Nikolaus Cryfftz

Nikolaus Cryfftz
Nikolaus von Kues

Nikolaus von Kues, latinisiert Nicolaus Cusanus oder Nicolaus de Cusa (* 1401 in Kues an der Mosel, heute Bernkastel-Kues; † 11. August 1464 in Todi, Umbrien) war ein berühmter, universal gebildeter deutscher Philosoph, Theologe und Mathematiker. Auch in der Kirchenpolitik spielte er als Kardinal (ab 1448), päpstlicher Legat und ab 1450 Fürstbischof von Brixen eine bedeutende Rolle, insbesondere in den Auseinandersetzungen um die Kirchenreform. Er gehörte zu den ersten deutschen Humanisten in der Epoche des Übergangs zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Studium

Nikolaus von Kues wurde als Nikolaus Cryfftz in Kues an der Mosel geboren. Sein Vater Johann („Henne“) Cryfftz war als Schiffer ein wohlhabender Kaufmann. Mit dem Familiennamen Cryfftz (Krebs, lateinisch Cancer) nannte sich Nikolaus letztmals 1430; dieser Name wurde später hauptsächlich von seinen politischen Gegnern weiterbenutzt, während Nikolaus selbst nach Art der Humanisten den Gelehrtennamen Nicolaus Treverensis ("Nikolaus von Trier") oder Nicolaus de Cusa trug. In Heidelberg immatrikulierte er sich 1416 in der Artistenfakultät der dortigen Universität, in der damals der Nominalismus die vorherrschende philosophische Richtung war. Im folgenden Jahr verließ er Heidelberg. Wahrscheinlich schon damals, spätestens 1420 ging er nach Padua zum Studium des Kirchenrechts, das er 1423 mit der Promotion zum doctor decretorum („Doktor der Dekrete“) abschloss. In Padua knüpfte er Kontakte zu Persönlichkeiten, die in der Folgezeit prominente Kirchenmänner wurden, den späteren Kardinälen Giuliano Cesarini[1] und Domenico Capranica. Dort schloss er auch eine lebenslange Freundschaft mit dem bedeutenden Mathematiker und Astronomen Paolo dal Pozzo Toscanelli. Entsprechend seinem allseitigen Bildungsinteresse erwarb er eine Fülle von Kenntnissen auf Gebieten, die in keinem Zusammenhang mit seinem Studienfach standen.

Pfründen und Ämter

Spätestens Anfang Februar 1425 war Nikolaus wieder in Kues. Er trat in den Dienst des dort zuständigen Erzbischofs von Trier, Otto von Ziegenhain, in dessen Auftrag er 1427 seine erste Romreise unternahm. Otto machte ihn zu seinem Sekretär und verschaffte ihm zahlreiche Pfründen (mit regelmäßigen Einkünften verbundene kirchliche Ämter), darunter insbesondere die Dekanei am Stift St. Florin in Koblenz mit einem Kanonikat. Der Erwerb von Pfründen war ihm ebenso wie anderen Humanisten stets ein wichtiges Anliegen, denn die damit verbundenen Einkünfte verschafften ihm seinen Lebensunterhalt und die materielle Grundlage für seine ausgedehnten Aktivitäten. Die Einnahmen aus den Pfründen beliefen sich im Jahr 1446 auf mindestens 1500 Gulden jährlich. Insgesamt hat Nikolaus im Lauf seines Lebens 30 Pfründen entweder besessen oder in seinen Besitz zu bringen versucht. Er kümmerte sich intensiv um seine Pfründen und die mit ihren verbundene Wirtschaftsführung, wobei ihm seine ökonomische Begabung zugute kam. Damaligem Brauch entsprechend hatte Nikolaus geistliche Ämter inne, ohne die entsprechenden Weihen zu besitzen; die Priesterweihe erhielt er erst zwischen 1436 und 1440.

Dass er zu den erfolgreichen „Pfründenjägern“ gehörte, zeigt die lange Liste seiner geistlichen Ämter, darunter: Pfarrkirche St. Andreas in Altrich (1425–1429); Kanonikat an St. Simeon in Trier (1426–1428); Pfarrkirche St. Gangolf in Trier (ab 1427); Dekanei an Liebfrauen in Oberwesel (1427–1431, 1431 gegen eine Jahresrente getauscht); Dekanei an St. Florin in Koblenz (1427–1445); Kanonikat an St. Kastor in Karden (1430 bis nach 1452); Kanonikat an St. Florin in Koblenz (ab 1430); Vikarie an St. Paulin in Trier (1430 bis nach 1438); Kanonikat an St. Martin in Oberwesel (1433 bezeugt); Propstei in Münstermaifeld (1435–1445); Pfarrkirche Bernkastel (1436-1441 bezeugt); Propstei in Magdeburg (1437-1439 bezeugt; dort konnte sich Nikolaus jedoch nicht durchsetzen); Kanonikat in Lüttich (1438-1461); Propstei von St. Aposteln in Köln (1441; erlangt, aber nicht realisiert); Johannes-Altar in Münstermaifeld (ab 1442); ein päpstliches Subdiakonat (ab 1443); Pfarrkirche in Schindel (1443–1464); Kanonikat und Domherrenpräbende in Utrecht (1443–1446); Archidiakonat von Brabant (1445–1455/59); Propstei in Oldenzaal (1446 bis 1452/53); Pfarrkirche von St. Wendel (ab 1446 bezeugt); Titelkirche St. Peter ad Vincula in Rom (1449–1464); päpstliche Vollmacht zur Übertragung von 10 Kanonikaten sowie zur Reservierung von 10 Präbenden und 20 weiteren Benefizien (1450); Bistum Brixen (1450–1464); Propstei in Münstermaifeld (durch Rücktausch erneut erhalten, 1455/59–1464); Abtei SS. Severo e Martirio bei Orvieto (1463–64); Propstei von St. Mauritius in Hildesheim (1463 erhalten, aber nicht realisiert).[2]

Humanistische und wissenschaftliche Aktivitäten

Im Frühjahr 1425 ließ sich Nikolaus an der Universität Köln als Doktor des Kirchenrechts immatrikulieren. Wahrscheinlich unterrichtete er dann dort in der juristischen Fakultät, doch gibt es dafür keinen Beleg. Er schloss Freundschaft mit dem sechs Jahre älteren Professor Heymericus de Campo, der in Köln zunächst an der Fakultät der Artes tätig war und ab 1428 Theologie unterrichtete. Heymericus, der zur Traditionslinie des scholastischen Philosophen und Theologen Albertus Magnus gehörte, beeinflusste Nikolaus stark; er brachte ihm den Neuplatonismus nahe und machte ihn mit den Schriften des Pseudo-Dionysius Areopagita vertraut, die dem Mittelalter spätantikes neuplatonisches Gedankengut vermittelt hatten. 1428 reisten Heymericus und Nikolaus nach Paris, um dort Werke des katalanischen Denkers Raimundus Lullus zu studieren. Nikolaus setzte sich intensiv mit Lullus auseinander; er schrieb viele Werke des Katalanen eigenhändig ab und machte sich dazu Notizen.[3] Zwei Rufe nach Löwen, wo ihm die Universität eine Kirchenrechtsprofessur anbot, schlug er 1428 und 1435 aus.

Als Humanist leistete Nikolaus Bedeutendes in der historisch-philologischen Forschung, sowohl durch Auffindung von Handschriften teils verschollener antiker Werke und Entdeckung unbekannter mittelalterlicher Quellen als auch durch seine kritische Auseinandersetzung mit den Quellentexten. Er gehörte zu den Pionieren der rechtshistorischen Forschung, der damals wegen der Auseinandersetzungen um die Kirchenreform große Aktualität zukam. Wegweisend war seine Leistung, nicht nur die gängigen Rechtssammlungen heranzuziehen, sondern auch verschollene Handschriften und Urkunden ausfindig zu machen und für aktuelle Konflikte auszuwerten. Er studierte die alten germanischen Volksrechte und verglich ihre Bestimmungen mit der Rechtspraxis seiner Zeit. In der Kölner Dombibliothek entdeckte er eine Handschrift mit Papstbriefen an die frühmittelalterlichen fränkischen Könige („Codex Carolinus“). 1433 zeigte er erstmals mit philologischen Argumenten, dass die Konstantinische Schenkung, eine angebliche Urkunde Kaiser Konstantins des Großen, auf die sich die Kurie seit dem 11. Jahrhundert zur Begründung ihrer territorialen Ansprüche stützte, eine Fälschung ist. Wenige Jahre später erbrachte Lorenzo Valla einen Beweis der Fälschung, der ebenfalls auf sprachlichen Beobachtungen basierte. Auch die Unechtheit von angeblichen Texten antiker Päpste, die in den pseudo-isidorischen Dekretalen enthalten waren, konnte Nikolaus nachweisen. Unter den Handschriften mit Werken antiker Schriftsteller, die er entdeckte, war eine, die zwölf bis dahin unbekannte Komödien des Plautus enthielt, und eine mit den ersten sechs Büchern der Annalen des Tacitus.

Wie bei Humanisten üblich war auch Nikolaus bibliophil (bücherliebend), er sammelte eifrig wertvolle Handschriften aller Art, wobei er auch Bände mit prachtvollem Buchschmuck zu schätzen wusste. Allerdings war er insofern kein typischer Renaissance-Humanist, als das primär an stilistischer Qualität orientierte Literatentum, die Begeisterung für vollendete rhetorische und poetische Kunst bei ihm eine geringe Rolle spielte. Statt dessen zeigte er ein bei damaligen Humanisten seltenes Interesse an eigenständiger Auseinandersetzung mit schwierigen philosophischen und theologischen Fragen.

1450 schloss Nikolaus mit dem Astronomen Georg von Peuerbach Freundschaft. Er beschäftigte sich intensiv mit Astronomie, unternahm aber auf diesem Gebiet keine eigenen Forschungen.

In seiner Schrift über die Kalenderreform (De correctione kalendarii) ging Nikolaus auf die Fehlerhaftigkeit des Julianischen Kalenders und der Osterrechnung ein und war damit ein wichtiger Vertreter der Bemühungen um eine Kalenderreform. Sein Anliegen wurde jedoch erst 1582 durch die Gregorianische Kalenderreform verwirklicht.

