Arthur Korn (Architekt)

Arthur Korn (* 4. Juni 1891 in Breslau; † 14. November 1978 Wien) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Autor. Zusammen mit seinem Partner Siegfried Weitzmann zählte er in den 1920er Jahren zu den Vertretern des Neuen Bauens.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Arthur Korn studierte 1909 und 1911 unter Bruno Paul an der Kunstgewerbeschule in Berlin. 1922 machte er sich gemeinsam mit dem Ingenieur Siegfried Weitzmann selbständig. Seit 1922 war er Sekretär in der Künstlervereinigung Novembergruppe, seit 1924 Mitglied in der Architektenvereinigung „Der Ring“ und seit 1928 im CIAM.

Da er Jude war, musste Korn 1935 vor den Nationalsozialisten nach Jugoslawien fliehen, zwei Jahre später nach London. Dort wurde er Mitglied der Modern Architectural Research Group (MARS-Gruppe). Er widmete sich nun ausschließlich der Stadtplanung und lehrte von 1945 bis 1965 an der Architectural Association School.

Werk

Entwurfszeichnung für ein Geschäftshaus in der Friedrichstraße, Berlin, ca. 1922
Entwurfsmodell für das Wohnhaus Benda in Berlin-Westend, ca. 1922
Fotografie des Wohnhauses Goldstein in Berlin-Westend, ca. 1922
Fotografie des Badehauses des Wohnhauses Goldstein in Berlin-Westend, ca. 1922
Entwurfszeichnung für das Business Centre in Haifa, Palästina (heute Israel), ca. 1922
Wohnhaus in Berlin-Zehlendorf, realisiert 1928–1929

Im Kaiserreich

Arthur Korns wichtige frühe Wohnbauten befinden sich vor allem in der Kolonie Heerstraße im Berliner Westen. Dieses Neubaugebiet wurde im Zuge der Konzeption und dem Bau der Heerstraße um 1910 angelegt. Die für dieses Areal vorgesehene Aufteilung in große Parzellen mit villenartiger Bebauung begann zeitgleich, und eines der ersten Häuser war das "Haus Warnholtz" von Ludwig Mies van der Rohe von 1914/1915 auf einem 10 000 m² großen Grundstück[1]. Wie alle Häuser dort wurde es im konservativen zeittypischen Berliner Stil in der Nachfolge des Schinkelschen Klassizismus gebaut: Kaiser Wilhelm II. persönlich ließ sich die Baupläne zur Freigabe vorlegen[2], da sich diese Bauten an einer wichtigen repräsentativen neuen Hauptachse der Berliner Stadtplanung befanden.

Weimarer Republik

In den Jahren nach 1920 kamen Bauten der Avantgardearchitektur - eben wie die Häuser Benda, Goldstein und Wasservogel von Arthur Korn - hinzu. Der Wandel der großbürgerlichen Wohnkultur ließ sich ab Mitte der 1920er Jahre auf diesem beschränkten Areal studieren, so dass sich der Diskurs zwischen konservativen und die Moderne fördernden Architekturinteressierten anhand der hier vorhandenen Bauten entzünden konnte. Arthur Korns Bauten wurde dementsprechend sowohl positiv[3] als auch negativ besprochen. Interessant ist, dass nicht nur eine ästhetische Debatte geführt wurde, sondern dass vielmehr auch die pragmatischen Aspekte des Neuen Bauens zum Thema wurden. So wurde schon 1926 - wenige Jahre nach der Fertigstellung des Hauses - an Arthur Korns "Haus Benda" exemplarisch erläutert, dass eine adäquate bauliche Qualität mit der neuen Flachdach- und Betonästhetik nicht zu erreichen ist: die deutlich erkennbaren Feuchtigkeitsschäden wurden instrumentalisiert, um der formalästhetischen Kritik zum Beispiel aus dem Lager der Heimatschutzstil - Architekten ein weiteres Argument an die Seite zu stellen [4].

