Asentreue
Der Mjölnir oder Donarshammer wird von vielen Ásatrúar als Symbol ihres Glaubens getragen.

Mit Ásatrú bezeichnet man heute verschiedene Ausprägungen des nordisch-germanischen Neuheidentums.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

Ásatrú

Ásatrú ist ein altnordischer/isländischer Neologismus bestehend aus „ása“, dem Genitiv von altnordisch „áss“ (Ase = Gottheit) und „trú“ (Treue bzw. Glaube). So bezeichnet die Ásatrú („Asentreue“) die Treue zu, den Glauben an oder das Vertrauen in die heidnischen germanischen Götter, die Asen und Wanen. Das Wort an sich ist wiederum eine Lehnübersetzung des dänischen Begriffs „asetro“, welcher 1870 von Edvard Grieg in seiner unvollendeten Oper Olaf Tryggvason als Bezeichnung für den heidnischen Glauben der Nordländer verwendet wurde. Die isländische Schreibweise wurde erstmals 1945 von Ólafur Briem in seinem Werk „Heiðinn siður á Íslandi“ („Heidnische Sitten auf Island“) verwendet. In der Prosa-Edda allerdings kommt die Bezeichnung (getrennt geschrieben) auch schon vor.

Forn Siðr

Eine weitere Bezeichnung für den alten heidnischen Glauben, die oftmals synonym für Ásatrú benutzt wird, ist „Forn Siðr“. Auch Forn Siðr ist ein altnordisch-isländischer Begriff, der so viel wie „alte Sitte“ oder wörtlich „firne Sitte“ bedeutet. Er setzt sich zusammen aus an.forn“ (dt. „alt“, „firn“ („zeitlich fern“); vgl. gotisch fairns, aeng. fyrn, ahd. firni) und an.siðr“ (dt. „Sitte“; vgl. gotisch sidus, aeng. sidu, ahd. situ). So wie der Begriff „Firnschnee“ Schnee des letzten Jahres bezeichnet, so pflegen die Anhänger der alten oder firnen Sitte – Forn Siðr – die Sitten und Traditionen ihrer Vorfahren. Der Glaube an bzw. die Treue zu den germanischen Göttern wird hier als Teil der alten Sitten betrachtet. Zu den alten Sitten zählt man beispielsweise das Anbrennen von Feuerrädern zum Julfest (ungefähr zur Zeit der christlichen Weihnacht), das Perchtenlaufen, das Anzünden von Osterfeuern und das Feiern des Mittsommerfestes.

Glaubensinhalte

Gottheiten

siehe Hauptartikel: Nordische Mythologie

Ásatrú ist eine polytheistische Religion. Die Hauptgottheiten der Ásatrúar gehören im Allgemeinen zu den beiden Geschlechtern der Asen und Wanen. Entsprechend der germanischen Mythologie werden jedoch am Ende des sogenannten Wanenkrieges alle uns namentlich bekannten Wanengötter in die Reihen der Asen aufgenommen. So ist der Glaube an die Wanen, die Vanatrú, als integrierter Bestandteil der Ásatrú zu sehen und nicht als separater Glaube zu verstehen. Bedeutsame Gottheiten sind:

  • Wodan / Odin (an. Óðinn) ist der einäugige Himmels- und Windgott. Er wird unter anderem als Allvater bezeichnet, da er Vater aller Asen ist. Seine Verehrung nimmt teilweise monotheistische Züge an.
  • Donar / Thor (an. þórr) der Donnergott, ist Wodans und Erdas (an. Jörð) Sohn.
  • Fro Ing / Frey (an. Freyr) ist ein Name des germanischen Fruchtbarkeitsgottes. Er gehört ursprünglich zu den Wanen.
  • Frouwa / Freya (an. Freyja) ist die Göttin der Liebe.
  • Frick / Frigg (an. Frigg) ist Wodans Gemahlin. Sie ist auch als Frau Holle bekannt.
  • Ziu / Tyr (an. Týr) ist der einhändige Ase, welcher der Gott des Krieges und der Treue ist.