Politik und Kirchenpolitik

Konzil von Basel

Anfang 1430 starb Nikolaus’ Förderer Otto von Ziegenhain, der Erzbischof von Trier. Im Streit um die Nachfolge („Trierer Bischofsstreit“) stellte sich Nikolaus auf die Seite des Kandidaten Ulrich von Manderscheid, hinter dem eine starke Adelspartei stand. Ulrichs Rivalen waren Jakob I. von Sierck, den die Mehrheit des Domkapitels gewählt hatte, und Raban von Helmstatt, der Kandidat von Papst Martin V. Ulrich setzte sich mit Gewalt durch und wurde exkommuniziert. Nach dem Tod Papst Martins wandte sich Ulrich Anfang 1432 an das Konzil von Basel, wo er sich gegen den neuen Papst Eugen IV. durchzusetzen hoffte. Er schickte Nikolaus, der sein Sekretär und Kanzler war und ihn bereits auf dem Nürnberger Reichstag 1431 vertreten hatte, nach Basel. Nikolaus erhob die örtliche Auseinandersetzung um das Trierer Erzbistum zu einer Grundsatzfrage, indem er für die Rechte der Laienschaft eintrat, der kein Bischof vom Papst aufgezwungen werden dürfe. Er teilte die Auffassung der Konzilsmehrheit, wonach das, was alle betrifft, auch von allen gebilligt werden muss, und vertrat den Vorrang des göttlichen Rechts und des Naturrechts vor dem positiven Recht. Daran habe sich sogar der Papst zu halten; er müsse daher einen Konsens mit den von seinen Entscheidungen Betroffenen anstreben.

Zwar unterlag Ulrich vor dem Konzil, doch konnte Nikolaus dort zunehmend Ansehen und Einfluss gewinnen; sein diplomatisches Geschick und seine Befähigung zur Vermittlung in Konflikten fanden Wertschätzung. Zu den Aufgaben, die ihm übertragen wurden und die er lösen konnte, gehörten die Erzielung eines Kompromisses mit den rebellischen Hussiten, die sich nach anfänglicher Ablehnung auf seine Ideen einließen, und die Klärung der Rolle der päpstlichen Legaten auf dem Konzil. Anfangs stand er schon wegen seiner Rolle als Interessenvertreter Ulrichs auf der Seite der Konziliaristen, die für den Vorrang des Konzils gegenüber dem Papst eintraten und unter den Konzilsteilnehmern in der Mehrheit waren. Als Anhänger Ulrichs war er aus der Sicht der Kurie sogar exkommuniziert. 1436 vollzog er jedoch einen Parteiwechsel und stellte sich auf die Seite der Minderheit, die den Papst unterstützte. Ausschlaggebend war dabei für ihn das Ziel, eine Wiedervereinigung der katholischen Kirche mit der orthodoxen byzantinischen Kirche zu erreichen; diese Absicht glaubte er eher mit dem Papst als mit den Konziliaristen verwirklichen zu können. Der byzantinische Gesandte erkannte die päpstlich gesinnte Konzilsminderheit als rechtmäßige Vertretung der westlichen Kirche an.

Inwieweit Nikolaus’ Übertritt zur päpstlichen Partei eine Konsequenz aus seinen schon zuvor vertretenen theoretischen Überzeugungen war, wie er selbst behauptete, und welche Rolle möglicherweise opportunistische Motive spielten, war schon damals umstritten und konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Einerseits hatte Nikolaus schon als Konziliarist Argumente vorgebracht, auf die er sich später beim Parteiwechsel berufen konnte, andererseits legte auch ein machtpolitisches Kalkül den Schritt nahe; er hegte die realistische und zutreffende Erwartung, dass das Konzil scheitern werde, und seine Gesinnungsänderung wurde zum Ausgangspunkt für seine glänzende Karriere.

Als Gesandter in Konstantinopel

Am 17. Mai 1437 verließ Nikolaus Basel und begab sich im Auftrag der päpstlichen Partei zu Verhandlungen über die Kircheneinheit nach Konstantinopel. Dort setzte er sich gegen eine Gesandtschaft der Konzilsmehrheit durch. Am 27. November 1437 brachen der byzantinische Kaiser Johannes VIII. Palaiologos, der Patriarch von Konstantinopel und zahlreiche Bischöfe der Ostkirche mit den päpstlichen Gesandten, darunter Nikolaus, nach Westen auf. Ihr Ziel war, die Einheit auf einem Unionskonzil zu verwirklichen und so auch militärische Unterstützung für das Byzantinische Reich zu gewinnen, das im Kampf gegen die Türken vom Untergang bedroht war. Zu den Teilnehmern der langen Schiffsreise gehörte der griechische Erzbischof und spätere Kardinal Bessarion, der mit Nikolaus Freundschaft schloss. Am 8. Februar 1438 landeten sie in Venedig. Damit hatte sich Nikolaus erfolgreich auf europäischer Ebene in der Politik profiliert.

Als Gesandter in Deutschland

Im März 1438 erklärten die deutschen Kurfürsten und der neue König Albrecht II. ihre Neutralität im Konflikt zwischen Papst Eugen IV. und dem Konzil von Basel. Unter den prominenten päpstlichen Gesandten, welche diese Neutralität aufbrechen und die Deutschen für den Papst gewinnen sollten, war Nikolaus der einzige Deutsche. Zunächst hatte er formal nur einen niederen Rang unter den päpstlichen Beauftragten inne, doch am 22. Juli 1446 wurde er zum Legaten ernannt und übernahm damit eine Schlüsselposition. Seine zentrale Rolle würdigte Enea Silvio de' Piccolomini, der spätere Papst Pius II., indem er ihn den „Herkules der Eugenianer“ nannte; die Gegenseite griff ihn als Verräter an. In dem langwierigen, zehn Jahre dauernden Kampf trat er auf einer Reihe von Reichstagen und Fürstenversammlungen auf, darunter dem Reichstag von Nürnberg 1438, dem Reichstag von Mainz 1441 und dem Fürstentag von Aschaffenburg 1447, auf dem sich die deutschen Fürsten endgültig für den Papst entschieden. 1448 war er maßgeblich am Abschluss des Wiener Konkordats beteiligt, das die kirchlichen Verhältnisse im Reich und die Beziehungen zwischen Reich und Kurie abschließend regelte.

Daneben war Nikolaus in diesen Jahren mit einer Fülle von politischen und kirchlichen Aufgaben in Deutschland beschäftigt, wobei es vor allem um Streitschlichtung ging. Dabei war er insbesondere auch in seiner Trierer Heimatregion aktiv.

Kardinal und Bischof von Brixen

Nikolaus wurde zur Belohnung für seine erfolgreichen Dienste von Eugen IV. zum Kardinal ernannt, doch starb der Papst, bevor er diesen Schritt öffentlich verkünden konnte. Im anschließenden Konklave wurden bei der Papstwahl bereits Stimmen für Nikolaus abgegeben. Zum Nachfolger Eugens gewählt wurde aber Kardinal Tommaso Parentucelli (Nikolaus V.), ein bedeutender Förderer des Humanismus und langjähriger Freund des Nikolaus von Kues. Er erhob den Kusaner am 20. Dezember 1448 öffentlich zum Kardinal, doch nahm der Neuernannte erst am 11. Januar 1450 in Rom den Kardinalshut in Empfang. Er war damals der einzige deutsche Kardinal.

Am 23. März 1450 wurde er vom Papst zum Bischof des Fürstbistums Brixen im heutigen Südtirol ernannt und am 26. April geweiht. Dort musste er sich gegen das Domkapitel durchsetzen, das bereits einen dortigen Kanoniker zum Bischof gewählt hatte, hinter dem Herzog Sigmund „der Münzreiche“ von Tirol stand. Im März 1451 kam es in Salzburg zu einer Einigung, Nikolaus erreichte den Rücktritt des Gegenkandidaten und wurde vom Herzog anerkannt.

Am 24. Dezember 1450 wurde Nikolaus zum päpstlichen Legaten ernannt und mit außerordentlichen Vollmachten zur Kirchen- und Klosterreform in Deutschland, Österreich und den Niederlanden ausgestattet. Anschließend begab er sich auf die Legationsreise, die bis zum Frühjahr 1452 dauerte. Wiederum bildete die Streitschlichtung einen wesentlichen Teil seiner Aufgaben; zu den Konflikten, mit denen er sich zu befassen hatte, gehörte insbesondere die langwierige Soester Fehde, an deren Beilegung er maßgeblich beteiligt war. Ein wichtiger Auftrag, den er auszuführen hatte, war die Verkündigung des Ablasses, der anlässlich des Jubeljahres 1450 den Gläubigen gewährt wurde. Bei der Durchführung der Reform trat Nikolaus, der früher durch seine diplomatische, vermittelnde Art erfolgreich gewesen war, nun auf die Autorität seines Amtes gestützt oft hart und kompromisslos auf. Besonders bei den Bettelorden stieß er auf heftigen Widerstand. Auch die von ihm geforderten rigorosen Maßnahmen gegen die Juden riefen bei Bischöfen, beim Rat der Stadt Nürnberg und beim Markgrafen von Brandenburg Protest hervor und fanden auch beim König und beim Papst keine Zustimmung. Er warf den Juden Habgier und Wucher vor und forderte ihre Kennzeichnung durch sichtbare Zeichen an der Kleidung.[4]

Nach dem Ende der Legationsreise übernahm Nikolaus im April 1452 persönlich die Verwaltung seines schwer verschuldeten Bistums Brixen. Dort wollte er seine Vorstellungen zur Kirchenreform beispielhaft verwirklichen. Bei der wirtschaftlichen Sanierung des Bistums war er erfolgreich, doch geriet er in Machtkämpfe mit dem Tiroler Adel. Der Widerstand des Adels entzündete sich vor allem an der von Nikolaus vergeblich erstrebten Reform des Klosters Sonnenburg, das der Versorgung von Töchtern aus adligen Geschlechtern diente. Nach einem langwierigen Streit exkommunizierte Nikolaus die widerspenstige Äbtissin von Sonnenburg und zwang sie schließlich zum Rücktritt. In dem Konflikt kam es sogar – ohne Verschulden von Nikolaus – zu einer militärischen Auseinandersetzung („Schlacht im Enneberg“ am 5. April 1458), in der über 50 Mann fielen.

