Nieswurz

Nieswurz
Nieswurz
Nieswurz-Hybride (Helleborus x hybridus)

Nieswurz-Hybride (Helleborus x hybridus)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Helleboreae
Gattung: Nieswurz
Wissenschaftlicher Name
Helleborus
L.

Die Gattung Nieswurz (Helleborus), auch Christrosen, Schneerosen oder Lenzrosen genannt, gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die Gattung umfasst 15 bis 25 Arten.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Helleborus-Arten sind von Europa über Kleinasien bis Zentralasien verbreitet; eine von den ersten Siedlern als Heilpflanze genutzte Art hat sich in Nordamerika ausgebreitet (Grüne Nieswurz Helleborus viridis). Einige Arten und Sorten werden als Zierpflanzen verwendet und sind in manchen Ländern verwildert. Die Arten und Sorten sind fast alle winterhart und blühen im Winter und im Frühjahr.

Alle Arten sind giftig und stehen teilweise unter Naturschutz.

Namensherkunft

Der deutsche Name ist auf den Umstand zurückzuführen, dass das geriebene Pulver der Wurzel der Pflanze (wie auch manch anderer, z. B. Veratrum) Niesreiz auslöst (s. Niesen).

Die Etymologie des wissenschaftlichen Namens gilt als ungeklärt. Die Gattungsbezeichnung leitet sich entweder aus den griechischen Wörtern hellein = töten und bora = Speise ab oder aus den griechischen Wörtern ellós = Hirschkalb und bora = Speise.[1] Der abgeleitete Begriff (h)elleborosus = verrückt weist auf die Tatsache hin, dass Nieswurz im Altertum als Mittel für Geisteskranke Verwendung fand.[2]

Beschreibung

Purpur-Nieswurz
Nieswurz-Hybride
Tibet-Nieswurz (Helleborus thibetanus)

Helleborus-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen, die meist Rhizome als Überdauerungsorgane ausbilden. Die großen Laubblätter sind meist geteilt.

An einem Blütenstand (es ist eine Cyme) können ein bis viele Blüten sitzen. Sie besitzen laubblattförmige Hochblätter. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch. Die Blütenfarben reichen von rot bis violett und weiß bis grün. Die fünf Kelchblätter sind groß und dekorativ in unterschiedlichen Farben und sind meist auch noch während der Fruchtreife vorhanden. Die fünf bis 15 Kronblätter sind klein. In jeder Blüte sind viele (30 bis 60) Staubblätter und zwei bis zehn freie Fruchtblätter vorhanden.

Nutzung

Unter den Nieswurzen wird insbesondere die Christrose und ihre Sorten verwendet. Als Art, die am besten auch Sonne und Trockenheit toleriert, gilt jedoch die Korsische Nieswurz mit ihren becherförmigen grünen Blüten.

Mittlerweile wurden auch eine Reihe von Hybriden gezüchtet. Zu diesen gehört beispielsweise die Sorte Helleborus 'Queen of the Night', die eine Kreuzung der Orientalischen Nieswurz und Purpur-Nieswurz (Helleborus purpurascens) ist.

Die Verwendung als Heilpflanze hat dafür gesorgt, dass zwei Nieswurz-Arten mittlerweile in Mitteleuropa auch eingebürgert sind. Sowohl die Christrose als auch die Grüne Nieswurz wurden gelegentlich über Gartenabfälle verschleppt und siedelten sich daher auch in der freien Natur an. Die Grüne Nieswurz ist besonders im Alpenvorland in lichten Wäldern und an Weinbergrändern zu finden. Der erste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahre 1798.

Nieswurzen als Gift- und Heilpflanze

Die Nieswurz enthält einige pharmakologisch wichtige und nutzbringende Inhaltsstoffe: Saponin und die Glykoside Helleborein und Hellebrin sind in der ganzen Pflanze zu finden. Helleborein hat Digitaliswirkung. Der Geruch der Inhaltsstoffe führt zu einem starken Niesreiz.

