Organspende

Organspende bezeichnet das zur Verfügung stellen von Organen eines lebenden oder verstorbenen Menschen zur Transplantation. Für beide Formen der Organspende gelten gesetzliche Regelungen, die in den verschiedenen Staaten unterschiedlich ausfallen. Voraussetzung für eine postmortale Organspende ist aber immer die eindeutige Feststellung des Hirntodes.

Die Gesetzgebung in Deutschland hat mit dem Transplantationsgesetz den rechtlichen Rahmen für die Organspende nach dem Tode sowie für die Lebendspende geschaffen.

Inhaltsverzeichnis

Voraussetzungen zur Organspende

Altersgrenzen

Gemäß § 2 Abs. 2 Satz 3 des Transplantationsgesetzes können Personen ab dem vollendeten 16. Lebensjahr eigenständig in eine Organspende einwilligen oder die Übertragung der Entscheidung auf Dritte wirksam erklären sowie ab dem vollendeten 14. Lebensjahr einer Organspende widersprechen.

Eine Höchstaltersgrenze für die Organspende existiert nicht. Die Eignung der Organe und Gewebe zur Transplantation muss im Einzelfall medizinisch geprüft werden.[1]

Transplantierbare Organe

Nach dem heutigen Stand der medizinischen Entwicklung können relativ viele Organe des menschlichen Körpers transplantiert werden. Man unterscheidet dabei zwischen Organen, welche nur durch eine Todspende entnommen werden können und solchen, die durch eine Lebendspende übertragbar sind.

Bei der Lebendspende spendet ein lebender Mensch einem anderen Menschen das notwendige Organ oder die erforderlichen Zellen. Dies sind entweder paarig oder segmenthaft angelegte Organe oder Organe mit einer hohen Regenerationsfähigkeit. Hierzu zählen beispielsweise die Nieren, die Leber und reproduzierbare Zellen oder Gewebe wie Blut, Knochenmark, oder Eizellen. Das Alter der Spender ist dabei weniger relevant als der Zustand der Organe, jedoch wird nur sehr selten jenseits des vollendeten 70. Lebensjahres gespendet.[2]

Von Toten können folgende Organe und Gewebe transplantiert werden: Bauchspeicheldrüse, Blutgefäße, Darm, Gehörknöchelchen, Haut, Herz, Herzklappen, Hornhaut der Augen, Knochengewebe, Knorpelgewebe, Leber, Lunge, Niere, Sehnen und Teile der Hirnhaut.

Organspende nach dem Tod

In Deutschland können Verstorbenen Organe zur Transplantation entnommen werden, wenn der Hirntod sicher nachgewiesen ist und eine Zustimmung vorliegt.

In Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungslösung, das heißt man kann die Zustimmung zur Organspende zu Lebzeiten zum Beispiel in einem Organspendeausweis dokumentieren. Liegt bei einem Verstorbenen keine dokumentierte Entscheidung zur Organspende vor, so müssen die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entscheiden.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die bundesweite Koordinierungsstelle für die Organspende nach dem Tod. Die DSO organisiert alle Schritte des Organspendeprozesses einschließlich des Transports der Organe zu den Empfängern. Dazu sind bundesweit fast 70 Koordinatoren der DSO im Einsatz. Sie unterstützen das Personal in den Krankenhäusern im Ablauf der Organspende.

Liegt eine Einwilligung zur Organentnahme vor, so schickt der Koordinator vor Ort Blutproben des Verstorbenen zur Laboruntersuchung. Die Blutgruppe und Gewebemerkmale werden bestimmt. Beides sind wichtige Daten für die Vermittlung der entnommenen Organe. Außerdem wird geklärt, ob bei dem Verstorbenen Infektionen oder Tumorerkrankungen vorliegen, die den Organempfänger gefährden könnten.

Die ermittelten Werte gehen an die Vermittlungsstelle Eurotransplant. Ein spezielles Computerprogramm gleicht hier die Daten der Spenderorgane mit allen Empfängern auf der Warteliste ab. Die Vermittlung der Organe erfolgt nach rein medizinischen Gesichtspunkten.

Sobald feststeht, wohin die entnommenen Organe gehen, organisiert der Koordinator in Absprache mit dem Krankenhaus und den entsprechenden Transplantationszentren die Organentnahme. Er sorgt für den Transport der Entnahmeteams und der entnommenen Organe. Der Verstorbene kann anschließend bestattet werden. Die Angehörigen erfahren nicht, wer die gespendeten Organe erhalten hat. Sie können sich aber über den Koordinator erkundigen, wie es den Transplantierten geht.

Hirntodfeststellung

Ursachen für den irreversiblen Ausfall der Gehirnfunktionen, den Hirntod, sind unter anderem schwere Kopfverletzungen, Hirnblutungen, Schlaganfall, akuter Hydrozephalus, maligne Hirntumoren, oder Schädigung des Gehirns durch Sauerstoffmangel (Hypoxie), Kreislaufstillstand und Schock. Es muss sicher ausgeschlossen werden, dass nicht nur scheinbar ein Hirntod vorliegt, z. B. durch Vergiftung, neuromuskuläre Blockaden, Unterkühlung, oder endokrines/metabolisches Koma.

Die Feststellung des Hirntods erfolgt durch mindestens zwei unabhängige Ärzte, die über eine mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen verfügen müssen und nicht dem Entnahme- oder Transplantationsteam angehören dürfen.

