Ostrach
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ostrach
Ostrach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ostrach hervorgehoben
47.95259.3813888888889611
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Sigmaringen
Höhe: 611 m ü. NN
Fläche: 108,93 km²
Einwohner:

6.714 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88356
Vorwahl: 07585
Kfz-Kennzeichen: SIG
Gemeindeschlüssel: 08 4 37 086
Gemeindegliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 19
88356 Ostrach
Webpräsenz: www.ostrach.de
Bürgermeister: Christoph Schulz
Lage der Gemeinde Ostrach im Landkreis Sigmaringen
Alb-Donau-Kreis Bodenseekreis Landkreis Biberach Landkreis Konstanz Landkreis Ravensburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tuttlingen Zollernalbkreis Bad Saulgau Beuron Bingen (bei Sigmaringen) Gammertingen Herbertingen Herdwangen-Schönach Hettingen Hohentengen (Oberschwaben) Illmensee Inzigkofen Krauchenwies Leibertingen Mengen Mengen Meßkirch Neufra Ostrach Pfullendorf Sauldorf Scheer Schwenningen (Heuberg) Sigmaringen Sigmaringendorf Sigmaringendorf Stetten am kalten Markt Veringenstadt Wald (Hohenzollern)Karte
Über dieses Bild

Ostrach ist eine Gemeinde im südlichen Landkreis Sigmaringen in Oberschwaben. Durch Ostrach führen die Oberschwäbische Barockstraße, die Hohenzollernstraße und die Schwäbische Dichterstraße.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Ostrach liegt zwischen Donau und Bodensee, Sigmaringen und Ravensburg, Bad Saulgau und Pfullendorf am gleichnamigen Bach, der hier durch eine Engstelle zwischen zwei Moränenrücken − wie dem Wagenhart im Osten − des Rheingletschers aus der letzten Eiszeit hindurch fließt und das Burgweiler-Pfrunger Ried zur Donau hin entwässert. Die Landschaft ist hügelig und waldreich. Durch Kiesabbau in zwei Kieswerken sind Baggerseen nördlich und südlich des Ortsteils Jettkofen entstanden. Die Gemeinde erstreckt sich auf etwa 10.893 Hektar (Stand: 31. Dez. 2010)[2], mit 757 Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche[3].

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde gehören der Kernort Ostrach (mit Dichtenhausen) sowie die Ortsteile Burgweiler (mit den Teilorten Burgweiler, Waldbeuren, Ochsenbach, Oberochsenbach, Zoznegg, Egelreute, Ulzhausen, Hahnennest und Mettenbuch), Jettkofen, Kalkreute-Spöck (mit den Teilorten Kalkreute und Spöck), Laubbach (mit den Teilorten Laubbach, Oberweiler und Unterweiler), Magenbuch-Lausheim (mit den Teilorten Magenbuch und Lausheim), Tafertsweiler (mit den Teilorten Tafertsweiler, Bachhaupten, Eschendorf, Gunzenhausen und Wirnsweiler), Wangen und Weithart (mit den Teilorten Einhart, Habsthal, Bernweiler und Levertsweiler)

Wappen Ortsteile Einwohner
(Stand: 31. Dez. 2010)[4]
Fläche
(Stand: 31. Dez. 2010)[2]
Ostrach Ostrach (Kernort) 3605 916 ha
Burgweiler Burgweiler 1004 2474 ha
Einhart Einhart 375 429 ha
Habsthal Habsthal 135 635 ha
Jettkofen Jettkofen 258 431 ha
Kalkreute Kalkreute 100 477 ha
Kein Wappen Verfügbar Laubbach 204 853 ha
Levertsweiler Levertsweiler 291 492 ha
Magenbuch Magenbuch 274 1651 ha
Spöck Spöck 143 302 ha
Tafertsweiler Tafertsweiler 283 1950 ha
Wangen Wangen 146 283 ha

