Arzeneibaldrian
Echter Baldrian
Echter Baldrian (Valeriana  officinalis)

Echter Baldrian (Valeriana officinalis)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Baldriangewächse (Valerianaceae)
Gattung: Baldrian (Valeriana)
Art: Echter Baldrian
Wissenschaftlicher Name
Valeriana officinalis
L.

Echter Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine Pflanzenart der Gattung Baldrian (Valeriana).

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung

Der botanische Gattungsname stammt vom lateinischen valens „kräftig“. Der deutsche Trivialname ist eventuell volksetymologisch angelehnt an den Namen des nordischen Lichtgottes Balder. Im Volksmund heißt diese Pflanzenart auch Katzenkraut, Stinkwurz, Hexenkraut, Augenwurzel, Mondwurz, Bullerjan, Tolljan, Katzenwargel.

Beschreibung

Echter Baldrian ist eine mehrjährige krautige Pflanze von 1 bis 2 m Höhe, die Rhizome als Überdauerungsorgane ausbildet. Sie hat sattgrüne, gefiederte Blätter von etwa 20 cm Länge, die unteren gestielt, die oberen sitzend. Die Fiedern sind oval oder lanzettlich, ganzrandig oder ungleich gesägt.

In dichten, endständigen, (schirm)rispigen Blütenständen öffnen sich kleine hellrosafarbene, süßlich duftende Blüten von 4 bis 5 mm Durchmesser. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli.[1]

Vorkommen

Der Echte Baldrian kommt in ganz Europa außer Portugal[1] vor, ostwärts bis nach Russland und Westasien. Baldrian ist frostbeständig und gedeiht in Sonne oder Halbschatten in fast jedem Boden. Die Vermehrung erfolgt durch Samen oder Teilung größerer Pflanzen.

Als Feuchtbodenpflanze verträgt er auch gelegentliche Überschwemmungen und ist daher in der freien Natur häufig auf Wiesen entlang von Gewässerläufen zu finden.

Verwertung

Inhaltsstoffe

Baldrian enthält unter anderem ätherisches Öl (neben Valerensäure unter anderem auch die Isovaleriansäure, die für den unangenehmen Geruch des Wurzelstocks verantwortlich ist), Valepotriate und Alkaloide.

Verwendung in der Heilkunst

Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne erst danach diese Warnmarkierung.

Medizinische Verwendung findet der gesamte Wurzelstock mit seinen Verzweigungen. Er wird zwischen August und Oktober ausgegraben, getrocknet, zerkleinert und sicher vor Katzen aufbewahrt. Besonders beim Trocknungsprozess entströmt der charakteristische Baldriangeruch, der Katzen anzieht und sie geradezu in Erregung geraten lässt.

Baldrian ist eine der ältesten Arzneipflanzen. Dioskurides beschreibt eine Pflanze mit dem Namen „Phu“, die dem Baldrian ähnlich ist. Er empfiehlt ihn als harntreibendes, erwärmendes und menstruationsförderndes Heilmittel. Tabernaemontanus rühmt in seinem 1588 geschriebenen „New Kreuterbuch“ Baldrian aber vor allem als Augenarznei: Die Wurzel dess gemeinen Baldrinas zu einem reinen Pulver gestossen/ und je über den andern Tag ein halbes quintlein mit einem Trüncklein Weins zerrieben und eyngenommen/ vertreibt alle Mängel die dz Gesicht hindern/ macht ein scharpffes Gesicht und erhaltet dasselbig biss zum Ende dieses zeitlichen Lebens. Heilsam für die Augen sei Baldrian aber auch als Baldriandestillat, als Baldrianextrakt und Baldriansalz. Und nicht zuletzt gilt für Tabernaemontanus: Baldrianwasser des Morgens nüchtern...bewahret denselben Tag vor der gifftigen Contagion dess bösen pestilentzischen Luffts.

Auch in der Volksmedizin zählt er in manchen Gegenden zu den Augenpflanzen. Augenwurz wurde er genannt und als „Augenbündeli“ um den Hals getragen. Dieses Kräuteramulett galt als Sympathiemittel bei entzündeten Augen. In Siebenbürgen kaute man gegen trübe Augen Baldrianwurzeln und hauchte den Atem dann über die Augen. Hildegard von Bingen empfahl Baldrian auch gegen Brustfellentzündungen.

