Niederländische Antillen
Nederlandse Antillen

Niederländische Antillen
Datenstand bei Auflösung am 10. Oktober 2010

Flagge der Niederländischen Antillen
Wappen der Niederländischen Antillen
Flagge Wappen
Amtssprache Niederländisch, Papiamentu, Englisch
Hauptstadt Willemstad
Staatsform zum Königreich der Niederlande gehörend
Staatsoberhaupt Königin Beatrix
Regierungschef Emily de Jongh-Elhage (letzte Regierungschefin 2010)
Fläche 800 km²
Einwohnerzahl 218.126 (Stand Juli 2004)
Bevölkerungsdichte 227.2 Einwohner pro km²
Währung Antillen-Gulden (ANG)
Nationalhymne Beautiful Islands
Zeitzone UTC −4
Kfz-Kennzeichen NA
Internet-TLD .an
Telefonvorwahl +599
Karibik Niederländische Antillen.png
Nt-map (de).png

Die Niederländischen Antillen waren ein niederländisches Überseegebiet, das geografisch zur Inselgruppe der Kleinen Antillen in der Karibik gehörte. Bis zu ihrer Auflösung am 10. Oktober 2010 bildeten sie ein Land innerhalb des Königreiches der Niederlande, neben den (europäischen) Niederlanden und Aruba, das bis Ende 1985 ebenfalls Teil der Niederländischen Antillen war.

Nach der Neuordnung der politischen Situation sind Curaçao und St. Maarten autonome Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande, vergleichbar mit Aruba. Die Inseln Bonaire, Saba und St. Eustatius sind Besondere Gemeinden der Niederlande, gehören jedoch keiner Provinz an.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Niederländischen Antillen umfassten sechs, ab 1986 fünf bewohnte Karibik-Inseln sowie einige kleinere, unbewohnte Inseln mit einer Gesamtfläche von 800 km²:

Karte aller Länder des Königreichs der Niederlande im gleichen Größenverhältnis
Flagge Name Hauptort Koordinaten Fläche
km²
Ein-
wohner
Bevölkerungs-
dichte pro km²
Gegenwärtiger Status
Flag of the Netherlands Antilles.svg Niederländische Antillen Willemstad 12° 11′ N, 68° 59′ W12.186111111111-68.989444444444Koordinaten: 12° 11′ N, 68° 59′ W 980 231.834
(2007)
237
(2007)
aufgelöst
seit 10. Oktober 2010
Flag of Curaçao.svg Curaçao Willemstad 12° 11′ N, 68° 59′ W12.186111111111-68.989444444444 444 180.592
(2007)
407
(2007)
autonomes Land im Königreich
seit 10. Oktober 2010
Flag of Bonaire.svg Bonaire Kralendijk 12° 11′ N, 68° 16′ W12.185277777778-68.261944444444 288 14.479
(2007)
50
(2007)
Besondere Gemeinde
seit 10. Oktober 2010
Flag of Aruba.svg Aruba Oranjestad 12° 31′ N, 69° 58′ W12.5225-69.971388888889 180 106.050
(2008)
589
(2007)
autonomes Land im Königreich
seit 1. Januar 1986
Flag of Sint Maarten.svg Sint Maarten Philipsburg 18° 2′ N, 62° 3′ W18.033333333333-62.05 34 33.119
(2007)
974
(2007)
autonomes Land im Königreich
seit 10. Oktober 2010
Flag of Sint Eustatius.svg Sint Eustatius Oranjestad 17° 29′ N, 62° 58′ W17.485277777778-62.973055555556 21 2.498
(2007)
119
(2007)
Besondere Gemeinde
seit 10. Oktober 2010
Flag of Saba.svg Saba The Bottom 17° 38′ N, 63° 14′ W17.639166666667-63.231666666667 13 1.424
(2007)
110
(2007)
Besondere Gemeinde
seit 10. Oktober 2010
Bevölkerungsentwicklung der Niederländischen Antillen in Tausend, 1961—2003.

Die etwa 200.000 Einwohner waren zu etwa 85 % afrikanischer Abstammung. Auf Sint Maarten erreichte die Zahl der Ausländer 49 %, also jeder Zweite hatte hier eine andere als die niederländische Staatsangehörigkeit.