Geschichte

Die älteste Urkunde erwähnt Ostrach im Jahr 851. 1317 war das Gemeindegebiet und der Hauptort zwischen der Grafschaft Friedberg (östlich) und der Grafschaft Sigmaringen (westlich) geteilt. Die Grenze bildete von Norden her die Ostrach bis zur Brücke (an der Kirche) und von dort an die Straße über Laubbach nach Riedhausen.[5] Beginnend im 13. Jahrhundert bis 1324 ging das Gebiet Ostrach-Burgweiler-Bachhaupten durch stückweise Verkäufe allmählich vom Reichsgut in den Besitz des Klosters Salem über. Später baute Salem mit dem planmäßigen Erwerb die Herrschaft Ostrach auf. Die Reichsabtei übte die Ortsherrschaft und die Niedergerichtsbarkeit aus.[6] 1637 kamen Burgweiler und seine engere Umgebung an die Grafschaft Heiligenberg des Hauses Fürstenberg und von dort 1806 zu Baden.

Am 21. März 1799 bekämpften Österreicher und Franzosen sich in der Schlacht bei Ostrach. Ostrach und Bachhaupten kamen 1803 zu Thurn und Taxis und 1806 zu Hohenzollern-Sigmaringen. Bis 1862 war es Sitz des Oberamtes Ostrach, es markiert zugleich den südöstlichsten Punkt der Hohenzollernschen Lande.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Burgweiler Personenzüge bombardiert und beschossen.[7]

Eingemeindungen

Die Neubildung der Gemeinde Ostrach im Zuge der Gemeindereform erfolgte in Etappen. Bereits am 1. Januar 1969 wurde die frühere badische Exklave Dichtenhausen von Burgweiler nach Ostrach umgemeindet. Am 1. Januar 1971 wurde Spöck, am 1. Dezember 1971 Wangen nach Ostrach eingemeindet, Magenbuch (mit Lausheim) folgte am 1. April 1972, Einhart, Habsthal (mit Bernweiler), Laubbach (mit Unterweiler und Oberweiler), Levertsweiler und Tafertsweiler (mit Bachhaupten, Eschendorf und Gunzenhausen) am 1. Oktober 1974. Am 1. Januar 1975 schlossen sich Ostrach, Burgweiler (mit Hahnennest, Mettenbuch, Ochsenbach, Oberochsenbach, Zoznegg, Waldbeuren, Ulzhausen, Egelreute), Jettkofen und Kalkreute zur neuen Gemeinde Ostrach zusammen. Schließlich wurde am 1. Januar 1978 die frühere württembergische Exklave Wirnsweiler von Saulgau getrennt und nach Ostrach eingegliedert.[8] Ostrach ist die einzige Gemeinde in Baden-Württemberg, die ehemals selbständige Gemeinden aus allen drei Landesteilen (Baden, Württemberg und Hohenzollern) in sich vereint.

Einwohnerentwicklung

Die Tabelle verdeutlicht, dass die Einwohnerzahl der Gemeinde Ostrach im Vergleich zum Vorjahr gefallen ist:

Jahr Einwohnerzahlen
2009 6845
2010[4] 6818

Religionen

Evangelische Christen in Ostrach gehören der Evangelische Kirchengemeinde Ostrach-Wald im Kirchenbezirk Balingen an. Ein Kuriosum, denn zwischen den politischen Gemeinde Ostrach und Wald liegt die Gemeinde Pfullendorf. In der Struktur der Evangelische Kirchengemeinde spiegelt sich die Zerrissenheit der politischen Landschaft des süddeutschen Raums vor der Gründung des Deutschen Reichs wider. Die freie Reichsstadt Pfullendorf wurde 1805 Baden zugeschlagen und gehört deshalb heute zur Evangelischen Landeskirche in Baden. Die Evangelische Landeskirche in Hohenzollern schloss sich 1950 der Evangelischen Landeskirche in Württemberg an. Die Struktur neuer evangelische Kirchengemeinden in Oberschwaben in den 1950er-Jahren wie in Ostrach folgte dem Muster. Bedingt durch die Flüchtlinge aus dem Osten wurde die Zahl der evangelischen Christen in kleinen Gemeinden groß genug, um eigene Kirchengemeinden zu bilden. Ostrach und Wald, historisch zu Hohenzollern gehörend, kamen deshalb als eine Kirchengemeinde zusammen. Dass die Kirche in Ostrach und nicht in Wald gebaut wurde, hat auch historische Gründe: Ostrach entwickelte sich von der Einwohnerzahl her stärker als Wald. 250 evangelische Christen in Wald stehen 1000 in Ostrach gegenüber.[9]

