Asiatische Option

Eine Asiatische Option ist eine spezielle Form einer exotischen Option, deren Auszahlungsprofil bei der Ausübung von der Differenz zwischen dem Ausübungspreis und einem Durchschnittswert über vergangene Kurse des Basiswertes abhängt.

Inhaltsverzeichnis

Hintergründe

Die Bezeichnung als "Asiatische Option" ist weder über den Ausübungs-, noch über den Entstehungsort mit Asien verbunden. Vermutlich entstand die Bezeichnung, weil diese Art von Optionsscheinen zuerst vom Tokioter Büro des Bankers Trust gehandelt wurden.

Bezüglich der Ausübungsart können Asiatische Optionen sowohl vom amerikanischen als auch vom europäischen Typ sein.

Hauptmerkmal von Asiatischen Optionen ist, dass zum Ausübungstag der Wert der Option nicht durch den aktuellen Kurs des Basiswertes bestimmt wird, sondern über den Durchschnitt der Kurse bestimmter, in den Vertragsbedingungenen spezifizierter vergangenen Tage.

Asiatische Optionen eignen sich z. B. zum Absichern von Wechselkursrisiken, wenn ein Produkt zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt verkauft wird, die Produktions- und Herstellkosten jedoch verstreut bis zu diesem Zeitpunkt anfallen und dadurch einem kontinuierlichen Wechselkursrisiko unterliegen.

Typen Asiatischer Optionen

Man unterscheidet dabei mehrere Typen von asiatischen Optionen, die sich in der Art der Durchschnittsbildung voneinander unterscheiden:

Arithmetische Asiatische Optionen

Sei ein Basiswert (etwa eine Aktie oder ein Index) mit dem Kurs  (S_t),\; t \ge 0 gegeben. Eine arithmetische asiatische Call-Option auf den Basiswert mit einer Laufzeit T>0 ist ein Kontrakt, der den Käufer der Option das Recht gibt, sich zum Zeitpunkt T vom Verkäufer (auch Stillhalter genannt) einen bestimmten Betrag auszahlen zu lassen. Dieser Betrag ist die Differenz aus arithmetischen Mittelwert   \bar{S} des Kurses zu bestimmten Tagen im Zeitraum [0,T] und vereinbartem Basispreis X.   \bar{S} ist dabei definiert als

 \bar{S} = \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n S_{t_i} ,

wobei die Zeitpunkte  t_1, t_2, \ldots t_n die Tage sind, an denen für die Mittelung zu verwendenden Kurse festgestellt werden. Dies können Beispielsweise die letzten 10 Geschäftstage vor dem Ausübungstermin sein oder die Ultimos der letzten 3 Monate der Laufzeit.

Wie bei Optionen üblich, wird der Optionskäufer sein Recht auf Auszahlung normalerweise nur dann ausüben, wenn   \bar{S} - X ein positiver Betrag ist.

Eine arithmetische asiatische Put-Option funktioniert analog, nur ist hier der Auszahlungsbetrag X - \bar{S}, d. h. die Ausübung ist dann günstig, wenn der Durchschnittswert der Kurse unter dem Ausübungspreis X liegt.

Geometrische Asiatische Optionen

Die geometrische asiatische Option funktioniert dementsprechend, nur wird dabei anstatt des arithmetischen der geometrische Mittelwert zur Durchschnittsbildung herangezogen:

 \hat{S}= \left(\prod_{i=1}^n S_{t_i} \right)^{1 \over n}

Eine fundamentale Beziehung zwischen arithmetischer und geometrischer Option erkennt man, wenn man den Wert des Basiswertes logarithmiert, also  L_t := \ln(S_t)\ berechnet. Dann gilt nämlich

 \hat{S}= e^{ln(\hat{S})} = \exp \left( \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n \ln \left( S_{t_i} \right) \right) =e^{\bar{L}}.

Eine geometrische asiatische Call-Option auf S mit Basiswert X = 0 zahlt also genau das Exponentielle einer entsprechenden arithmetischen Option aus, die sich auf den Basisiwert L anstatt S bezieht. Diese Eigenschaft kann von Vorteil sein, da in vielen finanzmathematischen Modellen der Logarithmus des Kurses einfacher zu handhaben ist als der Kurs selbst.

Das geometrische Mittel stellt analog eine Approximation des Integrals  \exp \left( \frac{1}{T} \int_0^T \ln(S_t) \mathrm{d} t \right) dar. Mit Hilfe der Jensenschen Ungleichung lässt sich zeigen, dass stets  \hat{S} \le \bar{S} gilt. Dementsprechend muss die Prämie für eine geometrische Call-Option (Put-Option) stets geringer (höher) ausfallen als die Prämie für eine arithmetische Call-Option (Put-Option) derselben Laufzeit.

Bewertung von Asiatischen Optionen

In der Finanzmathematik ist man stets daran interessiert, den Erwartungswert der Auszahlung bezüglich eines bestimmten Wahrscheinlichkeitsmaßes zu berechnen. Dies ist bei pfadabhängigen Optionen, also solchen, bei denen die Auszahlung nicht nur vom Schlusskurs abhängt (dies ist beispielsweise bei normalen Call- und Put-Optionen der Fall), oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Das gilt für asiatische Optionen in verstärktem Maße, da diese, etwa bei dreijähriger Laufzeit und täglicher Beobachtung, die Berechnung eines Durchschnitts von über tausend voneinander abhängigen Zufallsvariablen bedeuten kann. In solchen Fällen hilft meist nur noch eine Monte-Carlo-Simulation zur Schätzung des Erwartungswertes.

Ein Ausweg hieraus kann oft die Strategie sein, statt des tatsächlich ausgezahlten Mittelwerts das tatsächliche Integral zu betrachten. In einigen Kapitalmarktmodellen wird S durch spezielle stochastische Prozesse modelliert, deren Integrale zumindest in ihrer Verteilung bekannt sind. Besonders oft ist dies bei der geometrischen asiatischen Option der Fall, da zumeist (beispielsweise in Lévy-Modellen)  S_t = e^{X_t} angenommen wird, wobei X ein "einfacher" Prozess ist. Im bekanntesten Kapitalmarktmodell, dem Black-Scholes-Modell, ist dies zum Beispiel eine Brownsche Bewegung.


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