Artus
Statue König Artus’ am Grabmal Kaiser Maximilians I. (Peter Vischer, 1512)

König Artus (walisisch Arthur ['arθir]) ist eine Sagengestalt, die in vielen literarischen Werken des europäischen Mittelalters in unterschiedlichem Kontext und unterschiedlicher Bedeutung auftaucht. Sein Herrschaftsgebiet wird in Britannien verortet. Seit dem 9. Jahrhundert überliefern britische Chroniken eine führende und erfolgreiche Teilnahme Artus’ in den Kämpfen gegen die dort eindringenden Angeln und Sachsen um 500 n. Chr.

Inhaltsverzeichnis

Mythos und Geschichte

Artus ist eine wichtige Figur in der Mythologie Britanniens (Matière de Bretagne). In seiner inspirierenden Wirkung auf die Literatur ist er vergleichbar mit Richard Löwenherz und Robin Hood. Artus wird aber auch mit anderen Mythenkreisen wie den Sagen um Merlin, den Heiligen Gral und die Wilde Jagd in Verbindung gebracht.

Der historische Kern der Artus-Geschichte dürfte in der Völkerwanderungszeit zu suchen sein, als nach dem Abzug der römischen Legionen die britische Restbevölkerung sich gegen eindringende Angelsachsen zur Wehr setzen musste. Allerdings ist keine direkte Quelle aus so früher Zeit bekannt, die einen König Artus belegen würde. In den ältesten historischen Quellen, die ihn erwähnen, etwa der Historia Brittonum („Geschichte der Briten“) aus dem 9. Jahrhundert, taucht er als britischer Heerführer der Zeit um 500 n. Chr. auf. Erst aus dem Hochmittelalter sind ausführlichere Darstellungen bekannt. Als älteste überlieferte Artusgeschichte gilt die Historia Regum Britanniae („Geschichte der Könige Britanniens“) des Geoffrey of Monmouth (um 1135).[1] In der Folgezeit wurde die Artusgeschichte Gegenstand zahlreicher französischsprachiger höfischer Versepen und Prosaromane. Diese französisch-englische Artusepik befruchtete vom 12. bis zum 14. Jahrhundert die volkssprachlichen Literaturen fast ganz Europas. Zahlreiche Motive traten erst später hinzu, so die berühmte Tafelrunde erstmals in WaceRoman de Brut (Roman über Brutus) um 1190. Viele mittelalterliche Vorstellungen von ritterlichen Tugenden wurden von dem französischen Dichter Chrétien de Troyes um 1170 eingeführt.

Die Artussage

Die Artussage wurde in verschiedenen mittelalterlichen Dichtungen nacherzählt und ausgeschmückt.

Entstehung, Geschichte und Inhalt der Artussage

Die Artussagen dürften folgendermaßen entstanden sein: Im späten 5. Jahrhundert flüchteten viele Briten vor der Sachseninvasion auf das Festland, in die heutige Bretagne, und übten Einfluss auf die Kultur der dortigen Bewohner aus. Um 1066 kamen die Bretonen mit den normannischen Eroberern nach England, wodurch die keltisch-britische Tradition erneut belebt wurde. Die insel- und festlandkeltischen Traditionen verdichteten sich dann im späten 11. Jahrhundert zu einer einzigen Sagengestalt, die Geoffrey von Monmouth weiterentwickelte.

Der anglonormannische Dichter Wace schrieb eine Reimchronik (Roman de Brut) über die „Geschichte Britanniens“ in altfranzösischer Sprache, die auf dem Werk des Geoffrey of Monmouth basiert, und erweiterte sie um einige fantasievolle Motive, wie zum Beispiel die Tafelrunde oder die Entrückung Artus’ nach Avalon. Reisen lebender Personen in eine andere Welt waren ein fester Topos der keltischen Mythologie.

Laut Wace’ Version war Artus der Sohn von Uther und Igraine und wurde mit 15 König von England und Wales. Seine Ritter versammelte er an einem runden Tisch, um Rangstreitigkeiten zu vermeiden. Gegen die Sachsen führte er zahlreiche erfolgreiche Abwehrschlachten und gegen Irland, Island, Norwegen und Gallien Eroberungskriege. In Gallien besiegte er den römischen Tribun Frollo und hielt in Paris Hof. Er heiratete Guinevere, eine Tochter aus einer edlen römischen Familie. In der „Stadt der Legionen“ hielt er einen Hoftag für ganz Europa ab. Wegen seiner Angriffe auf das römische Imperium wurde er von Rom herausgefordert und erschlug auf dem Weg dorthin den Riesen vom Mont St. Michel. Die entscheidende Schlacht gegen die vom Procurator Lucius Tiberius befehligten Römer gewann er bei Saussy. Beim Zug nach Rom erhielt er die Nachricht, dass sein Neffe Mordred daheim die Herrschaft übernommen und die Königin in seinen Besitz gebracht hatte. Artus kehrte zurück und gewann zwei Schlachten gegen Mordred, bei der dritten fiel Mordred, und Artus wurde lebensgefährlich verwundet. Er wurde zur Genesung auf die Insel Avalon gebracht.

