Artusepik

Der Artusroman stellt eine literarische Gattung des Mittelalters dar. Die Erzählungen um König Artus und seine Ritter in der mittelhochdeutschen Literatur fallen in die Epoche der sogenannten Blütezeit der höfischen Literatur (1190–1220/30).

Als Schöpfer des Artusromans gilt der altfranzösische Autor Chrétien de Troyes (* um 1140 in Troyes; † etwa 1190), der 5 Romane verfasste. Chrétien wirkte zwischen etwa 1165 und etwa 1190 im Umkreis des englischen Königshofes Heinrich II. und der Eleonore von Aquitanien, am Hof des Grafen von Champagne in Troyes und beim Grafen Phillip von Flandern. Seine fünf Werke sind: Erec et Enide (1170); Cligès, eine Parodie auf den Tristanstoff (1176); Yvain ou Le Chevalier au lion (1177/81), Lancelot oder Le Chevalier de la charrette (1177/81) und der Perceval oder Li Contes del Graal (vor 1190).

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Im ideellen Zentrum der Werke steht der sagenhafte britische König Artus; sein Hof ist der ideale Mittelpunkt der Romanwelt. Artus selbst bleibt jedoch eine passive Figur im Hintergrund. Er hat eine glänzende Schar von Rittern – die Tafelrunde – um sich versammelt, und es sind einzelne von ihnen, die jeweils als alleiniger Held eines Romans auftreten.

Chrétien greift in seinen Erzählungen auf die historiographischen Werke von Geoffrey von Monmouth und Wace und vermutlich auf mündliche Erzählungen von Artus und seinen Rittern zurück. Artusromane spielen in einer nicht festgelegten Phantasiezeit und in einem geographischen Raum, der durch das Nebeneinander der zivilisierten, geordneten Artuswelt (an quasi realen Orten in Frankreich, der Bretagne und Britannien) und der mythischen, wilden Aventiurewelt, in der der Ritter sich bewähren muss, charakterisiert ist. Den Ritter erwartet außerhalb des Hofes eine märchenhafte Welt voller symbolischer Bedeutungen, mit Wäldern voller Gefahren und unerwarteten Begegnungen mit halbmenschlichen Geschöpfen. Zudem werden Burgen skizziert, wo gefährliche Abenteuer mit rätselhaften Geschöpfen auf den Protagonisten warten.

„Doppelwegstruktur“

Der Artusroman weist in seinen frühen Formen (vor allem Erec, Iwein) eine charakteristische „Doppelwegstruktur“ auf. Demnach gibt es einen Helden, der aus der Bedeutungslosigkeit zu Ruhm aufsteigt und sich mit einer Dame vermählt. Anschließend gerät er in einen Konflikt, begeht einen Fehler und verliert dadurch das Gesicht. In einem zweiten Aventiure-Zyklus kann er dann sein Ansehen in der Artushofgesellschaft zurückgewinnen.

In den Artusromanen der folgenden Dichtergenerationen (Prosaroman in Frankreich, sogenannter nachklassischer Artusroman in Deutschland) wird meist ein fehler- und krisenloser Held ins Zentrum gestellt und die Baustruktur des „Doppelwegs“ durch andere, stärker reihende Strukturmodelle ersetzt (z. B. Heinrich von dem Türlin, Diu Crône; Der Stricker, Daniel von dem blühenden Tal).

Deutsche Fassungen

Chrétiens Werke dienten auch als Vorlage für mittelhochdeutsche Fassungen der Artusromane. Um 1185 schuf Hartmann von Aue mit seiner Erec-Bearbeitung den ersten deutschen Artusroman, darauf folgt der Iwein (etwa um 1200). Wolfram von Eschenbach schrieb den Parzival (1200–1210).
Neben den Romanen Hartmanns und Wolframs werden auch Ulrich von Zatzikhovens Lanzelet (nach 1194) und Wirnt von Grafenbergs Wigalois (erstes Drittel des 13. Jahrhunderts) den hochhöfischen deutschen Artusromanen zugerechnet.

Siehe auch

Literatur

  • Horst Brunner: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick. Stuttgart 1997. ISBN 3-15-009485-2
  • Carola L. Gottzmann: Artusdichtung. Stuttgart 1989. ISBN 3-476-10249-1
  • Volker Mertens: Der deutsche Artusroman. Reclams Universal-Bibliothek. Bd 17609. Stuttgart 1998. ISBN 3-15-017609-3
  • Frank Roßnagel: Die deutsche Artusepik im Wandel – die Entwicklung von Hartmann von Aue bis zum Pleier. Stuttgart 1996. ISBN 3-929030-41-1
  • Friedrich Wolfzettel (Hrsg.): Erzählstrukturen der Artusliteratur: Forschungsgeschichte und neue Ansätze. Tübingen 1999. ISBN 3-484-64010-3
  • Friedrich Wolfzettel (Hrsg.): Das Wunderbare in der arthurischen Literatur. Probleme und Perspektiven. Symposium Rauischholzhausen 6.–9. Februar 2002. Tübingen 2003. ISBN 3-484-64024-3

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