Neben den Hauptgottheiten werden etliche örtliche Gottheiten wie Jecha, Ostara, Tanfana, Hludana oder Nehalennia gewürdigt. Die Anhänger des Ásatrú verstehen sich als die Kinder der Götter, meist Wodans, ebenso wie sich die Christen als Kinder Gottes verstehen.

Naturverehrung

Wie auch in anderen neuheidnischen Strömungen üblich, dient Anhängern der Ásatrú oft der religionswissenschaftlich nicht abgesicherte Begriff der Naturreligion zur Selbstbeschreibung. Darunter wird zum einen eine „natürlich“ gewachsene Religion – im Unterschied zu Offenbarungsreligionen – verstanden, zum anderen auf die zentrale Rolle der Natur als Quelle der religiös-spirituellen Erfahrung verwiesen.

Das germanische Neuheidentum hat eine starke Neigung zum Animismus. Dies ist erkennbar in der Verehrung von Alben, Landgeistern, verschiedenen Wesen der Folklore (Kobold, Wichtel) und im Glauben, dass Gegenstände ein Schicksal haben können. Die Natur wird von einem Teil der Ásatrú-Anhänger als beseelt empfunden und damit selbst zum Gegenstand kultischer Verehrung.

Einige Asatru glauben das Alben, oder Landgeister in, z.B. Steinen oder Bäumen leben. Diese Wesen helfen, oder schaden den Menschen die ihre Region betreten. [1] Dieser Glaube stammt aus der nordgermanischen Religion, welche einen starken Hang zum Animismus hatte. Dies wird durch Sagas erkennbar, z.B. die Saga von einem Zauberer der in Walfischgestallt nach Island schwimmt um feststellen zu können, ob man dort einfallen könne. Er wurde laut der Saga von den Landgeistern Islands angegriffen und vertrieben. [2] [3]

Gegenstände werden von einigen Asentreuen als beseelt empfunden und können ein eigenes Schicksal haben. Diesen Gegenständen, meistens Waffen, werden Namen gegeben. Ein bekanntes Beispiel ist Sigurds Waffe Gram (Schwert). Diese Gegenstände werden nicht vor dem Gebrauch “geweiht”, sondern tragen ihre Macht und Kraft in sich.

Religiöse Praxis

Blót

siehe Hauptartikel: Blót

Als Bloz oder Blót (ahd. bluoz, an. blót, aeng. blôt) wird das germanische Opferfest bezeichnet. Etymologisch leitet sich das Wort von dem indogermanischen *bhlâd (“geschwollen“) ab. Eine Gottheit zu blozen oder bloten (ahd. blôzan, an. blóta, aeng. blôtan) bedeutet demnach soviel wie „eine Gottheit stärken“. (Eine unmittelbare Verwandtschaft zu „Blut“, wie immer wieder behauptet wird, besteht nach derzeitigen sprachwissenschaftlichen Kenntnissen nicht.) Das dargebrachte Opfer (ahd. bluostar), mit dem die Ásatrúar ihre Beziehungen zu den jeweiligen Gottheiten intensivieren wollen bzw. mit dem sie die entsprechenden Gottheiten stärken wollen, steht in einer bestimmten Beziehung zu den jeweiligen Göttern und wird u. a. in Form von Nahrungsmitteln, Kunstgegenständen und Gebildegebäck dargebracht. Häuser oder Tempel, in denen die Götter geblozt wurden, nannte man im Althochdeutschenplôzhûs“ („Blozhaus“), wobei heute, in Ermangelung von bestehenden Tempeln, oftmals im Freien geblozt wird. Volksetymologisch leicht abgewandelt findet man in dem Namen „Blocksberg“ (Blozberg) das Bloz wieder.

