Asmus Jakob Carstens
Jakob Asmus Carstens; Kupferstich von Johann Heinrich Lips nach einer Zeichnung von Karl Ludwig Fernow; 14:8 cm
Asmus Carstens, Selbstporträt, ca. 1785

Asmus Jacob Carstens (* 10. Mai 1754 in St. Jürgen bei Schleswig; † 25. Mai 1798 in Rom) war ein Maler des deutschen Klassizismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Carstens wird als Sohn eines Müllers im damaligen Dorf St. Jürgen geboren, das heute ein Stadtteil der Stadt Schleswig in Schleswig-Holstein ist. Im Schleswiger Stadtmuseum gibt es einen Raum, der dem Maler Asmus Jakob Carstens gewidmet ist. Er lernt zunächst das Handwerk eines Küfers. Mit zweiundzwanzig Jahren geht er nach Kopenhagen, um dort die renommierte Königlich Dänische Kunstakademie zu besuchen. Allerdings kommt er mit dem Akademiebetrieb nicht zurecht, er nimmt nicht am Unterricht teil, verweigert die Teilnahme am Aktzeichnen; eine Tatsache, die gelegentlich in seinen späteren Zeichnungen deutlich wird. Die an der Akademie gelehrte Ölmalerei wie überhaupt das Arbeiten mit der Farbe bleiben ihm auch in seiner späteren Karriere fremd. Stattdessen bildet er sich autodidaktisch weiter. Seine Zeichentechnik erarbeitet er sich selbst: beim Betrachten der Natur prägt er sich Bilder ein, die er dann allein aus der inneren Anschauung zeichnet. Es kommt ihm auf die Einprägung und Gestaltung einer inneren Welt an. Er studiert die Mythologie der Griechen, Germanen und Kelten, liest die antiken Klassiker und beschäftigt sich mit der Philosophie seiner Zeit. Carstens hofft vergeblich auf ein Romstipendium der Akademie, die ihm verliehene Silbermedaille lehnt er ab. Daraufhin wird er von der Akademie verwiesen. Eine mit seinem Bruder unternommene Romreise muss er aus Geldmangel vorzeitig abbrechen.

Ab 1783 lebt er in Lübeck und verdient seinen Lebensunterhalt als Porträtmaler. Daneben versucht er mit allegorischen und mythologischen Arbeiten seine künstlerischen Ideale zu verwirklichen. Er freundet sich mit dem Schriftsteller Karl Ludwig Fernow an, der später seine Biographie schreiben wird und den Maler mit den ästhetischen Schriften Schillers und Kants bekannt macht. Kontakte knüpft er zu einigen Lübecker Senatoren, die ihm 1787 einen Aufenthalt in Berlin finanzieren.

Auch in Berlin hat er zunächst wenig Erfolg, bis in der Akademieausstellung von 1789, bei der sein Bild Sturz der Engel ausgestellt wird, der preußische Minister von Heinitz auf ihn aufmerksam wird und ihm einen Auftrag für Wand- und Deckengemälde im königlichen Schloss vermittelt. 1790 schließlich erhält er auf Betreiben des Ministers eine Professur an der Akademie in Berlin. Aus dieser Zeit stammt die Zeichnung Bacchus und Amor, in der er nicht - wie bisher üblich - eine bestimmte Episode aus dem Leben des Gottes Bacchus darstellt, sondern unterschiedlichste Anregungen aus der Kunst- und Literaturgeschichte zu einer eigenen Bildidee entwickelt. In einem Karton von 1795 greift er in Rom dieses Thema wieder auf und erarbeitet danach eins seiner seltenen Ölgemälde.

1792 wird er von der Akademie für einen Aufenthalt in Rom beurlaubt. Dort befasst er sich mit dem Studium der Antike und vor allem studiert er Werke von Raffael und Michelangelo. Die Auseinandersetzung mit diesen Malern und mit den antiken Meisterwerken schlägt sich in seinen folgenden Arbeiten nieder. 1795 beginnt er mit seiner Arbeit an der Zeichnung Die Nacht mit ihren Kindern, die als sein Hauptwerk gilt.

  • Hauptfigur ist die Nacht mit ihren Kindern Schlaf und Tod, der auf der linken Seite Nemesis, die Tochter der Nacht und Göttin der Vergeltung, gegenübergestellt wird. Hinter ihr steht mit verhülltem Haupt das Schicksal mit einem Buch, aus dem die drei Parzen Lachesis, Klotho und Atropos die Geschicke der Menschen vortragen. Quellen für sein Bild sind neben der Götterlehre seines Freundes Karl Philipp Moritz die Theogonie von Hesiod sowie Texte des Pausanias. Die Zeichnung ist keine traditionelle Allegorie, vielmehr soll sie mit ihren mythischen Gestalten - im Sinne der kunsttheoretischen Überlegungen Moritz' als Sprache der Phantasie betrachtet werden, ... gleichsam eine Welt für sich ... und aus dem wirklichen Zusammenhang der Dinge herausgehoben. Die Phantasie herrscht in ihrem eigenen Gebiete nach Wohlgefallen ...