Politik

Gemeinderat

Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2009 vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 57,8 % (- 0,5) zu folgendem Ergebnis:[10][11][12]

Partei / Liste Stimmenanteil +/− Sitze +/−
CDU 46,5 % − 16,7 9 − 6
SPD/Freie Bürger 22,8 % + 6,1 4 + 1
FW 18,1 % 3
UL 12,6 % − 7,5 2

Die unechte Teilortswahl wurde mit Änderung der Hauptsatzung durch den Gemeinderat am 28. Juli 1998 abgeschafft, das heißt die Satzungsänderung war erstmals für die nächste regelmäßige Wahl des Gemeinderats anzuwenden, nämlich am 24. Oktober 1999.[2]

Bürgermeister

Am 22. April 2007 wurde Christoph Schulz mit 57,7 Prozent im ersten Wahlgang zum Bürgermeister von Ostrach gewählt worden. Er löste Herbert Barth in seinem Amt ab. Dieser trat nach 32 Dienstjahren nicht mehr zur Wahl an und wurde am 7. Juli 2007 aus dem Amt verabschiedet.[13]

  • Karl Müller (Hohenz. Zentrumspartei)
  • Gottfried Hartenfels (NSDAP)[14]
  • Josef Locher (CDU)
  • Karl Reck (FWV)
  • Wilfried Walter (CDU)
  • 1975–2007: Herbert Barth (CDU)
  • seit 2007: Christoph Schulz (CDU)
Ehemalige Bürgermeister von Einhart
  • Josef Briem (CDU)
Ehemalige Bürgermeister von Kalkreute
  • Kilian Söllner (CDU)
Ehemalige Bürgermeister von Magenbuch
  • Josef Kugler (Hohenzollerischer Bauernbund)

Wappen

Wappen Ostrach.svg

Das Wappen von Ostrach zeigt ein geteiltes Schild, oben in Silber eine schräggelegte rote Speerspitze, unten in Schwarz ein doppelreihig von Rot und Silber geschachter Schrägbalken.

Die Speerspitze entstammt dem Siegel des Ortsadligen Heinrich genannt Schwendi von Ostrach aus dem Jahre 1309. Der Schrägbalken (Zisterzienserbalken) weist auf die Zugehörigkeit Ostrachs zum Kloster Salem vom 13. bis 19. Jahrhundert hin.

Als Abschluss der Gemeindereform 1975 wurde auf Antrag der Ostracher Verwaltung, das bisherige Ostracher Wappen zum Wappen der Gesamtgemeinde und am 18. April 1978 durch das Landratsamt Sigmaringen neu verliehen.

Städtepartnerschaft

Seit 1970 besteht die offizielle Partnerschaft mit Étréchy, einer Gemeinde 40 km südlich von Paris in Frankreich. Die Partnerschaft wurde 1966 durch eine private Freundschaft angebahnt und hat seither schon zu zahlreichen Begegnungen, Besuchen und Gegenbesuchen von Vereinen und Gruppen und auch einem Jugendaustausch im Europa-Camp, zusammen mit Lydd, geführt. Es wurde sogar eine deutsch-französische Hochzeit in diesen Reihen gefeiert. Auf französischer Seite sind rund 15 Mitglieder im Partnerschaftsausschuss vertreten, Ostrach stellt derzeit etwa zwölf Vertreter.[15] Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums wurde von Christoph Schulz, Bürgermeister von Ostrach, und Julien Bourgeois, Bürgermeister von Étréchy, Erneuerungsurkunden unterschrieben.[16]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Ostrach ist Teil der Ferienregion „Nördlicher Bodensee“ und im „Ferienland Hohenzollern“. Hier treffen die Hohenzollernstraße, die Oberschwäbische Barockstraße und die Schwäbische Dichterstraße zusammen.

