Arthur Scharmann
Arthur Scharmann (ca. 1988)

Arthur Scharmann (* 26. Januar 1928 in Darmstadt) ist ein deutscher Physiker, der als Hochschullehrer und Institutsdirektor vor allem auf den Gebieten der Festkörperphysik, Atomphysik, Angewandten Kernphysik und Medizinischen Physik tätig war.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Scharmann begann das Physikstudium 1946 in Marburg und wechselte 1948 an die Universität in Gießen (die heutige Justus-Liebig-Universität Gießen), wo er 1951 die Diplomprüfung ablegte. Er promovierte in Gießen 1955 bei Wilhelm Hanle und habilitierte sich in Gießen 1959.[1]. 1965 wurde er Professor in Gießen und 1969 als Nachfolger seines (seit 1957) Schwiegervaters Hanle Direktor des I. Physikalischen Instituts, das unter seiner Leitung bis zu einer Personalstärke von ca. 80 Mitarbeitern expandierte. Scharmann war während seiner Amtszeit fünfmal Dekan seines Fachbereichs und von 1975 bis 1977 Vizepräsident der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er wurde 1996 emeritiert.

Arbeit als Wissenschaftler und Hochschullehrer

Scharmann ist Autor bzw. Koautor von über 700 wissenschaftlichen Publikationen, darunter mehrere Monographien.

Festkörperphysik

Besondere Verdienste erwarb sich Scharmann auf dem Gebiet der Zerstäubung von Festkörpern beim Beschuss mit Ionen (Sputtern). Unter seiner Leitung wurde eine Reihe von Ionentriebwerken entwickelt, die bis heute in der interplanetaren Raumfahrt verwendet werden. Bedeutende Arbeiten Scharmanns lagen außerdem auf den Gebieten der Lumineszenz anorganischer Kristalle, der Exoelektronenemission und der Festkörperdosimetrie.

Kernphysik

Scharmann war maßgeblich am Aufbau des Strahlenzentrums der Justus-Liebig-Universität Gießen beteiligt. Er war Mitherausgeber der Zeitschriften Kerntechnik, Radiation Protection Dosimetry und Radiation Measurements. 1990 erhielt er die österreichische Strahlenschutz-Verdienstauszeichnung in Gold. Ab 1970 war er Mitglied der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern, von 1987 bis 2003 deren Vorsitzender und seit 2003 deren Ehrenvorsitzender. Der Strahlenschutzkommission beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gehörte Scharmann von 1990 bis 1996 an. Von 1974 bis 1995 war er Mitglied des Sicherheitsbeirates des Kernkraftwerks Biblis.

Lehre

An Scharmanns Lehrstuhl entstanden ca. 180 Diplom- und Staatsexamensarbeiten. Scharmann und die fünf Professoren seines Instituts betreuten ca. 120 Doktorarbeiten.

Aktivitäten in Organisationen

Scharmann war von 1965 bis 1969 Vorstandsmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, von 1967 bis 1969 deren Vizepräsident.

Von 1987 bis 2003 war er Vorsitzender der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern und ist seither ihr Ehrenvorsitzender.

Weitere Ehrungen

Scharmann wurde Ehrendoktor der Universitäten Toulouse (1983) und Nizza (1987), der University of New South Wales Sydney (1988) und der Universität Duisburg (1990). 1989 erhielt er die Röntgen-Plakette der Stadt Remscheid. Er wurde mit drei Stufen des Bundesverdienstkreuzes ausgezeichnet, zuletzt 1993 mit dem Großen Verdienstkreuz.

Weblinks

Einzelbelege

  1. A. Scharmann, Messung von Lumineszenzabklingzeiten anorganischer Leuchtstoffe bei Anregung mit Ionen, Habilitationsschrift, Gießen 1959

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Scharmann — ist der Familienname von Arthur Scharmann, deutscher Physiker (* 1928) Peter Scharmann, österreichischer Rennfahrer (* 1950) Theodor Scharmann, schweizerisch deutscher Wirtschafts und Sozialpsychologe (1907–1986) Scharmann ist des Weiteren der… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Scha–Schd — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Gesamtliste der Träger des Bundesverdienstkreuzes — Listen der Träger des Bundesverdienstkreuzes Gesamtübersicht | Großkreuze | Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband | Großes Verdienstkreuz mit Stern | …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Träger des Großen Verdienstkreuzes — Listen der Träger des Bundesverdienstkreuzes Gesamtübersicht | Großkreuze | Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband | Großes Verdienstkreuz mit Stern | …   Deutsch Wikipedia

  • Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland — Listen der Träger des Bundesverdienstkreuzes Gesamtübersicht | Großkreuze | Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband | Großes Verdienstkreuz mit Stern | …   Deutsch Wikipedia

  • Gefahrenbericht — Die Schutzkommission beim Bundesminister des Innern wurde 1951 vom damaligen Bundesinnenminister Gustav Heinemann (damals CDU) inauguriert, um das Bundeskabinett in Fragen verheerender Folgen eines neuen Weltkriegs, sowie bei anderen… …   Deutsch Wikipedia

  • Katastrophenforschung — Die Schutzkommission beim Bundesminister des Innern wurde 1951 vom damaligen Bundesinnenminister Gustav Heinemann (damals CDU) inauguriert, um das Bundeskabinett in Fragen verheerender Folgen eines neuen Weltkriegs, sowie bei anderen… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Persönlichkeiten der Stadt Gießen — Diese Liste enthält Persönlichkeiten der hessischen Stadt Gießen. Inhaltsverzeichnis 1 Söhne und Töchter der Stadt 2 Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben 3 Persönlichkeiten der Universität Gießen 3.1 Ehrendoktorwürden …   Deutsch Wikipedia

  • Schutzkommission — Die Schutzkommission beim Bundesminister des Innern wurde 1951 vom damaligen Bundesinnenminister Gustav Heinemann (damals CDU) inauguriert, um das Bundeskabinett in Fragen verheerender Folgen eines neuen Weltkriegs, sowie bei anderen… …   Deutsch Wikipedia

  • Schutzkommission beim Bundesminister des Innern — Die Schutzkommission beim Bundesminister des Innern wurde 1951 vom damaligen Bundesinnenminister Gustav Heinemann (damals CDU) inauguriert, um das Bundeskabinett in Fragen verheerender Folgen eines neuen Weltkriegs, sowie bei anderen… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”