Der Hirntod kann bei primär supratentorieller (Großhirn-)Läsion durch klinische Untersuchungen festgestellt werden (Koma, Fehlen aller Hirnstammreflexe und Ausfall der Spontanatmung). Diese Beobachtungen müssen über mindestens zwölf Stunden (bei primärem Hirnschaden) beziehungsweise mindestens 72 Stunden bei sekundären Hirnschäden wiederholt nachgewiesen werden. Alternativ sind auch technische Untersuchungen zum Nachweis der Irreversibilität möglich und üblich: entweder ein Null-Linien-EEG über mindestens 30 Minuten, oder beidseits erloschene evozierte Potenziale, oder der Nachweis der fehlenden Hirndurchblutung mittels Doppler-Sonographie oder Perfusionsszintigraphie. Bei primär infratentorieller (Hirnstamm, Kleinhirn) Läsion ist eine apparative Zusatzuntersuchung (EEG oder Nachweis des Durchblutungsstillstands im Gehirn) obligat. Die Bundesärztekammer veröffentlicht Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes.

Kontraindikationen

Eine Organspende verbietet sich dann, wenn der Spender an einem metastasierendem Krebsleiden, einer HIV-Infektion oder einer anderen aktiven und verbrauchenden Infektion, der Creutzfeld-Jacob-Erkrankung beziehungsweise anderen Prionen-Erkrankungen oder einer chronischen Organfunktionsstörung leidet.

Drogenabhängigkeit oder eine Infektion wie Hepatitis B, Hepatitis C und auch das Alter sind keine Kontraindikationen zur Organspende.

Lebendspende

Als häufigste Form der Lebendspende findet die Nierentransplantation statt, da dieses Organ im Körper paarweise vorhanden ist und somit der Spender seine Nierenfunktion nicht einbüßt. Ein weiteres Organ, bei dem Lebendspenden eine zunehmende Rolle spielen, ist aufgrund ihrer hohen Regenerationsfähigkeit die Leber. Diese wird allerdings nicht komplett, sondern nur teilweise gespendet.

Um bei der Lebendspende Organhandel zu verhindern, gelten in Deutschland folgende gesetzliche Regeln: Das Spenden eines Organs, das sich nicht wieder bilden kann, zu Lebzeiten ist nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, Lebenspartnern, Verlobten oder Personen, die dem Spender in persönlicher Verbundenheit nahe stehen, möglich. Der Spender muss volljährig und einwilligungsfähig sein. Er muss über die Art des Eingriffs, den Umfang und die möglichen, auch mittelbaren Folgen und Spätfolgen der beabsichtigten Organentnahme für seine eigene Gesundheit sowie über die zu erwartende Erfolgsaussicht der Organübertragung auf den Empfänger und alle sonstigen Umstände, denen er erkennbar eine Bedeutung für seine Organspende beimisst, durch einen Arzt in Anwesenheit eines anderen Arztes aufgeklärt werden. Der anwesende weitere Arzt darf an der Organentnahme nicht beteiligt sein. Der Inhalt der Aufklärung und der Einwilligung des Lebendorganspenders sind zwingend in einer Niederschrift aufzuzeichnen, die von dem aufklärendem Arzt, dem weiteren anwesenden Arzt und dem Spender selbst zu unterzeichnen ist. Diese Niederschrift muss auch Angaben zur versicherungsrechtlichen Absicherung der gesundheitlichen Risiken des Lebendspenders enthalten. Die Einwilligung kann schriftlich oder mündlich jederzeit widerrufen werden, hierüber ist der Lebendspender ebenfalls aufzuklären.[3]

Die Entnahme von Organen bei einem Lebenden darf außerdem erst durchgeführt werden, nachdem sich der Organspender und der Organempfänger zur Teilnahme an einer ärztlich empfohlenen Nachbetreuung bereit erklärt haben. Weiter ist Voraussetzung, dass die jeweils nach Landesrecht zuständige Kommission gutachtlich dazu Stellung genommen hat, ob begründete tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Einwilligung in die Organspende nicht freiwillig erfolgt oder das Organ Gegenstand verbotenen Handeltreibens ist.[4] Der Kommission muss ein Arzt, der weder an der Entnahme noch an der Übertragung von Organen beteiligt ist, noch Weisungen eines Arztes untersteht, der an solchen Maßnahmen beteiligt ist, eine Person mit der Befähigung zum Richteramt und eine in psychologischen Fragen erfahrene Person angehören. Einzelheiten der Zusammensetzung, zum Verfahren und zur Finanzierung der Kommission werden jeweils durch das Landesrecht bestimmt.

Gesetzliche Regelungen, Modelle der Organspende

Modelle im Überblick

Im Grundsatz muss unterschieden werden zwischen den vier nachfolgenden Modellen der Organspende. Diese treten dann in Kraft, wenn der Spender nicht aus eigenem Willen zuvor seine Bereitschaft bekundet hat, ein Organ spenden zu wollen. Die Regelungen werden momentan nicht einheitlich durchgesetzt, jeder Staat trifft seine eigenen Entscheidungen.

  • Widerspruchsregelung
  • Erweiterte Widerspruchslösung
  • Zustimmungslösung
  • Erweiterte Zustimmungslösung

Die Widerspruchsregelung (auch Widerspruchslösung) ist dabei die am Weitesten gefasste Regelung. Sie bestimmt, dass ein Verstorbener jederzeit als Spender in Frage kommt, es sei denn, er hat zu Lebzeiten ausdrücklich einer Spende widersprochen.

Die erweiterte Widerspruchsregelung umfasst zusätzlich noch das Recht, die Angehörigen nach dem Tod des potentiellen Spenders als Boten des Willens des Verstorbenen zu Lebzeiten zu akzeptieren.

Die Zustimmungslösung ist hingegen eine Regelung, bei welcher der Spender zu Lebzeiten erklärt haben muss, dass er Organspender werden will. Sie ist somit sehr eng gefasst, da eine ausdrückliche Willenserklärung vorliegen muss.