Geschichte

1954 wurde den Niederländischen Antillen vollständige Autonomie in Bezug auf interne Angelegenheiten gewährt. Für Außenpolitik und Verteidigung war jedoch weiterhin das Königreich der Niederlande zuständig.

Bis zum 31. Dezember 1985 gehörte die Insel Aruba ebenfalls zum Gebiet der Niederländischen Antillen.

Politik

Die Verwaltung der Niederländischen Antillen bestand aus einer Regierung und den Staten, dem Parlament. Der Gouverneur vertrat das Staatsoberhaupt des Königreiches, Königin Beatrix, und war formell Regierungsleiter. Die politische Verantwortlichkeit lag aber bei dem Ministerpräsident und den Ministern. Die letzte Ministerpräsidentin war Emily de Jongh-Elhage. Die Staten der Niederländischen Antillen zählten 22 Sitze, nach einer festen Formel über den Inseln verteilt: 14 für Curaçao, 3 für Sint Maarten, 3 für Bonaire, 1 Sitz für Sint Eustatius sowie 1 für Saba. Regierungskoalitionen bildeten sich in der Regel aus den Parteien der verschiedenen Inseln.

Die Niederländischen Antillen waren nicht Teil der Europäischen Union, sondern hatten eine bevorzugte Beziehung unter dem Status von Überseeischen Ländern und Hoheitsgebieten.

Seit Anfang 2006 waren die Inseln Grund für außenpolitische Differenzen zwischen Venezuela und dem Königreich der Niederlande. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez behauptete, die Niederlande würden den USA die Errichtung von Militärbasen erlauben, die für eine geplante Invasion Venezuelas genutzt werden sollten. Am 23. Mai 2006 begann ein internationales Militärmanöver (Joint Caribbean Lion 2006) unter Beteiligung der US-Navy.

Reform der Beziehungen im Königreich

Anfang der 1990er Jahre begann eine Diskussion über die politische Zukunft der Niederländischen Antillen. Manche Politiker auf Curaçao und Sint Maarten, unter diesen auch Mitglieder der damaligen Antillen-Regierung, befürworteten eine Autonomie (Status aparte) für ihre Inseln nach dem Vorbild von Aruba. In Referenden auf den verschiedenen Inseln sprach sich 1993 und 1994 die Mehrheit der Stimmberechtigten jedoch für den Fortbestand von „neu strukturierten“ Niederländischen Antillen aus. Auf Curaçao z. B. stimmten damals 73,6 % für einen Verbleib im Verband der Niederländischen Antillen, 17,9 % für Autonomie, 8 % für Eingliederung in die Niederlande (als Provinz oder Gemeinde) und nur 0,5 % für vollständige Unabhängigkeit. Auf den anderen Inseln war das Ergebnis vergleichbar, nur auf Sint Maarten war eine große Minderheit von 32 % für Autonomie. Die Regierung trat daraufhin zurück.

Nachdem sich die Bevölkerung Sint Maartens in einem neuen Referendum Juni 2000 mit 69 % für Autonomie aussprach, begannen erneut Gespräche über die Auflösung der Niederländischen Antillen als politische Einheit. Ein spezieller Beratungsausschuss aus Politikern und Experten empfahl der niederländischen Regierung 2004 die Auflösung des Landes Niederländische Antillen, die Bildung zweier neuer Länder Curaçao und Sint Maarten innerhalb des Königreichs der Niederlande und die Eingliederung der übrigen Inseln Bonaire, Saba und Sint Eustatius in die Niederlande. In neuen Referenden auf den Inseln (außerhalb Sint Maartens) bestätigte die Bevölkerung 2004 und 2005 die Empfehlungen des Ausschusses, nur auf Sint Eustatius stimmte eine Mehrheit weiterhin für einen Fortbestand der Niederländischen Antillen. Ende 2005 erreichten die Inseln Übereinstimmung mit der niederländischen Regierung über die Auflösung der Niederländischen Antillen 2008. Am 11. Oktober 2006 gelangten Bonaire, Saba und Sint Eustatius zu einem Übereinkommen mit den Niederlanden über ihren künftigen Rechtsstatus als „Besondere Gemeinden“ der Niederlande.

