebe. Eine mögliche andere Ursachen neben den wirtschaftliche Interessen kann auch die Diskussion im Zusammenhang mit dem Paragraphen 218 gewesen sein.

Um die Versorgung in Deutschland zu sichern, wird das Präparat Cytotec® von den Firmen Kohlpharma und Eurim Pharm importiert und steht so als zugelassenes Arzneimittel dem Handel zur Verfügung.

In Österreich ist es weiterhin als Originalpräparat der Firma Pfizer als Cyprostol® im Handel.[1]

Alternativen und Zukunft des Präparates

Das Medikament Arthotec® (forte), das die Zulassung für Gelenkerkrankungen und Rheuma hat, enthält neben 200 µg Misoprostol auch die halbe bis ein Drittel der Tageshöchstdosis Diclofenac und ist deshalb nur bedingt einsetzbar.

Da der Patentschutz für Misoprostol bereits abgelaufen ist, hoffen die Gynäkologen, dass andere Hersteller dieses relativ nebenwirkungsarme und preiswerte Präparat wieder auf den deutschen Markt bringen und die gynäkologischen Indikationen beantragt werden.

Einzelnachweise

  1. a b Austria-Codex (Stand 20. Juli 2008)
  2. ABDA-Datenbank (Stand 20.07.2008) der DIMDI
  3. a b Datenblatt für Misoprostol ≥99% (TLC) – Sigma-Aldrich 20. Juli 2008
  4. http://www.who.int/medicines/publications/essentialmedicines/en/index.html Essential Medicines WHO]
  5. DMKG (Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft) study group. Misoprostol in the treatment of trigeminal neuralgia associated with multiple sclerosis. J Neurol. 2003 May; 250(5): 542-5. PMID 12736732.
Gesundheitshinweis
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