Als Nikolaus 1456 seinem Neffen Simon von Wehlen eine Pfründe im Domkapitel verschaffte und Domherren, die sich dieser Entscheidung widersetzten, exkommunizierte, erregte sein entschiedenes Auftreten Anstoß. Seine Gegner konnten die Unterstützung von Herzog Sigmund gewinnen, dem Nikolaus’ energische Machtausübung generell missfiel. Nikolaus wurde mit Morddrohungen eingeschüchtert. Er zog sich, um sein Leben fürchtend, im Juli 1457 auf seine Burg Buchenstein (Andraz) zurück, wo er bis September 1458 blieb. Im Mai 1458 trat der konziliaristisch gesinnte Staatsmann Gregor Heimburg in den Dienst Sigmunds. Gregor war ein konsequenter Gegner der päpstlichen Politik und war schon auf den Reichstagen gegen Nikolaus aufgetreten. Schließlich holte Pius II., der im August 1458 den Papstthron bestiegen hatte, Nikolaus nach Rom, wo der Kardinal am 30. September 1458 eintraf. Am 11. Januar 1459 ernannte ihn der Papst zum Legaten und Generalvikar im Kirchenstaat, dessen Leitung Nikolaus übernahm, während sich Pius zum Fürstenkongress von Mantua begab.

Anfang 1460 kehrte Nikolaus nach Brixen zurück und nahm den Kampf um sein Bistum auf. Er musste sich aber bald nach Bruneck zurückziehen, wo er von einer überlegenen Streitmacht Sigmunds zur Kapitulation gezwungen wurde. Zunächst verpflichtete er sich zur Erfüllung von Sigmunds Forderungen, doch nach seiner Freilassung widerrief er alle Zugeständnisse. Im August 1460 griff der Papst mit Bann und Interdikt zugunsten des Kardinals ein. Erst im Juni 1464 wurde der Streit beigelegt; Nikolaus blieb Bischof, musste aber die Amtsausübung einem Vertreter überlassen.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Nikolaus als Kurienkardinal im Kirchenstaat, wo er ein Konzept zur Reform der Kirchenleitung ausarbeitete, das folgenlos blieb. Seine Verbitterung äußerte er mit den Worten: „Nichts gefällt mir, was hier an der Kurie getrieben wird; alles ist verdorben, keiner tut seine Pflicht. ... Wenn ich im Konsistorium endlich einmal von Reform spreche, werde ich ausgelacht.“[5] Ab 1461 war er schwer krank; unter anderem litt er an der Gicht.

Tod, Begräbnis und Nachlass
Grab des Nikolaus von Kues

Im Sommer 1464 wurde Nikolaus im Rahmen des von Pius II. betriebenen Kreuzzugsprojekts gegen die Türken beauftragt, sich um eine Schar von 5000 mittellosen und zum Teil erkrankten Kreuzfahrern zu kümmern, die zwischen Rom und Ancona, von wo die Flotte in See stechen sollte, umherirrten. Unterwegs starb er am 11. August in Todi. Sein Leichnam wurde sogleich nach Rom überführt und in seiner Titelkirche San Pietro in Vincoli beigesetzt; sein Herz jedoch wurde auf seinen Wunsch in der Kapelle des von ihm und seinen Geschwistern 1458 gestifteten St. Nikolaus-Hospitals (Cusanusstift) in Kues bestattet. Dem Hospital vermachte er auch den Hauptteil seiner Bibliothek, der sich noch heute dort befindet. Sie gilt mit ihrer Sammlung von Hunderten mittelalterlicher Handschriften und Inkunabeln (Wiegendrucken) aus Theologie, Philosophie, Wissenschaft und Mathematik als die bedeutendste Privatbibliothek, die aus dem Mittelalter erhalten geblieben ist (siehe Hauptartikel Bibliothek des St. Nikolaus-Hospitals in Bernkastel-Kues).

Werke

Nikolaus verfasste mehr als 50 Schriften, davon etwa ein Viertel in Dialogform, die übrigen in der Regel als Abhandlungen, ferner rund 300 Predigten sowie eine Fülle von Akten und Briefen. Seine Werke lassen sich nach dem Inhalt in drei Hauptgruppen gliedern: Philosophie und Theologie, Kirchen- und Staatstheorie, Mathematik und Naturwissenschaft. Eine Sonderstellung nimmt seine kurze Autobiographie ein, die er 1449 schrieb.[6] Er veranlasste selbst eine (allerdings unvollständige) Sammlung seiner Schriften, die in zwei Handschriften seiner Bibliothek in Kues vorliegt.

Kirchen- und Staatstheorie

Zu den bekanntesten Werken des Kusaners gehört die 1433/34 in Basel entstandene Schrift De concordantia catholica („Über die allumfassende Eintracht“) in drei Büchern.[7] Vom Grundgedanken der Eintracht ausgehend entwickelt Nikolaus im ersten Buch eine allgemeine Kirchenlehre, erläutert im zweiten Buch seine Konzilstheorie und seine Ideen zur Reform von Kirche und Konzilien und legt im dritten Buch seine Staatstheorie und seine Vorstellungen zur Reichsreform dar. In den Zusammenhang der auf dem Konzil von Basel ausgetragenen Konflikte gehören auch weitere Schriften, darunter De maioritate auctoritatis sacrorum conciliorum supra auctoritatem papae („Über den Vorrang der Autorität der heiligen Konzilien über die Autorität des Papstes“, 1433), das Opusculum contra errorem Bohemorum („Gegen den Irrtum der Böhmen“, 1433) zum Konflikt mit den Hussiten und De auctoritate praesidendi in concilio generali („Über den Vorsitz in einem allgemeinen Konzil“, 1434). Seine Auffassungen über eine allgemeine Kirchenreform legt er 1459 in der Schrift Reformatio generalis („Allgemeine Reform“) dar.

Philosophie und Theologie

In diesem Teil von Nikolaus’ Werk geht es primär um Fragen der Metaphysik und Ontologie und um die theologischen Konsequenzen, die sich aus deren Beantwortung ergeben. Kennzeichnend ist dabei, dass philosophische Aussagen für die Beantwortung theologischer Fragen nutzbar gemacht werden.

Schon in einer seiner ersten Schriften, De docta ignorantia („Über die belehrte Unwissenheit“, 1440)[8], entwickelt Nikolaus die Grundlagen seiner Theologie und einer damit eng verbundenen spekulativen Kosmologie.

Von der Suche nach dem verborgenen Gott, die im Dunkel der Unwissenheit beginnt, und der Erkennbarkeit Gottes handelt ein großer Teil seiner Schriften. Hierzu gehören der Dialogus de deo abscondito („Dialog über den verborgenen Gott“, 1444/45)[9], De quaerendo deum („Von der Suche nach Gott“, 1445)[10], De filiatione dei („Von der Gotteskindschaft“, 1445)[11], De dato patris luminum („Über die Gabe des Vaters der Lichter“, 1445/46)[12], der Dialog Idiota de sapientia („Der Laie über die Weisheit“, zwei Bücher, 1450)[13], De theologicis complementis („Über theologische Ergänzungen“, 1453)[14], De visione dei („Von der Gottesschau“, 1453)[15], De beryllo („Über den Beryll“, 1458)[16] und De principio („Über den Anfang“, auch Tu quis es, 1459).[17] In seinen letzten Lebensjahren kommt Nikolaus erneut auf diese Thematik zurück und fasst in einigen seiner letzten Schriften seine Ideen zur Gotteserkenntnis zusammen, darunter De non aliud („Vom Nichtanderen“, 1461/62)[18], De venatione sapientiae („Über die Jagd nach der Weisheit“, 1462/63)[19] und De apice theoriae („Über die höchste Stufe der Betrachtung“, 1464)[20], Nikolaus’ letztes Werk; eine Kurzfassung bietet sein Compendium (1463/64).[21] Einem Einüben der zur Gottesbetrachtung führenden Schritte dient der Dialogus de ludo globi („Dialog über das Kugelspiel“, 1463)[22], in dem Nikolaus anhand des von ihm erfundenen „Kugelspiels“ seine Vorstellung vom Weltall und der Stellung des Menschen darin veranschaulicht.

In der Abhandlung De coniecturis („Über Mutmaßungen“, um 1442)[23] setzt sich Nikolaus mit dem bereits in De docta ignorantia thematisierten Problem der Annäherung an das nicht Wissbare auseinander. Sie erfolgt über Mutmaßungen, mit denen sich der Mensch von einer Stufe zur anderen fortschreitend der Göttlichkeit annähert. Im Dialogus de genesi („Dialog über das Werden“, 1447)[24] wird die Frage nach der Entstehung des Alls und dem Ursprung des Seins alles Seienden erörtert. Mit der Intellekt- und Erkenntnistheorie befasst sich der Dialog Idiota de mente („Der Laie über den Geist“, 1450).[25] Der „Trialog“ (Dreiergespräch) „Über das Können-Ist“ (Trialogus de possest, 1460)[26] behandelt den Gottesnamen „Possest“, der Gott bezeichnet als „alles das, was sein kann“ (omne id quod esse potest), das realisierte Alles-Können als einzige Wirklichkeit, Zusammenfall von Möglichkeit und Wirklichkeit.

Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der verschiedenen religiösen Lehren und nach der Toleranz zwischen den Religionen untersucht er in De pace fidei („Über den Frieden im Glauben“)[27], einer Schrift, die 1453 unter dem Eindruck der Eroberung Konstantinopels durch die Türken entstand. Speziell unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses zwischen Christentum und Islam erörtert er diese Thematik 1460/61 erneut in der Cribratio Alkorani („Sichtung des Korans“, drei Bücher).[28]

Eine relativ geringe Rolle spielt in Nikolaus’ Werk die Exegese und biblische Theologie; sie bietet ihm gewöhnlich nur Ausgangspunkte für philosophische Erörterungen. Hierzu gehören die 1441 entstandene Auslegung des Vaterunser[29] und die Schrift De aequalitate („Über die Gleichheit“, 1459)[30], eine philosophische Auslegung einer Stelle im Prolog des Johannesevangeliums. Eine Sonderstellung nimmt die 1446 verfasste Coniectura de ultimis diebus („Mutmaßung über die letzten Tage“)[31] ein, eine Abhandlung, in welcher Nikolaus den Zeitraum berechnet, in welchem das Weltende und die Auferstehung zu erwarten sei (nach seiner Vermutung 1700-1734).

