Oertze

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Örtze
Die Örtze bei Hermannsburg

Die Örtze bei Hermannsburg

Daten
Lage Deutschland, (Niedersachsen)
Länge 55 km
Quelle nördlich von Munster in der Großen Heide (Bundesforst Raubkammer)
53° 1′ 36″ N, 10° 5′ 1″ O53.02666666666710.08361111111186
Quellhöhe 86 m ü. NN
Mündung südöstlich von Winsen52.6713888888899.931666666666733Koordinaten: 52° 40′ 17″ N, 9° 55′ 54″ O
52° 40′ 17″ N, 9° 55′ 54″ O52.6713888888899.931666666666733
Mündungshöhe 33 m ü. NN
Höhenunterschied 53 m
Abfluss über Aller → Weser
Rechte Nebenflüsse Ilster, Wietze, Brunau, Brandenbach, Hasselbach, Mühlenbach
Linke Nebenflüsse Kleine Örtze, Schmarbeck und Sothrieth die zusammen als Landwehrbach in die Örtze münden, Weesener Bach, Angelbach
Kleinstädte Munster
Gemeinden Kreutzen, Poitzen, Müden, Hermannsburg, Oldendorf, Eversen und Wolthausen

Die Örtze ist ein Fluss in Niedersachsen, der nördlich von Munster in der Großen Heide (Bundesforst Raubkammer) entspringt und nach etwa 55 Kilometern südöstlich von Winsen in die Aller mündet. Der Namen soll sich von dem altdeutschen Wort Horz (Pferd) ableiten, weil die Örtze läuft und springt wie ein Pferd, und weil früher viele Pferde an ihrem Ufer weideten.[1]

Inhaltsverzeichnis

Ursprung und Lauf

Das Örtzetal ist ein sogenanntes Urstromtal. Es ist in der Saaleeiszeit, vor ca. 230.000 bis 130.000 Jahren durch den Abfluss des Schmelzwassers, entstanden.

Das eigentliche Ursprungsgebiet mit zwei Quellarmen der Örtze, die teilweise als Quellsümpfe entwickelt sind, liegt auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Munster-Nord. Dort wurden vier hintereinander geschaltete "Munoseen" angelegt, um einen verstärkten Eintrag von Trübstoffen und Sedimenten, die durch Niederschlagswasser vom Truppenübungsplatz abgeschwemmt werden, in die Örtze zu verhindern.

Der Fluss führt durch die Orte Munster, Kreutzen, Poitzen, Müden, Hermannsburg, Oldendorf, Eversen und Wolthausen. Die Örtze hat in der Flussmitte eine Strömung von etwa 0,71 Metern pro Sekunde, die Wassertiefe beträgt 0,5 m bis 2 m. Es handelt sich um einen so genannten sommerkalten Heidebach.

Die Nebenbäche der Örtze sind: Ilster, Kleine Örtze, Wietze, Schmarbeck und Sothrieth die zusammen als Landwehrbach in die Örtze münden, Brunau, Weesener Bach, Brandenbach, Hasselbach, Angelbach und Mühlenbach.

Größter Nebenfluss ist die Wietze, die zwischen Soltau und Munster entspringt. Sie mündet bei Müden in die Örtze und gab dadurch dem Heideort seinen Namen. Die "Kleine Örtze" entspringt nördlich von Oerrel und mündet bei Kreutzen (Gmd. Faßberg) in die Örtze. Im Oberlauf hatte man sie zu einem Entwässerungsgraben ausgebaut. Das schmale Tal war früher von einem Hochmoor ausgefüllt, das man aber entwässert und aufgeforstet hatte. Das Tal der Kleinen Örtze wurde zu großen Teilen wieder renaturiert und ist inzwischen ein Naturschutzgebiet. [2]

Teile der Lüneburger Heide entwässern über die Örtze und die Böhme.

Fauna und Flora

Da die Örtze von Ausbaumaßnahmen weitgehend verschont geblieben ist, wurde hier für verschiedene Tier- und Pflanzenarten ein naturnaher Lebensraum erhalten. Die Wasserqualität hat durchgehend die Gewässergüteklasse II: mäßig belastet (betamesosaprob). [3] Schwarzerlen, Kiefern und Fichten am Ufer sorgen für Schatten. Dadurch bleibt die Wassertemperatur auch im Sommer kühl und der Sauerstoffgehalt hoch. Die Örtze ist relativ nährstoffarm. Sie verläuft in Mäandern und weist abwechslungsreiche Strukturen auf. Man findet Hänge und Steilufer, Vertiefungen, Kies- und Sandbänke. Es sind viele Nischen vorhanden, in denen Tiere geeignete Verstecke und Laichstellen finden.