Bei der erweiterten Zustimmungslösung können nach dem Tod des Organspenders auch noch die Angehörigen zustimmen. Diese Regelung erweitert somit die Zustimmungslösung.

Neben diesen vier Modellen gibt es noch zwei weitere, seltenere Modelle: Die Informationslösung und die Notstandslösung.

Bei der Informationslösung gilt die Zustimmung eines potentiellen Spenders als vorausgesetzt, wenn er keine schriftliche Erklärung bei sich trägt, dass er kein Spender sein will. In diesem Fall müssen die Angehörigen des Spenders informiert werden. Diese haben allerdings ein Widerspruchsrecht.

Die Notstandslösung erlaubt die Entnahme von Organen auch beim Vorliegen eines Widerspruchs – ob vom Spender oder dessen Angehörigen – in jedem Fall.

Deutschland

In Deutschland hat sich nach ausführlicher Diskussion die erweiterte Zustimmungslösung etabliert, gesetzlich ausgestaltet im Transplantationsgesetz in der Fassung vom 1. Dezember 1997. Demnach dürfen die Organe eines Toten nur entnommen werden, wenn entweder der Verstorbene sich zu Lebzeiten für eine Organspende ausgesprochen hat oder die nächsten Angehörigen der Organentnahme zustimmen. Auch die Angehörigen sind dabei an den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gebunden.

Im Jahr 2002 hatten sich etwa 17 % der Organspender zu Lebzeiten für eine Spende ausgesprochen.[5]

Einige Befürworter der Organspende, wie die Bundesärztekammer oder der Nationale Ethikrat, sprechen sich aus unterschiedlichen Gründen für eine Änderung der gesetzlichen Regelung aus, um den Mangel an Spenderorganen in Deutschland abzuhelfen. So sollte ihrer Meinung nach eine Kombination von Erklärungs- und Widerspruchsregelung in die Gesetzgebung Eingang finden. Eine Erklärungsregelung besteht, wenn alle Bürger verpflichtet würden zu erklären, ob sie einer postmortalen Organentnahme zustimmen oder widersprechen, wobei auch die Möglichkeit eingeräumt werden kann, sich nicht zu äußern.[6]

Anlässlich des Forums Bioethik "Äußerungspflicht zur Organspende - Sollte der Staat verlangen, dass sich jeder erklärt?" im Deutschen Ethikrat erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Annette Widmann-Mauz: Ich meine, dass es auch für die Erklärung zur Organspende kein 'Muss' geben darf."[7]

Statistik

Verstorbene, bei denen der Hirntod nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt wurde und bei denen keine medizinischen Kontraindikationen vorlagen, sind potentielle Organspender. Bei 54 % davon kam es 2001 zu einer Organspende. Bei 39 % lag kein dokumentierter Wille des Verstorbenen vor und die Organspende wurde von den Angehörigen abgelehnt. In 4 % der Fälle kam es zu einem Kreislaufversagen. Von den Organspendern hatten im Jahr 2001 5,2 % einen Organspendeausweis und 8,8 % hatten ihren Willen anderweitig dokumentiert, in 78% der Fälle wurde die Organspende durch die Angehörigen legitimiert.[8]

Im Jahr 2009 wurden 1.888 potentielle Organspender gemeldet. Haben Angehörige bereits vor der Hirntodbestimmung ihre Ablehnung signalisiert, wird diese Person (seit 2006) nicht als potentieller Organspender gemeldet. In 565 Fällen davon wurde die Organspende im Angehörigengespräch abgelehnt. In 63 Fällen wurde die Organentnahme abgebrochen, da beispielsweise ein Tumor festgestellt wurde. In 24 Fällen lagen andere medizinische Gründe vor, in 19 Fällen andere Gründe. Es verblieben 1.217 tatsächliche Organspender. Das sind 64 %.[9]

Die Tabelle gibt eine Übersicht über durchgeführte Organspenden in Deutschland.[9] Im oberen Teil sind die postmortalen Spenden aufgeführt, es folgen die Lebendspenden.

Organ 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Niere 1902 1961 1992 1865 1851 1940 1865 2081 1974 2190 2246 2320 2167
Herz 479 507 482 441 370 374 348 339 355 366 385 377 369
Leber 535 549 581 590 589 608 610 700 779 844 917 1042 1007
Lunge 82 94 129 123 123 135 186 194 221 238 236 264 265
Pankreas (Bauchspeicheldrüse) 91 112 147 189 202 176 154 176 174 152 140 131 127
Dünndarm 6 6 5 3 1 6 10
Todspenden insgesamt 3089 3223 3331 3208 3135 3233 3169 3496 3508 3777 3925 4140 3945
Lebendspenden (Niere und Teilleber) 139 303 368 421 436 483 532 479 553 600 605 627 620
Insgesamt 3228 3526 3699 3629 3571 3716 3701 3975 4061 4377 4530 4767 4565

Die zweite Übersicht zeigt die Verteilung der Organspenden pro Millionen Einwohner, auf die Bundesländer verteilt.[9]



Bundesland

Anzahl
Organspenden
2008
je Million Einwohner
Baden-Württemberg 12,6
Bayern 14,5
Berlin 18,7
Brandenburg 14,2
Bremen 28,7
Hamburg 19,8
Hessen 8,7
Mecklenburg-Vorpommern 23,9
Niedersachsen 12,9
Nordrhein-Westfalen 14,4
Rheinland-Pfalz 13,1
Saarland 13,5
Sachsen 17,6
Sachsen-Anhalt 20,4
Schleswig-Holstein 13,4
Thüringen 19,3

Regelung in der DDR

In der DDR wurde die Organspende ab dem 4. Juli 1975 durch die „Verordnung über die Durchführung von Organtransplantationen“ geregelt[10].