Auf die nervenberuhigende Wirkung des Baldrians ist man erst Anfang des 17. Jahrhunderts aufmerksam geworden. Baldrian gilt auch heute noch als hervorragendes Nervenentspannungsmittel, das ohne Bedenken verwendet werden kann. Im 1. Weltkrieg sollen Ärzte mit Baldrian den „Granatsplitterschock“, also neurologische Ausfälle durch extremen psychischen Stress, behandelt haben. Baldrian kann man nicht als Schlafmittel bezeichnen: Durch eine allgemeine Entspannung wird jedoch bei einer Überreiztheit eine Schlafbereitschaft erzeugt. Durch den entspannenden Effekt sollen Baldriantropfen sich daher auch gut für Prüfungskandidaten eignen.

Verwendung in der Küche

Baldrianextrakte werden als Aromastoffe in Nahrungsmitteln wie Gebäck und Eis eingesetzt – vor allem dann, wenn man Apfelgeschmackkomponenten erzielen möchte.

Baldrian ist eine Verwandte des Feldsalats (Valerianella sp. – kleiner Baldrian). Das frische Frühlingsgrün des Baldrians kann in Salaten mitgegessen werden – er erinnert im Geschmack an Feldsalat, ist sogar etwas zarter. Die Blüten sind gleichfalls genießbar.

Verwendung in der Duftindustrie

Vor allem während des Trocknungsprozesses strömt die Wurzel des Baldrians den Geruch aus, den Katzen anziehend finden (siehe Katzenminzen). Menschen erinnert der ranzige Geruch dagegen an Limburger Käse und wirkt eher abstoßend. Er ist so durchdringend, dass die Legende überliefert, der Rattenfänger von Hameln habe Baldrian bei sich getragen, um die Ratten anzulocken. Trotzdem wird Baldrian auch in der Parfümindustrie eingesetzt – in den richtigen Mischungen können damit moschusähnlich-holzige, balsamische Gerüche erzielt werden.

Baldrian im Aberglauben

Bei den nordischen Völkern wurde Baldrian als stark aromatisch riechende Pflanze zum Schutz vor bösen Geistern über die Tür gehängt. Die altgermanische Göttin Herta stellten sich die Germanen mit einem Baldrianstengel in der Hand auf einem Hopfenranken gezäumten Edelhirsch reitend vor. Wer Baldrian bei sich trug, galt als unempfindlich gegen Hexenzauber und geschützt vor dem Teufel. Man war auch der Überzeugung, dass sich ein im Zimmer aufgehängtes Baldrianbüschel bewegen würde, sobald eine Hexe das Zimmer beträte. Baldrian in den Bienenkorb gelegt, sollte das Schwärmen der Bienen verhindern und weitere anlocken.

Baldrian taucht auch zusammen mit Bibernelle als geweissagtes Heilmittel in vielen Pestsagen auf:

„Eßt Bibernellen und Baldrian
so geht euch die Pest nicht an“

Baldrian stand in dem Ruf, Zorn zu erregen, wenn er ein wenig gekaut würde. Ein Scharfrichter, der ein für seinen Beruf unübliches weiches Herz hatte, musste deshalb vor jeder Hinrichtung auf dieser Wurzel kauen, um nicht vom Mitleid mit dem zum Tode Verurteilten übermannt zu werden.

Baldrian in der Kunst

Baldrian erscheint als Pflanze gelegentlich auf Gemälden des späten Mittelalters und der Renaissance, weil man sich so die Narde vorstellte, aus der in der Antike ein kostbares Öl gewonnen wurde. Die Indische Narde (Nardostachys jatamansi), die im Unterschied zu Valeriana officinalis einen angenehmen Duft hat, lieferte das in der alten Welt gesuchte, außerordentlich kostbare Nardenöl. Mit Nardenöl wurden Jesus von Maria, der Schwester Marthas die Füße gesalbt und als einer seiner Jünger dies kritisierte, wies Jesus ihn mit den Worten zurück „Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnis tut“. (Evangelium nach Johannes; 12, 1-7). Die Darstellung von Baldrian verweist auf diese Salbung und letztlich übertragen auf Jesu Tod. Baldrian ist daher auf vielen Tafelbildern der Renaissance zu sehen, oft sehr exponiert im Zentrum.

Literatur

  • Manfred Bocksch: Das praktische Buch der Heilpflanzen. München
  • Hartwig Abraham und Inge Thinnes: Hexenkraut und Zaubertrank. Unsere Heilpflanzen in Sagen, Aberglauben und Legenden. Greifenberg 1995
  • Gertrud Scherf: Zauberpflanzen Hexenkräuter. Mythos und Magie heimischer Wild- und Kulturpflanzen. München 2002
  • Marianne Beuchert: Symbolik der Pflanzen. Frankfurt am Main 1995
  • Miranda Seymour: Eine kleine Geschichte der Kräuter und Gewürze. Verlag Scherz, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-502-15879-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Oleg Polunin: Pflanzen Europas. BLV, München 1977, ISBN 3-405-11832-8

Wikimedia Foundation.

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”