Arthur-Schnitzler-Archiv Freiburg

Das Freiburger Schnitzler-Archiv ist einer der wichtigsten Verwahrungsorte von Nachlassmaterial des österreichischen Schriftstellers und Arztes Arthur Schnitzler (1862-1931). Es wurde Mitte der 1960er Jahre in Freiburg gegründet und ist dem Deutschen Seminar II der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau angegliedert. Das umfangreiche Kopienarchiv umfasst den Großteil von Arthur Schnitzlers Nachlass.

Inhaltsverzeichnis

Schnitzlers Nachlass

Nach Schnitzlers Tod im Oktober 1931 wurde der größte Teil seines Nachlasses in seinem Wiener Haus in der Sternwartestraße 71 belassen und dort für wissenschaftliche Zwecke zugänglich gemacht. Als im Frühjahr 1938 die Nationalsozialisten in Wien einmarschierten, geriet der Nachlass aufgrund Schnitzlers jüdischer Herkunft in Gefahr. Eric A. Blackall, einem englischen Studenten, der sich damals gerade zu Forschungszwecken in Wien befand, ist es zu verdanken, dass der Nachlass mit der Unterstützung der englischen Botschaft zügig außer Landes gebracht werden konnte und in der Universitätsbibliothek Cambridge einen neuen Verwahrungsort fand.

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde der Cambridger Nachlass auf Anordnung von Schnitzler Sohn Heinrich auf 37 Mikrofilmrollen reproduziert und an zwei Forschungseinrichtungen in den USA (University of California, Los Angeles (UCLA) und International Arthur Schnitzler Research Association (IASRA) Binghamton im U.S.-Staat New York) sowie an die Universität Freiburg i. Br. überstellt, zu der Heinrich Schnitzler über den Freiburger Germanisten Gerhart Baumann Kontakt hatte.

Gründung des Archivs

Um das Nachlassmaterial der Schnitzler-Forschung leichter zugänglich zu machen, wurde kurz darauf die Gründung eines eigenen Archivs beschlossen. Mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und unter Mitarbeit von Gerhard Neumann und Jutta Müller wurden von den Mikrofilmen Xerokopien angefertigt. Diese wurden nach einem neuen System geordnet, in Spezialkartons abgelegt und in einem Findbuch verzeichnet, das 1969 im Münchener Verlag Wilhelm Fink erschien (siehe Literaturliste). Die Räumlichkeiten des Schnitzler-Archivs befinden sich seither in der Belfortstraße 20 in Freiburg.

Bestand

Der Kernbestand des Archivs umfasst ca. 43.460 Blatt. Zum Nachlass gehörten in der Hauptsache textgenetisches Material zu fast jedem veröffentlichten Werk Schnitzlers, Manuskripte unveröffentlichter Arbeiten, Autobiographisches sowie zahlreiche Briefe. 2006 wurde das gesamte Material digitalisiert.

Nicht in diesem Nachlass enthalten sind Schnitzlers Tagebücher sowie seine persönliche Dokumente (Zeugnisse, Urkunden, Fotos etc.). Diese befinden sich zusammen mit einer großen Anzahl weiterer Briefe sowie einzelner Werkmanuskripte im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

In den letzten Jahren hat sich das Schnitzler-Archiv darum bemüht, seinen Bestand zu erweitern. Im Zuge einer umfangreichen Arrondierung wurden Kopien weiterer Werkmanuskripte erworben, die sich neben dem Deutschen Literaturarchiv Marbach beispielsweise auch in der Österreichischen Nationalbibliothek oder der Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem befinden. Zugleich wurde mit dem Aufbau einer Sammlung von Erstausgaben, Erstdrucken sowie Schnitzler-Verfilmungen begonnen.

Benutzung

Das Schnitzler-Archiv verfügt derzeit noch nicht über eine eigene Datenbank, es ist explizit allein über das Findbuch von Neumann/Müller erschlossen. Es ist jedoch indirekt möglich, nach den Beständen des Schnitzler-Archivs auch in der Datenbank "Kallías" des Deutschen Literaturarchivs Marbach zu recherchieren, da diese neben ihren eigenen Beständen auch den Cambridger Bestand erfasst.

Alle Bestände sind im Archiv zugänglich und verwendbar. Benutzer verpflichten sich, von allen Veröffentlichungen und deren späteren Auflagen oder Nachverwertungen, in denen sie Material aus den Archivalien ausgewertet haben, dem Schnitzler-Archiv nach dem Erscheinen einen Beleg kostenlos zuzustellen. Das gilt auch für Examens-, Diplom- und Magisterarbeiten. In der Veröffentlichung muss das Schnitzler-Archiv der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg als Besitzer der Archivalien genannt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, in beschränktem Umfang Kopien der gewünschten Texte zu erwerben.

Quellen und Literaturhinweise

  • Donald G. Daviau: Hermann Bahr, Arthur Schnitzler and Raoul Aurnheimer: Nachlass- und Editionsprobleme; In: Roth, Marie-Louise; Schöder-Werle, Renate; Zeller, Hans (Hrsg.): Nachlaß- und Editionsprobleme bei modernen Schriftstellern. Beiträge zu den Internationalen Robert-Musil-Symposien Brüssel 1976 und Saarbrücken 1977. Bern 1981, S. 107-116.
  • Jutta Müller; Gerhard Neumann: Der Nachlass Arthur Schnitzlers. Verzeichnis des im Schnitzler-Archiv der Universität Freiburg i.Br. befindlichen Materials. Mit einem Vorwort von Gerhart Baumann und einem Anhang von Heinrich Schnitzler: Verzeichnis des in Wien vorhandenen Nachlassmaterials. München 1969. (Einleitende Bemerkungen zur "Gestalt und Geschichte des Nachlasses".)
  • Ulrich Ott: Jahresbericht der Deutschen Schillergesellschaft 1985; In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft, 30 (1986), S. 689-717.
  • Michael Perlmann: Arthur Schnitzler. Sammlung Metzler Bd. 239. Stuttgart 1987, S. 1-2. (Kapitel 1: Der Nachlaß.)
  • Otto P. Schinnerer: Arthur Schnitzler's "Nachlasz"; In: The Germanic Review. Vol. VIII (1933), S. 114-123.
  • Heinrich Schnitzler: Der Nachlass meines Vaters; In: Aufbau (New York), 9. November 1951, S. 9-10.
  • Heinrich Schnitzler: "Ich bin kein Dichter, ich bin Naturforscher". Der Nachlaß meines Vaters. Die neue Zeitung, München, Nr. 247 (20/21. Oktober 1951), S. 9-10. (Ausführlichere Version des "Aufbau"-Artikels.)
  • Robert O. Weiss: The Arthur Schnitzler Archive at the University of Kentucky. A series of microflims made from Arthur Schnitzler's Nachlaß; In: IASRA. Vol. 2, Nr. 4 (1963-1964), S. 11-26.; MAL 4 (1971), Nr. 1, S. 63-76.
  • Werner Welzig: Im Archiv und über Briefen. Mitteilungen aus dem Nachlaß Arthur Schnitzlers; In: Krummacher, Hans-Henrik; Martini, Fritz; Müller-Seidel, Walter (Hrsg.): Zeit der Moderne. Zur deutschen Literatur von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart. Stuttgart 1984, S. 441-444.

Weblinks

47.9936827.8442837Koordinaten: 47° 59′ 37″ N, 7° 50′ 39″ O


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