Durch die Verordnung wurde die Widerspruchsregelung eingeführt. Damit war „die Organentnahme von Verstorbenen für Transplantationszwecke […] zulässig, falls der Verstorbene zu Lebzeiten keine anderweitigen Festlegungen getroffen hat“.[11] Ebenso wie heute war eine Beteiligung der Ärzte an der Transplantation ausgeschlossen, wenn diese vorher an der Feststellung des Todes beteiligt waren. Die Todesfeststellung selber geschah durch ein „Ärztekollektiv, das hierüber ein Protokoll anzufertigen“ hatte.

Eine Lebendspende wurde durch die Verordnung ebenso geregelt. Der Spender durfte seine Zustimmung davon abhängig machen, das Organ einer bestimmten Person zu transplantieren.[12]

Am 5. August 1987 wurde die Verordnung zur besseren materiellen Absicherung des Spenders neu geregelt, die neue Fassung trat am 1. Oktober 1987 in Kraft. Die Verordnung wurde faktisch durch den Einigungsvertrag zum 3. Oktober 1990 aufgehoben.

Österreich

In Österreich gilt ebenso wie in der damaligen DDR die Widerspruchsregelung. Die gesetzliche Grundlage dafür bietet seit 1957 das Krankenanstaltengesetz.[13]

Das österreichische Transplantationsrecht gilt auch für Ausländer, unabhängig von ihrem Herkunftsort. Deswegen sieht das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen als zentrale Widerspruchsstelle auch die Aufnahme von Ausländern in die (Nicht-)Spenderdateien vor.

Hauptartikel: Widerspruchsregelung

Schweiz

In der Schweiz hat im Jahr 2004 das Bundesparlament ein Transplantationsgesetz erlassen, welches am 1. Juli 2007 in Kraft getreten ist. Das Gesetz beruht auf einem entsprechenden Verfassungsartikel in der Bundesverfassung.[14] Die Schweiz ist europaweit eines der letzten Länder, welches ein Transplantationsgesetz eingeführt hat.

Das Gesetz sieht die erweiterte Zustimmungslösung vor. Patienten müssen also vor ihrem Tod ausdrücklich ihren Willen zur Spende erklärt haben. Liegt eine solche Willensäusserung nicht vor, entscheiden die Angehörigen.[15]

Vor dem Erlass des Transplantationsgesetzes erfolgte keine einheitliche Regelung der Transplantationsmedizin durch den Bund und die Kantone hatten die entsprechende Gesetzgebungskompetenz. Die kantonalen Regelungen waren allerdings uneinheitlich, so dass 1995 zwei Motionen eine gesetzliche Regelung auf Bundesebene forderten. Bis zur Einführung des Gesetzes wurde 1996 ein Bundesbeschluss über die Kontrolle von Blut, Blutprodukten und Transplantaten erlassen.[16]

Europa

Land Gesetzliche Regelung
Albanien, Kosovo, Kroatien Keine gesetzliche Regelung
Irland, Litauen, Malta Keine gesetzliche Regelung; praktiziert wird die erweiterte Zustimmungslösung.
Dänemark, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Niederlande, Rumänien, Schweiz, Türkei, Weißrussland Erweiterte Zustimmungslösung
Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn Widerspruchslösung
Belgien, Finnland, Frankreich, Italien, Ukraine, Lettland, Liechtenstein, Norwegen, Russland, Schweden, Zypern Erweiterte Widerspruchslösung
Bulgarien Nur im Notstand zulässig
Estland Entscheidung einer Kommission

Die unterschiedliche Rechtslage kann als der Hauptgrund dafür angesehen werden, dass in Ländern wie Spanien (27 Spender pro Mio. Einwohner und Jahr) und Österreich (24 Spender) mehr Organe „gespendet“ werden als in den Niederlanden (16 Spender) oder Deutschland (13 Spender). Das Schlusslicht in Europa bildet Griechenland mit 6 Spendern pro Millionen Einwohner und Jahr.[17]

Andere Staaten

Es gibt weltweit sehr viele Regelungen. Dies kann von keinerlei gesetzlicher Bestimmung bis hin zu einer detaillierten gesetzlichen Festsetzung gehen.[18]

In den USA beispielsweise ist die Zustimmungslösung eingeführt worden. Dies führt – ähnlich wie in Deutschland – zu einer großen Anzahl an Menschen, welche auf ein Spenderorgan warten. Die Warteliste hatte im Juni 2007 ein Länge von ungefähr 96.500 Erkrankten.[19]

In Entwicklungsstaaten ohne gesetzliche Regelung wird teilweise reger Organhandel betrieben; in diesem Fall ist allerdings nicht mehr von einer (auf freiwilliger Basis erfolgenden) Organspende die Rede.

Für viele weitere Länder existieren keine verlässlichen Zahlen.

Ethische Positionen, Kritik an der Organspende

Entwicklung der Warteliste für Nierentransplantationen und Transplantation von Organen toter und lebender Spender (Eurotransplant)

Die Organspende steht vielfach in der Kritik. Dabei geht es einerseits um gesundheitliche Fragen, andererseits um gesetzliche Regelungen sowie ethische Aspekte.