Sumbel

siehe Hauptartikel: Sumbel

Das Sumbel (an. sumbl, aeng. symbel, as. sumbal) ist vereinfacht gesprochen ein ritueller Umtrunk bzw. ein rituelles Trinkgelage. Grob umrissen läuft ein Sumbel wie folgt ab: Es wird im allgemeinem von einem Sumbelgeber (as. symbelgifa) eröffnet, geleitet und beendet. In der Mitte der Teilnehmer befindet sich ein Kessel, welcher mit Met oder Äl gefüllt ist. Nach der Weihe des Kessels wird ein Trinkhorn mit dem Trank aus diesem Kessel gefüllt. Anschließend kreist dieses Trinkhorn unter den Teilnehmern des Sumbels, wobei es von einer Schankmaid weitergereicht und bei Bedarf aufgefüllt wird. In der ersten Runde erfolgt durch das Äußern von Trinksprüchen ein Minnetrinken auf die Götter. In der zweiten Runde gedenkt man der verstorbenen Angehörigen. Während der dritten und den folgenden Runden werden von den Teilnehmern Eide geschworen, Gelübde abgelegt und Lieder oder Gedichte zum Besten gegeben.

Gebet

siehe Hauptartikel: Gebet

Das Gebet ist, wie der Name sagt, eine Bitte, die an die Götter gerichtet ist. Gebetet wird im Allgemeinen in aufrecht stehender Haltung mit erhobenen, zu den Seiten ausgebreiteten Armen. Die allgemeine Gebetsrichtung ist Norden, falls man sich nicht unmittelbar an die jeweilige Gottheit wendet.

Galster

siehe Hauptartikel: Galster

Galster (ahd. galstar, aeng. gealdor, an. galdr) ist eine Art des rituellen Gesanges oder Dichtens unter Verwendung des Stabreimes bei stark parallelistischem Versaufbau.

Seiðr

siehe Hauptartikel: Seiðr‎

Seiðr‎ ist der Oberbegriff für magische Praktiken, die aber weniger verbreitet sind als beispielsweise Blót und Sumbel.

Ansleich

Der Begriff „Ansleich“ (ahd. Ansleicus, as. Ôslâc) setzt sich aus den Wörtern „Ans“ (ahd. ans: „Gott“) und „Leich“ (ahd. leih, mhd. leichen: „hüpfen, spielen“) zusammen. Es handelt sich hierbei um eine Aufführung oder ein Spiel im Sinne eines Hymnus auf und für die Götter. So werden entsprechend dem Anlass bestimmte mythische Göttergeschichten aufgeführt. Besonders beliebt ist z. B. im Frühjahr die Aufführung der „Heimholung des Hammers“ durch den Gott Donar, wie es die Þrymskviða beschreibt.

Festtage - Hátíðir

Die Regelungen bezüglich der begangenen Festtage, die auch als Hátíðir (an. wörtl. Hoch-Zeiten; vgl. ahd. diu hôha gezît) bezeichnet werden, sind innerhalb der verschiedenen Asenglaubensgemeinschaften z.T. recht verschieden. Im Allgemeinen kann man sagen, wird an den Winter- und Sommersonnenwenden sowie im Frühjahr und im Herbst ein Blót begangen. Oftmals wird auch zu weiteren Festlichkeiten gefeiert. So wird z.B. auf Island das sog. þorrablót durchgeführt. Um einen Eindruck von wichtigsten Festtagen zu bekommen seien hier die Feiertage der isländischen Asenglaubensgemeinschaft (Ásatrúarfélagið), aufgeführt [4]:

  • Das Jólablót auch Vetrarsólstöðublót wird zur Wintersonnenwende, d.h. um den 21. Dezember gefeiert. Es entspricht weitestgehend dem deutschen Weihnachten bzw. dem skandinavischen Julfest.
  • Das þorrablót wird am ersten Tag des Monates Þorri begangen (erster Tag/Vollmond des 2. Lunarmonats). Þorri bedeutet soviel wie dürre trockene Kälte der Winterzeit [5] und ist nach dem „Flateyjarbók“ eigentlich der Name eines Seekönigs bzw. Winterriesen. Wahrscheinlich entspricht das þorrablót weitestgehend dem in Uppsala gefeiertem Frøblót. Sinn des Festes ist das Austreiben oder Austragens des Winters, wie es sich in Deutschland auch bei einigen Fasnachtsumzügen finden lässt.
  • Das Várblót (Frühlingsfest) wird auch als Sigrblót (Siegesfest) bezeichnet, da hier der Sieg über die winterlichen Reifriesen gefeiert wird. Das Vár- oder Sigrblót wird am ersten Sommertag (erster Tag/Vollmond des 4. Lunarmonats) begangen. Im Altertum unterschied man nur die beiden Jahreszeiten Sommer und Winter. Es ist ein klassisches Frühlingsfest das am ehesten dem in Deutschland und England bekannten Ostern entspricht.
  • Das Sumarblót oder Miðsumarsblót (Mittsommer) wird, wie der Name es sagt zur Sommersonnenwende um den 21. Juni gefeiert. Es stellt den sommerlichen Höhepunkt des Jahres dar, und entspricht dem Mittsommerfest, welches heute noch in den skandinavischen Ländern gefeiert wird.
  • Das Vetrnóttablót (Winternachtsfest) oder auch Haustblót (Herbst-/Erntefest) bzw. Haustnótt (Herbstnacht) ist das Fest am ersten Wintertag (Vollmond im Oktober). Es entspricht weitestgehend dem Erntedankfest. Den Angaben der Hallfreðar Saga zufolge wurden zu diesem Fest auch sportliche Wettkämpfe (Ballspiele) ähnlich wie bei den griechischen Olympien ausgetragen.

