Omar Bradley
Omar Bradley

Omar Nelson Bradley (* 12. Februar 1893 in Clark, Missouri; † 8. April 1981 in New York City) war ein US-amerikanischer General of the Army und einer der führenden Kommandeure der US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg in Nordafrika und Europa.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Vor dem Ersten Weltkrieg

Bradley während seiner Studienzeit in West Point

Bradley wuchs als Sohn eines Lehrers in einfachen Verhältnissen in der Nähe von Clark auf. Er besuchte örtliche Schulen und wollte zunächst versuchen, sich in der Universität von Missouri einzuschreiben. Man riet ihm jedoch, es mit der Militärakademie in West Point zu versuchen. Bradley erzielte den ersten Platz bei den Eignungstests in seiner Region und begann sein Studium 1911. Seinen Abschluss machte er 1915, in einer Klasse, aus der 59 künftige Generale hervorgingen, unter anderem Dwight D. Eisenhower. Militärhistoriker nennen sie „the class the stars fell on“ (zu Deutsch etwa die Klasse, auf die die Sterne fielen, in Anspielung auf den Stern als Rangabzeichen der Generale).

Erster Weltkrieg

Omar Bradley wurde in das 14. US-Infanterieregiment versetzt, ist aber wie viele seiner Kameraden nicht im Ersten Weltkrieg in Europa eingesetzt worden. Stattdessen erhielt er eine Reihe von Aufgaben in der Heimat. Er wurde 1915 an der mexikanischen Grenze eingesetzt. Beim Kriegseintritt der USA 1917 wurde er zum Captain befördert, bekam aber einen Posten in Montana. Bradley wurde im August 1918 in die 19. US-Infanteriedivision versetzt, die nach Europa ausrücken sollte. Die Influenza-Pandemie (Spanische Grippe) und der Waffenstillstand hielten ihn aber davon ab, die USA zu verlassen.

Zwischenkriegszeit

Zwischen den Weltkriegen lehrte und studierte Bradley. Von 1920 bis 1924 lehrte er Mathematik in West Point. Er wurde 1924 zum Major befördert und nahm am Kurs für fortgeschrittene Infanterie in Fort Benning (Georgia) teil. Nach einer kurzen Dienstzeit in Hawaii studierte er von 1928 bis 1929 an der Command and General Staff College in Fort Leavenworth. Ab 1929 lehrte er wieder in West Point, nur unterbrochen 1934 von einem Studium am Army War College. Er wurde 1936 zum Lieutenant Colonel befördert und diente ab 1938 im Kriegsministerium.

Zweiter Weltkrieg

(von l. n. r.:) Bradley, Gerow, Eisenhower und Collins

Im Februar 1941 wurde Bradley zum Brigadier General befördert und erhielt ein Kommando in Fort Benning. Im Februar 1942 übernahm er das Kommando der 82. US-Infanteriedivision und wechselte im Juni zur 28. US-Infanteriedivision.

Sein erstes Frontkommando erhielt Bradley erst Anfang 1943 nach der Operation Torch. Ihm sollte der Befehl über das VIII. US-Korps übergegeben werden. Stattdessen wurde er dann aber nach Nordafrika gesandt, um unter Eisenhower und Patton zu dienen. Bradley war im April 1943 Befehlshaber des II. US-Korps und führte es in den entscheidenden Schlachten im April und Mai, in denen kurz vor Bizerta 40.000 deutsche Soldaten gefangen genommen und kurz danach der Tunesien-Feldzug gestoppt wurde. Dies half den Amerikanern, den Ausgang der Schlacht am Kasserine-Pass nachträglich etwas besser zu verkraften.

Im Juli 1943 landete Bradleys II. Korps als Teil von Pattons 7. US-Armee während der Operation Husky auf Sizilien. Aufgrund einer persönlichen Entgleisung Pattons während dieser Kampagne wurde später nicht dieser, sondern Bradley als Befehlshaber der amerikanischen Truppen beim Angriff auf die Normandie ausgewählt.