  • Weltweit wird auf zunehmenden Mangel an Spenderorganen und die entsprechend langen Wartelisten hingewiesen. Die Angaben über die Wartezeiten für eine Spenderniere in Deutschland variieren; sie sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und betrugen Anfang 2005 ca. 6–8 Jahre. Viele potentielle Organempfänger versterben während der Wartezeit an ihren schweren Erkrankungen. Gründe für die lange Wartezeit sind u.a. der Rückgang an tödlichen Unfällen im Straßenverkehr sowie die Zunahme von Erkrankungen, die nur durch eine Transplantation therapiert werden können, insbesondere auch, weil die allgemeine Lebenserwartung gestiegen ist und weil infolge des technischen Fortschritts immer mehr Transplantationen von den Medizinern als durchführbar angesehen werden.
  • Als weiterer Grund für den Mangel an Organen werden von Kritikern bestehende gesetzliche Regelungen in den jeweiligen Staaten angeführt, diese verhinderten zahlreichere Spenden. Beispielsweise wird in Deutschland das Modell der erweiterten Zustimmungslösung verwendet. Der Nationale Ethikrat verweist darauf, dass lediglich ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung überhaupt von dieser Regelung wisse und somit keinen Spenderausweis ausgefüllt habe. Kommt es zu der Situation, dass der Spender hirntot ist, seine Organe aber transplantiert werden könnten, müssten Ärzte die Angehörigen um eine Erlaubnis noch auf der Intensivstation fragen. Dies werde aus Pietätsgründen häufig nicht gemacht. Aufgrund der bestehenden Situationen sei Deutschland nach wie vor eine Organ-Importnation.[20]
  • Eine generelle Einführung der Widerspruchsregelung wird nicht befürwortet, da es jedem selbst überlassen sei, ob er Organe spenden wolle oder nicht. Die deutsche Regelung sei hierzu im Prinzip ausreichend, man müsse die Menschen nur einmalig im Leben befragen, ob sie Spender werden wollen, beispielsweise bei der Anmeldung bei einer Krankenkasse oder beim Erwerben eines Führerscheins.[21]
  • Nachdem von kirchlicher Seite aus bis in die 1950er Jahre mit Blick auf das Verstümmelungsverbot von Leichnamen die Organspende abgelehnt wurde, wird heute von allen großen kirchlichen Gemeinschaften in Deutschland die Ansicht vertreten, dass die altruistische, der Nächstenliebe entspringende Entscheidung zur Organspende Vorrang habe vor der körperlichen Integrität des Leichnams. Hingewiesen wird lediglich auf die Notwendigkeit eines angemessenen und würdevollen Umgangs mit dem toten Spender sowie außerdem auf die Autonomie des Spenders und die Freiwilligkeit seiner Spende. Unter anderem aus diesem Grund wird auch das Modell einer Widerspruchsregelung kritisch betrachtet.[22]
  • In der jüdischen Ethik spricht das strikte Verbot, einen Leichnam zu verstümmeln, gegen eine Organspende. Andererseits steht die Pflicht, das Leben eines Menschen zu retten, im Judentum über nahezu allen anderen Geboten. Deshalb wird Organtransplantation im progressiven und, sofern ein konkreter Empfänger das Organ braucht, auch im orthodoxen Judentum befürwortet. (Die Religionszugehörigkeit von Spender und Empfänger gilt dabei nicht als relevant.) [23]
  • Manche Menschen zweifeln an der Zuverlässigkeit der Diagnose des Hirntodes. Sie befürchten, zum Zwecke der Organentnahme zu früh für tot erklärt zu werden. Von Transplantations-Befürwortern wird der Hirntod jedoch als die sicherste Diagnose in der Medizin überhaupt bezeichnet.[24]
  • Kritiker bemängeln, dass Angehörige nach einem Unfall vom Klinikpersonal zu einer Entscheidung genötigt würden, obwohl sich diese noch in einem Zustand des Schocks befänden. Dies ist jedoch aufgrund der aktuellen Gesetzeslage anders nicht möglich, es sei denn, der Verstorbene hat sich zu Lebzeiten eindeutig geäußert.
  • Die Transplantation einer Leber in die Körper von ehemaligen Alkoholikern wird zwiespältig betrachtet, da Rückfallgefahr bestehe. Andere wiederum betrachten Alkoholismus als eine (heilbare) Krankheit, demzufolge sei eine Spende bei dauerhaft abstinenten Alkoholikern ohne ethische Bedenken durchführbar und gerechtfertigt. Eine Listung zur Lebertransplantation ist für ehemalige Alkoholiker nur dann möglich, wenn sie eine absolute Alkoholabstinenz von mindestens 6 Monaten eingehalten haben, und diese auch während der (meist mehrjährigen) Wartezeit bis zur Organtransplantation eingehalten wird. Bestehen Zweifel hinsichtlich einer unbedingt erforderlichen Langzeitabstinenz, ist dies ein schwerwiegendes Argument gegen eine Transplantation.[25]

Geschichte der Organspende

Mythen und Legenden lassen sich bis in das 5. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgen, in denen behauptet wird, dass Organe und Gewebe von einem Menschen zu einem anderen übertragen worden sind. Im 3. Jahrhundert sollen die beiden Schutzheiligen der Medizin, St. Cosmas und St. Damian, der Legende nach einem weißen Missionar erfolgreich das Bein eines toten Schwarzen verpflanzt haben, nachdem er sein eigenes verloren hatte (die sogenannte Legenda aurea des Jakobus von Voragine).[26] Schon im Jahr 1596 bemerkte allerdings Gaspare Tagliacozzi aus Bologna, dass es eine Abstoßungsreaktion des Körpers auf fremde Gewebe gibt. Er schrieb: „Der singuläre Charakter des Individuums [hält] uns vollkommen davon ab, dieses Verfahren an einer anderen Person auszuführen“.