Museen

Die Gemeinde Ostrach wird mit vier Museen als die „Museumsgemeinde“ im Landkreis Sigmaringen tituliert:

Grenzsteinmuseum bei Burgweiler
  • Grenzsteinmuseum: Im Ortsteil Burgweiler wurden ein Grenzsteinmuseum und ein Vermessungslehrpfad angelegt (47° 55′ 8″ N, 9° 21′ 34″ O47.9190139.359466). Das Grenzsteinmuseum erinnert an die bis ins Mittelalter zurückreichenden, höchst komplizierten Grenzverhältnisse in Oberschwaben. In der 4000 Quadratmeter großen Freianlage kann anschaulich die Grenzlage der Ortschaften im Dreiländereck Württemberg-Hohenzollern-Baden abgeschritten werden. Der 13 Kilometer lange Vermessungslehrpfad dokumentiert die Geschichte der Vermessungstechnik von der Triangulation bis zum Satellitensystem GPS.[17]
  • Heimatmuseum: Die ehemalige Molkerei von Ostrach zeigt seit dem 7. Juni 1980 als Heimatmuseum vielerlei Exponaten aus dem bäuerlichen Leben und aus der Ortsgeschichte[18], zu Brauchtum und Tradition der Gegend, sowie ein Diorama der zwischen Österreichern und Franzosen 1799 geschlagenen Schlacht um Ostrach.
  • Modemuseum im Kulturhof: Das Museum für Mode aus drei Jahrhunderten ist in der Zehntscheuer der Teilgemeinde Habsthal untergebracht.
  • Volkskundemuseum: Im historischen Amtshaus der Salemer Herrschaft in Ostrach entstand auf private Initiative ein Volkskundemuseum, deren Ausstellung sich mit volkskundlichen Themen in der Region zwischen Bodensee und Unterland beschäftigt, so zum Beispiel 2008 mit einer Sonderausstellung über die „Sackmalerei“.[19]

Musik

In einem Bauernhaus im Ortsteil Bachhaupten wurde die Ostracher Liederhandschrift aus dem Jahr 1740 entdeckt, eine handschriftliche Aufzeichnung von Kunstliedern.

Bauwerke

Burgen

  • Rund 500 Meter östlich von Burgweiler stand auf einer Erhebung eine aus der Mitte des 11. Jahrhunderts stammende Burg. Außer dem Turmhügel und den aufgefüllten Gräben erinnert nichts mehr an die einstige Burganlage. Seine Erbauer waren die Edlen zu Wilare (Weiler). Spätere Besitzer waren die Freiherren zu Gundelfingen. Seit 1969 pflegt und nutzt der Musikverein Burgweiler den Burghügel. Traditionell einmal jährlich findet auf der Burg bei Burgweiler das so genannte Burgfest statt.
  • Auf Ostracher Gemeindegebiet finden sich noch weitere Burgstellen: Die hochmittelalterliche Burgstelle Arnoldsberg (400 Meter nordwestlich des Hofes Arnoldsberg), die hochmittelalterliche Burgstelle Dichtenhausen (Lage heute unbekannt), die Burgstelle Freudenberg (ein Kilometer nördlich des Hofes Freudenberg bei Ochsenbach), die hochmittelalterliche Burgstelle der Ortsburg Ostrach (Lage heute unbekannt), die Burgstelle Waldburg (bei Waldbeuren, genau Lage heute unbekannt) und die Burgstelle Leiterberg (bei Wangen).