Was den Tod Artus’ betrifft, hielt sich Wace an die Mythologie von Merlin, dem Zauberer: Er zweifle am Tode Artus’.

Später wurden die Sagen um König Artus mit anderen keltischen Sagen (u. a. der Sage vom Heiligen Gral) verknüpft und entwickelten sich von einem Lebensbericht eines möglicherweise realen Mannes zu einer Sammlung von Heldentaten und der Beschreibung eines idealen Königs, wie ihn sich viele wünschten.

Einige Versionen unterscheiden sich in der Schilderung sittlichen Verhaltens. Während in der vornehmen Fassung Artus das Kind Uthers und seiner Frau ist, Mordred der Neffe Artus’ und Lancelot Guinevere einfach nur verehrt (Minne), besucht Uther in der vulgären Fassung die Frau eines Herzogs in dessen Gestalt, Lancelot und Guinevere begehen Ehebruch und Mordred (manchmal auch Lancelot) ist der Sohn Artus’ und seiner Schwester Morgan le Fay.

Am Endpunkt der Ausschmückungen stellte sich die Sage etwa so dar: Artus wurde als Säugling von Merlin von seinen Eltern weggeholt und von Merlins Freund Hector zusammen mit dessen Sohn Keie erzogen. Artus hält sich für den Sohn Hectors. In Roberts de Boron Merlin, später gefolgt von Thomas Malory, erhielt Artus den Thron, nachdem er ein Schwert aus einem Stein oder einem Amboss gezogen hatte. In diesem Bericht konnte diese Tat nur durch den „wahren König“ vollzogen werden, was den vorausgesagten König und wahren Erben von Uther Pendragon bedeutete. Dieses Schwert war vermutlich das berühmte Schwert Excalibur; seine Identität wurde später in der so genannten Vulgate Merlin beschrieben. In der Post-Vulgate Merlin’s Continuation steht jedoch geschrieben, dass Excalibur von einer Hand, die aus einem See kam, entgegengenommen wurde und es Artus' Vater Uther von einer jungfräulichen Zauberin, der Herrin vom See, kurz nach dessen Regierungsbeginn gegeben worden war. Als Uther seinen Tod nahen sieht, stößt er das Schwert in einen Stein mit den Worten, dass nur der rechtmäßige König das Schwert wieder aus dem Stein ziehen kann. In dieser Post-Vulgata-Version konnte die Klinge durch jedes Material schneiden und seine Scheide machte den Träger unsichtbar, nach anderer Überlieferung unverwundbar. Gegen den Rat Merlins, der Unglück voraussieht, heiratet Artus Guinevere, die manchmal die Tochter des Königs eines Nachbarreiches ist.

König Artus Runder Tisch in der Großen Halle von Winchester Castle

In den Versionen der Sage, die mit dem beginnenden 12. Jahrhundert populär wurden, ruft Artus die Ritter der Tafelrunde (Englisch: Round Table) zusammen (Iwein, Erec, Lancelot, Gawain, Galahad und andere). An seinem Hof, der am häufigsten in Camelot gehalten wird, können auch der Zauberer Merlin und Parzival gefunden werden. Diese Ritter beschäftigen sich mit fabelhaften Suchen, wie zum Beispiel der nach dem Heiligen Gral, oder der Jagd auf das „Questentier“ Glatisant sowie den Eber Twrch Trwyth. Andere Geschichten aus der keltischen Welt wurden mit Artus assoziiert, wie die Sage von Tristan und Isolde. Merlin beschützt ihn bei all seinen Unternehmungen, bis er von seiner Geliebten zurückgehalten wird. Danach werden fast keine Großtaten König Artus’ mehr berichtet.

