Artur Rubinstein
Arthur Rubinstein, 1937
Foto: Carl van Vechten

Arthur (Artur) Rubinstein, KBE, (* 28. Januar 1887 in Łódź; † 20. Dezember 1982 in Genf) war ein weltbekannter polnischer Pianist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Arthur Rubinstein wurde am 28. Januar 1887 als siebtes Kind einer jüdischen Handweberfamilie in Łódź (Polen) geboren.

Seine ältere Schwester bekam Klavierunterricht, nahm diesen allerdings nicht besonders ernst. Der vierjährige Arthur hingegen lauschte jedem Wort der Klavierlehrerin und suchte sich gerne bekannte Melodien auf den Tasten zusammen.

Seine Begabung wurde darum schon früh erkannt, und man brachte ihn zu Aleksander Różycki, einem angesehenen polnischen Klavierpädagogen. Er konnte mit dem Jungen jedoch nichts anfangen, da Rubinstein fortwährend einschlief, sobald er irgendwelche Übungen spielen sollte.

Die Eltern gaben jedoch nicht auf, und seine Mutter brachte den zehnjährigen im Herbst 1897 nach Berlin, damals die Heimat berühmter Musiker. Hier verschaffte Joseph Joachim dem jungen Rubinstein reiche Förderer und empfahl ihn dem strengen Klavierpädagogen Karl Heinrich Barth. Hier lernte er in einem anstrengenden Studium von sieben Jahren alles, was er als Klaviervirtuose brauchte.

Mit einem adligen polnischen Freund reiste Rubinstein nach Warschau und gab mehrere Konzerte. Er wurde durch seine charmante Art, seine guten Manieren und durch sein hochvirtuoses Klavierspiel der Liebling in den Warschauer Salons.

Sechzehnjährig zog es ihn nach Paris, wo er sich erneut innerhalb weniger Monate zum Liebling der Pariser Bohème spielte. Er lernte Marcel Proust, die Rothschilds, Camille Saint-Saëns, Maurice Ravel und Paul Dukas kennen.

1906 trat er zum ersten Mal in den USA auf und gab in drei Monaten 75 Konzerte.

Zurück in Paris musste er seinem Impresario gegenüber einräumen, dass seine Tournee nicht den erhofften Erfolg gebracht hatte und er für das nächste Jahr nicht wieder engagiert worden sei.

Statt seine Aussichten durch intensiveres Studium zu verbessern, wurde er träge und genoss lieber das süße Pariser Nachtleben. Der junge Graf Armand de Gontaut-Biron bot ihm an, mit in seine Luxuswohnung an der Place Vendôme zu ziehen und konnte Rubinstein leicht überreden, seine billige Pension zu verlassen.

Man findet Rubinstein in dieser Zeit größtenteils in den Salons der reichen Pariser Gesellschaft. Durch Beziehungen und einen reichen Förderer wurde ihm eine sechsjährige Europatournee ermöglicht. In jeder europäischen Stadt freundete er sich mit den „Großen“ der Gesellschaft an.

Mit einem Diplomatenpass, der ihm in Rom überreicht worden war, bereiste er Italien. Bei Kriegsausbruch befand er sich in London. Das war die letzte Station der Konzertreise.

Rubinstein-Denkmal in Łódź

1916 besuchte er zum ersten Mal Spanien. Vier Klavierabende waren geplant, aber er trat schließlich nicht weniger als 120 Mal auf und wurde ein Freund des Königshauses. König Alfons von Spanien stellte ihm einen Pass des freien Polens aus, noch bevor Polen eine Botschaft in dem iberischen Land unterhielt. Alle Spanisch sprechenden Länder erklärten ihn bald zu ihrem Adoptivsohn, und er zählt seitdem zu den bedeutendsten Interpreten ihrer Musik.

Doch der Eindruck von mühelos errungenen Triumphen täuscht. Seine außerordentliche Begabung war ihm die größte Gefahr: Die idealen Klavierhände (Hand, c' bis g) und seine große Musikalität gaben ihm zunächst die Überzeugung, nicht soviel üben zu müssen. Außerdem lernte er unglaublich schnell auswendig und brauchte vor einem Klavierabend nur kurz die Noten zu überfliegen.

1907 spielte er die Oper Salome auswendig, und führte in den Salons den zweiten Akt von Carmen Ton für Ton, sämtliche Arien mitsingend, auf dem Klavier vor.

Warum ihm der Erfolg nicht überall sicher war, hat Rubinstein in seiner scheinbar offenen, souveränen Art selbst erklärt:

„Als junger Mensch war ich faul. Ich hatte Talent, aber es gab vieles in meinem Leben, was mir wichtiger war als Üben. Gutes Essen, gute Zigarren, große Weine, schöne Frauen ... Als ich in den lateinischen Ländern spielte, in Spanien, Frankreich, Italien, liebte man mich wegen meines Temperaments. In Russland hatte ich auch keine Schwierigkeiten, aber in England und Amerika meinte das Publikum, für sein Geld alle Noten hören zu müssen; ich ließ jedoch damals viele unter den Tisch fallen, vielleicht dreißig Prozent, und man fühlte sich betrogen. Ich konnte nicht täglich acht bis zehn Stunden am Klavier sitzen. Ich lebte für jede Minute. Ich war tief beeindruckt von Leopold Godowsky. Fünfhundert Jahre würde ich brauchen, um solche Technik zu bekommen. Aber was hatte er davon? Er war ein unglücklicher, verkrampfter Mensch, der sich elend fühlte, wenn er nicht am Klavier saß. Hat er sein Leben nicht verpasst?“

Die Wende in seinem Leben brachte seine Heirat mit Nela (Aniela) Mlynarski, der Tochter des Dirigenten, unter dessen Leitung Rubinstein schon als Fünfzehnjähriger konzertiert hatte. Er hatte nun eine Frau, später auch Kinder zu ernähren und brauchte feste Einnahmen.

