Askanischer Platz
Askanischer Platz vor dem Anhalter Bahnhof, um 1910

Askanischer Platz heißt der Platz vor dem ehemaligen Anhalter Bahnhof, Stresemann- und Bernburger Straße bis Möckernstraße, im Berliner Ortsteil Kreuzberg des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.

Inhaltsverzeichnis

Vom Viehmarkt zum Bahnhofsvorplatz

Für den am 1. Juli 1841 in Betrieb genommenen Kopfbahnhof der Berlin-Anhalter Bahn wurde 1840 ein neues Stadttor, das Anhalter Tor, in die Akzisemauer eingefügt. Dieses stand etwa auf halbem Wege zwischen dem nördlicheren Potsdamer Tor und dem südlicheren Halleschen Tor an der Kommunikation, der heutigen Stresemannstraße. Der Platz vor dem Anhalter Tor erhielt nach dem Fall der um 1867 abgerissenen Zollmauer seine heutige Gestaltung.

Portalrest „Neues Anhalter Tor“, 2005

Die offizielle Namensnennung für das vom Viehmarkt zum Bahnhofsvorplatz aufgestiegene Areal erfolgte aber bereits 1844. Die Namensgebung war eine Reminiszenz an das Geschlecht der Askanier in Anhalt, deren Region nun auch per Eisenbahn mit Berlin verbunden war. Erinnern sollte der Name ferner an die Brandenburger Linie der Askanier, die 1157 mit Albrecht dem Bären die Mark Brandenburg gegründet und bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1320 regiert hatte. Die askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. hatten zudem im 13. Jahrhundert den Ausbau der späteren Doppelstadt Berlin-Cölln gezielt gefördert. Auch die umliegenden Straßen erhielten nun ihre Namen passend zum Bahnhof nach den Städten Bernburg, Dessau und Köthen in Anhalt.

Das Stadtgebiet um den Askanischen Platz mit dem belebten Anhalter Bahnhof und dem pulsierenden Potsdamer Platz war eine begehrte Berliner Adresse. Die imposante, 1880 eingeweihte neue Bahnhofshalle beherrschte ganz eindeutig das Stadtbild. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk jedoch schwer beschädigt und in den Jahren 1959/1960 schließlich bis auf einen Portalrest („Neues Anhalter Tor“) abgetragen.

Neue Zeiten – nüchterne Architektur

Nach dem Verschwinden der prunkvollen Architektur des Anhalter Bahnhofs kehrte rund um den Platz die Nüchternheit der neuen Zeit ein. Einer ihrer Vertreter ist das 1997 vom Architekturbüro HPP Hentrich, Petschnigg & Partner erbaute Büro- und Wohnhaus am Askanischen Platz Ecke Schöneberger Straße.

Das Gebäude zeigt zwei Gesichter: Hohe französische Fenster prägen die Front an der Schöneberger Straße, horizontal strukturierte, übereinander liegende Büroetagen die Front auf der Platzseite. Zwischen herausragenden Treppentürmen treten die begrünten Terrassen zweigeschossiger Maisonette-Wohnungen hervor.

Aufbruchstimmung macht sich breit

Das im Jahr 2002 fertiggestellte Neue Tempodrom auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs hat der Stadtentwicklung im Quartier unverkennbar Auftrieb gegeben. Hotels schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden; die Berliner Morgenpost sprach von „Aufbruchstimmung“ und berichtete:

„Erst vergangene Woche kündigte die ‚Bundeszentrale der Angestellten-Krankenkassen‘ den Umzug zum Askanischen Platz an, an der Ecke Stresemann- /Erna-Berger-Straße baut das Bundesumweltministerium, das neue ‚Dokumentationszentrum der Vertriebenen‘ zieht ins ‚Deutsche Haus‘ an der Ecke Stresemann- /Anhalter Straße“

Berliner Morgenpost vom 4. Januar 2008

Der Verlag des Tagesspiegels mit seinen Töchtern zitty und Zweite Hand bezogen im Oktober 2009 ihr neues Domizil am Askanischen Platz 3 zusammen mit der Redaktion von Zeit Online. Alle gehören zum Holtzbrinck-Verlag.

Der aktuelle Trend deutete sich schon im 1998 bis 2000 durchgeführten Umbau des in unmittelbarer Nähe (Stresemannstraße 92) liegenden Europahauses an. Das unter Denkmalschutz stehende dreiteilige Gebäudeensemble aus den 1920er-Jahren beherbergt unter anderem die Hauptverwaltung des Entwicklungshilfeministeriums, eine Kontaktstelle des Robert Koch-Instituts sowie die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost.

Literatur

  • Markus Sebastian Braun (Herausgeber): Berlin – Der Architekturführer. Verlagsgruppe Econ Ullstein List, München 2001, ISBN 3-88679-355-9, S. 252.

Weblinks


52.50413.381666666667

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Potsdamer Platz — Major buildings at Potsdamer Platz from the air in 2004 …   Wikipedia

  • Berlin Anhalter Bahnhof — The Anhalter Bahnhof is a former railway terminus in Berlin, Germany, about 600 m south east of Potsdamer Platz. Although it closed more than half a century ago, the name lives on at a nearby station on the city s S Bahn network and also covered… …   Wikipedia

  • Von der Hude & Hennicke — Theaterarchitektur: Das Lessingtheater am Friedrich Karl Ufer, 1888 Hotelarchitektur: Das Hotel Kaiserhof am Wilhelmplatz …   Deutsch Wikipedia

  • B 1a — Basisdaten Gesamtlänge: 778 km Bundesländer: Nordrhein Westfalen Niedersachsen …   Deutsch Wikipedia

  • Bundesstraße 1 (Aachen) — Basisdaten Gesamtlänge: 778 km Bundesländer: Nordrhein Westfalen Niedersachsen …   Deutsch Wikipedia

  • Bundesstraße 1a — Basisdaten Gesamtlänge: 778 km Bundesländer: Nordrhein Westfalen Niedersachsen …   Deutsch Wikipedia

  • Bundesstraße 1 — Vorlage:Infobox hochrangige Straße/Wartung/DE B Bundesstraße 1 in Deutschland Karte …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Kreuzberg — Übersichtskarte von Kreuzberg mit ausgewählten Straßen Die Liste der Straßen und Plätze in Berlin Kreuzberg beschreibt das Straßensystem im Berliner Ortsteil Kreuzberg mit den entsprechenden historischen Bezügen. Gleichzeitig ist diese Liste ein… …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrichstadt-Erweiterungen — Wappen Karte Wappen der Friedrichstadt Die historische Fri …   Deutsch Wikipedia

  • Südliche Friedrichstadt — Wappen Karte Wappen der Friedrichstadt Die historische Fr …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”