Arthur Flegenheimer

Dutch Schultz eigentlich: Arthur Flegenheimer (* 6. August 1902 in der Bronx, New York City; † 24. Oktober 1935 in Newark) war ein US-amerikanischer Gangster und führte eine der bedeutenden Banden an, die der „Kosher Nostra“ zuzurechnen ist.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Kriminelle Karriere

Arthur Flegenheimer ist deutsch-jüdischer Abstammung. In seiner Jugend lernte er Meyer Lansky, Bugsy Siegel und Lucky Luciano kennen. Er begann schon früh seine kriminelle Karriere und wurde im Alter von 17 Jahren das erste Mal wegen Einbruchs zu 15 Monaten Haft verurteilt.[1]

Nach seiner Freilassung ließ er sich „Dutch Schultz“ nennen, nach dem Vorbild eines Gangsters aus vergangenen Tagen, und scharte eine Bande um sich, die zunächst ihre Aktivitäten im Glücksspielautomaten-Geschäft konzentrierte. Er erkannte schnell, dass sich während der Prohibition mit dem Schmuggel sehr viel Geld verdienen ließ. Schultz und sein Partner Joey Noe schmuggelten vor allem Bier. Dies geschah mit so großem Erfolg, dass er auch der Beer Baron der Bronx genannt wurde. Seine Einnahmen wurden auf 2 Mio. US-Dollar pro Jahr geschätzt.[1]

Sein Partner im benachbarten Manhattan war Owney Madden, der den West Side Irish Mob anführte, und insbesondere den irischen Stadtteil Hell's Kitchen unter seine Kontrolle hatte.

Nach dem Ende der Alkoholprohibition beherrschte er die durch italienische Einwanderer eingeführte Straßenlotterie, das „Number Game“ bzw. „Policy Game“ (d.h. Nummernspiel), welche seitens der Strafverfolgung als „Number Racket“ bzw. „Policy Racket“ klassifiziert wurde. Schultz erwarb das Monopol, indem er Casper Holstein und Stephanie St. Clair aus diesen Aktivitäten verdrängte.

Das Ende

1933 wurde Fiorello LaGuardia zum Bürgermeister von New York gewählt. Nachdem einer sein Vorgänger (Jimmy Walker) wegen Annahme von Schmiergeldern zurückgetreten, angeklagt und nach Europa geflohen war, bestimmte er Thomas E. Dewey zum Sonderankläger. Damit versuchte der neue Bürgermeister die Macht der Tammany Hall zu brechen, denn Dewey wendete sich gegen das organisierte Glücksspiel, welches bereits geschäftliche Grundlage der klassischen Banden wie der Eastman Gang oder der Five Points Gang gewesen war und nun insbesondere von Dutch Schultz und seinen Schlägern organisiert wurde. Per Radio bat Dewey um Informationen und erhielt über 3000 Hinweise. Nachdem Schultz zunächst 1933 wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde, ging Dewey dann auch gegen Lucky Luciano wegen Prostitution und Mädchenhandel vor.[2]

Während seiner Inhaftierung fungierte Bo Weinberg als Stellvertreter. Als Schultz wieder freigelassen wurde, hatte er den Eindruck, dass Weinberg nicht mehr loyal sei und in geheimen Kontakt mit Lucky Luciano und Louis Buchalter stand, um ihn endgültig abzulösen. Hintergrund war, dass sich Luciano und andere hochrangige Mitglieder des Organisierten Verbrechens gegen einen von Dutch Schultz geplanten Mordanschlag auf Dewey ausgesprochen hatten, da sie der Auffassung waren, dass eine solche Tat die Position ihrer Organisationen schwächen und eine erhöhte Aufmerksamkeit der Ermittlungsbehörden nach sich ziehen würde. Die Mordabsicht war durch Albert Anastasia, den Shultz für das Vorhaben gewinnen wollte, an Lucky Luciano und Meyer Lansky verraten worden. Noch vor seiner Urteilsverkündung versuchte Luciano, Dutch Schultz von einem Mord an Dewey abzuhalten. Die „Commission“ des National Crime Syndicate beschloss nach dessen Weigerung seinen Tod, um Gefahren für die Gesamtorganisation abzuwenden, welche die Ermordung des Staatsanwaltes unweigerlich nach sich gezogen hätte.

Am 9. September 1935 verschwand Bo Weinberg nach dem Besuch eines Nachtclubs in Midtown Manhattan und wurde nie wieder gesehen. Gerüchte besagen, Schultz hätte die Füße von Weinberg einzementiert und ihn dann in den East River geworfen. Der Mordbefehl der „Commission“ wurde dadurch nicht rückgängig gemacht; möglicherweise wurde er erst durch den Mord an Bo Weinberg ausgelöst: am 23. Oktober 1935 wurde Dutch Schultz von Charles Workman auf der Herrentoilette des „Palace Chop House“ in Newark angeschossen. Er starb am nächsten Tag um 20:35 Uhr im Newark Hospital. Zusammen mit ihm wurden auch sein Buchhalter Otto Berman, sein Leibwächter Lulu Rosenkrantz und sein Haupthandlanger Abe Landau bei dem Überfall von Charles Workman und seinem Komplizen Emanuel Weiss angeschossen. Sie alle starben wenig später an ihren Schusswunden.