Mathematik und Naturwissenschaft

Das mathematische und naturwissenschaftliche Werk des Cusanus ist vor allem von seinem Interesse an Wissenschaftstheorie und von seinen metaphysisch-theologischen Fragestellungen geprägt; er will von mathematischen zu metaphysischen Einsichten hinführen. Mit Analogien zwischen mathematischem und metaphysischem Denken befasst er sich in Schriften wie De mathematica perfectione („Über die mathematische Vollendung“, 1458)[32] und Aurea propositio in mathematicis („Der Goldene Satz in der Mathematik“, 1459). Als sein mathematisches Hauptwerk gilt De mathematicis complementis („Über mathematische Ergänzungen“, 1453). Mit dem Problem der Kreisquadratur und der Berechnung des Kreisumfangs setzt er sich wiederholt auseinander.[33]

Mit seinem Dialog Idiota de staticis experimentis („Der Laie über Versuche mit der Waage“, 1450)[34] gehört er zu den Wegbereitern der Experimentalwissenschaft. De correctione kalendarii („Über die Kalenderverbesserung“, auch: Reparatio kalendarii, 1436) handelt von der damals bereits dringend erforderlichen Kalenderreform, die jedoch erst im 16. Jahrhundert verwirklicht wurde.

Philosophie und Theologie

Einflüsse

Cusanus gehört zu den spekulativen Theologen des Spätmittelalters, auf die Meister Eckhart einen wesentlichen Einfluss ausgeübt hat. Er benutzte nur die lateinischen Schriften Eckharts, nicht die deutschen Predigten. Seine Eckharthandschrift, die er mit eigenhändigen Randnotizen versah, ist erhalten. Da eine Anzahl von Eckharts theologischen Thesen kurz nach seinem Tod durch eine päpstliche Bulle als häretisch verurteilt worden war, pflegte man ihn meist ohne Namensnennung zu zitieren. So verfuhr auch Cusanus. Nur in zweien seiner Werke nahm er ausdrücklich auf Eckhart Bezug: in einer lateinischen Predigt und in der Apologia doctae ignorantiae. In der Apologia verteidigte er sich und Eckhart gegen den Pantheismus-Vorwurf Johannes Wencks. Er schrieb, Eckhart sei zwar rechtgläubig gewesen, doch könnten seine Äußerungen leicht missverstanden werden; daher seien seine Werke für das einfache Volk ungeeignet.[35]

Einen immensen Einfluss übte der spätantike Neuplatoniker Proklos auf Cusanus aus. Proklisches Gedankengut taucht erstmals um 1442 in der Schrift De coniecturis auf. Namentlich erwähnt und direkt zitiert wird Proklos erstmals 1458 in der Schrift De beryllo. In den Werken aus den letzten Lebensjahren des Kusaners kommt Proklos eine zentrale Bedeutung zu; benutzt werden sein Kommentar zu Platons Parmenides sowie ab 1462 auch seine Theologia Platonis, vereinzelt auch die Elementatio theologica.[36]

Gedankengut neuplatonischen Ursprungs bezog Cusanus überdies auch aus Schriften des Pseudo-Dionysius Areopagita und des Albertus Magnus, insbesondere aus Alberts Dionysius-Kommentar, sowie aus Werken seines Freundes Heymericus de Campo, der die Lehren Alberts gegen die Thomisten verteidigte. Dabei ging es vor allem um das Konzept der Koinzidenz der Gegensätze, dem sich Albert bereits genähert hatte.[37]

Wesentliche Anregungen erhielt Cusanus ferner von Raimundus Lullus. Allerdings zitiert er ihn selten und nennt ihn nur zweimal namentlich; diese vorsichtige Haltung dürfte mit der Umstrittenheit der Lehre des Lullus, die an der Theologischen Fakultät der Pariser Universität verboten war, zusammenhängen.[38]

Nikolaus von Kues in der Kirche San Pietro in Vincoli

Koinzidenztheorie

Nikolaus selbst kennzeichnet den Gedanken der Koinzidenz (coincidentia oppositorum), des Zusammenfalls der Gegensätze zu einer Einheit, als Kernelement seiner Betrachtungsweise oder Methode (womit er nicht eine Lehre oder ein System meint). Mit diesem Konzept tritt er als Urheber einer neuen Theorie auf, die der bisherigen Philosophie gefehlt habe. Er meint, alle geistige Anstrengung müsse sich darauf richten, die „einfache Einheit“ zu erreichen, in der alle Arten von Entgegengesetztem (opposita) zusammenfallen, somit paradoxerweise auch die kontradiktorischen (widersprüchlichen) Gegensätze, die einander nach dem aristotelischen Satz vom Widerspruch ausschließen. Die Einbeziehung auch dieser Gegensätze in die allumfassende Einheit ist das Neue gegenüber den früheren Ansätzen.

Im Sinne der neuplatonischen Tradition betrachtet Nikolaus als letztes Ziel aller Erkenntnisbemühungen den einen schöpferischen Urgrund des Werdens, der zugleich Ausgangspunkt und Bestimmung alles Werdens sei. In theologischer Sprache ausgedrückt ist das Gott, doch argumentiert Nikolaus philosophisch. Den Urgrund identifiziert er mit der äußersten Einfachheit. Zugleich schreibt er ihm aber auch Mannigfaltigkeit zu, denn er sieht in dem schlechthin Einfachen die Quelle der gesamten empirisch feststellbaren Vielheit in der Welt. Gäbe es das Viele neben dem Einen, so wäre das Eine nicht wirklich umfassend, sondern vom Vielen begrenzt. Das Eine ist für Nikolaus nur dadurch unendlich, daß es zugleich auch das Viele ist. Gott ist Einfaltung (complicatio) der Welt, die Welt Ausfaltung (explicatio) Gottes. Im Sinne seiner mit mathematischen Analogien arbeitenden Ausdrucksweise handelt es sich um ein absolutes Maximum, das zugleich das absolute Minimum ist (als maximale Kleinheit). Dieses Maximum ist keine besondere Substanz, die neben anderen Substanzen besteht, sondern es ist das, worin die Unterschiedlichkeit der Substanzen und überhaupt aller Einzeldinge gründet. Es ist eine Einheit, die in allem erscheint und alles umfasst, also auch das philosophierende und erkennende Subjekt einschließt. Da die Menschen jedoch in ihrem vom Widerspruchsprinzip beherrschten Denken befangen sind, erkennen sie diese Einheit nicht als Grund der Welt, sondern nähern sich ihr auf stets einseitige Weise. Erkennen sie das Unbefriedigende dieser Einseitigkeiten, so gelangen sie zur Auffassung, die Wahrheit sei unerreichbar. Dabei betrachtet sich der Wahrheitssucher als Subjekt, das selbst außerhalb der Wahrheit steht und diese daher in etwas anderem suchen muss. Sein Zweifel an der Auffindbarkeit der Wahrheit kann jedoch überwunden werden, wenn er versteht, dass sie nicht im Anderen zu suchen ist. Vielmehr ist sie gerade das Nicht-Andere (non-aliud), denn jedes Einzelne enthält in sich die gesamte Wirklichkeit, mit der es ungeachtet seiner individuellen Separatheit verbunden ist. Das Anderssein kommt nur den Weltdingen zu, insoweit der Verstand sie betrachtet.

Die unendliche Einheit veranschaulicht Nikolaus mit dem Beispiel einer unendlichen Geraden. Diese ist nicht nur Gerade, sondern zugleich auch ein Dreieck (mit größter Grundseite und kleinster zugehöriger Höhe) und ein Kreis (mit unendlich großem Durchmesser).

Belehrte Unwissenheit und Gotteserkenntnis

In De docta ignorantia bekennt sich Nikolaus zur neuplatonischen, besonders von Pseudo-Dionysius betonten negativen Theologie, die alle positiven Aussagen über Gott als unzulänglich und insofern irreführend verwirft. Er wendet sich Gott nicht zu, indem er Wissen über ihn für sich beansprucht, sondern indem er Wissen über sein eigenes Nichtwissen erlangt und damit eine über sich selbst „belehrte Unwissenheit“ (docta ignorantia).

Seiner Terminologie zufolge ist der menschliche Verstand (ratio) die Kraft, welche die Sinneseindrücke ordnet und unter vereinheitlichende Begriffe bringt. Dies geschieht durch Unterscheidung zwischen ihnen, indem der Verstand einschließt und ausschließt und damit auch negiert, wozu die Sinne nicht imstande sind. Der Verstand kann dies, indem er das Unendliche aus seiner Betrachtung fernhält. Alles verstandesmäßige Wissen beruht auf Vergleichen und ist somit auf Relatives bezogen. Daher kann der menschliche Verstand etwas Absolutes wie das Maximum oder das Unendliche nicht erfassen, für ihn besteht zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen keine Proportion. Der Mensch verfügt jedoch noch über eine weitere Fähigkeit, die Vernunft (intellectus), die weit über dem Verstand steht. Sie ist in der Lage, das unterscheidende Negieren des Verstandes zu negieren und damit zum Begriff der Unendlichkeit und unendlichen Einheit zu gelangen. Dieser ist ein Vernunftinhalt und als solcher jenseits des der Verstandestätigkeit Zugänglichen.

Die Vernunft ist zwar endlich und kann daher nach De docta ignorantia ebenso wie der Verstand die Widersprüche nicht übersteigen und die Koinzidenz nicht erreichen; da sie aber zugleich „etwas Göttliches“ ist, kann sie die göttliche Wahrheit gleichsam „sehen“ und „berühren“. Später, in De coniecturis (um 1442) und den im Zeitraum 1445-1447 verfassten kleinen Schriften, gelangt Nikolaus zu einer optimistischeren Einschätzung der Möglichkeiten der Vernunft. Nun traut er ihr zu, gegen den Widerstand des Verstandes die Widersprüche zu überwinden und damit paradoxe Einsichten zu erlangen, etwa das Größte mit dem Kleinsten gleichzusetzen. Darüber hinaus nimmt er nun die Möglichkeit eines „göttlichen“ Denkens des Menschen an, das nicht mehr im Sinne der negativen Theologie die Verneinung als wahrere Ansicht der Bejahung vorziehe. Auch der Gegensatz von Affirmation und Negation wird im Sinne der Koinzidenzidee transzendiert. Nikolaus behauptet, dieses göttliche Denken lasse auch die Vernunft und deren Verständnis der widersprüchlichen Gegensätze hinter sich, um sich der absoluten Einheit und Unendlichkeit zuzuwenden. Gott sei nicht die Koinzidenz der Gegensätze, sondern das Koinzidenzdenken sei nur die der menschlichen Vernunft angemessene Art, sich ihm zu nähern. Daher bezeichnet Nikolaus 1453 in De visione dei die Koinzidenz als „Mauer“ zwischen dem Gottsuchenden und Gott. Diese Mauer hält er aber nicht für prinzipiell unüberwindlich.

