Oströmisches Reich
Dieser Artikel erläutert das Byzantinische Reich, dessen frühe Periode als Oströmisches Reich oder auch Ostrom bezeichnet wird; zu anderen Bedeutungen von Ostrom siehe Ostrom (Begriffsklärung).
Die Gebietsveränderungen des Byzantinischen Reiches
(rot: Byzantinisches Reich / grün: zurückeroberte Provinzen des ehemaligen weströmischen Reiches)

Das Byzantinische Reich (griechisch Βυζαντινή Αυτοκρατορία, offiziell Βασιλεία τῶν Ῥωμαίων), verkürzt auch nur Byzanz (griechisch Βυζάντιο[ν]) oder, aufgrund der historischen Herkunft, das Oströmische Reich, war ein Kaiserreich im östlichen Mittelmeerraum. Es entstand in der Spätantike aus der östlichen Hälfte des Römischen Reiches und endete mit der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453. Das Reich erstreckte sich anfangs bis zur arabischen Halbinsel und nach Nordafrika, war aber seit der Mitte des 7. Jahrhunderts auf Kleinasien und Südosteuropa beschränkt und wurde von der Hauptstadt Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) aus regiert. Die Bezeichnung als Byzantinisches Reich ist in der modernen Forschung üblich, war aber unter Zeitgenossen nicht verbreitet, die nicht von „Byzantinern“, sondern von „Römern bzw. Rhomäern“ oder „Griechen“ sprachen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Spätantike: Das Oströmische Reich

Hauptartikel: Spätantike

Kaiser Konstantin I. der Große

Die Wurzeln des Byzantinischen Reiches liegen in der römischen Spätantike (284 bis 641). Das Byzantinische Reich stellt dabei keine Neugründung dar, vielmehr handelt es sich um die bis 1453 weiter existierende östliche Hälfte des 395 endgültig geteilten Römerreichs (siehe Reichsteilung von 395). Die damit verbundene Frage, wann die byzantinische Geschichte konkret beginnt, ist jedoch sehr problematisch, da verschiedene Ansätze möglich sind. Oft wird als Beginn die Regierungszeit Kaiser Konstantins des Großen angesehen. Zum einen begünstigte dieser als erster römischer Kaiser aktiv das Christentum (Konstantinische Wende). Zum anderen schuf er die spätere Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. Zwischen 325 und 330 ließ er die alte griechische Gründung Byzanz großzügig ausbauen und benannte sie nach sich selbst in Konstantinopel um. Der Name „Byzanz“ lebte allerdings parallel dazu weiter und wurde in der Neuzeit rückblickend auf das ganze Reich ausgedehnt. Bereits zuvor hatten sich Kaiser Residenzen gesucht, die näher an den bedrohten Reichsgrenzen lagen und/oder besser zu verteidigen waren als Rom, das spätestens nach der kurzen Herrschaft des Kaisers Maxentius nicht mehr Sitz der Kaiser, sondern nur noch ideelle Hauptstadt war. Allerdings erhielt Konstantinopel einen eigenen Senat. Mehr und mehr entwickelte es sich zum verwaltungsmäßigen Schwerpunkt des östlichen Reichsteils. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts kam sogar die Bezeichnung Nova Roma (Neues Rom) auf, im bewussten Gegensatz zur alten Hauptstadt. Seit der Zeit des Kaisers Theodosius I. war Konstantinopel dann die dauerhafte Residenz der im Osten regierenden Kaiser. Nach dem Tod des Theodosius 395, der als letzter Kaiser über das gesamte Imperium herrschte, wurde das Römische Reich in eine östliche und eine westliche Hälfte unter seinen beiden Söhnen Honorius und Arcadius aufgeteilt. Solche Reichsteilungen hatte es zwar schon früher gegeben, aber diesmal erwies sie sich als endgültig: Arcadius, der in Konstantinopel residierte, gilt daher oft als erster Kaiser des Oströmischen beziehungsweise Frühbyzantinischen Reiches. Dennoch galten weiterhin alle Gesetze in beiden Reichshälften (sie wurden meist im Namen beider Kaiser erlassen), und der Konsul des jeweils anderen Teiles wurde anerkannt.