Sakralbauten

Die St. Pankratius-Kirche
St. Pankratius um 1920
  • Die katholische Kirche St. Pankratius bildet mit ihrem Turm (1569) mit Staffelgiebeln das weit sichtbare Wahrzeichen Ostrachs. Der barocke Chor wurde zwischen 1704 und 1706 gebaut, das neugotische Langhaus von 1897 bis 1899. Die Kirche hat ein Sakramentshäuschen aus Sandstein. Bei der Orgelrenovierung 1974 kam es zu einer schlechten Ausführung, da minderwertige Materialien eingebaut wurden.[20]
  • Des Weiteren befindet sich in Ostrach die evangelische Christuskirche. Sie wurde samt Pfarrhaus erst in den 1950er-Jahren gebaut.[9]
  • Die Sankt-Michaels-Kapelle im Ortsteil Wangen ist ein romanischer Bau aus dem 12. Jahrhundert. Die anno 1900 angeschaffte Glocke, auch Wetterglocke genannt, wurde dann geläutet, wenn schwere Gewitter mit Sturm und Hagel herannahten, und rief die Dorfbewohner dazu auf, die Wetterkerze anzuzünden und um den Schutz der Herrgotts für Mensch, Tier und Hof zu beten. Ansonsten wurde die Glocke regelmäßig drei Mal täglich von Hand geläutet. Dieser Zustand änderte sich während der Amtszeit von Pfarrer und Kammerer Georg Moser, der 1963 eine elektrische Läutanlage einbauen ließ.[21]
  • Die dreischiffige Burgweiler Kirche St. Blasius wurde im Jahr 1883 umgebaut. Hierbei wurde der romanische Turm und die Krypta aus dem 12. Jahrhundert in den Bau miteinbezogen.
  • In Habsthal steht das 1259 gegründete und 1681 im Barockstil umgebaute Benediktinerinnen-Kloster Habsthal. Das Kloster zeigt sich mit Deckenfresken, Ölberg am Eingang und Kreuzgang mit Segmentbogenarkaden.
  • Die Ausstattung der Klosterkirche St. Stephan in Habsthal stammt aus dem Jahr 1748 und hat Stuckaturen. Der Hochaltarblatt ist von Zehnder, die Stuckmarmorkanzel von Joseph Anton Feuchtmayer, Muschelwerk, Deckenfresken von Gottfried Bernhard Götz.
  • Die Pfarrkirche St. Luzia in Levertsweiler geht auf eine Martinskirche des 13. Jahrhunderts zurück, das Kirchenschiff ist in seiner heutigen Gestalt jedoch ein Werk des Jahres 1840. Zur Ausstattung gehören mehrere qualitätvolle gotische Skulpturen.
  • Auf der Gemarkung Ostrach wurden Ende 2008 105 „sakrale Kleinbauwerke“ (Feldkreuze) gezählt.[22]
  • In Jettkofen befindet sich die Kapelle St. Wolfgang und ein weithin sichtbares Wegkreuz aus Sandstein. Dieses landschaftsprägende Kleindenkmal wurde in den 1880er Jahren als Mahnmal für die zu Kriegsopfer des Siebziger Kriegs errichtet. Nachdem eine Restaurierung nicht mehr in Frage kam, wurde es 2010 durch eine Neuanfertigung ersetzt und kirchlich geweiht.
  • Die Pfarrkirche St. Urban befindet sich im Ortsteil Tafertsweiler.
  • In Einhart steht die Pfarrkirche St. Nikolaus.

