Asmus Jessen
Das von Asmus Jessen 1921 für die Hansestadt Lübeck gestaltete Notgeld (Serie mit 5 Scheinen – oben links die einheitliche Vorderseite

Asmus Jessen (* 1890 in Havetoft; † 1977 in Lübeck) war ein deutscher Kunsterzieher, Maler und Graphiker, der in der Hansestadt Lübeck wirkte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jessen studierte in Hamburg und in Berlin. Seit 1914 war er in Lübeck zunächst als Kunsterzieher, später als freischaffender Künstler tätig. Als Lehrer gehörte er nach dem 1. Weltkrieg dem bekannten Reformkollegium der Lübecker Oberschule zum Dom unter Sebald Schwarz an. Mit dem Herausgeber des Almanachs Der Wagen, Paul Brockhaus verband ihn aus diesem Kollegium heraus eine lebenslange Freundschaft. Das Erscheinungsbild des Jahrbuchs war über Jahrzehnte durch seine graphische Gestaltung geprägt und wurde durch Wiedergaben seiner Kunstwerke belebt.

In den 1920er Jahren vertrat er einen gemäßigten, regional gefärbten Expressionismus und arbeitet eng mit Erwin Bossanyi zusammen.

Tragisch für Jessen erwies sich jedoch seine idealistische Begeisterung für die kulturellen Vorstellungen des Nationalsozialismus. Die Kulturpropaganda des Dritten Reiches mit ihren Forderungen nach einer artgemäßen Kunst hielt er für eine Verwirklichung seiner künstlerischen und pädagogischen Bemühungen um eine volkstümliche Kunst und eine Verbindung von Kunsthandwerk und Volkstum. Andererseits versagte er auch in den Augen der Nationalsozialisten als Kriegsberichterstatter, anstatt der gewünschten Ergebnisse produzierte er auch in diesem Einsatz nur „seine“ Kunst, die für die Propaganda nicht verwertbar war.

Werke

Ein gutes Beispiel für Jessens Ideen und Schaffen im öffentlichen Raum ist das großflächige Holzmodell der Lübecker Altstadt des Mittelalters, das noch heute ein Zentralstück der stadtgeschichtlichen Ausstellung im Holstentor-Museum ist. Es entstand als Projekt seines praxisorientierten, volkstümlichen Kunstunterrichts an der OzD gemeinsam mit seinen Schülern. Nach Fertigstellung reiste Jessen mit den Schülern nach Berlin, wo das Modell Hitler in der Reichskanzlei als Musterprodukt des neuen deutschen Kunstunterrichts vorgestellt wurde.

Nach Jessens Entwurf wurde der Klinkerfußboden in der Halle des Kanzleigebäudes geschaffen. Sein Lübecker Notgeld von 1921 bestand gegen den witzigeren Entwurf des Eiergeldes von Alfred Mahlau. 1927 malte er die Dorfkirche Hamberge nach erhaltenen Fragmenten neu aus. Bekannt sind seine expressionistischen Darstellungen der Marienkirche und die im ähnlichen Stil gehaltene Mappe von Innenansichten des Lübecker Doms. In der Phase der Vereinsamung nach 1945 wandte er sich stärker den Motiven der Natur rund um seine kleine in Legan vor den Toren der Stadt gelegenen Kate zu und malte insbesondere auch Landschaftsmotive aus dem Travetal.

Literatur

  • Paul Brockhaus: Kunsthandwerk und Volkstum. Zum Schaffen zweier niederdeutscher Künstler. In: Der Wagen 1942/1944, S. 105–111
  • Heinrich Dose: Asmus Jessen. In: Der Wagen 1972, S. 52-63 (mit 12 Abbildungen)
  • Abram Enns: Versuch einer Würdigung. In: Ders.: Kunst und Bürgertum. Hamburg/Lübeck 1978, ISBN 3-7672-0571-8, S.215–219 (gegen Dose)
  • Ulrich Szperalski: Asmus Jessen, Künstler und Erzieher – Opfer einer Aera. In: Der Wagen 1984, S. 197–218 (gegen Enns)

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