Die neuere Geschichte der Transplantation reicht zurück bis in das 17. Jahrhundert. Dort wurden erste Versuche gemacht, die Haut eines Menschen zu ersetzen. Im Jahr 1863 beschrieb Paul Bert erneut Probleme bei der Abstoßung von Transplantaten, welche bis dahin oftmals aus Haut, Sehnen, Hoden oder Zähnen (Transplantation ohne Gefäßanschluss) bestand. 1883 wurden Aufzeichnungen über Behandlungen angefertigt, bei denen man probierte, geschädigte innere Organe zu behandeln. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer im Jahr 1902, versuchten der Österreicher Emerich Ullmann sowie der Franzose Alexis Carrel unabhängig voneinander, Hunden Organe zu verpflanzen. Dabei wurden vorhandene Organe der Hunde in ihrer Position innerhalb des Körpers verändert; beispielsweise wurde die Niere in den Nacken verpflanzt mit anschließender fünftägiger Funktion.[27] Carrel stellte als erster fest, dass es beim Verpflanzen von Organen zwischen zwei Individuen zu Abstoßungsreaktionen kommt, bei Transplantationen innerhalb eines Organismus blieben diese aus. Später entwickelte er Techniken zum Vernähen von Blutgefäßen und wandte diese bei der Transplantation von Organen und Geweben erfolgreich an. Dafür bekam er im Jahr 1912 den Nobelpreis für Medizin. Im Jahr 1906 nahm der Franzose Mathieu Jaboulay erste Versuche einer Transplantation am Menschen vor, allerdings sollte ihm der Erfolg aufgrund der Verwendung von Tierorganen versagt bleiben. 1908 wurden einem Hund eigene Organe transplantiert, er überlebte die Operation mehrere Jahre lang. 1909 operierte der Berliner Arzt Unger einem Mädchen die Nieren eines Affen an deren Oberschenkeladern.

Da die Probleme der Immunreaktion des Körpers nicht beseitigt werden konnten, gaben die meisten Ärzte und Wissenschaftler ihre Vorhaben in den 20er und 30er-Jahren auf. Viele bis dahin durchgeführte Transplantationen endeten mit dem baldigen Tod. 1933 versucht der ukrainische Chirurg Yu Yu Voronoy erstmals, eine Niere von einem Menschen zum anderen zu übertragen – allerdings erfolglos.[28] Erneute Versuche starteten überwiegend in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. 1942 beschrieb erstmals der britische Biologe Sir Peter Brian Medawar die Abstoßungsreaktion des Körpers im Zusammenhang mit der immunologischen Grundlage der Abstoßung fremder Organe. Für diese Leistung bekam er im Jahr 1960 den Nobelpreis für Medizin. Im Jahr 1944 wurde die künstliche Niere, der Dialysator, durch den Niederländer Willem Kolff entwickelt. Menschen konnten nun mit Hilfe der „maschinellen Niere“ am Leben gehalten werden, allerdings unter erheblicher Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität.

1954 folgte in Chicago die erste erfolgreiche Transplantation einer Niere durch Joseph Murray (Nobelpreis für Medizin im Jahr 1990): Der Spender war der eineiige Zwilling des Empfängers. So wurden Immunreaktionen gering gehalten, zusätzlich wurde der Operierte bestrahlt. Der Empfänger der Niere verstarb acht Jahre später an einem Herzinfarkt. Zuvor, 1951, wurde in Boston einem Patienten eine Niere eines anderen Menschen verpflanzt, er starb fünf Wochen später. Ebenso erging es einem Kind 1952, als es eine Niere von seiner Mutter bekam. Im Jahr 1958 erkannte Jean Dausset in Paris das Human Leukocyte Antigen-System (HLA-System). Er entdeckte den Zusammenhang der Reaktion des Immunsystems auf eigenes und fremdes Gewebe anhand spezifischer, ererbter Merkmale. Für seine Leistung erhielt er im Jahr 1980 den Nobelpreis für Medizin.

Um der Immunreaktion Herr zu werden, wurden Patienten bestrahlt. Dies führte aber zu weitaus größeren Schäden als die Bestrahlung nutzte. Viele Empfänger eines Organes starben an den Folgen der Bestrahlung. Um 1960 herum begannen Forscher, den Patienten Antikörper zu verabreichen, welche die Reaktionen des Immunsystems unterdrückten. Die erste erfolgreiche Unterdrückung der Immunreaktion ("Immunsuppression") gelang 1962, als einem Empfänger die Niere eines nicht verwandten Spenders eingepflanzt wurde. 1963 erfolgte durch Brosig und Nagel in Berlin die erste Transplantation der Niere eines Toten; die im selben Jahr versuchte Transplantation einer Leber in Denver für ein 3-jähriges Kind scheiterte.[29] 1967 wurde in Südafrika die weltweit beachtete Übertragung eines Herzens vorgenommen.[30] Der von Christiaan Barnard operierte Patient überlebte 18 Tage und erlag dann einer Infektion. Im selben Jahr transplantierte Thomas Starzl erstmals erfolgreich eine Leber. 1968 wurde vom Harvard- Committee erstmals eine Hirntod-Definition aufgestellt.[31]

Ende der 70er Jahre gewann man aus einem Pilz den Wirkstoff Ciclosporin. Dieser hatte eine stärkere immunsupressive Wirkung als alle bis dato bekannten Stoffe. Das Medikament wurde 1983 in Deutschland zugelassen, 1989 erfolgte die weltweit 100.000. Nierentransplantation.[32]

1985 erfolgte in den Vereinigten Staaten von Amerika erstmals die Transplantation einer kompletten Lunge durch Joel Cooper in Missouri. In Hannover wurde 1988 von Rudolf Pichlmayr die Leber eines Toten entnommen und auf zwei Empfänger (ein Erwachsener und ein Kind) aufgeteilt (Teilleber-Transplantation). Im selben Jahr wurde erfolgreich ein Dünndarm durch Eberhard Deltz in Kiel transplantiert. 1998 wurde die Transplantation eines Teils der Bauchspeicheldrüse von einem Lebendspender durch David Sutherland in Minnesota vollzogen (siehe auch Langerhans-Inseln#Transplantation).