Die Romanze zwischen Artus’ Held Lancelot und der Königin Guinevere ist der zentrale Grund für den Fall der Welt Artus’: Guinevere soll wegen eines Ehebruchs mit Lancelot (nach anderen Angaben, weil sie einem der Ritter angeblich einen vergifteten Apfel geschenkt hatte) auf dem Scheiterhaufen hingerichtet werden. Lancelot befreit sie und tötet dabei zwei Brüder Gawains, der zuvor ein guter Freund Lancelots war. Dieser schwört Rache. Obwohl sich Artus später wieder mit Guinevere versöhnt, verfolgt sein Heer auf Gawains Drängen hin den aus der Tafelrunde ausgestoßenen Lancelot. Gawain verzeiht Lancelot, da dieser ihn in einem Zweikampf besiegt und ihn dennoch nicht tötet. Trotzdem ist die Krise noch nicht zu Ende. Artus erhält Nachricht, dass Mordred mit dem Vorwand, Artus sei tot, Guinevere zur Frau genommen hat und sich nun „König Britanniens“ nennt. Artus kehrt nach Hause zurück. Schließlich tötet er Mordred in der Schlacht von Camlann, ist aber selbst tödlich verwundet. Er bittet einen der letzten Ritter, die noch am Leben sind, sein Schwert, das er von der „Dame vom See“ erhalten hat, dieser zurückzugeben, was der Ritter, nachdem er mehrmals versucht hat, Artus zu belügen und das Schwert zu behalten, auch tut. Dann wird Artus von drei Priesterinnen der Andersweltinsel Avalon abgeholt. Ob er dort stirbt oder überlebt, wird in den meisten Sagen nicht näher erklärt.

Fortleben des Mythos

Lange Zeit glaubten jedenfalls die Briten – und nicht nur sie – an eine Wiederkehr Artus' (vergleiche Friedrich Barbarossa). Für die gegen die Engländer rebellierenden Waliser war Artus ein Idol.

Und im 12. Jahrhundert noch fragte der Gelehrte Alanus:

„Wo ist ein Ort innerhalb der Grenzen des Christenreiches,
zu dem die beflügelten Lobpreisungen des Briten Artus
noch nicht gelangt sind?
Geht und verkündet, dass Artus tot sei. Ihr werdet kaum
unbeschädigt davonkommen, ohne von den Steinen eurer Zuhörer
zerschmettert zu werden“.

König Artus und der Heilige Gral

König Artus wird immer wieder mit dem Heiligen Gral in Verbindung gebracht. In einer Fassung der Sage soll die „Tafelrunde“ immer an dem Königshof gestanden haben, dessen Ritter nach dem Gral suchten. Das sei zuerst Uther Pendragon gewesen, dann Guineveres Vater Leodagan und schließlich Artus.

In der anonym überlieferten Dichtung Quête du saint Graal, die Teil des Prosa-Roman-Zyklus Lancelot-Graal (geschrieben um 1215/30) ist, fanden schließlich drei von Artus’ Rittern, nämlich Perceval, Bors de Ganis und Galahad, der Sohn des Lancelot, den Gral und brachten ihn an seinen Platz in einer Kirche im Nahen Osten.

Literaturgeschichte der Artussage

Früheste Überlieferungen von Artus

Sollte Artus auf eine historische Person zurückgehen, müsste er im 5. oder 6. Jahrhundert gelebt haben. Allerdings nennt weder die Historia ecclesiastica gentis Anglorum (Kirchengeschichte des Volkes der Angeln) von Beda Venerabilis, die um 731 entstand, noch die Anglo-Saxon Chronicle aus dem späten 9. Jahrhundert einen König Artus, obwohl beide ausführlich über Vorgänge des 5. und 6. Jahrhunderts berichten. Auch das Werk De Excidio Conquestu Britanniae (Über den Ruin und Fall von Britannien), das Mitte des 6. Jahrhunderts vom Mönch Gildas geschrieben wurde, erwähnt ihn nicht, noch sonst andere Texte aus so früher Zeit. Allerdings erwähnt Gildas die Schlacht von Badon, die auch in späteren Quellen im Zusammenhang mit Artus auftaucht.

Die früheste Quelle zu Artus ist die Historia Brittonum („Geschichte der Briten“), die traditionell dem walisischen Mönch Nennius zugeschrieben wurde und jedenfalls um das Jahr 830 entstanden ist. Darin wird Artus als „Anführer von Schlachten“ bezeichnet, also als Heerführer, nicht als König. Er soll in 12 Schlachten gekämpft haben, unter anderem in der Schlacht von Badon. Auch die um 950 abgeschlossenen Annales Cambriae erwähnen Artus als Sieger der Schlacht von Badon. Nach dieser Quelle soll er im Jahr 539 in der Schlacht von Camlann gefallen sein. Sowohl die Historia Brittonum als auch die Annales Cambriae sind allerdings lediglich in Abschriften des 12. Jahrhunderts erhalten.