Die Giftwirkung war schon im Altertum bekannt (Name von griech. helein = töten). So wird berichtet, dass Solon im Jahre 600 v. Chr. als Kriegslist einen Bach mit zerkleinerten Helleborus-Rhizomen (vermutlich Helleborus odorus) vergiftete und damit den Feind, der aus dem Bach trank, kampfunfähig machte. Auch Frontinus berichtet in seinen Stratagema von der Vergiftung der Einwohner von Krissa mit elleboro durch Kleisthenes von Sikyon.[3]

Nieswurzen wurden aber auch in der Vergangenheit bereits als Heilpflanze verwendet, wie man aus den Erwähnungen bei Hippokrates, Hildegard von Bingen, Paracelsus, Hieronymus Bock, Pietro Andrea Mattioli, Christoph Wilhelm Hufeland und Rudolf Steiner schließen kann. Aus diesem Grund erhielt die Christrose bereits im 16. Jahrhundert Einzug in die Gärten. Der dunkelbraune Wurzelstock wurde pulverisiert als Herzmittel und urintreibendes Medikament eingesetzt. Frühzeitig wiesen die Kräuterbücher des 16. und 17. Jahrhunderts allerdings auch auf die Giftigkeit der Pflanze hin und warnten vor Überdosierung. In Der Klosterjäger von Ludwig Ganghofer warnt der Titelheld einen Frater, dem er die Nieswurz bringen soll: „Zwei Tröpflein machen rot, zehn Tropfen machen tot.“

Legenden

In Ovids Metamorphosen, in der Bibliotheke des Apollodor und bei Vergil wird von der Kur des Melampus berichtet. Der Ziegenhirt heilte die drei Töchter des Königs Proetus von Argus von ihrem Wahnsinn (sie waren überzeugt Kühe zu sein und rannten auf der Wiese umher), indem er ihnen Milch mit einem Nieswurzaufguss zu trinken gab.

Angeblich verdanken wir das Lied Es ist ein Ros entsprungen der Tatsache, dass der Mönch Laurentius auf einer Winterwanderung vom Anblick einer Christrose inspiriert wurde.

Nach einer anderen Legende beheimatet die Pflanze die Seele eines Kindes, welches in einer bitterkalten Nacht verstoßen wurde und von der Göttin Freya aus Mitleid in die Pflanze verwandelt wurde. Sie gilt deshalb als Symbol von Unberührtheit und Unschuld.

Arten

Es gibt 15 bis 25 Helleborus-Arten:

  • Helleborus abruzzicus
  • Korsische Nieswurz (Helleborus argutifolius, Syn.: Helleborus lividus ssp. corsicus)
  • Helleborus atrorubens
  • Helleborus bocconei
  • Helleborus croaticus
  • Helleborus cyclophyllus
  • Hecken-Nieswurz (Helleborus dumetorum)
  • Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus)
  • Helleborus hercegovinus
  • Helleborus istriacus
  • Helleborus liguricus
  • Mallorquinische Nieswurz (Helleborus lividus)
  • Helleborus multifidus
  • Schneerose (Helleborus niger); Diese Art wird (in Deutschland) meist Christrose genannt.
  • Helleborus occidentalis
  • Wohlriechende Nieswurz (Helleborus odorus)
  • Orientalische Nieswurz, Lenzrose (Helleborus orientalis)
  • Purpur-Nieswurz (Helleborus purpurascens)
  • Tibet-Nieswurz (Helleborus thibetanus)
  • Helleborus torquatus
  • Blasige Nieswurz (Helleborus vesicarius)
  • Grüne Nieswurz (Helleborus viridis)

Literatur

  • Heinz-Dieter Krausch: Kaiserkron und Päonien rot... - Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-935549-23-7
  • Westrich und Schmiemann. Helen Ballard - The Hellebore Queen. Edition Art and Nature, Köln 1997.

Einzelnachweise

  1. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage, Birkhäuser, Basel 1996 (Nachdruck ISBN 3-937872-16-7), S. 284
  2. Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8. Auflage, Hannover 1913
  3. Frontinus, Stratagema III, 7. http://www.thelatinlibrary.com/frontinus/strat3.shtml

Weblinks

 Commons: Nieswurz – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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