Die Edda

Deckblatt einer isländischen Abschrift (18. Jh.) der Snorra-Edda

Die Edda, oder genauer gesagt die beiden Bücher der Lieder-Edda und der Prosa-Edda, sind für die meisten Ásatrúar die wichtigsten Quellen im Bezug auf die germanische Mythologie.

Die Lieder-Edda erzählt in stabreimenden Liedern von Göttern und Helden. Die Helden werden hierbei oftmals als Hypostase der Götter verstanden.

Die Snorra-Edda ist eigentlich ein Lehrbuch für Skalden, beschreibt aber insbesondere im Abschnitt der Gylfaginning („König Gylfes Erscheinung“) ausführlich die Begebenheiten der germanischen Götterwelt.

Unter den Eddaliedern nehmen „Die Lieder des Hohen“ (an. Hávamál) eine besondere Stellung ein. Während die meisten Eddalieder rein mythologische Themen wiedergeben, enthalten „Die Lieder des Hohen“ („Der Hohe“ ist eine Bezeichnung für den Gott Wodan) neben mythologischen Inhalten vor allem Spruchweisheiten, die vielfach der ethischen Orientierung dienen.
Abgesehen von der Edda werden auch andere literarische Quellen, u. a. die Germania des Tacitus, die nordische Sagaliteratur und Volkssagen konsultiert. Die Gesta Danorum des Saxo Grammaticus ist eine weitere wichtige Quelle, die oft außer Acht gelassen wird. Die Götter werden als Menschen, die in der Vorzeit lebten, dargestellt und verlieren somit ihren mythologischen Charakter. Er behandelt zum Teil die gleichen Mythen wie die Edda, z.B. Baldurs Tod, aber die Erzählungen weichen deutlich von der Edda ab. Obwohl einige Wissenschaftler Saxos Version der Mythen für ursprünglicher halten als die der Edda, finden seine Mythen unter Asatru weniger Beachtung, da Saxo Grammaticus dem mythologischen Stoff nicht wohlgesinnt war.

Geschichte

Island

1972 wurde die Ásatrú in Island als offizielle Religion anerkannt. Begründer der isländischen Bewegung „Ásatrúarfélagið“ war der Dichter Sveinbjörn Beinteinsson. [4] Seiner Ansicht nach war Ásatrú, die auf Island immer noch am tiefsten kulturell verwurzelte Religion, die der Landesnatur am besten entsprach. Beinteinssons Bestrebungen Ásatrú als eine dem Christentum gleichberechtigte Religion auf Island anerkennen zu lassen sind zum Teil auch als eine Reaktion auf die Anfang der 70er Jahre wachsenden Mitgliederzahl der "Kinder Jesu" (einer christlichen Sekte) zu verstehen. [6] Der heutige Allsherjargoði der„Ásatrúarfélagið“ ist Hilmar Örn Hilmarsson, der auch als Komponist einen guten Ruf genießt und unter anderem Filmmusik komponiert.