Kurz vor Geoffrey von Monmouth, der im 12. Jahrhundert die Historia Regum Britanniae verfasste, in der Artus erstmals ausführlicher behandelt wird, erzählt William von Malmesbury, der im Gegensatz zu Geoffrey als recht zuverlässiger Historiker gilt, in seiner Gesta Regum Anglorum, dass Artus den Krieger Ambrosius Aurelianus im Kampf gegen die Angeln unterstützt habe.

Artus wird mehrfach in früher walisischer Literatur erwähnt, die oft als ursprünglichste Überlieferung des Stoffes interpretiert wird. Allerdings ist keine der überlieferten Ausgaben dieser Werke älter als die mittelalterlichen Artusromane des 12. Jahrhunderts. Im ältesten überlieferten walisischen Gedicht, dem Y Gododdin, schreibt der Dichter Aneirin (etwa 575 bis 600) über eine seiner Personen, dass sie „schwarze Raben über Wälle führte, obwohl sie nicht Artus war“. Aber dieses Gedicht, wie es heute existiert, besteht aus vielen Interpolationen und es ist nicht möglich, zu entscheiden, ob diese Passage ursprünglich ist oder ein Einschub aus einer späteren Periode. Das älteste noch erhaltene walisische Manuskript, das Artus erwähnt, ist das Schwarze Buch von Carmarthen (Llyfr Du Caerfyrddin), das um 1250 entstand (siehe Pa ŵr yw'r porthor? - „Wer ist der Torwächter?“). Weitere frühe Manuskripte sind das Buch von Taliesin (Llyfr Taliesin) aus der Zeit um 1300 (mit der Erzählung Preiddeu Annwfn, „Die Beraubung von Annwfn“) und das Rote Buch von Hergest (Llyfr Coch Hergest) um 1400. Letzteres enthält unter anderem die Geschichte von Culhwch und Olwen (Culhwch ac Olwen), das linguistischen Analysen zufolge im 10. Jahrhundert entstanden ist. Artus erscheint auch im Mabinogion und in Teilen der Trioedd Ynys Prydein (Walisische Triaden).

Ausbreitung der Artussage und Artusromantik

Geoffrey von Monmouths 1133 geschriebene Historia Regum Britanniae hatte den Charakter eines Bestsellers und lieferte anderen Schriftstellern wie Wace und Layamon die Vorlage, ihrerseits die Geschichten um Artus zu erweitern.

Während viele Gelehrte glauben, die mittelalterliche Bedeutung Artus’ gehe auf Geoffrey zurück, argumentiert mindestens Roger S. Loomis, dass viele der Sagen um Artus vielmehr aus bretonischen mündlichen Überlieferungen stammen, die über die königlichen und adligen Höfe Nordfrankreichs und Britanniens durch professionelle Geschichtenerzähler (Jongleurs) verbreitet worden seien. Der französische Dichter Chrétien de Troyes arbeitete nach der Mitte des 12. Jahrhunderts Geschichten aus dem Mythos in eine literarische (Roman-)Form um, wie auch Marie de France es in ihren kürzeren Erzählgedichten (Lais) tat. Auf jeden Fall scheinen die Geschichten dieser beiden Autoren teilweise von Geoffrey von Monmouth unabhängig zu sein.

Der Artusmythos breitete sich, zunächst mit den Normannen, weit über den Kontinent aus. Ein Bild von Artus und seinen Rittern, die eine Festung angreifen, wurde zwischen 1099 und 1120 über dem nördlichen Durchgang der Kathedrale von Modena, Italien, in eine Archivolte gehauen. Ein Mosaikpflaster in der Kathedrale von Otranto nahe Bari, auch Italien, wurde 1165 mit der rätselhaften Beschreibung Arturus Rex erstellt, der ein Zepter hält und eine Ziege reitet. Erst am Ende des 12. Jahrhunderts setzt eine spezifisch literarische Rezeption ein, zunächst am Niederrhein, dann in Oberdeutschland (Hartmann von Aue, Ulrich von Zatzikhoven, Wolfram von Eschenbach, Wigalois des Wirnt von Grafenberg), im 14. Jahrhundert auch beispielsweise in Skandinavien (Riddarasögur). Die spätmittelalterliche Hanse scheint eine Hochburg der Artus-Verehrung gewesen zu sein. Händler des 15. Jahrhunderts bauten zu Artus’ Ehren den Artushof in Danzig, (heute Polen). Die Geschichten um Artus fanden auch im mittelalterlichen Tirol Verbreitung und sind dort hauptsächlich durch Wandmalereien dokumentiert. So findet sich Artus zwischen 1388 und 1410 in der Burg Runkelstein dargestellt, auch eine vorzüglich erhaltene Darstellung seiner Tafelrunde (um 1393) findet sich dort.

