Arzting
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grafling
Grafling
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grafling hervorgehoben
48.89444444444412.975433Koordinaten: 48° 54′ N, 12° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Deggendorf
Höhe: 433 m ü. NN
Fläche: 46,28 km²
Einwohner: 2798 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94539
Vorwahl: 0991
Kfz-Kennzeichen: DEG
Gemeindeschlüssel: 09 2 71 122
Adresse der Gemeindeverwaltung: Hauptstr. 2
94539 Grafling
Webpräsenz:
Bürgermeister: Willibald Zißlsberger (SPD)
Grafling/Arzting, Blick zur Donauebene
Grafling/Arzting, Blick zum Vogelsang

Grafling ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Deggendorf.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Grafling liegt in der Region Donau-Wald. Der tiefste Punkt ist in Kleintiefenbach auf 226 m ü. NN. Die höchsten Erhebungen im Gemeindegebiet sind der Steinberg (999 m), der Geißriegel (1.043 m), der Dreitannenriegel (1.090 m) und der Einödriegel (1.121 m) und schließen das Graflinger Tal nach Osten ab. Nach Norden wir das Tal durch den Hochberg (727 m), im Westen durch die im Gemeindegebiet Bernrieds liegenden Butzen (775 m) und Vogelsang (1.022 m) abgeschlossen. Nach Süden öffnet sich das Tal Richtung Deggendorf zur Donauebene, dem Gäuboden hin.

Zu den geografischen Besonderheiten der Gemeinde zählen die großen Höhenunterschiede. Während der Hauptort 546 m hoch liegt, beträgt der Höhenmeter im Ortsteil Klein- und Großtiefenbach nur 330 m, der Ortsteil Rohrmünz liegt aber 730 m hoch. Hochoberndorf befindet sich auf 775 m. Dadurch ergeben sich innerhalb der Gemeinde erhebliche klimatische Unterschiede: Während in den niedrigen Lagen häufig schon der Frühling eingekehrt ist, herrscht in den Höhenlagen noch strenger Winter.

Gemeindegliederung

Es existieren folgende Gemarkungen: Alberting, Bergern, Grafling, Hirschberg.

Zu Grafling gehören seit der Gebietsreform 28 größere und kleinere Gemeindeteile, unter anderem Alberting, Arzting, Bergern, Eidsberg, Endbogen, Engelsburgsried, Giggenberg, Grasslingsberg, Großtiefenbach, Grub, Hirschberg, Hochoberndorf, Kleintiefenbach, Mühlen, Oberprechhausen, Paußing, Petraching, Rohrmünz, Unterprechhausen, Wühn und Wühnried.

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden grenzen an die Gemeinde Grafling (Auflistung jeweils von West nach Ost):

Nördlich im Landkreis Regen:

Südlich im Landkreis Deggendorf:

Klima

Durch seine Lage in Mitteleuropa befindet sich Grafling in der warmgemäßigten Klimazone. Dabei liegt die Gemeinde im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima.

Klimatabelle

Die nachfolgende Grafik gibt die Klimawerte des Landkreises Deggendorf wieder, die für Grafling aufgrund der großen Höhenunterschiede im Gemeindegebiet nur annähernd gelten können:

Durchschnittliche Temperatur- und Niederschlagswerte
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1 4 9 14 20 22 24 24 19 13 6 2 Ø 13,2
Min. Temperatur (°C) -4 -3 0 4 8 11 13 13 9 5 1 -2 Ø 4,6
Niederschlag (mm) 44,8 45,8 54,4 38,2 71,8 72,8 81,8 63,6 65,1 54,0 55,3 48,0 Σ 695,6
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44,8 45,8 54,4 38,2 71,8 72,8 81,8 63,6 65,1 54,0 55,3 48,0


Schneechaos im Winter 2005/2006

Besonders getroffen wurde die Gemeinde Grafling durch das Schneechaos im Winter 2005/2006, das insbesondere in den höher gelegenen Ortsteilen auch zum Einsturz von Wohnhäusern und von landwirtschaftlichen Gebäuden führte. Abgelegene Einzelanwesen waren zum Teil tagelang nicht mehr erreichbar. Erst schweres Räumgerät des THW und der Bundespolizei in Deggendorf konnten die eingeschneiten Wege freischaufeln, da mit Räumpflügen die Schneemassen nicht mehr zu bewegen waren.