Am 3. Apríl 2006 wurde mit dem Reykjavíkurgoðorð eine weitere Asenglaubensgemeinschaft vom isländischem Staat anerkannt. [7] Das Reykjavíkurgoðorð wurde von Jörmundur Ingi Hansen einem ehemaligen Allsherjargoði der Ásatrúarfélagið gegründet.

Schweden

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde durch den Zusammenschluss der Wikingergruppe „Tor Hjälpe“, der Seið-Gruppe Yggdrasill und anderer Gruppierungen die heutzutage größte schwedische Ásatrú-Verbindung, Sveriges Asatrosamfund, gegründet. Nahezu parallel hierzu gründete sich die Samfäldigheten för Nordisk Sed als Dachverein für fünf Lokalgruppen (sog. Gäll), die sich aus hier nicht weiter aufgeführten Gründen nicht im Sveriges Asatrosamfund organisieren wollten. Im Jahre 1999 begann unter Keeron Ögren eine Umorganisation im Sinne einer verstärkten Zentralisierung des anfänglichen Dachvereins entsprechend der neuen gesetzlichen Richtlinien der schwedischen Regierung für Glaubensgemeinschaften. Infolge dieser Umstrukturierungen trennte sich das sogenannte Torsåker Gäll aus der Samfäldigheten för Nordisk Sed und löste sich später ganz auf.[8]

Norwegen

In Norwegen gründete sich Anfang der 1980er Jahre auf Initiative von Egil Haraldson Stenseth die Åsatrosamfundet Bifrost, welche sich allerdings bis zum Ende der 1980er Jahre wieder auflöste. 1993 gelang es Egil Haraldson Stenseth in Zusammenarbeit mit Katrine Åstorp, die auf Island den damaligen Allsherjagoden und Stifter der Ásatrúarfélagið, Sveinbjörn Beinteinsson, kennengelernt hatte, die Åsatrosamfundet Bifrost wiederzubeleben. 1996 wurde die Åsatrosamfundet Bifrost offiziell von der norwegischen Regierung als Glaubensgemeinschaft anerkannt.

1997 wurde der von Island nach Norwegen umgezogene Jón Júlíus Fillippusson Mitglied in der Åsatrosamfundet Bifrost. Aufgrund interner Divergenzen verließ er sie jedoch nach nur einem Jahr und gründete mit fünf weiteren ehemaligen Bifrost-Mitgliedern die Foreningen Forn Sed. 1999 wurde die Foreningen Forn Sed gleichfalls von der norwegischen Regierung als Glaubensgemeinschaft offiziell anerkannt.[8]

Dänemark

Zum neunjährigen Bestehen von Forn Siðr (Dänemark) wurde ein Runenstein gesetzt

Auch in Dänemark schlossen sich zunächst 12 Personen insbesondere aus verschiedenen Wikingergruppen im Namen der Ásatrú zusammen, was zur Gründung der Forn Siðr – Asa- og Vanetrosamfundet i Danmark am 15. November 1997 führte. Nach längerem Rechtsstreit wurde Forn Siðr am 6. November 2003 vom dänischen Kirchenministerium offiziell als Glaubensgemeinschaft anerkannt.[9]

Deutschland

Ein Wiederaufleben des „alten Glaubens“ war in Deutschland schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu beobachten, als mehrere germanisch-heidnische Gemeinschaften entstanden; 1913 schlossen sich auf Initiative des Malers und Dichters Ludwig Fahrenkrog mehrere dieser Gemeinschaften zur Germanischen Glaubens-Gemeinschaft (GGG) zusammen. Sie bestand bis 1964.[10]

Die 1991 als Verein in Berlin neu eingetragene Germanische Glaubens-Gemeinschaft[11] ist Rechtsnachfolger der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft Ludwig Fahrenkrogs[12] [13] und sieht sich in ungebrochener Tradition mit der früheren Organisation, ohne an ihre völkischen Grundlagen anzuknüpfen.[11] „Andererseits betonte sie [die GGG] 1995 in einem Schreiben an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin ausdrücklich, die 1991 in Berlin eingetragene GGG sei nicht Rechtsnachfolger der alten GGG Ludwig Fahrenkrogs, sondern habe den Zweck, den alten Vereinsnamen mit neuem Inhalt wiederaufleben zu lassen. Die neue GGG habe mit der 1964 gelöschten alten GGG nichts zu tun.“[14] Die Satzung des neugegründeten Vereins bekundet indes unter § 2: „Die Gemeinschaft ist ein religiöser Verein im Sinne der Verfassung Deutschlands. Sie wurde im Jahre 1907 begründet.“[15]