Spätestens in der Barockzeit scheint das „Wissen“ um König Artus dann zur Allgemeinbildung gesellschaftlich Höherstehender gehört zu haben.

„Darauf wischte Olivier mit seinem notfesten Schwert, welches Haar schure (und wohl des Königs Arturi von England Caliburn verglichen werden möchte) von Leder […]“

schreibt beispielsweise Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in seinem Simplicissimus Ende des 17. Jahrhunderts und stellt Artus damit in eine Reihe mit ebenso beiläufig erwähnten antiken Persönlichkeiten wie Julius Caesar.

Die Mythen um König Artus wurden auch von anderen Herrschern verwendet, um sich selbst populärer zu machen. Beispiele dafür sind der Orden vom Goldenen Vlies, der Artus’ Tafelrunde nachgebildet sein soll, und König Richard Löwenherz, dem der Besitz Excaliburs nachgesagt wurde.

Nacherzählungen beinhalten auch Arbeiten von Sir Gawain und der Grüne Ritter und Thomas Malorys Le Morte d'Arthur.

König Artus wird manchmal auch als Führer der Wilden Jagd bezeichnet (statt des Jägers Herne), nicht nur auf den britischen Inseln, sondern auch in der Bretagne, Frankreich und Deutschland.

Auch in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ wird der gleichnamige junge Ritter mit Artus in Verbindung gebracht.

Neuzeitliche Verwertung und Umformung des Stoffes

Auch in unserer Zeit faszinieren die Sagen um König Artus und haben einige Autoren zu eigenen Arbeiten angeregt. Während manche, wie Rosemary Sutcliff, sich auf eine Nacherzählung der Sage beschränken, gehen andere sehr souverän damit um und bauen Motive aus Sagen in eigene Arbeiten ein. Die derzeit wohl bekanntesten sind Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley, John Boormans Film Excalibur sowie Jerry Bruckheimers Film King Arthur, der versucht, den historischen Hintergründen nachzugehen, allerdings auf umstrittene Weise.

Siehe auch: Medienliste zu Artus, Merlin und dem Gral

Wissenschaftlicher Hintergrund

Artus – Identifikationsversuche

Von vielen Forschern wird überhaupt bezweifelt, dass Artus existiert habe, aber selbst wenn, dürfte sich kaum jemals etwas anderes als mehr oder weniger plausible Hypothesen aufstellen lassen. Es gibt aber mehrere Ansätze, die Figur des Artus oder zumindest einzelne Aspekte seiner Geschichte in die reale Geschichte einzubinden. Es ist dabei wahrscheinlich, dass mehrere historische und sagenhafte Persönlichkeiten zu der Figur des „Artus“ verdichtet wurden.

Nach dieser Deutung könnten die folgenden historischen Personen zur Entstehung der Sagengestalt „Artus“ beigetragen haben:

Andere Erklärungsansätze arbeiten ohne ein historisches Vorbild für Artus. Eine Theorie sieht in Artus eine halb vergessene keltische Gottheit, die sich in eine menschliche Person (hier wird die Wandlung des Seegottes Lir in König Lear zitiert) oder eine fiktive Gestalt wie Beowulf verwandelt hat. Die Artus zugeschriebenen realhistorischen militärischen Erfolge müssten demnach von einer anderen Person auf Artus übertragen worden sein.

Ein einziges „Beweisstück“ schien die Existenz Artus' auch unter diesem Namen zu belegen. Es handelt sich um ein Grab Artus' und Guineveres, dessen Auffindung die Mönche der Glastonbury Abbey (Südwestenland) 1191 bekanntgaben. Das Grab wurde in der Reformationszeit zerstört; nach Angaben des zeitgenössischen Gelehrten John Leland fand sich bei den Überresten ein Kreuz, dessen übersetzte Inschrift lautete Hic iacet sepultus inclitus rex Arturius in insula Avalonia (lat.: „Hier liegt in seinem Grab der berühmte König Artus auf der Insel Avalon“)

Ob das Kreuz aber wirklich existierte, ist unklar; falls ja, dürfte es sich um eine (vermutlich mittelalterliche) Fälschung gehandelt haben.