Der Katastrophenalarm im Landkreis Deggendorf wurde am 9. Februar 2006 um 11:20 Uhr durch Landrat Christian Bernreiter ausgerufen und erst am 14. Februar 2006 um 19:00 Uhr wieder aufgehoben.

Geschichte

Grafling gehörte zum Rentamt Straubing und zum Landgericht Deggendorf des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Die Gebietsreform von 1972 bis 1978 führte durch Eingemeindungen zum heutigen Gemeindegebiet.

Die Besiedelung des Graflinger Tales erfolgte vom Kloster Metten aus, das 790 n.Chr. mit der Kolonisation des Bayerischen Waldes betraut wurde. Im Jahr 805 wurde das Graflinger Tal erstmals geschichtlich erwähnt. In der Folgezeit erschlossen die bayerischen Herzöge das Tal. 1253 fiel das Gebiet unter die Herrschaft der Wittelsbacher. Im dreißigjährigen Krieg wurde die Region und auch Grafling mehrfach überfallen und geplündert. Zahlreiche Brandschatzungen fanden in dieser Zeit statt.

Einwohnerentwicklung

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden 1900 1.809, 1970 2.413, 1987 dann 2.524 und im Jahr 2002 2.813 Einwohner gezählt. Seitdem ist die Einwohnerzahl gleichbleibend, tendenziell jedoch leicht rückläufig.

Politik

Gemeinderat

CSU SPD Freie Wähler Grafling FWG Bergern FWG Alberting Junge Liste Gesamt
2002 4 3 4 2 2 - 15
2008 4 3 3 2 1 1 14

(Bei der Kommunalwahl 2008 sind die Freien Wähler, FWG Bergern und FWG Alberting eine Listenverbindung eingegangen; ebenso ist die CSU und die Junge Liste eine Listenverbindung eingegangen.)

Gemeinderäte 2008-2014:

  • Freie Wähler 44,7 %, 6 Mandate: Josef Haftner, Josef Weber, Johanna Anzenberger, Michael Ziselsberger, Gerhard Robold, Johann Knogl
  • CSU und Junge Liste 35,7 %, 5 Mandate: Anton Stettmer, Martin Gürster, Josef Ebner jun., Karl Schauer, Hans Günther Knogl
  • SPD 19,6 %, 3 Mandate: Alfred Trumm, Johann Plötz, Cornelia Strasser
Rathaus von Grafling

Bürgermeister

Bürgermeister ist Willibald Zißlsberger (SPD). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Johann Bügler (Freie Wählergemeinschaft, FWG), der aufgrund seines Ruhestandsalters nicht mehr kandidierte. Im März 2008 wurde Zißlsberger ohne Gegenkandidat wiedergewählt.

Josef Haftner und Anton Stettmer wurden in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates im Mai 2008 zu Zißlsbergers Stellvertretern gewählt.

Finanzen

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 874 T€, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 45 T€.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 76 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 44 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 977. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 1 Betrieb, im Bauhauptgewerbe 4 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 108 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1010 ha, davon waren 134 ha Ackerfläche und 875 ha Dauergrünfläche.

Am 18. Juni 2008 weist die Betriebedatenbank des Landkreises Deggendorf für Grafling 81 Betriebe aus, die überwiegend im handwerklichen, forstwirtschaftlichen und gastronomischen bzw. Herbergsbereich tätig sind. [1]

Verkehr

Grafling wird durch die Bundesstraße 11 (Europastraße 53) von Bayerisch Eisenstein nach Deggendorf durchquert.

Die Bayerische Waldbahn, eine Marke der Regentalbahn, durchquert das Graflinger Tal auf der Strecke PlattlingBayerisch Eisenstein mittels einer doppelten Kehrschleife, ohne jedoch derzeit an den Bahnhöfen Ulrichsberg und Grafling zu halten. Bemühungen der Gemeinde, eine Zu- und Ausstiegsmöglichkeit im Bereich von Arzting zu erhalten, waren bisher erfolglos.