Arthur Korn realisierte bis 1923 in Berlin verschiedene Wohn- und Nutzbauten, an denen sich sein architektonischer Stil gut erkennen lässt. Seine damals außerordentlich neuartige und moderne, den Bau souverän in spannungsvoll kontrastierende klar definierte und dekorlose Volumina gliedernde Architektur beeindruckt noch heute. So weist die großzügig dimensionierte Villa für die Familie Goldstein im Berliner Westend von 1922 eine bemerkenswert moderne Architektur auf, die an die Bauten der Bauhaus-Schule denken lässt. Darüber hinaus zeigt dieses Gebäude, aber besonders das Badehaus im Garten eine konstruktive Formensprache, die nicht nur der damaligen Zeit spektakulär neuartig erschienen sein musste: Die Symmetrie im Zusammenklang mit der klar stilisierten Formensprache erinnert an archaische Tempelbauten wie die der Indios, deren Umformung zum Beispiel auch zeitgleich in Frank Lloyd Wrights "Storer House" wiederzufinden ist. Die betont künstlerische und konformismusferne Formfindung weist auf Richard Neutras oder Louis I. Kahns Projekte voraus, und der utopische Konstruktivismus der russischen Avantgardearchitektur (El Lissitzky) klingt in diesem Nebengebäude ebenfalls an. Die die Architekturelemente verbindende Gartenanlage dieses Anwesens plante er zusammen mit dem primär als Bildhauer bekannten Rudolf Belling[5].

In seinem 1923 in der in Potsdam erscheinenden Avantgarde-Kunstzeitschrift Das Kunstblatt veröffentlichten Aufsatz Analytische und utopische Architektur finden sich Abbildungen einiger seiner Projekte[6]. Arthur Korn schrieb dort dazu: „Architektur, sinnvoll wie die Maschine, wie der Untergrundbahnzug - die Luftkabine, die Karosserie. unauffällig kollektiv.“ Vorschnell interpretiert klingt hier Le Corbusiers oft verkürzt interpretierter Terminus der Wohnmaschine an. Korn jedoch gibt der idealen Architektur einen ambivalenten Charakter, indem er gleich im folgenden Absatz erklärt: „Aber man kann im unpersönlichen Sachhaus nur leben, wenn hinter dem befriedigten Bedürfnis die symbolische Kunstform steht, die den Organismus fühlt und fragt: auf welchen Stützpunkten (...) steht der Bau. Wie sitzen die Lichtflächen darin (...). Wie steht der Bau zur nahen und weiten Umgebung, zur Luft.(...) Wie erhält das Ganze Bedeutung zum Kleinsten und wie wird das Ganze eine Zelle der größeren Gemeinschaft. Wie wächst das Ganze zum landschaftlichen und menschlichen Symbol heraus. Ungenügend ist die gesichtslose Lösung. Die amerikanisch-geradlinig rationelle Stadt ist tödlich.“ Denn „analytischer Aufbau aus den letzten Geheimnissen der Materie, der Konstruktion, der Zellenorganisation und des Verkehrs ist unerläßliche Voraussetzung. Er ist der Grundstock, nicht weniger - und nicht mehr. Dann aber ist es Sache der Kunst, das Gesamtwerk völlig ursprünglich, als wäre es eben zur Welt gekommen, zu erschaffen.“ Für ihn ist ein „Geheimnis“ der guten Architektur, dass sich die „messerscharfe analytische Konstruktion und die im Reich des Unbewußten geborene Utopie in einem Punkt schneiden, gleichsam als wiederholte der unbewußte Genius in uns auf einer höheren, uns unbekannten Stufe den Schaffensprozeß noch einmal zum gleichen Ende.“

Drittes Reich

Der sich dogmatisierend verstärkende Konservativismus in der Architektur im Dritten Reich führten neben pragmatischen Gründen dazu, dass das ehemalige Wohnhaus der Familie Goldstein, das schon wenige Jahre nach der Erbauung zum "Haus der deutschen Turnerschaft" umgewidmet worden war, beim Ausbau des unmittelbar angrenzenden Geländes der Olympischen Spiele von 1936 abgerissen wurde. Das neu zu errichtende "Haus der deutschen Turnerschaft" im Deutschen Sportforum wurde unweit nun nach den ästhetischen Richtlinien der nationalsozialistischen Architekturästhetik errichtet. Die Verwirklichung der stark diskutierten Bauten des Neuen Bauens im Stile eines Arthur Korn und der Bauhausschule war nunmehr bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs undenkbar - erst in den Nachkriegsjahren konnten Berlin und Deutschland wieder an die Architekturmoderne anschließen.