Im März 1995 wurde in Köln der Verein für Germanisches Heidentum e.V. (VfGH e.V.) zunächst als Schwesterorganisation des britischen Odinic Rites unter dem Namen „Odinic Rite Deutschland e.V.“ (ORD) gegründet.[16] Im April 2006 erhielt der Verein auf einstimmigen Mitgliederbeschluss seinen heutigen Namen.[17]

Im allgemein heidnisch orientierten Rabenclan e.V.[18] organisierte sich 1997 die seither unabhängige Ásatrú-Gruppe Nornirs Ætt.[19] Die Nornirs Ætt ist überregional organisiert, unterhält aber auch mehrere Untergruppen, die als regionale Thinggemeinschaften „Fylki“ genannt werden. Sie besitzt keine gültige Rechtsform, sondern ist ein basisdemokratischer Zusammenschluss von Freunden.[19] Diese Ásatrú-Organisation ist vor allem für ihre langjährige Aufklärungsarbeit gegen rechtsextreme oder rassistische Einflussnahme auf die Ásatrú-Szene bekannt.[20]

Im August des Jahres 2000 gründete sich mit dem Eldaring e.V. ein weiterer Verein mit dem Ziel, Ásatrú zu leben.[19] 2002 erfolgte beim Amtsgericht Trier die Eintragung als eingetragener Verein.[19] Der Eldaring hält gute Beziehungen zum dänischen Forn Siðr – Asa- og Vanetrosamfundet, zur norwegischen Åsatrosamfundet Bifrost sowie zum niederländischen Het Rad und ist heutzutage der wohl mitgliederstärkste Verein dieser Art in Deutschland.[21]

Strömungen

Folketro/Funtrad

Die Folketro (folkloristischer Glaube) ist eine Richtung innerhalb der Ásatrú, die ihre Grundlage in erster Linie in dem jeweiligen regionalen Volksbrauchtum sieht. Brauchtumselemente wie Volkstänze und Volkslieder mit (z. T. nur fadenscheinigen) vorchristlich-heidnischen Wurzeln werden aufgegriffen und in einem neuen bzw. alten Kontext betrachtet.
Vertreter der Folketro sind insbesondere die beiden Vereinigungen Foreningen Forn Sed in Norwegen und Samfäldigheten för Nordisk Sed in Schweden.

Stringent werden von den Vertretern der Folketro Einflüsse aus New Age, Wicca und den thelemischen Lehren Aleister Crowleys abgelehnt. Die Folketro wird aufgrund dieser Haltung von ihren Kritikern auch als „Funtrad“, was eine Abkürzung für „Fundamentalistisk Traditionalisme“ ist, bezeichnet.[8]

Die Frage des Universalismus

Insbesondere im angloamerikanischen Sprachraum unterscheidet man zwischen universalist- und folkish-Ásatrú.

Anhänger des Universalismus sind der Überzeugung, dass das Ausleben des Ásatrú eine Willensentscheidung sei und somit unabhängig von nationaler und ethnischer Zugehörigkeit jede oder jeder diesen Glauben annehmen könne.

Anhänger des ethnischen bzw. völkischen Zweiges (engl. „folkish“) hingegen vertreten die Ansicht, dass Ásatrú die ethnische Religion der Germanen ist. Religion ist ihrer Meinung nach eine Frage der Vererbung und des Blutes. Hier bestehen mögliche Anknüpfungspunkte des Rechtsextremismus. Dies wird von vielen Anhängern jedoch zurückgewiesen, da es ihnen fern läge, andere Ethnien zu diskriminieren, die dementsprechend ihre überlieferte Religion ausleben sollten. Einige Gruppen betreiben diesbezüglich auch eigene, als Aufklärung verstandene Projekte, die in der Szene kontrovers diskutiert werden, so z. B. das Ariosophie-Projekt der Nornirs Ætt oder die Schriften des Rabenclans.