Um das Problem der Abstoßung zu verringern, wurden Spenderdatenbanken (für Deutschland beispielsweise Eurotransplant) gegründet, welche von vorneherein möglichst passende Spender und Empfänger zusammenführen. Mittlerweile sind weltweit über eine halbe Million Nieren transplantiert worden, davon 60.000 in Deutschland.

Das Thema Organspende in den Medien

Die Organspende findet regelmäßig Platz in allen Formen der Massenmedien. Oftmals sind aktuelle Schicksale der Auslöser für Berichterstattung in den lokalen Medien, überörtlich erlangt das Thema Organspende meistens rund um den Tag der Organspende erhöhte Aufmerksamkeit. Das Internet nimmt dabei eine große Rolle ein, da es den Verbänden, Betroffenen und auch Kritikern die Möglichkeit offenbart, ihre Stellungnahme zum Thema einem breiten Publikum unabhängig von Jahrestagen oder einzelnen Ereignissen zu präsentieren.

Ferner erregte europaweit die Fernsehshow „De Grote Donorshow“ des holländischen öffentlich-rechtlichen Senders BNN große Aufmerksamkeit. In der Show sollten drei auf eine Organspende wartende Patienten um die Nieren einer Spenderin spielen. Der Sender erntete im Vorfeld des Sendetermins scharfe Kritik[33] und war auch danach noch im Gespräch: In der Sendung wurde bekannt gegeben, dass diese fingiert gewesen sei, um auf die geringe Zahl der Organspender in den Niederlanden hinzuweisen.

In Deutschland gelangte das Thema Organspende in den Fokus der Medien, als der SPD-Spitzenpolitiker Frank-Walter Steinmeier seiner erkrankten Ehefrau eine Niere spendete.[34]

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann schlug vor, anlässlich der Einführung des neuen Personalausweises zum 1. November 2010 für Organspenden zu werben.[35]

Organentnahme nach dem Tod zu anderen Zwecken

Teilbestattung

Teilbestattungen - zum Beispiel Herzbestattungen - gab es seit langer Zeit; sie wurden aus verschiedensten Gründen praktiziert.

Eine Form der Teilbestattung ist die als Mumie - bei zu mumifizierenden Personen werden die Eingeweide entfernt.

Papst Leo XIII. (+ 1903) wurden nach seinem Tode als bisher letztem Papst sämtliche Organe entnommen. Sein Nachfolger, Pius X. (1903-1914), wünschte dies ausdrücklich nicht. Seitdem ist diese Praxis nicht mehr gängig. 2005 flammte die Diskussion wieder auf, als Polen das Herz des gerade verstorbenen Johannes Pauls II. begehrte. Das Kardinalskollegium lehnte dies ab. Die Entnahme von Organen ist demnach erst nach einer Kanonisation möglich. Diese werden dann als Reliquien verehrt.

Frédéric Chopin, gebürtiger Pole, starb in Paris. Dort wurde er bestattet; sein Herz wurde - auf seinen eigenen Wunsch - von seiner Schwester Ludwika nach Warschau überführt und dort in der Heiligkreuzkirche beigesetzt.[36]

Otto von Habsburg starb 2011. Sein Herz wurde entnommen und in der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma beigesetzt ("Herzbestattung"), der übrige Körper in Wien. (siehe auch Teilbestattung)

Kannibalismus

Kannibalismus ist Forschungsobjekt der Archäologie, der Ethnologie, Völkerkunde, der Zoologie und der Psychiatrie (Kannibalismus als Paraphilie bzw. Fetischismus).

Christian Spiel unterscheidet in seinem Buch „Menschen essen Menschen – Die Welt der Kannibalen“ [37]

  • den mythisch begründeten Kannibalismus (in Weltschöpfungsmythen geschilderte Weltschöpfung durch Kannibalismus), dem religiösen (Körperteil als direkte Opfergabe an die Götter wie beispielsweise das Herz bei den Azteken für den Sonnengott, damit die Sonne jeden Tag neu ihren Lauf über den Himmel ausführen könne, der rohe Leichenrest für die Menschen als Omophagie),
  • den rituellen (als Form der Bestattung im Menschen: den Geopferten oder den Verstorbenen in sich aufnehmen und so seine Wiederkehr verhindern),
  • den Pietätskannibalismus (den Verwandten, sei es ein Vorfahre oder ein eigenes Kind, aus Respekt, Liebe oder Trauer würdevoll ehren, aber auch sicher verwahren),
  • den Angst-Kannibalismus (den getöteten Feind am sichersten denkbaren Ort, in sich selbst, verwahren und so seine Wiederkehr verhindern),
  • den magischen Kannibalismus (Vorstellung, dass Eigenschaften wie Kraft und Mut vom Opfer durch Verzehren auf den Esser übergehen),
  • den justiziellen oder Gerichts-Kannibalismus (das Verspeisen von Verurteilten oder das Trinken ihres Blutes) und
  • den Kannibalismus zu Ernährungszwecken in extremen Notlagen.