Sonstiges

  • Im Ostracher Altenpflegeheim Elisabethenhaus befindet sich die Heilig-Kreuz-Kapelle. Die Hauskapelle wurde 1937 im ersten Stock des damaligen Elisabethen-Krankenhauses eingeweiht. 1978/79 wurde an des Elisabethenheim angebaut; die Kapelle fand ihren neuen Standort in der ehemaligen Küche. Schon damals beherrschten Relikte aus der früheren Pfarrkirche die Apsis: Patroziniumskreuz, Altar und Tabernakel. Der Kreuzweg ist der Oberammergauer Malerei nachempfunden. Besondere Kunstwerke sind die Fenster des Ulmer Malers Wilhelm Geyer, einem der bedeutendsten Vertreter der religiösen Kunst des 20. Jahrhunderts. 2010 wurde die Kapelle neu gestaltet.[23]
  • Das heutige Landhotel Gasthaus Hirsch wurde bereits als „Obere Taferne“ in den Geschichtsbüchern des Klosters Salem erwähnt. Der jetzige Bau stammt aus dem Jahre 1728. Seit 1906 ist der „Hirsch“ im Besitz der aus Pfullendorf stammenden Familie Ermler, damals Ermler/Riester. An der Hausecke befindet sich ein Wirtshausschild in Form eines Hirsches, es ist ein Werk des Kunstschmiedemeisters Peter Klink.[24]
  • Das 1903 errichtete Buchbühldenkmal erinnert an die Schlacht bei Ostrach von 1799.
  • Aus der Salemer Zeit ist noch das Amtshaus erhalten, das nach dendrochronologischer Datierung 1595 erbaut wurde.[25] Zehntscheuern gibt es noch in Burgweiler, Habsthal, Magenbuch und Ostrach.
  • Die ehemalige Torffabrik Ostrach ist ein industriegeschichtliches Fabrikareal mit maroder Bausubstanz am Rande der Gemeinde Ostrach. Das Industriegebäude mit historischen Charakter soll renoviert, restauriert und ausgebaut werden. Es handelt sich um einen so genannten Zweitbau. Der bereits 1897 in Betrieb genommene Erstbau ist schon um 1910 für die Brenntorfproduktion nicht mehr ausreichend gewesen. Allerdings musste die Torfbrikettproduktion im Zweitbau auch schon nach 1926 eingestellt werden, da Stein- und Braunkohle die Torfbriketts vom Markt verdrängt hatten. Bis dahin hatten insbesondere Kleinlandwirte und Kleinhandwerker ein Zubrot in der Torffabrik gefunden. Verarbeitet worden war dort der im Pfrunger Ried gestochene Torf, der per Schmalspurbahn zur Fabrik transportiert wurde. In der Vergangenheit wurde schon mal angedacht, diese mit Blick auf den Tourismus zu reaktivieren.[26][27]
  • Ein etwa ein Kilometer langer Bahndamm überspannt das Ostrachtal im Süden des Ortes. Die Ostrach wird mit einer markanten Gitterbrücke überquert.

Naturdenkmäler

  • Die als Pfrunger Ried bekannte Moorzone ist mit einer Ausdehnung von rund 2.600 Hektar (davon rund 160 Hektar Hochmoorfläche) nach dem Federseegebiet das zweitgrößte zusammenhängende Moorgebiet Oberschwabens, benannt nach dem Wilhelmsdorfer Ortsteil Pfrungen. Auf der Homepage der Gemeinde Ostrach findet sich zur Namensgebung die Anmerkung: Da der größere Teil des Riedes auf der Gemarkung der Gemeinde Ostrach liegt, ist die Bezeichnung Burgweiler-Pfrunger Ried fachlich korrekt und sollte statt Pfrunger- bzw. Pfrunger-Burgweiler Ried verwendet werden. Das Ried entstand durch die Verlandung eines Eisstausees vor 12.000 Jahren. Es ist ein so genanntes Niedermoor, über dem sich im zentralen Bereich eine Hochmoordecke bildete. Bis 1938 wurde Torf zum Teil maschinell abgetragen, später wurde das Moor stark entwässert und ist seit 1977 über einen Lehrpfad begehbar. Das Pfrunger Ried ist durch die Flora und Fauna ein einzigartiges Ökosystem. Charakteristisch sind die Bruchwälder mit Birken, Kiefern und Weiden, die Binsen-, Seggen- und Torfmoosarten. In den Gewässern findet man Laichkraut und Seerosen. In den sumpfigen Bereichen haben viele Vogelarten ihre Nahrungs- und Brutreviere.[17]
  • Ein weiteres Naturschutzgebiet auf Ostracher Gemarkung ist das Naturschutzgebiet Laubbachmühle.

Naturereignis

Fast wie ein Naturwahrzeichen thront der Storch auf dem Dach vom Gasthaus Hirsch neben der Kirche und kündet, dass die Natur der Umgebung noch soweit in Ordnung ist, dass sie für ihn noch ausreichend Froschnahrung vorhält. Früher war er einmal auf dem Kirchturm angesiedelt.