In seinem letzten Werk, De apice theoriae, schreibt Nikolaus, er habe sich zu immer größerer Erkenntniszuversicht durchgearbeitet. Sein Optimismus hinsichtlich der Gotteserkenntnis hängt mit seiner Überzeugung von der Gottähnlichkeit des Menschengeistes zusammen. In De coniecturis bezeichnet er den Menschen sogar als geschaffenen „zweiten Gott“ – eine für damalige Verhältnisse kühne Formulierung. So wie der göttliche Intellekt die reale Welt schaffe, schaffe der menschliche Intellekt die Welt der Begriffe.

Weisheitssuche

1450 wendet sich Nikolaus im Dialog „Der Laie über die Weisheit“ erneut dem Thema der Vernunfttätigkeit zu, diesmal in schroffer Abgrenzung von der scholastischen, aristotelisch geprägten Universitätsphilosophie des Spätmittelalters. Ein „Laie“, d.h. ein universitätsfremder, scheinbar ungebildeter Mensch, unterhält sich mit einem „Redner“, einem rhetorisch ausgebildeten Gelehrten, der sein Wissen nur aus Büchern bezieht, über die Weisheit. Der Laie übernimmt die Rolle, die Sokrates in den Dialogen Platons spielt. Er erklärt dem Redner, dass dessen Anstrengungen, durch Buchwissen Erkenntnis zu erlangen, vergeblich und auch freudlos seien; die aristotelische Schulwissenschaft mit ihren Autoritäten täusche, das Denken eines darin Befangenen sei „gefesselt“ und ermögliche keinen Zugang zur Wahrheit. Der Laie wendet sich nicht nur gegen die von den Humanisten verachtete spätmittelalterliche Scholastik, sondern ebenso auch gegen den humanistischen Kult der Rhetorik, die dem Bedürfnis nach überflüssiger Ausschmückung Kürze und Klarheit opfere. Schulwissenschaft sei umständlich und mühselig, Weisheit hingegen leicht und direkt zu finden und voller Freuden. Sie sei dem menschlichen Intellekt von Natur aus als dessen Nahrung zugeordnet. Die Möglichkeit zu ihrer Auffindung sei in ihm angelegt, und dies sei der Grund dafür, dass er sich auf die Suche mache und, wenn er das Gesuchte gefunden habe, auch wisse, dass es das Gesuchte sei. In der Weisheit sei der Intellekt lebendig, aus sich heraus tätig und damit glückselig. Seine Befriedigung erlange er in seiner Bewegung auf sein Urbild hin; dieses sei Gott als der Begriff der Begriffe oder der absolute Begriff (conceptus absolutus). Voraussetzung dafür sei das Üben des Koinzidenzdenkens, das auch zur Fassbarkeit des Unfassbaren führe. Den damit gemeinten Prozess beschreibt der Laie als unendliche Annäherung durch ständiges Fortschreiten ins Unendliche, unablässiges Aufsteigen (continue ascendere).

Konkordanzgedanke

In seiner konziliaristischen Phase war Nikolaus von Marsilius von Padua beeinflusst. Dessen staatstheoretisches Werk Defensor pacis zitiert er in De concordantia catholica ausgiebig, ohne die Quelle zu nennen. Den Gedanken der Konkordanz als Legitimationsprinzip für Herrschaftsausübung vertritt der Kusaner in dieser Schrift sowohl für den weltlichen als auch für den geistlichen Bereich. Nach seiner Ansicht bedürfen Gesetze der Zustimmung der von ihnen Betroffenen, und auch die Obrigkeit ist an sie gebunden. Bei der philosophischen Grundlegung des Rechts beruft er sich auf Cicero und dessen Konzept vom Naturrecht. Das Erstreben des Zuträglichen und Meiden des Schädlichen komme jedem Wesen von Natur aus zu; den Individuen sei ein Sinn gegeben, mit dem sie erkennen können, was für sie nötig ist, und dieser Sinn sei in der Mehrheit der Fälle verlässlich. Diese Denkweise veranlasst Nikolaus zur Befürwortung der Wahlmonarchie, da diese Staatsform dem Naturrecht am meisten entspreche. Er tritt für eine starke Zentralgewalt mit einem stehenden Reichsheer und für ein einheitliches Reichsgesetzbuch und eine Reichssteuer ein. Stellenweise tadelt er die Willkür des Adels, den er als Bürgerlicher generell kritisch betrachtet. Nach seinem Geschichtsverständnis haben sich die Teilgewalten im Reich verselbständigt, auf Kosten des Ganzen die Macht an sich gerissen und das Kaisertum um seine Autorität gebracht. Nun soll das „alte Recht“ wiederhergestellt werden.[39] Der Verwirklichung der Konkordanz soll eine jährlich zusammentretende Ständeversammlung als ständige Einrichtung dienen. Auf den jährlichen Reichsversammlungen sind alle Reichsangelegenheiten zu behandeln. Das Reich soll in zwölf Gerichtsbezirke aufgeteilt werden, deren Gerichte direkt der kaiserlichen Gewalt unterstellt sind und über den landesherrlichen Gerichten stehen. Ferner fordert Nikolaus einen allgemeinen Landfrieden und ein Verbot der Fehde.

Bei der Beurteilung und Lösung von Konflikten erhebt Nikolaus sein Einheitsideal zum obersten Wert; sachliche Meinungsverschiedenheiten betrachtet er als zweitrangig, sie dürfen der Einheit nicht im Wege stehen. So fordert er von den Hussiten Unterwerfung unter die aktuellen Gebräuche der römischen Kirche und verwirft ihre Berufung auf eine biblische Tradition, von der die Kirche später abgewichen sei; die Kirche habe ein Recht, Riten zu ändern und die Bibel nach Zeitumständen auszulegen. Er meint, das Urchristentum sei keine Norm und die kirchliche Auslegung eines Bibeltextes stehe über dessen Wortlaut. Es gebe keine anderen Gebote Christi als diejenigen, welche die römische Kirche als solche anerkennt. [40]

Diese Auffassung von der Unfehlbarkeit der römischen Kirche hat Nikolaus bereits in seiner konziliaristischen Phase vertreten; dabei bezieht er sich aber nicht auf den Papst, sondern auf die Gesamtkirche. Er weist sogar darauf hin, dass Päpste Häretiker waren, und nennt als Beispiele Liberius und Honorius I., der vom dritten Konzil von Konstantinopel nach seinem Tod verflucht wurde. Damit thematisiert er die „Honoriusfrage“, die noch im 19. Jahrhundert in der Diskussion um die päpstliche Unfehlbarkeit eine wichtige Rolle gespielt hat. Da der Papst in Glaubensfragen irren könne, unterstehe er den Glaubensentscheidungen des Konzils der Gesamtkirche. Die „wahre Kirche“ bestehe aus denjenigen Gläubigen, die in der Christenheit die Mehrheit ausmachen und sich mit der cathedra Petri, dem römischen Stuhl, verbinden. Die Gewissheit von Glaubensurteilen betrachtet Nikolaus als graduell; je einvernehmlicher eine Entscheidung in der Kirche getroffen werde, desto gewisser sei ihre Richtigkeit. Ein Konzil beziehe seine Autorität aus dem einvernehmlichen Konsens seiner Teilnehmer; diese seien Repräsentanten der Gesamtheit der Gläubigen. Alle geistliche und weltliche Gewalt sei im Volk in Verborgenheit als realisierbare Möglichkeit (Potenz) vorhanden.[41]

Religionsfrieden

Nikolaus setzt sich wiederholt intensiv mit der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der verschiedenen Religionen bzw. Konfessionen auseinander: Judentum, antikes „Heidentum“, Islam, katholisches Christentum, Lehren der „Böhmen“ (Hussiten), der Perser, Chaldäer usw. Er meint, jede Religion habe ein berechtigtes Anliegen und einen bestimmten Zugang zur Wahrheit und sei insofern besser, als ihre Gegner wahrhaben wollen, doch nur im Christentum seien alle diese Anliegen verwirklicht und Teilerkenntnisse vereint. So habe das Judentum mit Recht Gott als absolut, von allem sinnlich Wahrnehmbaren abgelöst erkannt und verehrt. Die Heiden hingegen hätten Gottes Wirken in seinen verschiedenen sichtbaren Werken wahrgenommen und ihm daher gemäß deren Verschiedenheit je verschiedene Namen gegeben; das sei nur scheinbar Polytheismus. Im Christentum sei beides zu finden, einerseits die Transzendenz Gottes, andererseits aber auch ein göttlicher Aspekt des sinnlich Wahrnehmbaren, denn der Mensch und Gott Christus habe beides in sich vereint. Daher verleugne ein Jude, der das Christentum verwirft, damit den wahren Kern seiner eigenen Religion. Im Unterschied zur traditionellen christlichen Auffassung stellt Nikolaus die Juden nicht über die Heiden, sondern billigt beiden Religionen gleichermaßen eine gewisse Berechtigung zu, die jedoch dann hinfällig werde, wenn ihre Vertreter sich weigern, das Christentum als die eigentliche Verwirklichung des von ihnen Angestrebten zu erkennen.

In De pace fidei schreibt Nikolaus, Gott habe den verschiedenen Völkern zu verschiedenen Zeiten verschiedene Propheten geschickt, die ihnen religiöse Vorschriften und kultische Riten geben und das rohe, ungebildete Volk unterrichten sollten. Nach seiner Ansicht haben die Menschen dann jedoch diese zeit- und ortsbedingt unterschiedlichen Sitten und Regeln mit der absoluten Wahrheit verwechselt, statt die Unaussprechlichkeit des Absoluten zu begreifen. Daher meinen sie, sie müssten ihren besonderen Glauben, den sie aus Gewohnheit für schlechthin wahr halten, auch mit Waffengewalt gegen die anderen verteidigen. Damit glauben sie den göttlichen Willen zu erfüllen. In Wahrheit steht jedoch für Nikolaus hinter der Verschiedenheit der Verehrungsformen und Riten eine einzige wahre Religion. Einen universalen, ewigen Religionsfrieden hält er für erreichbar, wenn alle begreifen, dass die bestehenden religiösen Formen nur besondere Ausprägungen der einen wahren Religion sind. Voraussetzung dafür sei nicht notwendigerweise die Abschaffung der Religionen zugunsten einer einzigen. Vielmehr genüge schon die Erkenntnis, dass die Unterschiede zwischen ihnen historisch entstanden seien und ihre positiven Aussagen über Gott dessen Wesen ohnehin nicht angemessen beschreiben könnten.