Telekommunikation

Bildung

Es gibt folgende Einrichtungen:

  • Kindergarten: Kath. Kindergarten St. Andreas Grafling (3 Gruppen)
  • Schule: Ein-/Zweizügige Grundschule (bis 2004 Teilhauptschule)

Ortspartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Grafling, Pfarrhaus, Pfarrkirche St. Andreas mit Kapelle, Kindergarten (v. l.)

Grafling bietet neben der Andreaskapelle (erbaut 1475) in der Pfarrkirche Grafling die St. Florianskapelle in Wühn und die Kirche St. Ulrich (erbaut 1751) am Ulrichsberg.

Das im ehemaligen Schulgebäude 1987 eröffnete Heimatmuseum zeigt orts- und volkskundliche Exponate aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, zusammengetragen durch die Bürger Graflings.

Sehenswert ist für Eisenbahnliebhaber der höchste Naturbahndamm Deutschlands, auf dem die Waldbahn das Tal durchquert und die beiden Kehrschleifen miteinander verbindet. Der sog. Kohlbachdamm ist 390 lang, 44 m hoch und 178 m breit, bei seinem Bau am Ende des 19. Jahrhunderts mussten 524.000 m³ Massen bewegt werden. Der Bahndamm ist heute ein durch die Denkmalpflege geschütztes Baudenkmal. Zweimal jährlich werden mit historischen Dampflokomotiven Sonderfahrten auf der Strecke durchgeführt.

Wanderkarte im Gemeindegebiet Grafling

Die vielen Forstwege im großenteils bewaldeten Tal und den umgebenden Bergen erlauben auch im Hochsommer schattige Wanderungen. 14 Wanderwege mit insgesamt 100 km sind derzeit beschildert. Zwischen Grafling und Eidsberg befindet sich ein ca. 2 km langer Naturlehrpfad mit 15 Stationen.

5 Mountainbike-Strecken führen durch das Graflinger Gebiet.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Die Gemeinde Grafling hat folgende Personen zum Ehrenbürger ernannt. Die Auflistung erfolgt chronologisch nach Datum der Ernennung:

  1. Josef Fischer, ernannt am 22. April 1997
  2. Rudi Schaft, ernannt am 13. März 2002
  3. Josef Ebner sen., ernannt am 28. Januar 2003
  4. Siegfried Seitz, ernannt am 22. Februar 2004

Wappen

Das Wappen wurde am 15. Mai 1981 von der Regierung von Niederbayern mit folgender Wappenbeschreibung genehmigt[2]: Unter dem grünen Schildhaupt, darin ein durchgehendes silbernes Andreaskreuz, gespalten von Blau und Silber, belegt mit einem gemauerten goldenen Balken.

Der Inhalt des Hoheitszeichens wird durch die Gemeinde wie folgt begründet: Für die Geschichte des Gemeindegebiets waren vor allem die bayerischen Landesherren und als Grundbesitzer auch das Kloster Gotteszell bedeutsam. Die Spaltung mit dem aufgelegten gemauerten Balken entspricht dem Wappen von Gotteszell, wobei das ursprünglich rote vordere Feld durch ein blaues Feld ersetzt wurde, um auf die vom Kastenamt Deggendorf aus verwaltete landesherrliche Grundherrschaft im Gemeindegebiet hinzuweisen. Das Andreaskreuz im Schildhaupt steht für die Pfarrkirche von Grafling, die dem hl. Andreas geweiht ist. Die Tingierung Grün symbolisiert die geographische Lage der Gemeinde im Bayerischen Wald.

Literatur

  • Betty Oberhofer: Das Graflinger Tal im Bayrischen Wald. Landschaft zwischen Deggendorf und Vogelsang.
  • Albert Wilhelm: Die Schnapphähne lassen grüßen. Ein Geschichts- und Geschichtenbuch aus und um Grafling.
  • Kirchenverwaltung Grafling: Kirchen und Kapellen der Pfarrei St. Andreas Grafling.
  • Brigitte Spies-Kimmig: Weihnachtsgebäck aus dem Graflinger Tal.

(Alle Bücher sind im Eigenverlag erschienen und in der Gemeindeverwaltung Grafling erhältlich.)


Weblinks

Einzelnachweise

  1. Landkreis Deggendorf Betriebedatenbank
  2. Gemeinde Grafling 2006, Seite 10: Wappenbeschreibung.

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