An Fischen und Tieren sind vorhanden: Aal (Anguilla anguilla) und Aalraupe oder Quappe (Lota lota), Äsche (Thymallus thymallus), Bachforelle (Salmo trutta forma fario), Brachsen oder Blei (Abramis brama), Elritze (Phoxinus phoxinus), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Gründling oder Greßling (Gobio gobio), Hecht (Esox lucius), Mühlkoppe oder Groppe (Cottus gobio), Plötze oder Rotauge (Leuciscus rutilus), Rotfeder (Scardinius erytrophthalmus), Bachneunauge (Lampreta planeri). Aber auch der gefährdete und schützenswerte Fischotter und der Eisvogel leben hier. Seit 1766 ist in der Örtze der Lachsfang nachgewiesen. 1935 wurden hier die letzten Lachse gefangen. Seit 1982 wird mit neuem Lachsbesatz eine Wiederansiedlung versucht. Das Wehr in Wolthausen stellt bisher immer noch ein Hindernis für die stromaufwärts ziehenden Fische dar. Der Bau einer Fischtreppe ist hier schon längere Zeit in Planung. [4] Seit dem 16. Jahrhundert staute man hier das Wasser der Örtze um das Wasserrad einer Getreidemühle an zu treiben. Diese war bis 1960 noch in Betrieb. Heute wird per Turbine und Wasserrad ein Generator zur Stromerzeugung angetrieben.


Paddeln auf der Örtze

Paddelboot auf der Örtze

In der Zeit vom 16. Mai bis 14. Oktober, von 9 - 18 Uhr, ist auf der Örtze das Paddeln, unter Beachtung der Naturverträglichkeit, eingeschränkt zugelassen. Erlaubt sind ausschließlich Paddelboote (Kajak, Canadier, Kanu).[5] Die Örtze darf ab der Mühle in Müden bachabwärts genutzt werden. Ein- und Ausstiegsstellen sind in Müden, Baven, Hermannsburg, Oldendorf, Eversen, Wolthausen und Winsen.[6]

Rezeption in der Literatur

Der Heimatdichter Hermann Löns widmet der Örtze ein Kapitel mit mehreren Seiten. Er schrieb unter anderem:

An den Ufern der Örtze. Viele Flüsse und Flüßchen hat die Lüneburger Heide; ihr echtester Heidefluß aber ist die Örtze. Sie hat als Heidjerin keine Sehnsucht nach anderen Ländern; in der Heide kommt sie auf die Welt, in der Heide will sie enden. Sie ist so bescheiden, so klug und so still, wie ein richtiges Heidjerkind; es wäre ihr ein Leichtes, wenn sie ihren eigenen Weg ginge bis zum Meere, denn selbst in den trockensten Sommern hat sie Wasser genug, die Flüßchen und Bäche aus den Mooren, die Schmarbeck und Sotriet, Lutter und Wittbeck, Wietze und Brunau, lassen sie nicht verdursten. Aber ihr liegt nichts an der weiten Welt.

Hermann Löns: Mein braunes Buch – Heidbilder (1909)

Rieselwiesenwirtschaft

Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die Wiesen in der Talaue der Örtze nach dem Prinzip des „Lüneburger Rückenbaus“ bewässert. Der Begriff „Lüneburger oder Suderburger Rückenbau“ bezeichnet ein bestimmtes System der Wiesenbe- und entwässerung. Neben der gezielten Regulierung des Wasserhaushaltes wird bei dieser Methode der Grünlandbewirtschaftung vor allem die düngende Kraft des Wassers, d.h. die im Wasser gelösten Mineralien und organischen Substanzen, genutzt.

Zur Bewässerung der Bavener Rieselwiesen wurde in der Zeit von 1831 bis 1850 ein Kanal angelegt und 1854 in Betrieb genommen. Die Örtze wurde an dem Wehr bei Müden aufgestaut und über den Kanal z.T. umgeleitet. Entlang dieses Kanals wurden mehrere kleinere Wehre gebaut. Sie dienten der Aufstauung des Wassers für die Rieselwiesen.

Die Auslassschleuse des Kanals diente zur Regulierung des Wasserstandes im Kanal. Bei Hochwasser wurde sie geöffnet und fungierte dann als Notschleuse.