Die Reichsteilung von 395

Im späten 4. Jahrhundert, zur Zeit der beginnenden Völkerwanderung, war zunächst die östliche Reichshälfte Ziel germanischer Verbände wie der West- und der Ostgoten. In der Schlacht von Adrianopel erlitt das oströmische Heer 378 eine schwere Niederlage gegen die Goten, die 382 von Theodosius I. südlich der Donau Land zugewiesen bekamen. Seit Beginn des 5. Jahrhunderts richteten sich die germanischen und hunnischen Angriffe dann aber zunehmend auf das militärisch schwächere Westreich.[1] Vereinzelt musste sich Ostrom der Angriffe des neupersischen Sassanidenreichs erwehren, des einzigen gleichrangigen Konkurrenten Roms, mit dem aber zwischen 387 und 502 fast durchgängig Frieden herrschte (siehe hierzu Römisch-Persische Kriege). 410 wurde die Stadt Rom zum ersten Mal von den Westgoten erobert, was einen deutlichen Schock auf die Römer hatte, während die östliche Reichshälfte, abgesehen vom Balkanraum, weitgehend unbehelligt blieb. Ostrom versuchte allerdings mitunter durchaus, das Westreich zu unterstützen. So wurde die erfolglose Flottenexpedition gegen die Vandalen 467/68 wesentlich von Ostrom getragen.

Gegen Ende des 5. Jh. hatte das Ostreich mit schweren Problemen zu kämpfen. Der Großteil des Heeres und durch das Amt des magister militum (Heermeister, einem hochrangigen General) auch politisch bedeutsame Stellen waren von germanischen Söldnern dominiert, die immer unbeliebter wurden. Unter Kaiser Leo I. (457-74) versuchte man die Germanen durch die Isaurier zu ersetzen, Bewohner der Berge Südostkleinasiens, also Reichsangehörige. Mit Zenon konnte einer von ihnen 474 sogar den Kaiserthron besteigen. Da die Isaurier zivilisatorisch aber kaum höher standen als die Germanen, wurden auch sie bald unbeliebt und mussten unter großen Kraftanstrengungen wieder zurückgedrängt werden. Die Armee blieb auch weiterhin von auswärtigen, meist germanischen Söldnern dominiert. Ihr Einfluss auf die Politik war allerdings beendet. Etwa zur gleichen Zeit endete in Westrom das Kaisertum. Der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus wurde im Jahr 476 von dem germanischen Heerführer Odoaker abgesetzt (der letzte von Ostrom anerkannte Kaiser war allerdings Julius Nepos, der 480 in Dalmatien verstarb). Der Ostkaiser war faktisch wieder alleiniger Herr über das Gesamtreich, wenn gleich die Westgebiete natürlich weiterhin verloren blieben. Die Germanenreiche erkannten den oströmischen Kaiser zumindest als ihren nominellen Oberherren an. Kaiser Anastasios I. stärkte um die Wende zum 6. Jh. die Finanzkraft des Reiches, was der späteren Expansionspolitik Ostroms zugute kam.