In Europa früher weit verbreitet war der medizinische Kannibalismus, bei dem man z.B. glaubte, die vom Schöpfer dem jeweiligen Individuum zugemessene Lebenskraft nutzen zu können, wenn das Individuum vorzeitig, bevor Gott das an sich gewollt habe, getötet wurde. Regelmäßig versuchten deshalb Menschen mit Krankheiten, Körperteile eines Erhängten oder zu Tode strangulierten oder das Blut eines gerade auf einem Schafott Hingerichteten in Bechern oder mit Tüchern aufzufangen, um es zu sich zu nehmen, weil man z.B. glaubte, dass solches Blut gegen Epilepsie helfen würde, da die Gesundheit des Enthaupteten in den eigenen Körper übergehen würde. (Genaueres im Artikel Kannibalismus)

Literatur

  • Eberhard J. Wormer: Organspende. Lebensrettende Transplantation. Lingen Verlag, 2010, ISBN 978-3-941118-50-8
  • Ulrike Baureithel, Anna Bergmann: Herzloser Tod – Das Dilemma der Organspende, Stuttgart, Klett-Cotta Verlag, 1999, ISBN 3-608-91958-9 - (Wissenschaftsbuch des Jahres 2000)
  • Torsten Junge: Die Okkupation des Fleisches. Konstitutionen des Selbst im Zeitalter der Transplantationsmedizin, Eidorf, Gata-Verlag ISBN 3-932174-84-4
  • Elke Rampfl-Platte: Aktuelle Rechtsfragen der Organtransplantation. Arzt und Krankenhaus 2004, Heft 5;
  • Elke Rampfl-Platte: Patient-rights and Rationing; in: Rationing in Medicine. Ethical, Legal And Practical Aspects. Band 13 der Buchserie der Europäischen Akademie, „Wissenschaftsethik und Technikfolgenbeurteilung“
  • Erik Hahn: Transplantationsrecht – die Lebendspende und ihre Voraussetzungen im Überblick, in: Drygala/Klesczewski/Francke/Richter (Hrsg.), LJS 2005, Leipzig 2006, S. 61-82. ISSN 1861-2857
  • Gesa Lindemann: Die Grenzen des Sozialen. Zur sozio-technischen Konstruktion von Leben und Tod in der Intensivmedizin. München, Wilhelm Fink Verlag, 2002, ISBN 3-7705-3667-3
  • Thomas Schlich: Transplantation. Geschichte, Medizin, Ethik der Organverpflanzung. München, Verlag C.H. Beck, 1998, ISBN 3-406-43300-6
  • Matthias Winkler: Vorsorgeverfügungen – Patientenverfügung Vorsorgevollmacht Betreuungs- und Organverfügung. München, Verlag C.H. Beck, 3. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-55841-2
  • Vera Kalitzkus: Dein Tod, mein Leben. Warum wir Organspenden richtig finden und trotzdem davor zurückschrecken. Suhrkamp Verlag, 2009, ISBN 978-3-518-46114-3

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Organspende – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Höchstaltersgrenze für Organspende FAQ auf der Website der BZgA zur Organspende
  2. gemäß Alterklassifikation des Berichtes nach § 11 Transplantationsgesetz; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  3. § 8 I, II Transplantationsgesetz; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  4. im Sinne des § 17 Transplantationsgesetz; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  5. Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation
  6. Nationaler Ethikrat: Die Zahl der Organspenden erhöhen – Zu einem drängenden Problem der Transplantationsmedizin in Deutschland. Stellungnahme. 24. April 2007 (online, PDF, 165 kB); Dokument abgerufen am 4. Juni 2007
  7. Außerdem sagte sie: "Wir werden die postmortale Organspende in Deutschland nur weiter voranbringen können, wenn wir das Vertrauen der Menschen in die Transplantationsmedizin haben. Spender zu sein, kann und darf gesetzlich nicht verordnet werden."
  8. Robert-Koch-Institut: Organtransplantation und Organspende; Heft 17 der Reihe "Gesundheitsberichterstattung des Bundes"; Text Online
  9. a b c Webseite der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Unterseite Daten und Grafiken; Webseite abgerufen am 31. März 2009.
  10. www.verfassungen.de Verordnung über die Durchführung von Organtransplantationen; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  11. § 4 Abs. 1 der Verordnung über die Durchführung von Organtransplantationen
  12. § 9 Abs. 1 der Verordnung über die Durchführung von Organtransplantationen
  13. Webseite des ÖBIG; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  14. Bundesamt für Gesundheit: Artikel 119a der Bundesverfassung; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  15. Faktenblatt – Transplantationsgesetz: Fragen und Antworten; PDF-Datei abgerufen am 4. Juni 2007
  16. Bundesamt für Gesundheit: Frühere Regelungen; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  17. Quelle: Transplantationszentrum Tübingen
  18. www.transplantation-information.de – Übersicht über die Regelungen in verschiedenen Ländern weltweit; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  19. United Network for Organ Sharing, englisch; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  20. Focus Nachrichtenmagazin, Ausgabe 20/07, Seite 44: Tod auf der Warteliste
  21. www.tagesschau.de (nicht mehr online verfügbar) Ethikrat will Zahl der Organspenden erhöhen; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  22. Wilhelm Korff, Lutwin Beck, Paul Mikat (Hg.): Lexikon der Bioethik. Band 2, Gütersloh 2000, Seiten 813-815, ISBN 3-579-00264-3
  23. Jonathan A. Romain, Walter Homolka: „Progressives Judentum.“ München 1999
  24. Artikel der DSO im Hessischen Ärzteblatt
  25. Leitfaden zur Lebertransplantation der LMU München
  26. www.lifescience-zurich.ch – Focus; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  27. www.planet-wissen.de – Organverpflanzung; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  28. Historie der Transplantationsmedizin, Website des Transplantationszentrum der Charité Berlin, abgerufen am 9. Dezember 2010
  29. www.medizin.uni-greifswald.de; PDF-Format, abgerufen am 4. Juni 2007
  30. www.roche.de – Die Geschichte der Organtransplantation; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  31. www.uni-luebeck.de – Querschnittsbereich „Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  32. www.novartis.de – Organtransplantation; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  33. Netzeitung: Organspenden-Show sorgt in Holland für Ärger; Webseite abgerufen am 4. Juni 2007
  34. Steinmeiers Nierenspende ist geglückt. In: spiegel.de vom 25. August 2010
  35. niedersachsen.de (2010)
  36. [1]
  37. Christian Spiel: Menschen essen Menschen: Die Welt der Kannibalen. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-436-01952-6
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