Flößerei

Beginn

Die Flößerei auf der Örtze setzte wahrscheinlich im 17. Jahrhundert ein. Am 28. Februar 1677 untersuchte der fürstliche Floßmeister Johann Bastian Erhardt den Fluss auf eine mögliche Flößbarkeit für Holz aus den Waldgebieten Hassel, Lüß und Kalbsloh. Er gab dem „Hochedelgestrengen, Hochgebietenden Herrn Oberförster zu Wahrenholz“ folgenden Bericht:

Die Örtze ist ein guth und schnell Wasser, welchen mehrenteils auf beiden Seiten hohe Ufer, daß darauf füglich, sowoll langk als kurz Holtz bis Stedden, wo selbst die Örtze in die Aller schießt, geflößt werden kann.

Dieses Gutachten führte dazu, den Flößereibetrieb auf der Örtze einzurichten. Zumal die Örtze aufgrund ihres großen Quellgebietes mit den vielen Bächen das ganze Jahr über reichlich Wasser führte und somit ganzjährig mit Flößen befahrbar war.

Flößbar war die Örtze auf den letzten 36 Flusskilometern ab Müden (Örtze) nach der Mündung der Wietze. Bis zur Aller bei Winsen konnten gebundene Flöße diese Strecke an einem Tag zurücklegen. An der Aller wurden die Hölzer zu noch größeren Flößen eingebunden und zum Umschlagplatz in Bremen geflößt. Von dort wurden sie auch nach England, Holland, Frankreich oder Spanien verschifft.

Örtzeflöße

Wilhelm Witte, einer der letzten Flößer auf der Örtze, um 1910

Die Flöße wiesen eine Länge von 23 m und eine Breite von 3 m auf. Eine Besonderheit der Örtzeflöße waren die am vorderen Teil des Floßes angebrachten runden Weidenbügel, die sogenannten „Handregels“. An diesen konnte der Flößer sich an schwierigen Flußstellen bei starker Strömung festhalten. Auf der Örtze dirigierte der Flößer sein Floß mit dem „Schufstaken“ oder „Schufboom“ (Schiebestange, Schiebebaum). Der war mit einem Quergriff versehen, der für die linke Schulter bestimmt war. Vorne an der Stange war eine eiserne Spitze zum Schieben des Holzes und zum Abstoßen vom Ufer, sowie ein gebogenes Eisen zum Heranziehen des Holzes angebracht.

Höhepunkt im 19. Jahrhundert

Die Flößerei auf der Örtze hatte im 19. Jahrhundert eine große Bedeutung für die Region. Bis 1868 gingen pro Jahr rund 600 Flöße die Örtze stromabwärts. Dies steigerte sich bis 1876 auf 1.000 Flöße jährlich, wobei es 1874 sogar fast 2.000 Flöße waren. Die enorme Zunahme beruhte auf dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung während der Gründerjahre. Es gab eine große Holznachfrage in Bremen, Bremerhaven sowie in den Wesermarschen, wo Holz dem Gebäude- und dem Schiffbau diente. Darüber hinaus waren durch die Verkoppelung, Mitte des 19. Jahrhunderts, große Waldflächen in Privatbesitz und Realgemeinden übergegangen. Diese schlugen das übernommene Altholz ein und verkauften es als Floßholz an Holzhändler.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es auf der Strecke von Müden bis Oldendorf 11 Bindestellen. An den Bindestellen wurde das Holz, das in den umliegenden Wäldern geschlagen wurde und dann mit Pferdefuhrwerken hierher gebracht wurde, zu einem Floß zusammengebunden.

Niedergang

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde aufgrund starker Versandung des Flussunterlaufes die Passierbarkeit für die Flöße immer schwieriger. Ab 1912 kam die Flößerei zum Erliegen. Die Schiene wurde zur Konkurrenz durch die Kleinbahn Celle-Soltau, Celle-Munster. Auch entstanden befestigte Straßen und Sägewerke siedelten sich in Waldnähe an.

Quellen

  1. Louis Harms Goldene Äpfel in silbernen Schalen 1. Band v. 1865
  2. http://www.nlwkn.niedersachsen.de/master/C40982862_N5512611_L20_D0_I5231158.html NSG Tal der Kleinen Örtze mit Übersichtskarte
  3. http://www.nlwkn.niedersachsen.de/master/C35959472_L20_D0_I5231158_h1.html Güteklasse d. Wasserqualität
  4. http://www.cellesche-zeitung.de/lokales/winsen/345314.html
  5. Verordnung des Landkreises Celle zum Schutze von Heidebächen vom 18. März 2005
  6. http://www.wasserreich-niedersachsen.de/wasserwandern/kanu/kanutouren/oertze/index.php

Literatur

  • Jürgen Delfs: Die Flößerei auf Ise, Aller und Örtze, Gifhorn 1995, ISBN 3-929632-24-1

Weblinks


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