Lucius Artorius Castus

Das Motiv des aus dem Stein gezogenen Schwerts als Gottesurteil zur Erlangung der Königswürde lässt sich mit dem Volk der Sarmaten in Verbindung bringen, zu deren eigentümlichen Riten die Verehrung eines im Boden steckenden Schwertes gehörte. 5500 sarmatische Lanzenreiter waren zu römischer Zeit in Britannien stationiert. Um 180 wurden sie offenbar von einem römischen Ritter namens Lucius Artorius Castus kommandiert, der nach einer Theorie eines der ältesten Vorbilder für Artus ist (siehe „Das Schwert aus dem Stein“). Artorius' militärische Laufbahn ist aufgrund seiner in Dalmatien gefundenen Grabinschrift bekannt [2]. Demnach wurde er nach seinem Militärdienst in Syrien und Pannonien 175 nach Britannien versetzt, wo sich unter seinem Kommando die (sarmatischen) Hilfstruppen bei der Abwehr skotischer Angriffe hervortaten. Er beendete seine Karriere schließlich in Dalmatien. Es ist denkbar, dass die in Britannien verbliebenen römisch-sarmatischen Truppen sein Andenken bewahrten und verklärten.

Da Artorius im zweiten Jahrhundert lebte, erklärt diese Theorie nicht die Verortung der Artussage in den Dark Ages, der britischen Völkerwanderungszeit, ca. 300 Jahre später. Der gesamte historische Kontext ändert sich damit: Britannien war im zweiten Jahrhundert Provinz des römischen Reichs, in dessen Auftrag ein Lucius Artorius Castus handelte; das Wegfallen der römischen Herrschaft erzeugte ein Machtvakuum, in dem unterschiedliche Volksgruppen und Warlords um die Vorherrschaft rangen. In dieser Zeit findet auch die angelsächsische Invasion, in deren Kontext Artus in der Sagenwelt bzw. der späteren schriftlichen Überlieferung steht.

Der Riothamus und Flavius Aëtius

Für die Mitte des 5. Jahrhunderts ist dann ein britisches „Hochkönigtum“ recht gut belegt: Nach dem endgültigen Abzug der römischen Truppen 410 mussten die im Land verbliebenen Römer und romanisierten Kelten ihre Verteidigung selbst organisieren. Der spätantike Historiker Jordanes, der 551 eine „Geschichte der Goten“ (Getica) verfasste, berichtet von einem Riothamus (das heißt: „höchster Anführer“) – einige Gelehrte, vor allem Geoffrey Ashe und Léon Fleuriot, setzen diesen mit Artus gleich –, der mit 12.000 Mann dem weströmischen Kaiser Anthemius zuhilfe geeilt sei und an anderer Stelle als „König der Brettonen“ bezeichnet wird. Unglücklicherweise ist dieser „Riothamus“ eine Schattenfigur, von der wenig bekannt ist. Es ist noch nicht einmal klar, ob die „Brettonen“, die er angeführt haben soll, Briten oder Bretonen waren. Riothamus war wahrscheinlich der letzte Kommandeur von nach römischer Art organisierten Truppen in Britannien, der vor der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (451) von seinem gallischen Vorgesetzten Aëtius mit allen verfügbaren Kräften nach Gallien gerufen wurde. Er kam nach dieser Schlacht nicht wieder nach Britannien zurück, sondern ließ sich mit seinen Gefolgsleuten und Soldaten in der heutigen Bretagne nieder, wo er um 460 in einigen Quellen als „König“ der Bretagne oder der Bretonen bezeichnet wird. Im Jahre 471 zieht Riothamus mit seinen Truppen in eine Schlacht gegen den Westgotenkönig Eurich. Riothamus unterliegt zusammen mit den übrigen römischen Einheiten und deren Verbündeten und wird selbst schwer verwundet. Riothamus stirbt während des Rückzuges seiner bretonischen Armee im burgundischen Städtchen Avallon. Es ist zu vermuten, dass der Sterbeort Avallon in der bretonisch-britischen Überlieferung zur Insel Avalon umgedeutet wurde.

Bis 454 unterstand der Riothamus dem römischen General und Konsul Flavius Aëtius, der Gallien gegen immer neue Angriffe verteidigte. Sein Ruf als bedeutender Heerführer und die verhältnismäßige Ähnlichkeit machen auch ihn zu einem weiteren möglichen Vorbild für Artus, wobei er in Gallien, nicht in Britannien agierte. Aufgrund seiner Stellung als Vorgesetzter des Riothamus können die beiden aber in der Überlieferung zu einer Gestalt verschmolzen worden sein.

