Artuković
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Andrija Artuković (* 19. November 1899 in Klobuk; † 16. Jänner 1988 in Zagreb) war während des Zweiten Weltkrieges kroatischer Innenminister und wurde deshalb 1986 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Im Ort Široki Brijeg absolvierte er das Franziskaner Gymnasium mit Doktortitel. 1924 schloss er sich einer rechten kroatischen Partei an und im gleichen Jahr eröffnete er seine eigene Anwaltskanzlei im Ort Gospić.

1932 wurde er Mitglied der rechtsradikalen Ustascha-Partei, in der er wiederum einen noch extremeren Flügel neu gründete, die sich der Velebitski Ustanak (Velebitski Aufstand) nannte. Außerdem war er Mitglied der rechtsextremen Organisation Zrinski Frankopani, die sich mit verschiedensten Theorien zur Herkunft der kroatischen Nationalität befasste. Deren Gründer Ante Starcevic behauptete, dass die Kroaten kein slawisches Volk seien, sondern ein verlorener Stamm der Goten.

Im selben Jahr ernannte ihn der Führer Ante Pavelić, zum Hauptbefehlshaber der USTASA Truppen im faschistischen Italien und zeichnete ihn mit dem höchsten USTASA Abzeichen für Einsatz und Vaterlandsliebe aus.

Mit dem zunehmen der Ausländer in Kroatien, wird er immer wieder bedroht und angegriffen da er immer wieder über ethnische Säuberungen und die Judenfrage diskutiert und sich öffentlich zum Rassismus bekennt. Mit diesen schwierigen Umständen taucht er eine Zeit lang in Budapest und Wien unter und besorgt sich gefälschte Papiere unter dem Pseudonym Hagija. Er wurde aber aus unbekannten Gründen aus beiden Städten ausgewiesen.

1934 traf er sich mit dem Führer in Mailand und bespricht politische Ziele mit der USTASA Regierung und Pläne für die Ermordung des Jugoslawischen Königs während eines Aufenthaltes in Frankreich. Schließlich wurde der Jugoslawische König von kroatischen Nationalisten während eines Staatsbesuches in Marseille getötet. Im März des Jahres 1934 zog er weiter nach London, wurde jedoch von den britischen Behörden gefasst und der französischen Regierung übergeben. Im Jänner 1935 wurde er an die jugoslawische Justiz ausgeliefert, sein Prozess dauerte 16 Monate lang und endete dank wohlwollender Zeugenaussagen mit einem Freispruch. 1936 lebte er wieder in Gospic, 1937 emigrierte er nach Österreich und zog anschließend weiter nach Berlin, wo er als kroatischer Abgeordneter eng mit der Gestapo zusammen arbeitete, bevor er im selben Jahr wieder in seine Heimat zurückkehrte. Bis 1941 beteiligte er sich als Wegbereiter der kroatischen Unabhängigkeit an zahlreichen rechten Organisationen und Projekten.

Nach der Ausrufung der NDH (Unabhängiger Staat Kroatien) wurde er vom Führer zum ersten Innenminister der neugebildeten kroatischen Regierung in Zagreb ernannt.

Da der Vasallenstaat zu der Zeit unter Einfluss des verbrüderten Nazi-Deutschland stand, begleite er den kroatischen Führer auf den Besuch zu Adolf Hitler am 6.August 1941 auf Hitlers Privatsitz, „dem Berghof“. Hitler unterzeichnete die Dokumente und ließ so den kroatischen Mörderbanden freie Hand.

Am 14. November 1941 lernte er in Innsbruck (Tirol) seine spätere Frau Anna Maria Heidler kennen. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor.

1942 kündigte er den Posten als Innenminister und wurde zum Minister höchster kroatischer Gesetzgebung ernannt.

Er setze sich mit der Endlösung de Judenfrage auseinander und sagte bei seiner Rede vor 100.000 Menschen am Hauptplatz in Zagreb folgendes:

„Das kroatische Volk kann nicht anders handeln, als seine Nation von solch vergifteten und gefährlichen Kreaturen und gefräßigen Parasiten zu säubern: Den Juden, Kommunisten, Zigeunern, anders denkenden und Freimaurern.“ (Narodne Novine, 26. Februar 1942)

1943 übernahm er erneut das Amt des Innenministers. Er wird auch als „kroatischer Himmler“ bezeichnet, weil er den Massenmord an 750.000 Serben, Juden, Zigeunern, Kommunisten, Regimegegner, Zeugen Jehovas, Andersdenkenden, Freimaurern, Behinderten vorbereitete. Kurz vor Kriegsende flüchtete er zusammen mit der kroatischen Führung in Richtung Österreich, dessen Beamte ihm beim Untertauchen und bei der Auswanderung nach Amerika halfen. Er gab sich als Schweizer aus und nannte sich Alois Anich. Mit gefälschten Papieren zog er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern über Irland nach Kalifornien, wo er unerkannt als Rechtsanwalt arbeitete.

Kriegsverbrecherprozess

Seit 1945 suchte die jugoslawische Regierung weltweit den als Kriegsverbrecher bezeichneten ehemaligen kroatischen Innenminister. Beinahe wäre er 1956 in Los Angeles gefasst worden, doch die Behörden glaubten an eine Verwechslung und ließen ihn wieder laufen. Schließlich wurde er durch einen Zufall bei einem Bankbesuch eines Morgens in einem Stadtteil von Los Angeles gefasst und nach Zagreb geflogen.

Er musste sich 1986 vor dem Kriegverbrecher Tribunal verantworten. Anklagepunkte waren: ethnische Massenmorde, Verantwortung der ethnischen Säuberungen und Verwicklung in diversen kroatischen Konzentrationslagern. Dieser Prozess endete mit einem Todesurteil, das jedoch wegen seiner Krankheit nicht vollstreckt wurde. Seine letzten Worte als Angeklagter lauteten: „Ich diente nur meinem Vaterland, so wie es von jedem echten Kroaten erwartet wird! Es war eine Ehre für mich meinem Land zu dienen!“ Er starb 1988 an Altersschwäche und wurde an einem unbekannten Ort bestattet.

Literatur

  • Blum, Howard: Wanted: The Search for Nazis in America. Greenwich CT: Fawcett Books, 1977

Einzelnachweise

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