Carstens malt von diesem Bild im Auftrag eines dänischen Mäzens eine Fassung in Öl, die aber verschollen ist. Ein erster großer öffentlicher Erfolg gelingt ihm 1795 in einer Ausstellung im ehemaligen Atelier Pompeo Batonis (†1787), wo er selbstbewusst verkündet, dass er „nicht der Berliner Akademie sondern der ganzen Menschheit gehöre“. Das in dieser Ausstellung gezeigte Bild Raum und Zeit ist ein Versuch, die kantischen Kategorien von Raum und Zeit bildlich darzustellen. Dieser Versuch wird aber von der Kunstkritik mit Befremden wahrgenommen und von Friedrich Schiller mit einem spöttischen Distichon gewürdigt.

Eins seiner letzten Werke ist die Zeichnung Aufbruch des Eteokles, ein Thema aus der Tragödie Sieben gegen Theben des Aischylos.

  • In der Anlage und der reliefartigen Bildarchitektur zeigt sich die Nähe dieses Bildes zu einer der Ikonen klassizistischer Malerei, dem Schwur der Horatier von Jacques Louis David. Jedoch zeigen sich bei verwandtem Thema und ähnlicher Szenerie deutliche Unterschiede: David zeigt die widerspruchslose Unterwerfung der Protagonisten unter das Gesetz, Carstens dagegen legt den Schwerpunkt auf die Klage der Schwestern des Eteokles und zeigt, dass sein Held sich zu der von der Staatsmacht geforderten Tat erst durchringen muss. Als Revolutionsikone ist sein Bild nicht geeignet.

Nach Carstens Tod im Jahre 1798 wird sein künstlerischer Nachlass zunächst von Fernow verwaltet, der ihn schließlich nach Weimar bringt, wo er in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufbewahrt wird. Erst durch Fernow lernt Goethe den Maler kennen und schätzen, in dessen Werken er die in seinen Weimarer Preisaufgaben anvisierten Ziele einer Kunst, die sich formal an den Werken der klassischen Antike und thematisch an antiken Stoffen, vor allem an Homer orientiert, verwirklicht sieht.

Wirkung

Für seine in klaren Umrissen gegebenen Zeichnungen modellierte er plastische Hilfsfiguren und konnte so der damals verflachten Kunst neue Räumlichkeit geben. Er galt daher als Leitfigur der 1860 gegründeten Kunstschule Weimar, die seit 1902 von dem Maler Hans Olde und dem Bildhauer Adolf Brütt durch Gründung der Weimarer Bildhauerschule 1905 im Zeichen der Sezessionen erneuert wurde.

Werke

  • Selbstbildnis, farbige Kreidezeichnung, Hamburger Kunsthalle
  • Der Morgen, Kopenhagen
  • Bacchus und Amor, 1790, Kreidezeichnung, Kunstsammlungen zu Weimar
  • Der schwermütige Ajax mit Tecmessa und Eurysakes, um 1791, Aquarell über Graphit, Kunstsammlungen zu Weimar
  • Die Geburt des Lichts, 1794, Kreidezeichnung, Kunstsammlungen zu Weimar
  • Die Helden im Zelt des Achill, 1784, Staatliche Kunstsammlungen, Berlin
  • Überfahrt des Megapenthes, 1785, Staatliche Gemäldegalerie, Berlin
  • Die Nacht mit ihren Kindern Schlaf und Tod, 1795, Kreidezeichnung, Kunstsammlungen zu Weimar
  • Raum und Zeit, 1795
  • Ödipus bei Theseus, 1796, Kreidezeichnung, Kunstsammlungen zu Weimar
  • Aufbruch des Eteokles zum Kampf gegen Polyneikes, 1797, Kreidezeichnung, Kunstsammlungen zu Weimar

Zitate

Das Neueste aus Rom. Raum und Zeit hat man wirklich gemalt; es steht zu erwarten, Daß man mit ähnlichem Glück nächstens die Tugend uns tanzt. Schiller, Xenien.

Literatur

  • Zeichnungen von Asmus Jakob Carstens in der großherzoglichen Kunstsammlung zu Weimar, in Umrissen gestochen und herausgegeben von W. Müller. Mit Erläuterungen von Chr. Schuchardt. Weimar und Leipzig, 1849
  • Karl Ludwig Fernow: Carstens, Leben und Werk. Hrsg. u. ergänzt von Hermann Riegel. Hannover 1897.
  • Alfred Kamphausen: Asmus Jakob Carstens. Studien zur Schleswig-Holsteinischen Kunstgeschichte, Band 5, Neumünster 1941.
  • R. Zeitler: Klassizismus und Utopia. Interpretationen zu Werken von David, Canova, Carstens, Thorwaldsen, Koch. Uppsala 1954.
  • Herbert von Einem: Asmus Jacob Carstens. Die Nacht mit ihren Kindern. Köln 1958 (Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Heft 78)
  • Asmus Jakob Carstens: Goethes Erwerbungen für Weimar. Bestandskatalog der Kunstsammlun­gen zu Weimar. Bearbeitet von Renate Barth. Bestandskatalog der Stiftung Weimarer Klassik, bearbeitet von Margarete Oppel. Neumünster, 1992 - ISBN 3-529-02548-8
  • Mareike Hennig: Asmus Jakob Carstens - Sensible Bilder. Eine Revision des Künstlermythos und der Bilder. Petersberg 2005.

Weblinks


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