Noch ein anderes Ereignis hatte diese Lebenswandlung mitbestimmt:

Horowitz begeisterte Paris, er riß es mir buchstäblich unter den Händen weg. Ich sah in ihm einen neuen Liszt. Ich wollte alles hinwerfen. Bevor ich sterbe, will ich beweisen, wozu ich fähig bin, sagte ich mir. Ich ballte die Fäuste, was ich jedoch als Pianist nicht lange konnte, ich öffnete sie wieder und begann hart zu arbeiten. Ich hatte Rache zu nehmen - nicht an Horowitz, sondern an mir.“

1937 unternahm Rubinstein eine große Konzerttournee durch die USA, die er mit 17 Konzerten im Sturm eroberte. Während des Zweiten Weltkriegs verlegte er seinen Wohnsitz von Paris nach Hollywood, wo er 1946 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt.

1947 spielte er erstmals wieder in Europa. In mehr als 35 ausverkauften Konzerten bejubelte man ihn. Seine vier Pariser Konzerte brachten eine Summe von 5 Millionen Francs (1,6 Mio. DM), die er den Kriegsopfern spendete. (Deutschland)

1954 bezog er wieder seinen Pariser Wohnsitz, nur wenige Meter von Debussys letztem Haus entfernt.

Rubinstein starb am 20. Dezember 1982 in Genf (Schweiz). Seine Urne wurde ein Jahr später in Jerusalem beigesetzt.

Sein Sohn ist der US-amerikanische Musikkomponist und Schauspieler John Rubinstein.

Anekdotisches

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„Ich bin ein Glücksmensch, dass ich einen Beruf habe, der mir erlaubt, so viel unterwegs zu sein. Und dann wiederum kann ich von Glück sagen, dass ich Pianist bin. Ein großartiges Instrument, das Klavier, gerade groß genug, um es nicht mitnehmen zu können! Anstatt zu üben, kann ich lesen, essen, trinken und anderen Aktivitäten nachgehen. Bin ich nicht ein Glückspilz?“

Dieses Zitat stammt von Arthur Rubinstein; es ist charakteristisch für ihn, den Thomas Mann den „glückhaften Virtuosen“ genannt hat. Seine Autobiographie ist nicht die eines Pianisten, der morgens aufsteht, Klavier übt, ein Konzert gibt und dann sogleich wieder ins Bett verschwindet. Sie beschreibt vielmehr das genußreiche gesellschaftliche Leben eines Kosmopoliten im großen Stil; den Genuss an Weinen, gutem Essen und nicht zuletzt an Frauen. Fingerübungen machte er lieber im Kino, wo es keiner sah.

„Wunderbar, erstaunlich, unbegreiflich aber mutet nicht bloß technische Klarheit seines Spiels an, die rührende, in langsamen Sätzen herzbewegende Erlauchtheit seiner Phrasierung, das stürmische Temperament seiner Ausbrüche. Das alles wiegt viel, will erobern, bewahren und lebendig gehalten sein...“

Joachim Kaiser über Arthur Rubinstein, in: Große Pianisten in unserer Zeit, S. 60, 5. Auflage, 1996

Auszeichnungen (Auswahl)

Grammy Award für die beste kammermusikalische Aufnahme:

  • Pierre Fournier, Arthur Rubinstein & Henryk Szeryng für Schubert: Trios Nos. 1 in B-Dur, Op. 99 und 2 in E-Dur, Op. 100 (Piano Trios) (Grammy Awards von 1976)
  • Pierre Fournier, Arthur Rubinstein & Henryk Szeryng für Brahms: Trios Schumann: Trio Nr. 1 in D-Moll (Grammy Awards von 1975)
  • Arthur Rubinstein für Beethoven: Sonaten Nr. 21 in C-Dur (Waldstein) und Nr. 18 in E-Dur (Grammy Awards von 1960)

Grammy Award für die beste instrumentelle Solo-Aufnahme (ohne Orchester):

  • Arthur Rubinstein für Beethoven: Klaviersonate Nr. 18 in E-Dur / Schumann: Fantasiestücke, Op. 12 (Grammy Awards von 1978)
  • Arthur Rubinstein für Beethoven: Sonaten Nr. 21 in C-Dur (Waldstein) und Nr. 18 in E-Dur (Grammy Awards von 1960)

Grammy Lifetime Achievement Award

  • 1994 wurde er mit der Grammy Life Achievement Medal ausgezeichnet.

Schriften

  • Arthur Rubinstein: Erinnerungen. Die frühen Jahre. Aus dem Englischen von Günther Danehl. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1982, 590 S.
  • Arthur Rubinstein: Mein glückliches Leben. Aus dem Englischen von Günther Danehl. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1980, 792 S.

Literatur

  • Harvey Sachs: Arthur Rubinstein. Die Biographie. Aus dem Amerikanischen von Michael Schmidt, Kindler, München 1997, 751 S., Ill.

Filme

  • Artur Rubinstein - Erinnerungen. (OT: Rubinstein remembered.) Dokumentation, USA, Kanada, 1987, 57 Min., Regie: Peter Rosen, Produktion: Peter Rosen Productions, Inhaltsangabe von NYT
  • Die Musik – Mein Leben. (OT: L'Amour de la vie – Artur Rubinstein.) Dokumentation, Frankreich, 1969, 89 Min., Buch und Regie: Gérard Patris, François Reichenbach.
    Die Dokumentation erhielt 1970 den Oscar als bester Dokumentarfilm, L'Amour de la vie – Artur Rubinstein in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database

Weblinks


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