J. Lawton Collins (rechts) mit Omar N. Bradley nahe Cherbourg

Während der Operation Overlord Anfang Juni 1944 führte er die 1. US-Armee, die an den Stränden mit den Codenamen Utah und Omaha eingesetzt wurden. Die Armee nahm in der Folgezeit unter anderem Cherbourg ein. Im Juli plante Bradley die Operation Cobra, einen US-amerikanischen Ausbruchsversuch aus dem Brückenkopf Normandie, der auch zum größten Teil gelang. Am 26. Juli gelang ihm dadurch bei Saint-Lô der entscheidende Durchbruch, der es den Truppen der 3. US-Armee und anderen alliierten Truppen erlaubte, fast zwei deutsche Armeen im sogenannten Kessel von Falaise einzuschließen. Anfang August übernahm Bradley die Führung der 12. US-Heeresgruppe in Nord-Frankreich, die mit 21 Divisionen und insgesamt 900.000 Soldaten die größte Truppenansammlung war, die je von einem US-General befehligt wurde.

Die alliierte Militärführung sah anfänglich nicht vor, Paris zu erobern. Nach Aufständen durch Zivilisten und Résistance in der Stadt wurden die Alliierten jedoch dazu bewegt, einzugreifen. Eisenhower beauftragte Bradley damit, in die Stadt einzumarschieren, wofür er zwei Divisionen ansetzte (Schlacht um Paris). Paris kapitulierte am 26. August.

Die Armeen der 12. Heeresgruppe erreichten im September den Westwall. Anders als von Bradley vorgeschlagen, entschied sich Eisenhower zu diesem Zeitpunkt, die nächste alliierte Offensive im Norden der Front zu führen (Operation Market Garden). Nach der Abwehr der deutschen Ardennenoffensive im Dezember 1944/Januar 1945 konnten Bradleys Armeen im März nach der Eroberung der Brücke von Remagen den Rhein überqueren und erreichten im April die Elbe. Zum Zeitpunkt der deutschen Kapitulation gehörten Bradleys Heeresgruppe vier amerikanische Armeen mit zusammen 1,3 Millionen Soldaten an.

Nachkriegszeit

General Omar N. Bradley (Gemälde von Clarence Lamont MacNelly)

Bradley war zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs der Leiter der United States Department of Veterans Affairs. Ihm wird zugeschrieben, dass er viel investiert hat, um das Gesundheitssystem des Departments zu verbessern und dass er den Veteranen geholfen hat, ihre Bildungslücken (→ G. I. Bill of Rights) zu verbessern. Er wurde 1948 zum Chief of Staff of the Army, sowie ein Jahr später zum offiziellen ersten Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs („Chairman of the Joint Chiefs of Staff“) ernannt. Am 22. September 1950 wurde Bradley zum General of the Army, dem höchsten Rang der US Army befördert und war damit der fünfte - und letzte - Mann im 20. Jahrhundert, der diesen Rang erhielt. Im gleichen Jahr ernannte man Bradley zum Vorsitzenden des NATO-Komitees. In diesem Komitee verblieb er bis zum August 1953, als er den aktiven Militärdienst verließ, um einige Positionen in der Privatwirtschaft zu übernehmen. Eine dieser Positionen war der Vorsitz im Vorstand der „Bulova Watch Company“, den er im Jahr 1958 begann und 1973 beendete.

1951 veröffentlichte er seine Memoiren unter dem Titel „A Soldier's Story“ und machte sich die Auffassung zu eigen, dem britischen Feldmarschall Bernard Montgomery wegen seiner Angaben aus dem Jahre 1945, die Ardennenschlacht gewonnen zu haben, zu widersprechen. 1966 heiratete er Esther Dora Buhler. Fast vier Jahre später nahm er als militärischer Berater bei der Erstellung von Franklin J. Schaffners Oscar-prämierten Film Patton – Rebell in Uniform (1970) teil, in dem er von Karl Malden dargestellt wird.

Eine seiner letzten Aktivitäten in der Öffentlichkeit tätigte Bradley im Januar 1981 bei der Amtseinführung Ronald Reagans. Bradley verbrachte die letzten Jahre seines Lebens auf einer Spezial-Residenz im William Beaumont Army Medical Center in Texas.

Omar Nelson Bradley verstarb am 8. April 1981. Seine Beisetzung fand mit vollen militärischen Ehren am 14. April auf dem Nationalfriedhof Arlington statt. Die Panzer M2 Bradley und M3 Bradley wurden nach ihm benannt.

Bradley war Freimaurer und wurde 1923 in der West Point Loge Nr. 877, Highland Falls, New York, zum Meister erhoben.

Literatur

Omar N. Bradley: A Soldier's Story. ISBN 0375754210

Weblinks


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