Justinian I., Mosaikbild aus St. Vitale in Ravenna

Im 6. Jahrhundert eroberten unter Kaiser Justinian I. (527–565) die beiden oströmischen Feldherren Belisar und Narses große Teile der weströmischen Provinzen – Italien, Nordafrika und Südspanien – zurück und stellten damit das Imperium Romanum für kurze Zeit fast in seinem alten Umfang wieder her. Doch die Kriege gegen die Königreiche der Vandalen und Goten im Westen und gegen das mächtige Sassanidenreich unter Chosrau I. im Osten, sowie ein Ausbruch der so genannten Justinianischen Pest, die ab 541 die ganze Mittelmeerwelt heimsuchte, zehrten erheblich an der Substanz des Reiches.[2] Während der Regierungszeit Justinians wurde auch die Hagia Sophia erbaut, für lange Zeit die größte Kirche der Christenheit und der letzte große Bau des Altertums. Ebenso kam es zur umfassenden und wirkungsmächtigen Kodifikation des römischen Rechts (das später so genannte Corpus iuris civilis). Auf dem religionspolitischen Sektor konnte der Kaiser keine Erfolge erzielen. Die andauernden Spannungen zwischen orthodoxen und monophysitischen Christen stellten neben der leeren Staatskasse, die Justinian hinterließ, eine schwere Hypothek für seine Nachfolger dar. Justinians lange Herrschaft markiert eine wichtige Übergangszeit vom spätantiken zum mittelbyzantinischen Staat, auch wenn man Justinian, den „letzten römischen Imperator“ (G. Ostrogorsky), sicherlich noch zur Antike zu zählen hat. Unter seinen Nachfolgern nahm dann auch die Bedeutung und Verbreitung der lateinischen Sprache im Reich immer weiter ab, und Kaiser Maurikios gab mit der Einrichtung der Exarchate in Karthago und Ravenna den spätantiken Grundsatz der Trennung von zivilen und militärischen Kompetenzen auf.

Das Restaurationswerk Justinians I.

Ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts brachten leere Kassen und an allen Fronten auftauchende Feinde das Reich erneut in ernste Schwierigkeiten. In der Regierungszeit Justins II., der einen Krieg mit Persien provozierte und infolge der darauffolgenden Niederlagen einen Nervenzusammenbruch erlitt, besetzten die Langobarden ab 568 große Teile von Italien. Währenddessen drangen die Slawen seit etwa 580 in den Balkanraum ein und besiedelten ihn bis zum Ende des 7. Jahrhunderts größtenteils. Mit dem gewaltsamen Tod des Kaisers Maurikios im Jahr 602, der 591 einen vorteilhaften Frieden mit den Sassaniden hatte schließen können und energisch gegen die Slawen vorgegangen war, eskalierte die militärische Krise. Seit 603 erlangten die sassanidischen Perser unter Großkönig Chosrau II. zeitweilig die Herrschaft über die meisten östlichen Provinzen. Bis 619 hatten sie sogar Ägypten und Syrien, und somit die reichsten oströmischen Provinzen, erobert. Ostrom schien am Rande des Untergangs zu stehen, da auf dem Balkan auch die Awaren und ihre slawischen Untertanen auf byzantinisches Gebiet vordrangen. Begünstigt wurden diese Vorgänge noch durch einen Bürgerkrieg zwischen dem regierenden Kaiser Phokas und seinem Rivalen Herakleios. Letzterer konnte sich im Jahr 610 durchsetzen und nach einiger Zeit auch die Wende im Krieg gegen die Perser herbeiführen. In mehreren Feldzügen drang er auf persisches Gebiet vor und schlug ein persisches Heer Ende 627 in der Schlacht bei Ninive entscheidend. Persien schloss Frieden mit Ostrom und versank aufgrund innerer Machtkämpfe bald im Chaos. Nach dieser Anstrengung waren die Kräfte des Oströmischen Reichs jedoch erschöpft, und auch die Senatsaristokratie, die ein wesentlicher Träger der antiken Traditionen gewesen war, war stark geschwächt worden.[3] Die Herrschaft über den größten Teil des Balkans blieb weiterhin verloren. Indem Herakleios Griechisch, das in den verbliebenen Reichsgebieten ohnehin die dominierende Sprache war, zur Amtssprache machte, vollzog er einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Byzantinischen Reich des Mittelalters. Nicht wenige Forscher sehen daher erst in diesem Kaiser zugleich den letzten (ost-)römischen als auch den ersten byzantinischen Kaiser.

