Arthur Zarden

Arthur Heinrich Ludwig Zarden (* 27. April 1885 in Hamburg; † 18. Januar 1944 in Berlin) war eine führende Persönlichkeit in der deutschen Steuergesetzgebung und kurzzeitig Staatssekretär im Reichsfinanzministerium.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Über die Kindheit und Jugendzeit Zardens ist nicht viel bekannt. Im Jahr 1904 verließ er das Wilhelm-Gymnasium in Hamburg nach der Reifeprüfung und begann sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Lausanne, dem Semester in München, Berlin und Kiel folgten. Der ersten juristischen Staatsprüfung 1908 in Kiel und der Promotion zum Doctor iuris utriusque 1909 in Rostock schloss sich Ende 1912 die zweite juristische Staatsprüfung in Hamburg an. Mit der Vereidigung als Assessor wenige Tage danach, begann er seine Karriere, zunächst in der Hamburger Erbschaftsteuerverwaltung, der späteren Steuerdeputation. 1914 folgte seine Ernennung zum Verwaltungsassessor, 1917 zum Regierungsrat und 1919/1920 der Wechsel zum Reichsministerium der Finanzen (RFM). Am 24. Juli 1920 heiratete er Editha Orenstein, die Tochter des Industriellen Benno Orenstein (1851-1926). Weitere Stationen waren 1920 Ministerialrat, 1923 Ministerialdirigent, 1925 Ministerialdirektor und 1932 schließlich Staatssekretär.

Steuerverwaltung

Zarden kam in einer Zeit des Umbruchs in das Reichsfinanzministerium. Der Aufbau einer zentralistischen Finanzverwaltung, Reparationslasten aus dem verlorenen Krieg, und schließlich der Kampf gegen die Inflation erschwerten die ersten Jahre. Er konzentrierte sich hierbei auf die Konsolidierung der Reichsfinanzen durch Umbau und Schaffung der Kapitalertrags-, der Vermögens- und der Einkommenssteuer sowie der Zwangsanleihe. Hierunter verstand man eine Zwangsabgabe von bis zu 10% des Vermögens pro Person und Unternehmen. Nach der wirtschaftlichen Stabilisierung arbeitete Zarden an der zweiten Steuerreform in der Weimarer Republik mit, die vor allem auf Vereinheitlichung und Senkung der Steuern sowie auf eine Neuregelung der Finanzen zwischen Reich und Ländern abzielte. Er war Autor unzähliger Artikel in Fach-und Verbandszeitschriften.

Staatssekretär

Als Leiter der Steuerabteilung im RFM rechnete Zarden, der Mitglied der DVP war, nach dem Rücktritt von Staatssekretär Johannes Popitz (1884-1945) im Jahr 1929 damit, sein Nachfolger zu werden. Stattdessen ernannte der neue Reichsfinanzminister und gleichzeitige Wirtschaftsminister, Paul Moldenhauer (1876-1947), trotz Intervention des Kabinetts, Hans Schäffer (1886-1967) aus dem Wirtschaftsministerium. Im Juni 1932 folgte schließlich Zardens Ernennung zum Staatssekretär unter dem neuen Minister Schwerin von Krosigk (1887-1977). Zarden gilt als Erfinder der Steuergutscheine, die Nachlässe auf Steuern gewährten und durch die sich Unternehmen durch Veräußerung kurzfristig neue Liquidität beschaffen konnten. Nach dem Antritt der Hitler-Regierung blieb der jüdisch gläubige und mit einer Jüdin verheiratete Zarden zunächst Staatssekretär, wurde jedoch durch Intervention Hitlers aus dem Amt gedrängt und am 31. März 1933 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Am 25. September erfolgte unter Berufung auf § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die Versetzung in den dauernden Ruhestand per Jahresende.

Todesumstände

Arthur Zarden engagierte sich sowohl im SeSiSo-Club, als auch in dem von Hanna Solf (1887-1954), der Witwe des ehemaligen deutschen Botschafters in Tokio, Wilhelm Solf (1862-1936), geleiteten Solf-Kreis. In dem Kreis fanden sich im Wesentlichen kritisch eingestellte Beamte des Außenministeriums zusammen. Später schlich sich der Gestapo-Spitzel Paul Reckzeh (1913-1996) ein, der im September 1943 eine Diskussion über die militärisch aussichtslose Lage verriet. Am 12. Januar 1944 folgte die Verhaftung Arthur Zardens und seiner Tochter Irmgard[1] und ihre Einlieferung in ein Gestapo-Gefängnis. Er war sich schnell im Klaren, dass er das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen und gefoltert werden würde. Am 18. Januar sprang Arthur Zarden aus einem Fenster des Treppenhauses auf die Joachim-Friedrich-Straße und verstarb beim Transport ins Krankenhaus.

Literatur

  • Irmgard Ruppel: Erinnerungen, FinanzBuch, München 2009, ISBN 978-3-89879-456-5
  • Ausstellungskatalog Bundesfinanzakademie/Bundesministerium der Finanzen, 1985

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Irmgard Ruppel (* 5. Oktober 1921) im Bundesarchiv

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