Enniaun Girt, Owain Ddantgwyn und Ambrosius Aurelianus

Einige Historiker gehen heute davon aus, dass es den Namen „ARTUS“ als Eigenname gar nicht gab, sondern dass es sich dabei um eine Kombination aus lateinischen und keltischen Ehrennamen handelt. Bei keltischen Stammesführern oder berühmten Kriegern war es durchaus üblich, sich einen oder mehrere Beinamen zuzulegen, die sich auf spezielle Eigenarten oder Fähigkeiten der damit bezeichneten Person bezogen. Diese Tradition gab es auch noch im Mittelalter und sogar bis ins späte Barock und zwar in ganz Europa. Beim Namen ARTUS glaubt man heute, dass er sich aus dem keltischen ART (Bär) und dem lateinischen URSUS, das ebenfalls Bär bedeutet, zusammensetzt. Demnach lautete der Name ursprünglich also ARTURSUS und wurde irgendwann zum heute bekannten ARTUS gekürzt. Diese Doppelbenennung war notwendig, um sowohl die Anhänger der alten keltischen Traditionen als auch die latinisierten Briten zufriedenzustellen. Diese Interpretation würde auf die These hindeuten, dass Artus einer der letzten römischen Statthalter bzw. ein Keltenfürst war, der sich auf die römische Tradition berief. Der Bär galt den Inselkelten als „Königstier“, vergleichbar etwa dem Löwen als „König der Tiere“ in der Fabel.

Einen Titel „König“ im Sinne eines Staatsoberhauptes kannte man noch nicht. Jeder Stammesfürst war König und auf seinem Gebiet sein eigener Herr. Lediglich zu Kriegszeiten, wenn es galt, mehrere Stammesverbände unter ein gemeinsames Kommando zu stellen, wurde einer zum Feldherren (lat.: Imperator) ausgerufen, der dann oft auch noch einen mythologischen Titel zugesprochen bekam.

Tatsächlich gibt es auch schriftliche Hinweise auf einen britischen Feldherrn im 5. Jahrhundert, den man als den „Bären“ bezeichnete. Sein tatsächlicher Name lautete wohl Enniaun Girt, und er stammte aus Nordbritannien. Von ihm ist überliefert, dass es ihm gelang, genügend britische Krieger zusammenzubekommen, um den Sachsenfürst Hengest (dessen Existenz allerdings vielfach bezweifelt wird) und seine Krieger zu besiegen. Enniaun Girt trug nicht den Titel eines Königs. In hochmittelalterlichen walisischen Quellen wird er als Amerauder (entspricht lateinisch imperator, also Heerführer bezeichnet). Ein Königtum ist in dieser Zeit nicht belegt; stattdessen wurde Britannien offenbar gemeinsam vom Rat der Stämme und dem Comes Britanniarum (Gouverneur Britanniens) regiert, dessen Name ebenfalls überliefert ist: Ambrosius Aurelianus, ein romanisierter Brite hohen Ranges, dessen in der Historia Britonum überlieferten „Taten“ in späteren Nacherzählungen auf Merlin übertragen wurden. Auch Enniauns Sohn Owain Ddantgwyn könnte man nach manchen Quellen als einen „historischen Artus“ bezeichnen.

Camelot – Identifikationsversuche

Camelot ist der Hof von König Artus. Wo Camelot gelegen hat, wird spekuliert, einige vermuten den Hof in Tintagel in Cornwall (die Burgruine dort stammt jedoch aus dem 12. Jahrhundert) oder in Caerleon (heute: Gwent in Wales, das römische Isca Silurum). A. Jackson meinte 1959, mit sprachwissenschaftlichen Methoden Cadbury Castle in Somerset als Camelot identifizieren zu können. Die Reste der keltischen Festungsanlage aus dem 5. Jahrhundert auf dem Glastonbury Tor werden ebenfalls mit König Artus in Verbindung gebracht.

Heutige Überreste von Tintagel Castle.

Das Schwert aus dem Stein

Das Motiv des aus dem Stein gezogenen Schwerts Excalibur als Gottesurteil zur Erlangung der Königswürde steht möglicherweise in Verbindung mit dem Einsatz 5500 schwerer sarmatischer Lanzenreiter (s.o.). Ammianus Marcellinus berichtet im späten vierten Jahrhundert, die Sarmaten seien nicht nur für ihre Schmiedekunst berühmt, sondern verehrten auch ein in den Boden gerammtes Schwert wie einen Gott.