Die Einteilung in die universalistische oder ethnische/völkische Ausrichtung ist definitorisch problematisch und auch unter den Anhängern der Ásatrú stark umstritten. So wurde z. B. eine dritte Strömung definiert: Das tribalist-Ásatrú, welches sich auf die kulturelle Komponente der germanischen Überlieferung bezieht und sich von ethnischen Merkmalen einerseits und weltweiten Anspruch andererseits abgrenzt. Von vielen Praktizierenden des Ásatrú wird jegliche Unterteilung als nicht anwendbar zurückgewiesen.[22]

Einzelnachweise

  1. Gunndarsson, Kveldulf, 2006 "Alfs, Dwarves, Land-Wights, and Huldfolk" in "Our Troth". BookSurge Publishing
  2. Snorri Sturulson, Heimskringla, History of the Kings of Norway,, transl. L.M. Hollander, University of Texas Press, Heimskringla
  3. Karl-Heinz Hesmer: Flaggen und Wappen der Welt. Geschichte und Symbolik der Flaggen und Wappen aller Staaten. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1992. ISBN 3-570-01082-1
  4. a b Netzauftritt der isländischen Ásatrúarfélagið (isländisch, englisch und deutsch)
  5. Karl Weinhold (Monatsnamen, S. 58f)
  6. Gisela Graichen, "Die neuen Hexen", Hoffmann und Campe Verlag Hamburg 1986, S. 283ff.
  7. http://www.hagstofa.is/temp/Dialog/Footnote.asp?File=MAN10001.px&path=../Database/mannfjoldi/Trufelog/&ti=Mannfj%F6ldi+eftir+tr%FAf%E9l%F6gum+1990-2007+++&lang=3&ansi=1&noofvar=3
  8. a b c Grølheims Dokumentationsseite (dänisch)
  9. Netzauftritt der Forn Siðr – Asa- og Vanetrosamfundet (dänisch)
  10. Artikel über die GGG in einer Broschüre der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Berlin, S. 41-44, hier: S. 41.
  11. a b Nils Grübel und Stefan Rademacher: Religion in Berlin. Ein Handbuch. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 523.
  12. Stefanie v. Schnurbein: Göttertrost in Wendezeiten. Claudius Verlag, München 1993, S. 44.
  13. Relinfo: Germanische Glaubensgemeinschaft (GGG)
  14. Artikel über die GGG in einer Broschüre der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Berlin, S. 41-44, hier: S. 41-42.
  15. Artikel über die GGG in einer Broschüre der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Berlin, S. 41-44, hier: S. 41.
  16. Relinfo: Odinic Rite
  17. Netzauftritt des Vereins für Germanisches Heidentum e.V. (deutsch)
  18. Nils Grübel und Stefan Rademacher: Religion in Berlin. Ein Handbuch. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 520.
  19. a b c d Nils Grübel und Stefan Rademacher: Religion in Berlin. Ein Handbuch. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 524.
  20. Netzauftritt der Nornirs Ætt (deutsch)
  21. Netzauftritt des Eldaringes (deutsch)
  22. http://www.eldaring.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=8 Eldaring zum Thema Folkish und Universalist

Literatur

  • Freya Aswynn: Die Blätter von Yggdrasil. Ed. Ananael, Wien 1991, ISBN 3-901134-01-8.
  • GardenStone: Germanischer Götterglaube. Asatru − eine moderne Religion aus alten Zeiten. Arun Verlag, Engerda 2003, ISBN 3-935581-40-8.
  • Andrea Haugen: Die Alten Feuer von Midgard. Berlin 2003, ISBN 3-935684-01-0.
  • Géza von Neményi: Götter, Mythen, Jahresfeste - Heidnische Naturreligion, Kersken-Canbaz, Bergen, November 2004, ISBN 3-8942-3125-4.
  • Fritz Steinbock: Das heilige Fest. Rituale des traditionellen germanischen Heidentums in heutiger Zeit. Junker, Hamburg 2004, ISBN 3-938432-00-4.

Siehe auch

Weblinks


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