Ashkenazi

Aschkenasim (hebr. אַשְכְּנַזִים‎, deutsch Aschkenasen, weitere Schreibweisen: Askenasim, Ashkenazim, Ashkenasim) ist die Selbstbenennung der West- und Ostjuden, die eine gemeinsame religiöse Tradition und Kultur verbindet. Während sich unter den Ostjuden und ihren weltweit verstreuten Nachkommen auch nach der Shoa der Gebrauch des Jiddischen erhalten hat, ist diese Sprache unter den deutschen und französischen Juden seit Mitte des 18. Jahrhunderts infolge der Haskala, der jüdischen Aufklärung, fast vollständig ausgestorben.

Die geschichtlich gewachsenen kulturellen und ethnischen Unterschiede zwischen aschkenasischen und sephardischen Juden machen diese beiden europäischen Hauptstränge des Diasporajudentums zu mehr oder weniger klar definierten jüdischen Identitäten. Israel vereint heute neben der aschkenasischen und sephardischen Linie auch das orientalische und äthiopische Judentum sowie israelische Araber zu einer multikulturellen Nation.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Die Bezeichnung „Aschkenas“ (hebr. אַשְכְּנַז‎) wurde aus nicht mehr vollständig nachvollziehbaren Gründen in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur auf Deutschland angewendet. In der Bibel trägt (in Genesis 10,3 und 1 Chronik 1,6) ein Sohn Gomers, Enkel Japhets und Urenkel des Noach diesen Namen. Sein Volk wurde in der Nähe des Berges Ararat verortet. In Jeremia 51,27 ruft der Prophet den Aschkenas und sein Volk auf, gegen Babylon zu ziehen und es zu zerstören.

Mit dem in der Bibel im Zusammenhang mit Mannäern und Urartu erwähnten Volk bzw. Königreich der Aschkenas sind jedoch nicht Juden, sondern vermutlich Skythen gemeint. Die Form Aschkenas beruht nach dieser These auf einem Schreibfehler, der auf eine Verwechslung der ähnlichen hebräischen Zeichen Waw (für "u") und Nun zurückgeht. Hinter dem biblischen Aschkenas steht die assyrische Form (A)sch-ku-zaa bzw. (I)sch-ku-zaa, was dem griechischen Skythai entspricht. [1] Da die Skythen Nachbarn und Verbündete der Mannäer (später auch der Assyrer) waren und wiederholt das Reich Urartu (Ararat) angriffen, hat diese These auch die Geographie für sich. Andererseits ist die Annahme eines Schreibfehlers notwendig. Dies führte zu einer anderen Identifikation mit den in griechischen Quellen genannten Askanioi, d.h. Phrygern. Dabei ist allerdings der Wortbestandteil -as problematisch, welcher als Gentilizium der Lykischen Sprache erklärt wird. [2]

Geschichte

Die ältere Forschung nahm teilweise an, dass die Aschkenasim von hebräischen Juden abstammten, die nach dem Aufstand von 70 n. Chr von der römischen Regierung in Mitteleuropa, vor allem entlang des Rheins angesiedelt wurden.

Die älteste nachweisbare jüdische Gemeinde war die Gemeinde von Köln, die seit dem Jahr 321 belegt ist.

Sie behielten im Laufe der Völkerwanderungszeit und des Mittelalters ihre Religion und Kultur bei, nahmen aber die deutsche Sprache auf, abgewandelt mit zahlreichen hebräischen Begriffen (Judäo-Deutsch), die mit hebräischen Zeichen geschrieben wurde.

Schum-Städte

Mainz wurde hierdurch zum religiös-kulturellen Mittelpunkt der drei SCHUM-Städte, jener drei Städte, die im Hebräischen von den drei Anfangsbuchstaben her zur Dreiheit zusammengefasst wurden – Speyer (Schpira für Spira), Worms (Waw für Warmaisa) und Mainz (Mem für Magenza) – und die die Geburtsstätten der askenasischen religiösen Kultur darstellen.

Kreuzzüge

Im Zuge der Kreuzzüge – und später vor allem während der Pestepidemie von 1349  – kam es im französischen und deutschen Sprachraum zu zahlreichen Pogromen gegen die dortigen jüdischen Gemeinden. Einige Überlebende flohen, vor allem nach Polen-Litauen, wo sie beim Aufbau der Wirtschaft mitwirkten und deshalb willkommen waren. In diesem Umfeld entwickelte sich Jiddisch, eine linguistisch vorwiegend auf dem Mittelhochdeutschen aufbauende Sprache mit hebräischen, aramäischen, baltischen und slawischen Elementen.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Vgl. Jørgen A. Knudtzon (Hg.): Assyrische Gebete an den Sonnengott für Staat und königliches Haus aus der Zeit Asarhaddons und Asurbanipals. Leipzig 1893, S. 131; Hugo Winckler: Altorientalische Forschungen 1. Leipzig 1893ff., S. 484ff.; zuletzt Rüdiger Schmitt: Das Skythische - eine altiranische Trümmersprache. In: Hermann Parzinger (Hrsg.): Im Zeichen des goldenen Greifen - Königsgräber der Skythen, Seite 300. München 2007.
  2. Vgl. Gustav Hölscher: Drei Erdkarten. Ein Beitrag zur Erdkenntnis des Hebräischen Altertums. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse 1944-48/3. Heidelberg 1949, S. 22, Anmerkung 9.

Literatur

  • Gerd Mentgen: Die Juden in den SCHUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz, in: DAMALS, 12/2004, S. 36-41.
  • Fritz Reuter: Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms, 1987, Jüdischer Verlag; erste Auflage, ISBN 978-3633540082

Weblinks


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