Die mittelbyzantinische Epoche

Das 7. Jahrhundert: Vom oströmischen zum byzantinischen Reich

Die islamische Expansion

Der arabischen Expansion, die von den durch ihren neuen muslimischen Glauben angetriebenen Arabern in den 30er Jahren des 7. Jahrhunderts einsetzte, hatte Kaiser Herakleios nicht mehr viel entgegenzusetzen. In der entscheidenden Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 unterlagen die Oströmer einem Heer des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab, und der ganze Südosten des Reichs, einschließlich Syriens und Palästinas, ging bis 642 verloren.[4] Im Gegensatz zu seinem langjährigen Rivalen, dem Sassanidenreich, das trotz heftiger Gegenwehr 642/51 unterging, konnte sich das Oströmische bzw. Byzantinische Reich jedoch immerhin erfolgreich gegen eine vollständige islamische Eroberung verteidigen. Die byzantinischen Truppen, die bisher die vorderorientalischen Provinzen verteidigt hatten, mussten sich aber nach Kleinasien zurückziehen, das von arabischen Angriffen heimgesucht wurden (Razzien). Dabei führte die militärische Krise und der endgültige Verlust der reichsten Provinzen zu einer massiven Veränderung im Reich, in dem nun Griechisch endgültig das Lateinische verdrängte.

Was das Reich an Gebieten verlor, gewann es an Gleichförmigkeit. Die antike Zivilisation war seit Jahrhunderten von der Existenz zahlreicher größerer und kleinerer Städte – póleis – geprägt gewesen; diese Zeit endete nun. Die meisten Städte wurden aufgegeben oder schrumpften auf die Größe von befestigten Dörfern, den so genannten kastra. Die verlorenen südlichen bzw. orientalischen Provinzen unterschieden sich kulturell nicht unerheblich vom Norden und gehörten seit dem 5. Jahrhundert mehrheitlich den orientalisch-orthodoxen, monophysitischen Kirchen an, die mit der griechisch-orthodoxen Kirche der nördlichen Provinzen seit 451 im Streit lagen. Dieser Konflikt war vielleicht einer der Gründe für die baldige Akzeptanz der neuen muslimischen Herren in Syrien und Ägypten, was aber in der neueren Forschung wieder stark umstritten ist. Der unter kaiserlicher Kontrolle verbliebene Norden gelangte jedenfalls zu größerer Geschlossenheit und höherer Kampfbereitschaft.

Der Preis für das Überleben war jedoch der Verlust von zwei Drittel des Reiches und der meisten Steuereinkünfte. Die spätantiken Strukturen von Staat und Gesellschaft verschwanden in dieser Zeit zu großen Teilen. Es verwundert ohnehin, dass Byzanz den nachfolgenden, Jahrzehnte andauernden Kampf ums Überleben gegen eine enorme feindliche Übermacht überstand. Mit dazu bei trug wohl das berühmte System von Militärprovinzen, die so genannten Themen. Diese wurde vermutlich erst nach der Regierungszeit des Herakleios geschaffen, anders als in der älteren Forschung oft vermutet, um den ständigen Angriffen und dem Verfall des städtischen Lebens außerhalb der Hauptstadt zu begegnen. Tendenzen, die bereits seit langem vorhanden waren, kamen nach 636 in vielen Bereichen von Staat und Gesellschaft voll zum Tragen. Zugleich endeten zahlreiche Produktionsstränge – die spätantike Phase des Oströmischen Imperiums gelangte an ihr Ende und es entstand das Byzantinische Reich des Mittelalters.[5]