Diese Einheit der Religionen, die Nikolaus analog zu seinem Bemühen um Einheit der Christenheit erstrebt, läuft jedoch nicht auf ein Nebeneinander in Gleichberechtigung hinaus. Vielmehr tritt er dafür ein, den Nichtchristen christliche Glaubensinhalte wie Trinität, Menschwerdung Gottes und Taufe so zu erläutern, dass die Andersgläubigen das richtig verstandene Christentum als die eigentliche Grundlage ihres eigenen Glaubens erkennen. Somit sollen die Anhänger anderer Religionen faktisch Christen werden, auch wenn sie vielleicht an einzelnen ihrer Riten und Gebräuche wie etwa der Beschneidung festhalten, was Nikolaus ihnen nötigenfalls zuzugestehen bereit ist.[42]

Naturphilosophie

Nikolaus ist der Meinung, das Universum könne nicht als begrenzt vorgestellt werden, da es keine auffindbaren Grenzen habe; dennoch hält er es nicht für unendlich im Sinne von „allumfassend“. Die Erde sei nicht im Mittelpunkt der Welt, und es sei offenkundig, dass sie sich nicht in Ruhe befinde, wie der Augenschein vortäusche, sondern sich bewege.[43] Sie sei ein „edler Stern“ und als solcher nicht von geringerem Rang als die Sterne am Himmel.[44] Ihre Form sei nur annähernd die einer Kugel, und die Bahnen der Himmelskörper seien keine genauen Kreisbahnen. Außerdem trägt er die Hypothese einer Vielheit von Welten vor. Mit diesen Ideen vollzieht Nikolaus einen radikalen Bruch mit dem geozentrischen Weltbild der damaligen Kosmologie, das von den Vorstellungen des Ptolemaios und des Aristoteles bestimmt war. Er verwirft den Gedanken eines hierarchischen Aufbaus der Welt mit der Erde als Unterstem und dem Fixsternhimmel als Oberstem sowie die Vorstellung von unbeweglichen Himmelspolen. Das geozentrische Weltbild ersetzt er nicht durch ein heliozentrisches, vielmehr hat für ihn die Welt weder einen Mittelpunkt noch einen Umfang. In einer solchen Welt kann es keine absolute Bewegung geben, da es kein ruhendes Bezugssystem gibt; alle Bewegung ist relativ. Nikolaus argumentiert nicht empirisch und astronomisch, sondern metaphysisch; insofern ist er kein Vorläufer des Kopernikus. So meint er, nichts in der Natur befinde sich in vollkommener Ruhe, da Gegensätze nie in reiner Form vorkämen.

Nikolaus fasst die Welt nicht als Ansammlung von selbständigen Substanzen auf, sondern geht von einer in jedem Einzelding auf jeweils spezifische Weise anwesenden Allnatur aus. In seinem Naturkonzept bilden Einheit und Vielheit keinen ausschließenden Gegensatz, sondern ein sich wechselseitig durchdringendes Gegensatzpaar; daher ist in jedem Einzelding auch die Einheit und damit die gesamte Wirklichkeit gegeben.[45]

Hinsichtlich der Naturerkenntnis betont Nikolaus den Aspekt des Quantifizierens, der mathematischen Messbarkeit. Durch Erfassung von Unterschieden im spezifischen Gewicht seien Erkenntnisse über materielle Substanzen zu gewinnen. Krankheiten sollen messbar gemacht werden, damit durch Vergleiche zwischen Messergebnissen auf die richtige Arznei oder den Ausgang der Krankheit geschlossen werden kann. Ebenso sei es möglich, Geschwindigkeiten, Tages- und Jahreszeiten, den Feuchtigkeitsgehalt der Luft, geographische und astronomische Gegebenheiten usw. zu messen. Die Anziehungskraft eines Magneten sei mittels einer Waage messbar. So könne das Verborgene in der Natur gefunden werden. Nikolaus beschränkt sich aber nicht darauf, die Nützlichkeit des Abmessens zu betonen. Er behauptet, die erkennbaren Dinge seien um der erkennenden Seele willen da; die Welt sei so konstruiert, wie sie ist, damit sie vom Menschen erkannt werde. Daher betrachtet er den messenden Menschen, der allem Geschaffenen ein Maß setzt, als das Maß aller Dinge. Im Gegensatz zur scholastischen Tradition, der zufolge die menschliche Vernunft nur das ermessen kann, was ihren eigenen Rang nicht übersteigt, behauptet er, der menschliche Intellekt messe auch den göttlichen (mensurat divinum intellectum).[46]

Nikolaus zieht mathematische Gegebenheiten heran, um zu metaphysischen Aussagen hinzuführen und diese symbolhaft zu veranschaulichen, wobei es ihm insbesondere um Transzendenz und Unendlichkeit geht. Seine theologisch motivierten Versuche, mathematisch Endliches zur mathematischen Unendlichkeit zu führen, um den Weg zur Unendlichkeit Gottes bildlich zu erläutern, gehören zu den Vorstufen der Entwicklung der Infinitesimalrechnung.

Rezeption

Eine philosophische oder theologische Schule des Cusanus hat sich nicht gebildet; seine Philosophie wurde nicht in ihrer Gesamtheit, sondern jeweils in Teilen rezipiert. Die starke handschriftliche Verbreitung seiner Werke besonders im süddeutschen und österreichischen Raum zeugt von dem Interesse, das seine Zeitgenossen seinen Ideen entgegenbrachten.[47]

Die Schrift über die „belehrte Unwissenheit“ löste unter den Zeitgenossen des Kusaners scharfe Kontroversen aus. Ein prominenter Gegner war der Heidelberger Theologieprofessor Johannes Wenck, der 1442/43 in einer Kampfschrift De ignota litteratura („Über die unbekannte Gelehrsamkeit“) Nikolaus der Ketzerei, des Pantheismus und der Zerstörung der Theologie beschuldigte. Darauf reagierte Nikolaus mit Heftigkeit in der Gegenschrift Apologia doctae ignorantiae („Verteidigung der belehrten Unwissenheit“, 1449)[48], auf die Wenck wiederum mit einer (nicht erhaltenen) Entgegnung antwortete. Ein weiterer scharfer Gegner von Nikolaus’ theologischen Ansichten war der Kartäuser Vinzenz von Aggsbach, der 1454 einen Brief verfasste, der später als Impugnatorium laudatorii doctae ignorantiae („Angriff auf das Lob der ‚belehrten Unwissenheit’“) bekannt wurde. Darin wandte er sich gegen den Benediktiner Bernhard von Waging, einen Anhänger des Cusanus, der 1451/52 ein Laudatorium doctae ignorantiae („Lob der ‚belehrten Unwissenheit’“) geschrieben hatte. Bernhard antwortete 1459 mit einem Defensorium laudatorii doctae ignorantiae („Verteidigung des Lobes der ‚belehrten Unwissenheit’“). Die Kontroversen wurden noch durch den Umstand verschärft, dass die Hauptgegner der „belehrten Unwissenheit“, Wenck und Aggsbach, außerdem Konziliaristen waren.[49]

Ein scharfer Kritiker von Cusanus’ mathematischen Schriften war der Mathematiker und Astronom Regiomontanus († 1476).[50]

Eine Sammlung von Werken des Cusanus (Opuscula) wurde 1488 in Straßburg gedruckt. 1514 brachte der Humanist und Cusanus-Verehrer Jacques Lefèvre d’Étaples in Paris eine Gesamtausgabe heraus, die für die folgenden Jahrhunderte zur Standardedition wurde. 1565 erschien ein (fehlerhafter) Nachdruck der Pariser Ausgabe in Basel. In Italien fanden manche Ideen des Cusanus bei Humanisten vergleichbarer Ausrichtung wie Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola[51] und später besonders bei Giordano Bruno[52] Anklang.

Im 16. Jahrhundert berief sich der reformierte Theologe Johannes Kymaeus auf Cusanus, dessen Rechtfertigungslehre er als Vorläufer der lutherischen betrachtete.

In der Frühen Neuzeit war Cusanus nie ganz vergessen (wie man früher irrtümlich glaubte), doch war die Rezeption seiner Ideen meist nicht intensiv und umfassend. Zu einer höheren Bewertung seiner Gesamtleistung gelangt die moderne Forschung, die seine Originalität und seine Unabhängigkeit von den Beschränkungen der traditionsgebundenen spätscholastischen Philosophie betont. Für diese Wertschätzung erwies sich besonders die philosophiehistorische Arbeit von Ernst Cassirer als bahnbrechend. 1927 beschloss die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, eine neue kritische Gesamtausgabe der Werke herauszubringen, welche die alten Ausgaben des 16. Jahrhunderts ersetzen sollte. Der erste Band erschien 1932; inzwischen nähert sich das Vorhaben seinem Abschluss. Seit 1976 erscheinen die Acta Cusana, eine großangelegte Sammlung von Quellen zur Lebensgeschichte des Cusanus. Die Cusanus-Gesellschaft gründete 1960 das Cusanus-Institut, das seinen Sitz zunächst in Mainz hatte und sich seit 1980 in Trier befindet. Es veröffentlicht wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Cusanus-Forschung, darunter seit 1961 die Zeitschrift Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft.

1958 veröffentlichte der portugiesische Dichter Jorge de Sena ein Gedicht De Docta Ignorantia, zu dem ihn der cusanische Schlüsselbegriff der „belehrten Unwissenheit“ inspiriert hatte.[53]

In der Moderne wurde Cusanus Namensgeber einer Reihe von Institutionen, darunter des Cusanuswerks (bischöfliche Studienförderung) und der Cusanus-Akademie in Brixen. Eine Anzahl von Schulen tragen seinen Namen: das Bischöfliche Cusanus-Gymnasium in Koblenz, das Cusanus-Gymnasium in Erkelenz, das Cusanus-Gymnasium in St. Wendel, das Cusanus-Gymnasium in Wittlich, das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bergisch Gladbach, das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bonn, das Nikolaus-von-Kues-Gymnasium in Bernkastel-Kues und die Cusanusschule, eine Grund- und Hauptschule in Münstermaifeld.