Am 15. Dezember 2008 wurde an einem Runden Tisch auf Curaçao beschlossen, dass das Land Niederländische Antillen bis 2010 aufgelöst wird. Zum 10. Oktober 2010 wurde die Auflösung vollzogen.

Es gibt auch Kritik an der Neuordnung, in der von „Rekolonialisierung“ die Rede ist.

Sprachen

Niederländisch und Papiamentu waren die zwei offiziellen Amtssprachen der Niederländischen Antillen. Auf den Inseln über dem Winde (St. Maarten, Saba, St. Eustatius) war Englisch die Verkehrssprache, auf den Inseln unter dem Winde (Bonaire, Curaçao) war Papiamentu die Verkehrssprache und zweite Amtssprache. Der Unterricht in den Schulen fand in der Grundschule wahlweise auf Englisch oder Niederländisch (St. Maarten, Saba, St. Eustatius) bzw. Papiamentu oder Niederländisch (Bonaire, Curaçao) statt. Ab der Mittelschule (5. Klasse) fand der Unterricht nur noch auf Niederländisch statt, weil die Abschlussprüfung auf Niederländisch und die gleiche Prüfung wie in den Niederlanden war. Der weitere Hochschulunterricht fand in den Niederlanden statt. Ab dem Schuljahr 2008/09 wurde auf Curaçao der Unterricht nicht mehr auf Papiamentu gegeben, da zu viele Defizite zu Tage getreten sind (es gab z. B. ausschließlich niederländischsprachige Lehrbücher). Der katholische Schulverband beschloss daher, ab dem Schuljahr 2008/09 wieder von der ersten Klasse an auf Niederländisch zu unterrichten. Dies entsprach auch dem Wunsch des Großteils der Bevölkerung. Seit Jahren waren die Anmeldungen für niederländischsprachige Schulen um das Zigfache höher, als Plätze vorhanden waren. Die Abschlussprüfungen wurden auf Niederländisch gestellt.

Alle öffentlichen Bekanntmachungen und Gesetze wurden auf Niederländisch abgefasst. Die Literatur der Inseln der ehemaligen niederländischen Antillen wurde hauptsächlich auf Niederländisch und Papiamentu geschrieben, nur ein kleiner Teil auf Englisch und Spanisch. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, welche Sprache wie viele Muttersprachler hatte.

Die am häufigsten gesprochenen Muttersprachen in Prozent der Bevölkerung (Volkszählung 2001)
Insel Papiamentu Englisch Niederländisch Spanisch Andere
Bonaire 75 3 9 12 2
Curaçao 81 3 8 6 2
Saba 1 88 2 5 4
Sint Eustatius 2 83 4 6 6
Sint Maarten 2 68 4 13 13
Niederländische Antillen 65 16 7 6 5

Infrastruktur

Airbus A340 der Air France im Landeanflug auf den Princess Juliana Airport

Das Stromnetz der ehemaligen Niederländischen Antillen hat 110 Volt und 60 Hertz.

Erwähnung verdient der Flughafen St. Maartens, der Princess Juliana Airport, dessen Lage zahlreiche Schaulustige anlockt und begeistert. Der Landeanflug führt in den meisten Fällen bis kurz vor dem Aufsetzen der Maschinen über das Wasser. Unmittelbar vor der Landebahn befindet sich ein Strand, der gerne von Schaulustigen und anderen Interessierten aufgesucht wird, trotz des erheblichen Lärmes und den mitunter heftigen Böen, die durch die Flugzeuge verursacht werden. Die Flugzeuge fliegen die Landebahn über den Strand teilweise in nur etwa 20  Metern Höhe an.

Wirtschaft

Neben dem Fremdenverkehr, der die Haupteinnahmequelle der Inseln war, dienten die Inseln zahlreichen Banken als Zentrum. Daneben existierten auch kleinere Ölraffinerien.

Weblinks

 Commons: Niederländische Antillen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Niederländische Antillen – geographische und historische Karten

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