Im Verlauf des 7. Jahrhunderts verlor Byzanz infolge der Islamischen Expansion auch die Seeherrschaft im östlichen Mittelmeer (Niederlage bei Phoinix 655) und konnte zudem nur mit Mühe Kleinasien halten, wo es immer wieder zu arabischen Überfällen kam, während auf dem Balkan Slawen und Bulgaren das Reich bedrängten und die kaiserliche Herrschaft auf einige wenige Orte begrenzten. Die Zeit von der Mitte des 7. bis ins 8. Jahrhundert war weitgehend von Abwehrkämpfen geprägt, in denen die Initiative fast ausschließlich bei den Feinden von Byzanz lag. Kaiser Konstans II. verlegte seine Residenz von 661–668 ins sizilianische Syrakus, vielleicht, um von dort aus die Seeherrschaft gegen die Araber zu sichern, doch kehrten seine Nachfolger wieder in den Osten zurück. Im Jahr 679 musste Kaiser Konstantin IV. Pogonatos das neugegründete Bulgarenreich anerkennen. 674–678 kam es sogar zur Belagerung Konstantinopels durch die Araber, die aber durch den Einsatz des so genannten Griechischen Feuers, das sogar auf dem Wasser brannte, zurückgeschlagen werden konnten. Das Reich blieb in der Folgezeit auf den Balkan und Kleinasien beschränkt, hinzu kamen noch Gebiete in Italien sowie bis 698 in Nordafrika.[6]

Das 8. und 9. Jahrhundert: Abwehrkämpfe und Bilderstreit

Die Themen in den 650er Jahren

Kaiser Justinian II., in dessen Regierungszeit Byzanz wenigstens teilweise wieder in die Offensive ging, war der letzte Monarch der herakleischen Dynastie. In einer später oft wiederholten Praxis wurden slawische Siedler vom Balkan nach Kleinasien deportiert und dort angesiedelt. Ziel war eine Stärkung der Grenzverteidigung, es kam in der Folgezeit aber auch immer wieder zu Desertionen; ebenso wurden teils Bevölkerungsgruppen von Kleinasien auf den Balkan transferiert. Justinian fiel 695 jedoch einer Verschwörung zum Opfer, wurde verstümmelt und ins Exil geschickt, wo er eine Prinzessin aus dem Volke der Chasaren heiratete. Er gelangte schließlich mit bulgarischer Unterstützung wieder an die Macht, bevor er 711 umgebracht wurde.

Solidus mit dem Bildnis von Leo III. und seinem Sohn Konstantin V.

Die wohl bedrohlichste Belagerung Konstantinopels durch die Araber fand 717–18 statt; nur dank der Fähigkeiten Kaiser Leos III., der erfolgreichen Flottenoperationen (wobei die Byzantiner wieder das Griechische Feuer einsetzten) und eines extrem harten Winters, der den Arabern schwer zu schaffen machte, konnte sich die Hauptstadt halten. 740 wurden die Araber bei Akroinon von den Byzantinern entscheidend geschlagen. Wenngleich die Abwehrkämpfe gegen die Araber weitergingen, war die Existenz des byzantinischen Reiches nun nicht mehr ernsthaft von den Arabern gefährdet. Auf dem Balkan befand sich Byzanz währenddessen in schwere Kämpfe mit den Slawen verwickelt, die nach dem Zerfall des Awarenreiches in die byzantinischen Gebiete einrückten. Weite Teile des Balkans waren dem byzantinischen Zugriff entzogen, doch gelang es in der Folgezeit Griechenland nach und nach von den Slawen zurückgewinnen, die seit dem 7. Jahrhundert in die Sklaviniai eingezogen waren. Dafür erwuchs dem Reich ein neuer Gegner in Gestalt der Bulgaren, die nun erfolgreich eine eigene Staatsbildung anstrebten.