Textausgaben und Übersetzungen

Ausgaben ohne Übersetzung

Kritische Gesamtausgabe
  • Nicolai de Cusa opera omnia (Gesamtausgabe der Heidelberger Akademie); bisher erschienen:
    • Bd. 1: De docta ignorantia, hrsg. Ernst Hoffmann und Raymond Klibansky, Leipzig 1932
    • Bd. 2: Apologia doctae ignorantiae, hrsg. Raymond Klibansky, 2. Auflage, Hamburg 2007. ISBN 978-3-7873-1788-2
    • Bd. 3: De coniecturis, hrsg. Josef Koch und Karl Bormann, Hamburg 1972. ISBN 3-7873-0218-2
    • Bd. 4: Opuscula I: De deo abscondito, De quaerendo deum, De filiatione dei, De dato patris luminum, Coniectura de ultimis diebus, De genesi, hrsg. Paul Wilpert, Hamburg 1959
    • Bd. 5: Idiota, De sapientia, De mente, hrsg. Renate Steiger, De staticis experimentis, hrsg. Ludwig Baur, 2. Auflage, Hamburg 1983. ISBN 3-7873-0484-3
    • Bd. 6: De visione dei, hrsg. Heide Dorothea Riemann, Hamburg 2000. ISBN 3-7873-1368-0
    • Bd. 7: De pace fidei, cum epistula ad Ioannem de Segobia, hrsg. Raymond Klibansky und Hildebrand Bascour, Hamburg 1959
    • Bd. 8: Cribratio Alkorani, hrsg. Ludwig Hagemann, Hamburg 1986. ISBN 3-7873-0641-2
    • Bd. 9: Dialogus de ludo globi, hrsg. Hans Gerhard Senger, Hamburg 1998. ISBN 3-7873-1309-5
    • Bd. 10 Fasc. 1: Opuscula II: De aequalitate (Vita erat lux hominum); Responsio de intellectu evangelii Ioannis (Quomodo ratio divina sit vita), hrsg. Hans Gerhard Senger, Hamburg 2001. ISBN 3-7873-0914-4
    • Bd. 10 Fasc. 2a: Opuscula II: De deo unitrino principio: De theologicis complementis, hrsg. Heide Dorothea Riemann und Karl Bormann, Hamburg 1994. ISBN 3-7873-1075-4
    • Bd. 10 Fasc. 2b: Opuscula II: De deo unitrino principio: Tu quis es <de principio>, hrsg. Karl Bormann und Heide Dorothea Riemann, Hamburg 1988. ISBN 3-7873-0750-8
    • Bd. 11/1: De beryllo, hrsg. Hans Gerhard Senger und Karl Bormann, Hamburg 1988. ISBN 3-7873-0749-4
    • Bd. 11/2: Trialogus de possest, hrsg. Renate Steiger, Hamburg 1973. ISBN 3-7873-0307-3
    • Bd. 11/3: Compendium, hrsg. Bruno Decker und Karl Bormann, Hamburg 1964
    • Bd. 12: De venatione sapientiae, De apice theoriae, hrsg. Raymond Klibansky und Hans Gerhard Senger, Hamburg 1982. ISBN 3-7873-0528-9
    • Bd. 13: Directio speculantis seu de non aliud, hrsg. Ludwig Baur und Paul Wilpert, Leipzig 1944
    • Bd. 14: De concordantia catholica libri tres, hrsg. Gerhard Kallen, Hamburg 1963-1968
    • Bd. 15 Fasc. 2: Opuscula III: Epistula ad Rodericum Sancium, Reformatio generalis, hrsg. Hans Gerhard Senger, Hamburg 2007. ISBN 978-3-7873-1730-1
    • Bd. 16: Sermones I (1430-1441), hrsg. Rudolf Haubst u.a., Hamburg 1991. ISBN 3-7873-0990-X
    • Bd. 17: Sermones II (1443-1452), hrsg. Rudolf Haubst, Hermann Schnarr u.a., Hamburg 1983ff. (bisher 6 Faszikel erschienen)
    • Bd. 18: Sermones III (1452-1455), hrsg. Silvia Donati u.a., Hamburg 2007. ISBN 978-3-7873-1733-2
    • Bd. 19: Sermones IV (1455-1463), hrsg. Silvia Donati u.a., Hamburg 1996-2008 (7 Faszikel und ein Indexfaszikel)
    • Bd. 20: Scripta mathematica (noch nicht erschienen)
Sonstige Ausgaben
  • Cusanus-Texte. II. Traktate. 2. De maioritate auctoritatis sacrorum conciliorum supra auctoritatem papae, hrsg. Erich Meuthen, Winter, Heidelberg 1977. ISBN 3-533-02589-6
  • Cusanus-Texte. III. Marginalien. 2. Proclus Latinus. Die Exzerpte und Randnotizen des Nikolaus von Kues zu den lateinischen Übersetzungen der Proclus-Schriften. 2.1 Theologia Platonis, Elementatio theologica, hrsg. Hans Gerhard Senger, Winter, Heidelberg 1986. ISBN 3-533-03744-4
  • Cusanus-Texte. III. Marginalien. 2. Proclus Latinus. Die Exzerpte und Randnotizen des Nikolaus von Kues zu den lateinischen Übersetzungen der Proclus-Schriften. 2.2 Expositio in Parmenidem Platonis, hrsg. Karl Bormann, Winter, Heidelberg 1986. ISBN 3-533-03746-0

Ausgaben mit Übersetzungen

  • Nikolaus von Kues: Philosophisch-theologische Werke, hrsg. Karl Bormann, 4 Bände, Meiner, Hamburg 2002 [lateinische Texte ohne kritischen Apparat mit deutscher Übersetzung]
  • Nikolaus von Kues: Philosophisch-theologische Schriften. Studien- und Jubiläumsausgabe, hrsg. Leo Gabriel u.a., 3 Bände, Herder, Wien 1964-1967 [lateinische Texte ohne kritischen Apparat mit deutscher Übersetzung]
  • Schriften des Nikolaus von Kues in deutscher Übersetzung (im Auftrag der Heidelberger Akademie; jeweils der lateinische Text der kritischen Gesamtausgabe, aber ohne den kritischen Apparat, und deutsche Übersetzung); Meiner, Hamburg (früher Leipzig)
    • H. 1: Der Laie über die Weisheit. Idiota de sapientia, hrsg. Renate Steiger, 1988. ISBN 978-3-7873-0765-4
    • H. 2: Über den Beryll. De beryllo, hrsg. Karl Bormann, 4. Auflage, 2002. ISBN 978-3-7873-1608-3
    • H. 3: Drei Schriften vom verborgenen Gott. De deo abscondito, De quaerendo deum, De filiatione dei, hrsg. Elisabeth Bohnenstaedt, 3. Auflage, 1958
    • H. 5: Der Laie über Versuche mit der Waage. Idiota de staticis experimentis, hrsg. Hildegund Menzel-Rogner, 2. Auflage, Leipzig 1944
    • H. 8: Über den Frieden im Glauben. De pace fidei, hrsg. Ludwig Mohler, 1943
    • H. 9: Dreiergespräch über das Können-Ist, hrsg. Renate Steiger, 3. Auflage, 1991. ISBN 3-7873-0943-8
    • H. 11: Die mathematischen Schriften, hrsg. Josepha Hofmann und Joseph Ehrenfried Hofmann, 2. Auflage, 1980. ISBN 3-7873-0491-6
    • H. 12: Vom Nichtanderen (De li non aliud), hrsg. Paul Wilpert, 3. Auflage, 1987. ISBN 3-7873-0743-5
    • H. 15a: Die belehrte Unwissenheit. De docta ignorantia. Buch I, hrsg. Paul Wilpert und Hans Gerhard Senger, 4. Auflage, 1994. ISBN 978-3-7873-1158-3
    • H. 15b: Die belehrte Unwissenheit. De docta ignorantia. Buch II, hrsg. Paul Wilpert und Hans Gerhard Senger, 2. Auflage, 1977. ISBN 3-7873-0416-9
    • H. 15c: Die belehrte Unwissenheit. De docta ignorantia. Buch III, hrsg. Hans Gerhard Senger, 1977. ISBN 3-7873-0362-6
    • H. 16: Kompendium. Kurze Darstellung der philosophisch-theologischen Lehren, hrsg. Bruno Decker und Karl Bormann, 3. Auflage, 1996. ISBN 978-3-7873-1190-3
    • H. 17: Mutmaßungen. De coniecturis, hrsg. Josef Koch und Winfried Happ, 2002. ISBN 978-3-7873-1604-5
    • H. 19: Die höchste Stufe der Betrachtung. De apice theoriae, hrsg. Hans Gerhard Senger, 1986. ISBN 978-3-7873-0652-7
    • H. 20a-c: Sichtung des Korans. Cribratio Alkorani, hrsg. Ludwig Hagemann und Reinhold Glei, 3 Hefte, 1989–1993. ISBN 978-3-7873-0934-4, ISBN 978-3-7873-0937-5, ISBN 978-3-7873-0938-2
    • H. 21: Der Laie über den Geist. Idiota de mente, hrsg. Renate Steiger, 1995. ISBN 3-7873-0975-6
    • H. 22: Gespräch über das Globusspiel. Dialogus de ludo globi, hrsg. Gerda von Bredow, 2000. ISBN 978-3-7873-1554-3
    • H. 23: Tu quis es <De principio>. Über den Ursprung, hrsg. Karl Bormann, 2001. ISBN 978-3-7873-1271-9
    • H. 24: De venatione sapientiae. Die Jagd nach Weisheit, hrsg. Karl Bormann, 2003. ISBN 3-7873-1626-4
  • Cusanus-Texte. I. Predigten. 6. Die Auslegung des Vaterunsers in vier Predigten, hrsg. Josef Koch und Hans Teske, Winter, Heidelberg 1940 [enthält mittelhochdeutsche und lateinische Predigten mit deutscher Übersetzung bzw. Übertragung in modernes Deutsch]
  • Nikolaus von Kues: Die Kalenderverbesserung. De correctione kalendarii, hrsg. Viktor Stegemann, Heidelberg 1955
  • Nikolaus von Kues: Vom Frieden zwischen den Religionen, hrsg. Klaus Berger und Christiane Nord, Insel, Frankfurt a.M. 2002

