Okkupation

Bei einer Okkupation oder Besetzung (je nach Kontext auch Besatzung) wird in einem bevölkerten Gebiet die vorhandene Staatsgewalt durch einen externen Machthaber auf dessen Initiative durch die seinige ersetzt. Dies geschieht meist mit militärischen Mitteln.

Daneben wird im Völkerrecht auch die Besetzung eines herrschaftslosen Gebietes durch eine Staatsmacht als Okkupation bezeichnet. Während des Kolonialismus wurde die Errichtung der Herrschaft über außereuropäische Gebiete mit diesem Rechtsbegriff begründet. Dabei galt als unerheblich, ob das Land bewohnt war oder nicht. Dies wurde damit gerechtfertigt, dass einheimische Bewohner nicht staatlich organisiert gewesen seien.[1]

In jüngerer Zeit zeichnet sich eine Besetzung auch dadurch aus, dass die Okkupationsmacht völkerrechtlich nicht zur legalen Exekutive wird. Im Gegensatz zur Annexion wird das fremde Territorium jedoch nicht dem eigenen Staatsgebiet rechtlich einverleibt. Nach Souveränität strebende Bevölkerungsgruppen bezeichnen häufig den Staat, der ihr Territorium beherrscht, als Besatzungsmacht, auch wenn es sich dabei um keine Okkupation im juristischen Sinne handelt. Okkupanten sind analog dazu einzelne Vertreter der Besatzungsmacht oder ihre im Lande anwesende Gesamtheit.

Siehe auch: Besitzergreifung

Inhaltsverzeichnis

Beispiele militärischer Besetzungen

Historische Besetzungen

Signifikante zeitgenössische Besetzungen

Aufgrund der Differenzen zwischen den USA und Kuba wird der Sitz des US-Militärstützpunktes in der Bucht von Guantanamo auf Kuba fälschlicherweise manchmal als eine Besetzung genannt, jedoch besteht ein Pachtvertrag von 1903, in dem Kuba das Gebiet an die USA abtrat. Ursprünglich sollte dieser Vertrag 99 Jahre in Kraft sein, sollten aber nicht beide Seiten einer Beendigung des Vertrags zustimmen, würde er auf unbefristete Zeit weiterlaufen.

Umstrittene Besetzungen

Einige Militärpräsenzen werden häufig als Besetzung bezeichnet, doch ist ihr Zustand oft umstritten, da nicht jede an der Situation beteiligte Partei die Ansicht teilt, dass es sich um eine Besetzung handelt.

Besetzungszustand von lokaler Bevölkerung abgestritten

  • Ceuta, Melilla und „Souveränitätsplätze“ (Plazas de Soberanía) – verwaltet von Spanien, beansprucht von Marokko
  • Falklandinseln – verwaltet durch das Vereinigte Königreich, beansprucht von Argentinien
  • Untere Spitze von Gibraltar – verwaltet durch das Vereinigte Königreich, beansprucht von Spanien
  • Libanon – von Syrien von 1979 bis 2005 besetzt (umstritten unter einigen Syrien-freundlichen Bevölkerungsteilen)
  • Nordzypern – von der Türkei besetzt, lokale griechischstämmige Bevölkerung größtenteils vertrieben, gehört völkerrechtlich zur Republik Zypern
  • Tibet - bis 1950 unabhängiger Staat, 1950 durch chinesisches Militär besetzt und nach China eingegliedert, chinesische Herrschaft von lokaler Bevölkerung nicht akzeptiert
  • West-Papua - 1961 wurde von den Niederlanden die Unabhängigkeit zuegsichert, als der Rest von Niederländisch-Indien bereits als Indonesien unabhängig war, da nach niederländischer Auffassung die Bevölkerung zu verschieden von der indonesischen war. 1962 landeten indonesische Truppen auf der Insel. Danach Widerstand in der Bevölkerung, die als minderwertig diskriminiert wurde, und der Versuch Indonesier durch Einwanderung in eine Mehrheitsposition zu bringen. Weitestgehende Zerstörung der Regenwälder, die die Lebensgrundlage der Einheimischen bilden.

Besetzungszustand von Nationen der dominanten Militärkräfte im Gebiet abgestritten

Besetzungszustand von beiden Seiten abgestritten

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 673 f. Artikel „Okkupation“

Literatur

  • Helmut Stubbe-da Luz: „Franzosenzeit“ in Norddeutschland (1803–1814). Napoleons Hanseatische Departements, Bremen 2003, ISBN 3-86108-384-1.

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  • Okkupation — (lat.), die Besitzergreifung, Aneignung einer Sache, namentlich einer herrenlosen. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, § 958, erwirbt man an einer herrenlosen beweglichen Sache Eigentum, wenn man sie in Eigenbesitz (s. Besitz) nimmt. Vgl. hierüber… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Okkupation — Okkupatiōn (lat.), Besetzung, Einnahme, Besitznahme, Beschäftigung; insbes. die militär. Besetzung eines Landes durch feindliche Truppen (Okkupationskorps), zur Geltendmachung gewisser Rechtsansprüche oder um die Erfüllung der von dem… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Okkupation — Okkupation,die:⇨Besetzung(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Okkupation — die Okkupation, en (Aufbaustufe) Besetzung eines fremden Gebietes Beispiel: Das Staatsgebiets befand sich mehrere Jahre unter Okkupation …   Extremes Deutsch

  • Okkupation — Besetzung; Inbesitznahme; Einmarsch; Einzug; Eindringen; Invasion * * * Ok|ku|pa|ti|on 〈f. 20〉 Besetzung (fremden Staatsgebietes) [<lat. occupatio „Besetzung“] * * * Ok|ku|pa|ti|on, die; , en [lat. occupatio]: 1 …   Universal-Lexikon

  • Okkupation — okkupieren »in Besitz nehmen; fremdes Gebiet militärisch besetzen«: Das Verb wurde im 16. Jh. aus lat. oc cupare »einnehmen, besetzen« entlehnt, einer Bildung zu lat. capere »nehmen, fassen, ergreifen« (vgl. ↑ ob..., ↑ Ob... und ↑ kapieren). –… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Okkupation — 1. Hærtægt, foreløbig indlemmelse, besættelse, bemægtigelse. 2. Beskæftigelse …   Danske encyklopædi

  • Okkupation — Ok·ku·pa·ti·on [ tsi̯oːn] die; , en; meist Sg, geschr, Mil; die Besetzung eines fremden Landes durch eine Armee oder das Besetztsein || K : Okkupationsgebiet, Okkupationsheer, Okkupationszeit || hierzu ok·ku·pie·ren (hat) Vt …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Okkupation — Ok|ku|pa|ti|on 〈f.; Gen.: , Pl.: en〉 Besetzung (fremden Staatsgebietes); Syn. Okkupierung [Etym.: <lat. occupatio »Besetzung«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Okkupation — Ok|ku|pa|ti|on die; , en <aus gleichbed. lat. occupatio>: 1. (abwertend) [militärische] Besetzung eines fremden Gebietes. 2. (veraltend) Aneignung herrenlosen Gutes (Rechtsw.); vgl. ↑...ation/...ierung …   Das große Fremdwörterbuch

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