Die Sage vom Schwert aus dem Stein, das oft auch mit Excalibur gleichgesetzt wird (dem Schwert, mit dem Artus der Sage nach in seinem letzten Kampf seinen Neffen, nach einer anderen Version seinen eigenen Sohn Mordred tötete), ist aber vielleicht auch auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen. Frühmittelalterliche Schreiber ließen oft Nasale aus, die stattdessen mit einem Querstrich über dem Vokal angedeutet wurden. Daher wäre es möglich, dass dieses Schwert nicht aus einem Stein (ex Saxo), sondern von einem Sachsen (ex Saxone) stammt. Dafür spricht auch eine jütische Sage, nach der ein sächsischer Krieger das Wunderschwert des Schmieds Wieland, welches aus Sterneneisen geschmiedet war, an einen großen britischen König verloren haben soll. Besagtes Schwert dürfte aus Meteoreisen bestanden haben, das sowohl von keltischen als auch germanischen Schmieden als wunderkräftiges – weil vom Himmel gefallenes – Metall betrachtet wurde, das den Träger eines Schwertes aus diesem Material unbesiegbar machen sollte.

Auch dürfte die Vorstellung von Excalibur als einem mittelalterlichen Kreuzfahrerschwert falsch sein. Viel eher dürfte es sich dabei um den Schwerttyp gehandelt haben, den die römischen Legionäre nach Germanien und Britannien mitbrachten, den Gladius oder noch die zur Zeit Artus’ übliche (und außerdem wohl von den Kelten übernommene) spätrömische Schwertform, die Spatha (75–110 cm lang und 5 cm breit).

Zur keltischen „Geschichtsschreibung“

Einen klaren und nachweisbaren historischen Kontext herzustellen ist nicht zuletzt aufgrund der Abneigung der Kelten gegen das geschriebene Wort schwer bis unmöglich. Anstelle schriftlicher Aufzeichnungen lernten die als Wahrer von Tradition und Geschichte zuständigen Barden oder Druiden während ihrer „Ausbildungszeit“ (laut Caesar und Strabo etwa 20 Jahre) alles überlieferte Wissen ohne schriftliche Unterstützung auswendig und erzählten es dann weiter – Erzählen aus dem Gedächtnis war auch in späteren Jahrhunderten noch eine angesehene Kunst. Dabei pflegten sie stets Historie mit Mythologie zu verweben und umgekehrt. Wichtig war nicht der präzise historische Ablauf von Ereignissen, sondern deren historische, ethische und nicht zuletzt mythologische Bedeutung.

So lässt sich erklären, wie in keltischen Sagen Göttergestalten als Menschen agieren, historische Personen hingegen zu Halbgöttern werden können. Auch war es nicht unüblich, mehrere Personen und Zeitgeschehen in ein und derselben dramaturgischen Person (Protagonist) zusammenzufassen. Der Barde und Zauberer Merlin, der in der Artussage eine zentrale Rolle spielt, aber auch in eigenständigen und anderen Sagenkreisen auftaucht, ist hierfür ein gutes Beispiel.

Einzelnachweise

  1. focus.de vom 25. Januar 2010: Mittelalter König Artus – Sage oder Wirklichkeit
  2. CIL 3, 1919

Siehe auch

Literatur

Ausgaben

  • Thomas Malory: Die Geschichte von König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde. 3 Bände. Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-458-31939-5.

Sekundärliteratur

  • Geoffrey Ashe: König Arthur, Die Entdeckung von Avalon. Düsseldorf 1986, ISBN 3-430-11081-5.
  • Graham Phillips, Martin Keatman: Artus, die Wahrheit über den legendären König der Kelten. (Titel der Originalausgabe: King Asthur). Heyne, München 1992, ISBN 3-453-14775-8.
  • Stephanie L. Barczewski: Myth and national identity in nineteenth-century Britain: the legends of King Arthur and Robin Hood. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-820728-X.
  • Richard Brzezinski u. a.: The Sarmatians 600BC-450AD. Oxford 2002, ISBN 1-84176-485-X.
  • Norma Lorre Goodrich: Die Ritter von Camelot – König Artus, der Gral und die Entschlüsselung einer Legende. Beck, München 1994, ISBN 3-406-38171-5.
  • C. Scott Littleton: From Scythia to Camelot: A Radical Reassessment of the Legends of King Arthur, the Knights of the Round Table, and the Holy Grail. New York 1994, ISBN 0-8153-3566-0.
  • John Matthews: King Arthur. Dark Age Warrior and Mythic Hero. London 2004, ISBN 1-84222-934-6.
  • Jürgen Wolf: Auf der Suche nach König Artus. Mythos und Wahrheit.Primus Verlag, Darmstadt, 2009, ISBN 978-3-89678-657-9

Rezeption

  • Mark Twain: Ein Yankee am Hofe des Königs Artus. Insel, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-458-33593-5.

Weblinks

 Commons: Artus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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