Übersetzungen ohne Originaltext

  • Nikolaus von Kues: Predigten in deutscher Übersetzung, übers. Walter Andreas Euler u.a., Aschendorff, Münster 2007ff.
    • Band 3: Sermones CXXII-CCIII, 2007. ISBN 978-3-402-03483-5
  • Nikolaus von Kues: De visione Dei. Das Sehen Gottes, übers. Helmut Pfeiffer, 2. Auflage, Trier 2002. ISBN 3-7902-1562-7
  • Der Prediger auf der Porta. Die Trierer Predigten des Nikolaus von Kues, übers. Franz-Bernhard Stammkötter, Aschendorff, Münster 2005. ISBN 3-402-02620-1
  • Wilhelm Oehl (Hg.): Deutsche Mystikerbriefe des Mittelalters, 1100 - 1550, München: Müller 1931 (1972 nachgedruckt) [Leseausgabe in Fraktur, bietet für einige Briefe von und an Cusanus die derzeit einzige neuhochdeutsche Übersetzung]
  • Nicolaus Cusanus: Philosophische und theologische Schriften, hrsg. Eberhard Döring, Marix, Wiesbaden 2005. ISBN 978-3-86539-009-7 [Leseausgabe, beruht auf der Übersetzung von Anton Scharpff von 1865, folgt einer thematischen Gliederung und bietet teils nur Ausschnitte von Werken]

Quellen (einschließlich Korrespondenz)

  • Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues, hrsg. Erich Meuthen und Hermann Hallauer, Meiner, Hamburg 1976ff. [kritische Edition ohne Übersetzungen]
    • Band 1, Lieferungen 1-4, 1976-2000 (5 Bände)
  • Nikolaus von Kues: Briefe und Dokumente zum Brixner Streit, hrsg. Wilhelm Baum und Raimund Senoner, Bd. 1, Wien 1998 und Bd. 2, Klagenfurt 2000 [Originaltexte (ohne kritischen Apparat) und Übersetzung]
  • Cusanus-Texte. IV. Briefwechsel des Nikolaus von Kues, Winter, Heidelberg 1944-1956
    • 1. Sammlung, hrsg. Josef Koch, 1944
    • 2. Sammlung: Das Brixner Briefbuch des Kardinals Nikolaus von Kues, hrsg. Friedrich Hausmann, 1952
    • 3. Sammlung: Das Vermächtnis des Nikolaus von Kues. Der Brief an Nikolaus Albergati nebst der Predigt in Montoliveto (1463), hrsg. Gerda von Bredow, 1955
    • 4. Sammlung: Nikolaus von Kues und der Deutsche Orden. Der Briefwechsel des Kardinals Nikolaus von Kues mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens, hrsg. Erich Maschke, 1956

Literatur

Zur Biographie
  • Wilhelm Baum: Nikolaus Cusanus in Tirol. Das Wirken des Philosophen und Reformators als Fürstbischof von Brixen, Athesia, Bozen 1983. ISBN 88-7014-298-1
  • Anton Lübke: Nikolaus von Kues. Kirchenfürst zwischen Mittelalter und Neuzeit, Callwey, München 1968
  • Erich Meuthen: Die letzten Jahre des Nikolaus von Kues. Biographische Untersuchungen nach neuen Quellen, Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen 1958
  • Erich Meuthen: Nikolaus von Kues 1401–1464. Skizze einer Biographie, 7. Auflage, Aschendorff, Münster 1992. ISBN 978-3-402-03492-7
Zu Werk und Rezeption
  • Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, 3. Auflage, Klostermann, Frankfurt a.M. 2008. ISBN 978-3-465-04059-0
  • Klaus Jacobi: Die Methode der cusanischen Philosophie, Alber, Freiburg und München 1969
  • Klaus Jacobi (Hrsg.): Nikolaus von Kues. Einführung in sein philosophisches Denken, Alber, Freiburg und München 1979. ISBN 3-495-47242-8
  • Thomas Leinkauf: Nicolaus Cusanus. Eine Einführung, Aschendorff, Münster 2006. ISBN 3-402-03171-X
  • Stephan Meier-Oeser: Die Präsenz des Vergessenen. Zur Rezeption der Philosophie des Nicolaus Cusanus vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, Aschendorff, Münster 1989. ISBN 3-402-03160-4
  • Hans Gerhard Senger: Ludus sapientiae. Studien zum Werk und zur Wirkungsgeschichte des Nikolaus von Kues, Brill, Leiden 2002. ISBN 90-04-12081-5
  • Norbert Winkler: Nikolaus von Kues zur Einführung, 2. Auflage, Junius, Hamburg 2009. ISBN 3-88506-339-5

Belletristik

  • Wolfgang Jeschke: Das Cusanus-Spiel, Droemer, München 2005. ISBN 3-426-19700-6 (Roman)

Weblinks

Werke

Anmerkungen

  1. Zu Cesarinis Einfluss auf Nikolaus siehe Senger (2002) S. 9-11.
  2. Zu Einzelheiten siehe Erich Meuthen: Die Pfründen des Cusanus, in: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 2 (1962), S. 15-66, und Erich Meuthen: Nikolaus von Kues 1401-1464, Münster 1964, S. 19-23.
  3. Zu Einzelheiten siehe die Untersuchung von Eusebio Colomer: Nikolaus von Kues und Raimund Llull, Berlin 1961.
  4. Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 350f.
  5. Meuthen (1958) S. 81.
  6. Autobiographie, Bibliotheca Augustana.
  7. Kritische Ausgabe.
  8. Kritische Ausgabe; Bibliotheca Augustana; bivio. I englisch, II englisch, III englisch; deutsch.
  9. Englisch; kritische Ausgabe; Bibliotheca Augustana.
  10. Englisch; kritische Ausgabe.
  11. Englisch; kritische Ausgabe.
  12. Englisch; kritische Ausgabe.
  13. Englisch; kritische Ausgabe.
  14. Englisch; kritische Ausgabe. Siehe zu dieser Schrift Diana Bormann-Kranz: Untersuchungen zu Nikolaus von Kues, De theologicis complementis, Stuttgart 1994.
  15. Englisch; Thiemel; kritische Ausgabe.
  16. Englisch; kritische Ausgabe.
  17. Englisch; kritische Ausgabe.
  18. Englisch; kritische Ausgabe; Bibliotheca Augustana.
  19. Englisch; kritische Ausgabe.
  20. Englisch; kritische Ausgabe; Bibliotheca Augustana.
  21. Englisch; kritische Ausgabe.
  22. Englisch; kritische Ausgabe.
  23. Englisch; kritische Ausgabe; Bibliotheca Augustana.
  24. Englisch; kritische Ausgabe.
  25. Englisch; kritische Ausgabe.
  26. Englisch; kritische Ausgabe; Bibliotheca Augustana.
  27. Englisch; kritische Ausgabe.
  28. Kritische Ausgabe, I englisch, II englisch, III englisch.
  29. Predigt 24; Bibliotheca Augustana.
  30. Englisch; kritische Ausgabe.
  31. Kritische Ausgabe.
  32. De mathematica perfectione, Bibliotheca Augustana.
  33. De circuli quadratura („Über die Quadratur des Kreises“, 1450), Quadratura circuli („Die Kreisquadratur“, 1450), Dialogus de circuli quadratura („Dialog über die Quadratur des Kreises“, 1457), De caesarea circuli quadratura („Über die kaiserliche Kreisquadratur“, 1457). Auch in De mathematica perfectione befasst sich Nikolaus mit diesem Problem.
  34. Englisch und kritische Ausgabe.
  35. Zum Einfluss Eckharts auf Cusanus siehe Herbert Wackerzapp: Der Einfluss Meister Eckharts auf die ersten philosophischen Schriften des Nikolaus von Kues (1440–1450), Münster 1962; Rudolf Haubst: Nikolaus von Kues als Interpret und Verteidiger Meister Eckharts, in: Udo Kern (Hrsg.): Freiheit und Gelassenheit, München 1980, S. 75-96.
  36. Hans Gerhard Senger (Hrsg.): Cusanus-Texte. III. Marginalien. 2. Proclus Latinus. Die Exzerpte und Randnotizen des Nikolaus von Kues zu den lateinischen Übersetzungen der Proclus-Schriften. 2.1 Theologia Platonis, Elementatio theologica, Heidelberg 1986, S. 11-28.
  37. Rudolf Haubst: Zum Fortleben Alberts des Großen bei Heymerich von Kamp und Nikolaus von Kues, in: Studia Albertina, Münster 1952, S. 420–447.
  38. Eusebio Colomer: Nikolaus von Kues und Raimund Llull, Berlin 1961, S. 68ff.
  39. Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 87-90.
  40. Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 72-75.
  41. Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 75-86.
  42. Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 350.
  43. Nikolaus von Kues: De docta ignorantia II 11.
  44. Nikolaus von Kues: De docta ignorantia II 12.
  45. Kurt Flasch: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt/Main 1998, S. 101.
  46. Kurt Flasch: Nikolaus Cusanus, München 2001, S. 66f., 77-80.
  47. Zur österreichischen Cusanusrezeption im 15. Jahrhundert siehe Baum (1983) S. 58-82.
  48. Englisch; kritische Ausgabe; Bibliotheca Augustana.
  49. Siehe zu dem Konflikt James Hogg u.a. (Hrsg.): Autour de la docte ignorance: une controverse sur la théologie mystique au XVe siècle, Salzburg 1992 (enthält Nachdruck der gleichnamigen Untersuchung von Edmond Vansteenberghe, Münster 1915, mit Edition von Quellentexten zur Kontroverse), Meier-Oeser (1989) S. 26-31, Baum (1983) S. 63-79, 129f., Flasch (2008) S. 181-194.
  50. Baum (1983) S. 81.
  51. Zur Kontroverse um die Cusanus-Rezeption bei Ficino und Pico siehe Kurt Flasch: Nicolaus Cusanus, München 2001, S. 149-152.
  52. Kurt Flasch: Nicolaus Cusanus, München 2001, S. 154-158; Meier-Oeser (1989) S. 231-281.
  53. Text des Gedichts bei Senger (2002) S. 386f. (portugiesisch und deutsch); Interpretation dazu S. 384-395.

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