Arthur Müller Lehning

Paul Arthur Müller-Lehning (auch Arthur Müller Lehning oder Arthur Müller-Lehning) (* 23. Oktober 1899 in Utrecht; † 1. Januar 2000 in Lys-Saint-Georges, Frankreich), Sohn deutscher Eltern, war ein niederländischer Autor, Aktivist, Mitbegründer des Internationales Institut für Sozialgeschichte (IISG) und Anarchist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Paul A.M. Lehning besuchte den Elementarunterricht von der Evangelische Broedergemeente (Evangelische Brudergemeinde) in Zeist. Hier lernte er den Dichter Hendrik Marsman kennen mit dem er bis 1926 befreundet war. Lehning war zu dieser Zeit ein Anhänger der individuellen Freiheit während für Marsmann diese Ansicht das „Ende der menschlichen Zivilisation ankündigte[1]. Ihre Wege trennten sich. Lehning widmete ihm später ein Buch mit dem Titel De vriend van mijn jeugd („Der Freund aus meiner Jugend“). 1919 studierte Lehning Wirtschaftswissenschaften in Rotterdam und 1922 Geschichte in Berlin. In Berlin lernte er den deutschen Anarchosyndikalisten Rudolf Rocker kennen sowie Alexander Berkman und Emma Goldman. Mit Berkman, Goldman und Clara Gertrud Wichmann war er befreundet [2]. In Paris entdeckte er die moderne Malerei der Kubisten, Expressionisten und Futuristen. Von 1927 bis 1929 gab er in Amsterdam die Zeitschrift i10 heraus, für die er viele Intellektuelle und Künstler wie Le Corbusier, Walter Gropius, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Upton Sinclair, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Max Nettlau, Otto Rühle, Henriette Roland-Holst, Alexander Berkman, Alexander Schapiro und weitere als Beiträger gewinnen konnte [3]. Diese Avantgardezeitschrift, viersprachig: niederländisch, deutsch, französisch und englisch, sollte die neuen revolutionären Bewegungen in Kunst und Politik widerspiegeln. 1927 und 1929 besuchte er die Kongresse der Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit. Für das Internationale Antimilitaristische Büro, 1921 in Den Haag zur Bekämpfung von Krieg und Militarismus gegründet, arbeitete er als Korrespondent. Lehnings publizistische Tätigkeit zwischen den beiden Weltkriegen war die Analyse der (wiederum) drohenden Kriegsgefahr. Er arbeitete „die anarchistische Tradition des Generalstreikes als Reaktion auf den Kriegsausbruch heraus, wie es schon die 1. Internationale Arbeiter-Assoziation in einer Resolution des Brüsseler Kongresses von 1868 gefordert hatte[4].

Mit Augustin Souchy, Alexander Schapiro und Rudolf Rocker war Lehning von 1932 bis 1935 Mitglied der Internationale Arbeiter-Assoziation und von 1933 bis 1936 Sekretär der IAA. Zusammen mit Albert de Jong, Helmut Rüdiger und Augustin Souchy redigierte er den Pressedienst der Internationalen Antimilitaristischen Kommission (IAK). Nach 1936 war er, nach seinen Aktivitäten in der Anarchosyndikalistischen Bewegung, hauptsächlich als Historiker tätig der sich für die Realisierung einer libertären Gesellschaft einsetzte mit den Mitteln des zivilen Ungehorsams.

1935 war er Mitbegründer des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam und rettete 1940 das Archivmaterial des Institutes in dem er es nach England mitnahm. In Oxford war es von 1939 bis 1947 Direktor des englischen IISG. Auf Einladung der indonesischen Regierung gründete Lehning 1952 eine Bibliothek für politische und soziale Wissenschaften in Djkarta; 1947 hatte er die britische Staatsangehörogkeit erhalten.Im Oktober 1936 begab er sich nach Katalonien in den Spanischen Bürgerkrieg, um dort an der Seite der Republikaner zu kämpfen. Nachdem die katalanischen Anarchisten zunächst durch die Kommunisten verraten und später durch die Franquisten überrannt wurden, betrachtete Lehning in seinem weiteren Leben den Anarchismus vor allem als eine politisch-kritische Theorie.

Preise

Historische Werke

  • Arthur Müller Lehning: Die Sozialdemokratie und der Krieg. Der revolutionäre Antimilitarismus in der Arbeiterbewegung, Verlag Der Syndikalist, Fritz Kater, Berlin. 1924
  • Arthur Müller-Lehning: Die IAA und der Kampf gegen Militarismus und Krieg
  • From Buonarrotti to Bakunin. Studies in international socialism, (Von Buonarrotti bis Bakunin. Studium des internationalen Sozialismus) (1970)
  • Michael Bakunin. Over anarchisme, staat en dictatuur, (Michael Bakunin. Zu Anarchismus, Staat und Diktatur) - zusammengestellt und mit einer Einleitung versehen durch Arthur Lehning (ursprünglich erschienen beim Verlag L.J.C. Boucher in der Reihe 'Manifesten', 1970); 1976 wiederaufgelegt in veränderter Fassung beim Verlag Kritiese Bibliotheek / Van Gennep, ISBN 90-6012-325-5

Tagebücher

  • Spaans dagboek, aantekeningen over de revolutie in Spanje, (Spanisches Tagebuch, Notizen zur Revolution in Spanien).(1996)
  • "Spanisches Tagebuch & Anmerkungen zur Revolution in Spanien". (Mit einer Einleitung und Anmerkungen von Toke van Helmond-Lehning), Edition Tranvía, Verlag Walter Frey, Berlin 2007. ISBN 978-3-938944-04-2.

Übersetzungen ins Niederländische

  • Arthur Lehning (Hrsg.und Übersetzer) Michael Bakunin: Het verzameld werk, (Michael Bakunin: Gesammelte Werke; 7 Bände) Archives Bakounine (1961-…)

Essays

  • Politiek en cultuur, (Politik und Kultur) (1930)
  • De draad van Ariadne - Essays en commentaren, (Der Draht von Ariadne - Essays und Anmerkungen) (1966)
  • Ithaka - Essays en commentaren 2, (Ithaka- Essays und Anmerkungen 2) (1980) (ISBN 90-293-9725-X)
  • Prometheus en het recht van de opstand, (Prometheus und das Recht zum Aufstand) (1987)
  • De tocht naar Ithaka - Beschouwingen over politiek en cultuur, (Die Reise nach Ithaka - Betrachtungen zu Politik und Kultur; Blütenlese durch Toke van Helmond) (1999) (ISBN 90-290-6581-8)

Einzelnachweise

  1. Zitat nach Raymond van den Boogaard Veröffentlicht in NCR-Handelsblad vom 3. Januar 2000. Online-Artikel auf der Website von Zeeburgnieuws (Archiv 2000); niederländisch. Abgerufen am 18. März 2009
  2. Ausführliche Bibliografie, Lebenslauf und Lehnings Freundschaft mit R. Rocker, A. Berkman u.a.; niederländisch. Abgerufen am 18. März 200
  3. Über Lehnings Herausgabe von i10 und seine Beziehungen zu den modernen Malern; niederländisch. Abgerufen am 18. März 2009
  4. Zitat nach Johannes Hilmer; in der Zeitschrift Schwarzer Faden, Nr. 69, März 1999

Weblinks


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