Ase
Thor (von Mårten Eskil Winge, 1872)

Die Asen (altnord. Æsir „die Pfähle“, Sg. Áss, urgerm. *ansuz) sind das jüngere Göttergeschlecht in der nordischen Mythologie. Das ältere Geschlecht wird Wanen (altnord. Vanir, Sg. Vanr) genannt.

Nach der Jüngeren Edda wohnen zwölf Asen in Asgard (Sitz der Götter). Sie herrschen über die Welt und die Menschen, allerdings beschränkt durch das Schicksal, das nur die Nornen im vollen Umfang kennen. Ihnen werden Eigenschaften wie Stärke, Macht und Kraft zugeschrieben. Sie sind weitgehend vermenschlicht, haben also einen irdischen Alltag. Wie die Menschen sind sie sterblich. Nur durch die Äpfel der Idun halten sie sich jung, bis fast alle von ihnen zur Ragnarök getötet werden.

Das Geschlecht der Asen besteht aus kriegerischen Gottheiten, während es sich bei den Wanen eher um Fruchtbarkeitsgötter handelt.

Nach einer Theorie stellen die Wanen eine Erinnerung an die Götter der vor-indoeuropäischen Urbevölkerung dar, deren Kultur von den eindringenden Indogermanen in einer Art Synkretismus verändert wurde. Demnach entsprechen die Asen den Göttern der Indogermanen. Der Wanenkrieg, in dem die beiden Göttergeschlechter gegeneinander kämpfen und der mit einem Friedensschluss und dem Austausch von Geiseln endet (wodurch die uns bekannten Wanen zu den Asen gelangen), repräsentiert die Auseinandersetzung dieser Volksgruppen.

Da von den beiden altnordischen Götterfamilien nur die Asen auch im Süden belegt sind, ist die Zuordnung zu den Familien bei einigen Gottheiten nicht gesichert. Die Götternamen Tyr, Odin, Thor und Freyja sind deutlich in der englischen, aber auch teilweise in der deutschen Bezeichnung der Wochentage (Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Dienstag, Donnerstag, Freitag) erkennbar.

Aufzählung einiger Asen

nordgermanisch westgermanische
(althochdeutsche) Namensform
(*nicht überliefert)
Bedeutung
Óðinn Wodan, Wōden, Wuotan Göttervater, Gott der Schlacht, der Weisheit, der Ekstase, des Krieges, der Dichtkunst
Þórr oder Thor Donar Gott des Donners, Gewitters und des Wetters, der Arbeit und des Kampfes. Fruchtbarkeitsgott und Schutzgott
Sól Sunna Personifikation der Sonne
Loki *Lohho, Vé Gott des Feuers, Gott der Lügen und Täuschung, Urheber des Bösen, sehr zwielichtige Gestalt, Intrigant
Eir Göttin der Heilkunde und Heilung. Die beste Ärztin
Heimdall Wächter der Brücke Bifröst
Ullr *Wulder, *Wuller Gott des Winters und der Skiläufer, Gott des Ackers und der Weide, Gott der Eide, Jäger und Bogenschütze auf Skiern
Saga Göttin der Dichtkunst und Geschichte. Im südgermanischen bzw. (alt-)hochdeutschen Raum als Bezeichnung „Sage“ erhalten. Von althochdeutsch sâga (Fem. Sing.)
Skaði - Göttin der Jagd, der Berge und des Winters
Baldur Balder Gott der Gerechtigkeit des Lichtes, der Güte, der Reinheit, der Schönheit
Forseti Fosite, *Forasizo Gott der Gerechtigkeit und des Rechts, „Vorsitzender“, Richter über Götter und Menschen
Vör oder Var Göttin der Ehe, Göttin der Treue, Verträge und Eide, Göttin der Liebe
Lofn Göttin der Eintracht
Sif *Sippja, *Sive Göttin der Ernte
Höðr Gott der Dunkelheit, der blinde Gott
Syn Göttin der Gerechtigkeit und Wahrheit, Göttin der Rechtspflege
Viðarr Vidar, Widar Gott der Natur und des Waldes, Gott der Rache und des Schweigens
Iðunn Göttin der Jugend und der Fruchtbarkeit
Frigg Frija, Frea, *Frick Beschützerin der Ehe, Gemahlin Odins
Hænir Bruder von Odin, Berater der Wanen
Bragi Brego Gott der Redekunst
Magni Gott der Kraft
Hel *Hellia, *Hella Göttin der Unterwelt, im Süden nur im Namen der „Hölle“ (norw.: helvete) überliefert
Móði Gott des Mutes
Vali Rächer des Gottes Balder
Snotra Göttin der Klugheit, Göttin der Tugend und Sittsamkeit
Fol (Phol) Einzig im zweiten merseburger Zauberspruch bezeugt. Seine oft erwähnte Gleichsetzung mit Balder bleibt noch fraglich
Sinthgunt (sinhtgunt) Wie Phol, so wird auch diese Göttin, die als Schwester der Sunna gilt, einzig im zweiten merseburger Zauberspruch genannt. Ihre Bedeutung ist unbekannt, manche Vermutungen wollen darin das Gegenstück zur Sunna (Sonne) sehen, doch der Mond war im Germanischen von jeher männlich.
Fulla Folla (uolla) Auch hier handelt es sich um eine Göttin, die sich nur im zweiten Merseburger Zauberspruch findet. Sie wird angegeben als Schwester der Friia, eine verwandtschaftliche Namensdeutung zu Phol ist unsicher, doch nicht auszuschließen.
Vihansa „heilige Asin“?, nur auf einem römerzeitlichen Weihestein überliefert

Stammbaum der nordischen Gottheiten

Die folgende Übersicht zeigt die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den bekanntesten nordischen Gottheiten aus den Geschlechtern der Asen und Wanen:

Stammbaum der Asen und Wanen
                                                                                 
  Buri   Bölthorn  
     
     
  Delling   Nott   Bör   Bestla   Fjörgyn  
       
             
  Dagr 2. Jörd   Vili     Odin 1. Frigg   Ivaldi  
         
               
             
  Thjazi   Sif   Thor   Nanna   Baldr   Hödr   Hermodr   Bragi Idun  
               
                     
  Nerthus   Njördr   Skadi Ullr   Thrud   Forseti  
   
     
  Gerda   Freyr Freyja 4. Grid   Odin 3. Rinda  
       
                   
  Fjölnir   Vidar   Vali  
 

Siehe auch


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