Regelmäßige Veranstaltungen

Der Brunnen der Bauzemeckerzunft

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Ostrach befindet sich im Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) und seit dem 1. Januar 2009 auch im Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo).

Am 14. August 1875 bekam Ostrach über die Bahnstrecke Altshausen–Schwackenreute Anschluss an die Eisenbahn. Damit erhielt die württembergische Allgäubahn von Aulendorf eine Verlängerung über die preußische Provinz Hohenzollernsche Lande nach Baden. Bahnhöfe gab es in Ostrach und in Burgweiler. Der Personenverkehr wurde am 28. September 1966 eingestellt. Der letzte Güterzug fuhr am 31. Juli 2002. Zum 1. Juli 2009 soll die Strecke zwischen Altshausen und Pfullendorf wieder für Güterverkehr und Sonderzüge reaktiviert werden.[29] Von Mai bis Mitte Oktober 2011 verkehrt erstmals der 3-Löwen-Takt Radexpress „Oberschwaben“ an 15 Sonn- und Feiertagen zwischen Aulendorf, Altshausen, Ostrach und Pfullendorf.


Bildung

Die 2008 abgerissene Freiherr-vom-Stein-Schule war ein geschichtsträchtiges Gebäude. Der erste Teil des Gebäudes war 1957/58 als ländliche Berufsschule für Jungen und Mädchen erstellt worden. Auf Anraten von Landwirtschaftsschulrat Norbert Wahl bekam die Einrichtung den Namen des Freiheitskämpfers Freiherr vom Stein. Im Rahmen der Aufhebung der Berufsschule und der Entwicklung des Schulwesens mit den Schwerpunkten Haupt- und Realschule war 1966 ein weiterer Trakt angebaut worden. 1971 endete die schulische Nutzung durch die Erstellung des Schulzentrums Ostrachtalschule an der Schlößlesstraße.[30]

Wirtschaft

Von 1818 bis 2009 gab es in Ostrach über lange Jahre hinweg eine eigenständige Essigfabrik, die Firma Hubert Briemle e.K.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Anneliese Drewing-Müller († 2007)
  • Herbert Barth (1943–2008), Politiker (CDU), war 32 Jahre lang Bürgermeister von Ostrach, erhielt am 10. März 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande und am 6. Juli 2007 die Ehrenbürgermedaille.
  • Adolf Hitler (1889–1945), der Gemeinderat “stimmte auf Veranlassung der Ortsgruppe der NSDAP zu”, den Führer und Reichskanzler zum Ehrenbürger Ostrachs zu ernennen.Man konnte damit auf diplomatische Weise zeigen, dass diese Ehrung nicht aus eigenem Antrieb geschah. Diese Ehrenbürgerschaft ist bereits 1945 wieder erloschen.[31]

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Balthasar Puolamer (1671–1681), geboren im heutigen Ortsteil Bachhaupten, neunzehnter Abt der Reichsabtei Ochsenhausen
  • Eduard Schmid (1861–1933), 1919–1924 Oberbürgermeister von München
  • Reinhold Frank (1896–1945), geboren im heutigen Ortsteil Bachhaupten, Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, hingerichtet nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944
  • Jo Bentfeld (* 1932), Reiseschriftsteller

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Lambert Bumiller (1852–1908), Pfarrer, Dekan, Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • Josef Briem (†), Landjugendleiter, Bauernverbandsobmann, Bürgermeister und Ortsvorsteher von Einhart, seit 1994 Träger der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.[32]

Literatur

  • Heimatgeschichte Bachhaupten. Wiedu-Club, Bachhaupten 1986
  • Walther Genzmer (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns. Band 2; Kreis Sigmaringen, W. Speemann, Stuttgart 1948.
  • Josef Unger, Rainer Spendel: Ostrach. Geschichte – Menschen – Bilder. Geigerverlag, Horb am Neckar 2008, ISBN 978-3-86595262-2.
  • Edwin Ernst Weber (Hrsg.): Ostrach 1799 - Die Schlacht, der Ort, das Gedenken. Ostrach 1999, ISBN 3-00-004325-X.
  • August Friedrich Bogenschütz; Gemeinde Ostrach (Hrsg.): Das alte Ostrach und seine Maler. Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2009, ISBN 978-3-83921065-9.

