Artländer Dom
Der Artländer Dom in Ankum
Innenansicht
Alter Chorraum mit Hochaltar um 1900

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Nikolaus, im Volksmund Artländer Dom genannt, ist das Wahrzeichen von Ankum, einem alten Marktort, an dem einst vor allem Tuch gehandelt wurde. Die dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche liegt auf dem Vogelberg hoch über den so genannten Marktbögen.

Der Kirchturm ist 79 m hoch und ruht auf einem dreigeschossigen Unterbau, der 1514 auf der alten, vermutlich schon vor 1100 entstandenen Kirche errichtet wurde.

In der Kirche wird das alte Ankumer Kreuz aufbewahrt, das etwa 1280 entstand. Die heutige Kirche wurde nach dem Brand der alten Pfarrkirche 1892 in vierjähriger Bauzeit von 1896 bis 1900 errichtet und 1900 eingeweiht. Der Berliner Bildhauer Paul Brandenburg schuf Altartisch, Tabernakel, Ambo (Lesepult) und andere Details, wie beispielsweise die Türgriffe.

Inhaltsverzeichnis

Lage und örtliche Gegebenheiten

Die Kirche bildete den Mittelpunkt einer markanten Kirchenburg, deren Mauern noch in Resten erhalten sind, die noch durch die erhöhte Lage am Hang des Vogelbergs betont wird.

Gründung und Gründungsbau

Die Pfarrkirche in Ankum wird 1169 als ecclesia Anchem erstmalig erwähnt, ihre Entstehung wird jedoch einige Jahrhunderte weiter zurück bis in die sächsische Zeit geschätzt, als Karl der Große das Christentum in die Region brachte und eine Taufkirche im Mittelpunkt des altsächsischen Varngaues in Ankum errichten ließ.

Ursprünglich soll es sich um eine einfache Holzkirche gehandelt haben, die im 11. Jahrhundert durch eine einschiffige Steinkirche ersetzt wurde. Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich daraus die im Osnabrücker Nordland einmalige dreischiffige Basilika. Diese hatte drei Tortürme und verschiedene Steinwerke, die in die Mauer eingebunden waren. 1656 zählte man 11 Gebäude, die im 19. Jahrhundert abgebrochen wurden.

In gotischer Zeit wurde sie erweitert, erhielt ein breites Nordschiff und den noch erhaltenen Turm. 1892 wurde die Anlage durch einen Brand nach einem Blitzschlag zerstört, lediglich die Außenmauern blieben stehen. Erst 1895 wurde die Ruine abgebrochen; bis dahin hatte sich die Denkmalpflege heftig gesträubt.

Baubeschreibung

Von 1896 bis 1900 erbaute Architekt Johannes Franziskus Klomp die heutige neuromanische Kirche unter Verwendung des alten Turmes, dessen drei Untergeschosse, durch Gesimse getrennt, in die Anlage der Jahrhundertwende eingegliedert wurden. Über dem kleinen gotischen Portal ist ein großes dreiteiliges Spitzbogenfenster mit verschiedenen Steinmetzzeichen zu sehen. Die seitliche Inschrift deutet auf die Erbauung hin:

Anno 1514 „is an ghelecht dese torn dorch ihm dit venst hebt ghemach albert Schipper und gerlich steman bid vor alle kerste siele.“

Die Kirche ist im Inneren kathedralenähnlich, 52 Meter lang und in den Formen einer (neu)romanischen Gewölbebasilika mit Querschiff errichtet. Im Kreuzungspunkt befindet sich ein achtseitiger Vierungsturm. Halbrunde Absiden (Chor, Seitenschiff im Westen und Osten sowie Querschiff nach Osten), Blendbogenfriese und Rosettengliedern den Bau.

Das Kircheninnere wurde 1976 erneuert und umgestaltet.

Ausstattung

Die romanische Ausstattung (Sandstein um 1900) blieb größtenteils erhalten, ein mächtiger Baldachin überspannte den alten Hauptaltar, heute ein Tabernakel.

Als Höhepunkt der Ausstattung wird das um 1280 entstandene Ankumer Kreuz betrachtet, das sich um den Typus des Schmerzhaften gotischen Kruzifix mit stark seitlich geneigtem, schmalem Kopf und schmerzhaft, aber duldend nach unten gezogenen Mundwinkeln, stark herausgewölbtem Brustkorb und tief ausgehöhlter Bauchgrube, das Lendentuch zipfelig herabhängend.

Der so genannte Dominikaneraltar, ein steinerner, ursprünglich aus der Dominikanerkirche zu Osnabrück stammender steinerner Altar stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Ein Stammbaum wächst aus der liegenden Gestalt des heiligen Dominikus, umrankt von Weintrauben und blättern wachsen Äste mit männlichen und weiblichen Heiligen aus dem Dominikanerorden.

Die Orgel von St. Nikolaus wurde 1980 von der Orgelbaufirma Simon (Muddenhagen) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 35 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[1]

Umgebung

1839 waren, als die dort vorbeiführende Straße begradigt und tiefer gelegt wurde, anstelle der bisherigen Westmauer der Kirchenburg Marktbögen errichtet worden, die bis heute das Bild des alten Marktplatzes prägen. 1926/27 wurde die letzte große Veränderung vorgenommen, als Architekt Klomp, der Erbauer der Kirche von 1900, die Marktbögen erhöhte, ihre Zahl von 20 auf 12 verringerte und auf der Südwestecke der alten Kirchenburg eine Kriegergedächtniskapelle für 200 Gefallene des Ersten Weltkrieges errichtete. Ein aus Sandstein gehauener, mächtiger St. Michael als gepanzerter Ritter nach dem Vorbild des mittelalterlichen Rolands bewehrt die Kapelle zum Markt hin.

Trivia

Die Bezeichnung „Artländer Dom“ ist im Grunde genommen irreführend, da der Ort Ankum nicht zum Kulturraum Artland gehört.

Literatur

  • Kirchenführer St. Nikolaus, Ankum. (oJ)
  • Wiebke Dreeßen: Landkreis Osnabrück. Kath. Kirche St. Nikolau, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 30. Jahrgang, 2/2010, S. 45, ISSN 0720-9835

Einzelnachweise

  1. Informationen zur Orgel von St. Nikolaus

Weblinks

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