Bewertung

Das Œuvre Arthur Korns, das nach eigenem Bekenntnis die „analytische Konstruktion“, den „Maschinenmenschen“ und das „Symbol und Feuerzeichen in uns“, das „Anarchisch-Künstlerische“[7] in Einklang bringen soll, hat nur zum Teil die ästhetischen Dogmen des Nationalsozialismus, die Jahre des Zweiten Weltkriegs und die Entwicklung des architektonischen Geschmacks im Verlauf des 20. Jahrhunderts überlebt. Dennoch muss sein Werk sicherlich zu den wichtigen frühen Indikatoren und Impulsgebern der Anfang der 1920er Jahre entstandenen internationalen Architekturmoderne gezählt werden.

Bauten

  • 1922–1924: großes Wohnhaus für Jeanette Goldstein, späteres „Haus der Deutschen Turnerschaft“, in Berlin-Westend, Arysallee / Sensburger Allee (um 1935 abgerissen)
  • 1923: Wohnhaus Krüger in Berlin-Westend
  • 1924: Wohnhaus Benda in Berlin-Westend
  • 1924: Fabrikgebäude der Schuhfabrik Hermann Guiard & Co. in Burg bei Magdeburg, Blumenthaler Landstraße
  • 1924: Wohnhaus für Dr. Krojanker in Burg bei Magdeburg, Straße der Einheit
  • 1924: Wohnhaus für Fritz Wasservogel in Berlin-Westend, Länderallee / Bayernallee (um 1970 abgerissen)
  • 1926: Umbau des Geschäftshauses der Berliner Wach- und Schließgesellschaft in Berlin
  • 1927–1928: Wohnhaus für Dr. med. Martin Abraham in Berlin-Zehlendorf, Beerenstraße
  • 1928: Ladenlokal der Firma Kopp & Joseph in Berlin
  • 1930–1931: Neubauten der Gummiwarenfabrik Julius Fromm in Berlin-Köpenick, Friedrichshagener Straße (kriegszerstört)

Schriften

  • Glas im Bau und als Gebrauchsgegenstand. Berlin-Charlottenburg 1929.
  • Analytische und utopische Architektur. In: Das Kunstblatt, Jahrgang 1923, Heft 11/12.

Literatur

  • Die Bauwelt, Jahrgang 1926, Heft 36.
  • Andreas Zeese: Die vergessene Moderne. Arthur Korn, Architekt, Urbanist, Lehrer (1891–1978). Leben und Werk eines jüdischen Avantgardisten in Berlin und London. Dissertation, Universität Wien, 2010.
  • Paul Westheim: Hinweis auf Arthur Korn. In: Das Kunstblatt, Jahrgang 1923, Heft 11/12, S. 334 - 335.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Markus Jäger: Das Haus Warnholtz von Ludwig Mies van der Rohe 1914/15. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Band 65, 2002, S. 123ff.
  2. Markus Jäger: Das Haus Warnholtz von Ludwig Mies van der Rohe 1914/15. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Band 65, 2002, S. 126ff.
  3. Paul Westheim: Hinweis auf Arthur Korn. In: Das Kunstblatt, Jahrgang 1923, Heft 11/12, S. 334–335.
  4. Edgar Wedepohl in: Wasmuths Monatshefte für Baukunst, Heft 6/1926
  5. http://www.ikg.uni-karlsruhe.de/projekte/exilarchitekten/architekten/korn.htm
  6. Arthur Korn: Analytische und utopische Architektur. In: Das Kunstblatt, November/Dezember 1923, S. 336-339.
  7. Arthur Korn: Analytische und utopische Architektur. In: Das Kunstblatt, November/Dezember 1923, S. 339.



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