Weblinks

 Commons: Ostrach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. a b c Angaben nach Renate Döring, Gemeinde Ostrach, vom 11. Januar 2011.
  3. Ursula Mallkowsky (sky): Verwaltung blickt in die Zukunft der Gemeinde. In: Südkurier vom 9. November 2010
  4. a b Angaben nach Renate Döring, Gemeinde Ostrach, vom 4. Februar 2011.
  5. J. D. G. v. Memminger: Beschreibung des Oberamts Saulgau, 1829, Kap. A2, II. 1a 6 auf Wikisource
  6. Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass…. In: Südkurier vom 26. Oktober 2011
  7. Josef Unger: Rätsel um die Ostrach-Brücke. In: Südkurier vom 12. März 2005
  8. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII. ISBN 3-17-004807-4
  9. a b Volker Knab: Die Gemeinschaft ist klein und trotzdem lebendig. Evangelische Christen in Ostrach und Wald bilden eine Einheit. In: Schwäbische Zeitung vom 9. September 2011
  10. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  11. Südkurier
  12. Schwäbische Zeitung
  13. Siegfried Volk (siv): Ein Mann formt die Gemeinschaft. In: Südkurier vom 6. Juli 2007
  14. Josef Unger: Erinnerungen eines Zeitzeugen. In: Südkurier vom 20. August 2011
  15. Ursula Mallkowsky (sky): 40 Jahre Partnerschaft. In: Südkurier vom 28. Mai 2011
  16. Mit Champagner Freundschaft erneuert. In: Südkurier vom 14. Juni 2010
  17. a b Vom Grenzsteinmuseum ins Ried. S. 30f. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch
  18. Josef Unger: Von der Molke zum Heimatmuseum. In: Südkurier, 8. Juni 2005
  19. Josef Unger: „Sackmalerei“ interessiert auch in Amerika. In: Südkurier vom 29. September 2010
  20. Hermann-Peter Steinmüller (hps): 288 Seiten Kulturgeschichte. In: Südkurier vom 24. November 2010
  21. (ugr): Set 40 Jahren Dienst in Kapelle. In: Südkurier vom 15. März 2011
  22. rbr: Instandsetzung. 105 Feldkreuze sind erhalten. In: Südkurier, 14. Januar 2009 lebensart-see.de
  23. Josef Unger: Ein Ort der Besinnung. In: Südkurier vom 23. September 2010
  24. Josef Unger: Neues Schild für „Hirsch“. In: Südkurier vom 5. August 2011
  25. Josef Unger: Josef Unger blickt auf Alt-Ostrach. In: Südkurier vom 2. Januar 2009 lebensart-see.de
  26. Ursula Mallkowsky (sky): Neues Leben in alter Torfbrikettfabrik. In: Südkurier vom 15. März 2011
  27. Ursula Mallkowsky (sky): Rat steht hinter der Torfbrikettfabrik. In: Südkurier vom 25. März 2011
  28. jüw: Pfingstturnier FC Ostrach U 19. Stelldichein der Jugendelite. In: Südkurier, 21. Mai 2010
  29. Beschluss des Pfullendorfer Gemeinderats laut Südkurier, 28. März 2009 lebensart-see.de
  30. Unger: Die Bagger sind jetzt da. Abriss der Freiherr-vom-Stein-Schule in vollem Gang – Geschichtsträchtiges Gebäude. In: Südkurier, 27. November 2008 lebensart-see.de
  31. Parole “Volk ohne Raum” verführte. In: Schwäbische Zeitung vom 29. August 2009
  32. Josef Unger: 110 Senioren schwelgen in Erinnerungen. In: Südkurier vom 8. September 2011

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