Folgen

Mit Schultz waren auch viele Hauptgefolgsleute ausgeschaltet worden; die Lotterie wurde von Michael "Trigger Mike" Coppola übernommen. Lucky Luciano wurde zu 25 bis 50 Jahren verurteilt. Ironischerweise wurde Luciano 1946 von seinem ursprünglichen Ankläger Thomas E. Dewey freigelassen, da dieser inzwischen der Gouverneur von New York geworden war; bei der Entlassung soll es auch indirekt eine Rolle gespielt haben, dass Luciano die Ermordung Dewey durch Dutch Schultz verhindern wollte. Die restlichen Angehörigen des Dutch-Mobs dürften unter das Kommando von Louis Buchalter gekommen sein.[1]

Adaptionen

Belletristik

Im Roman Billy Bathgate [3] von E. L. Doctorow wird der fiktive jugendliche Held Billy Bathgate erst Laufbursche, dann Maskottchen und schließlich Vertrauter von Dutch Schulz.

Filme und Filmzitate

Insgesamt 17 Mal wurde Schultz in verschiedenen Kriminalfilmen seit 1936 dargestellt - darunter auch von Rutger Hauer, Dustin Hoffman und Vic Morrow - porträtiert oder zitiert:

  • 1959: The Lawless Years
  • 1959: The Untouchables, TV-Mini-Serie
  • 1961: „Tote können nicht mehr singen“ (OT: Portrait of a Mobster); Dieser Film gilt immer noch als bekanntester biografischer Film, in dem Vic Morrow Schultz verkörpert.
  • 1961: Mad Dog Coll
  • 1975: Lebke
  • 1978: Fantasy Island
  • 1981: The Gangster Chronicles
  • 1981: Gangsters Wars
  • 1984: The Cotton Club; James Remar
  • 1984: The Natural
  • 1987: Unsolved Mysteries: US-amerikanische Doku-Serie; Folge: Dutch Schultz's Treasure
  • 1989: The Revenge of Al Capone; Fernsehproduktion
  • 1991: Billy Bathgate; Dustin Hoffman
  • 1992: Hit the Dutchman
  • 1993: The Outfit
  • 1994: Trust in Me
  • 1997: Simpsons: In Staffel 8, Folge 18: Der mysteriöse Bier-Baron (OT: Homer vs. The Eighteenth Amendment - 4F15) wird Dutch Schultz und die Alkoholprohibition persifliert.
  • 1997: Harlem, N.Y.C. – Der Preis der Macht (OT: Hoodlum): Tim Roth
  • 2001: The Last Words of Dutch Schultz
  • 2001: Digging for Dutch: The Search for the Lost Treasure of Dutch Schultz; US-amerikanische Dokumentation
  • 2003: History's Mysteries: Infamous Murders; Doku-Serie; Folge: New York Mafia Murders
  • 2005: Empire of Crime: A Century of the New York Mob; TV-Dokumentation

Quellen

Einzelnachweise

  1. a b c Dieter Sinn: Das große Verbrecher-Lexikon. Lizenzausgabe 1984. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH. S.188f. ISBN 3-88199-146-8
  2. „Mafia, Geheimdienste und Politik der USA. Teil 1 (1865 bis 1938)“ auf www.us-politik.ch
  3. E. L. Doctorow: Billy Bathgate. ISBN 3-462-03660-2. Deutsche Übersetzung Angela Praesent. Goldmann in Lizenz des Verlags Kiepenheuer & Witsch, Köln 1997. ISBN 3-442-72176-8

Literatur

  • William S. Burroughs : Die letzten Worte von Dutch Schultz Frankfurt a.M. 1975. Ullstein. ISBN 3-548-03116-1. OT:The Last Words of Dutch Schultz Viking Press 1969 ISBN 978-1559702119
  • Paul Sann: Kill the Dutchman! The Story of Dutch Schultz. Arlington House. 1971
  • Gerald Tomlinson: Murdered in Jersey. New Brunswick, New Jersey: Rutgers University Press, 1994. ISBN 0-8135-2078-9

Weblinks




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  • Schultz, Dutch — orig. Arthur Flegenheimer born Aug. 6, 1902, Bronx, N.Y., U.S. died Oct. 23, 1935, Newark, N.J. U.S. gangster. Schultz advanced from burglaries to bootlegging, ownership of breweries and speakeasies, and policy rackets in the Bronx and Manhattan …   Universalium

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