Kaiser Leo III. entfachte jedoch auch, wohl aus ernsthafter persönlicher Überzeugung, 726 den so genannten Bilderstreit, der über 110 Jahre andauern sollte und mehrmals Bürgerkriege aufflackern ließ, zuletzt den von 843 bis 872 währenden Krieg gegen die Paulikianer.[7] Allerdings sind die Schriften der bilderfeindlichen Autoren nach dem Sieg der Ikonodulen vernichtet worden, sodass die Quellen für diese Zeit fast ausschließlich aus der Perspektive des Siegers geschrieben wurden und dementsprechend problematisch sind. Ausgelöst durch einen Vulkanausbruch in der Ägäis ließ Leo 726 die Christus-Ikone über dem Chalketor am Kaiserpalast entfernen. Die militärischen Erfolge Leos ermöglichten es ihm offenbar, ohne größeren Widerstand Ikonen (die in der Ostkirche allerdings damals auch keine so große Rolle wie heute spielten) durch Kreuzesdarstellungen zu ersetzen, die von allen Byzantinern anerkannt werden konnten. Dass Leo zur Abkehr von der Bilderverehrung durch Einflüsse aus dem islamischen Bereich angeregt wurde, wird heute eher skeptisch gesehen, waren doch die ikonoklastischen Kaiser auch überzeugte Christen, die eben deshalb die Ikonen ablehnten, weil sie der Meinung waren, dass das göttliche Wesen sich so nicht einfangen ließ. Zudem war das Kreuz, das die Ikonen ersetzen sollte, im islamischen Bereich geächtet. Die moderne Forschung geht auch heute nicht mehr davon aus, dass Leo ein regelrechtes Bilderverbot erließ oder dass es gar zu schweren Unruhen kam, wie die ikonodulen Quellen unterstellen. Offenbar wurde diese Phase des Bilderstreits kaum mit der Härte geführt wie die zweite Phase im 9. Jahrhundert.[8]

Leo führte im Inneren mehrere Reformen durch und war auch militärisch sehr erfolgreich. So ging er in Kleinasien offensiv gegen die Araber vor, wobei sein Sohn Konstantin sich als fähiger Kommandeur erwies. Als Konstantin seinem Vater schließlich 741 als Konstantin V. auf den Thron nachfolgte, setzte er, nachdem er einen Aufstand seines Schwagers Artabasdos niedergeschlagen hatte, die bilderfeindliche Politik Leos fort und schrieb zu diesem Zweck sogar mehrere theologische Abhandlungen. Durch das Konzil von Hiereia 754 sollte die Bilderverehrung auch formal abgeschafft werden. Obwohl militärisch erfolgreich (sowohl gegen Araber wie auch gegen die Bulgaren), wird Konstantin in den meisten Quellen als grausamer Herrscher beschrieben – wohl zu Unrecht und offenbar aufgrund seiner Einstellung gegen die Ikonen. Leo IV., Konstantins Sohn, betrieb eine eher gemäßigte bilderfeindliche Politik, musste sich jedoch mehrerer Umsturzversuche erwehren und starb nach nur fünfjähriger Herrschaft 780. Für seinen minderjährigen Sohn Konstantin VI. übernahm dessen Mutter Irene die Regentschaft; bald allerdings zeigte sich, dass diese nicht beabsichtigte, die Macht abzugeben.[9] Konstantin wurde später geblendet und verstarb an den Folgen. Irene betrieb wieder eine bilderfreundliche Politik. Unter ihrer Herrschaft erlebte der universale Anspruch des byzantinischen Kaisertums mit der Kaiserkrönung Karls des Großen schweren Schaden. 802 wurde Irene, die politisch eher ungeschickt agiert hatte, gestürzt, womit die durch Leo III. begründete Syrische Dynastie (nach dem Herkunftsland Leos III.) endete.

Außenpolitisch war auf dem Balkan gegen die Bulgaren vorerst wenig auszurichten. 811 wurde sogar ein byzantinisches Heer unter Führung Kaiser Nikephoros’ I. durch den Bulgarenkhagan Krum vernichtet, Nikephoros fiel im Kampf. Erst Leo V. konnte sich mit Khan Omurtag vertraglich einigen. Leo war es auch, der erneut einen bilderfeindlichen Kurs einschlug und so die zweite Phase des Ikonoklasmus einleitete. Im 9. und vor allem im 10. Jahrhundert wurden einige bedeutende außenpolitische Erfolge erzielt, auch wenn unter der Amorischen Dynastie (ab der Thronbesteigung Michaels II. 820) Byzanz zunächst Gebietsverluste hinnehmen musste (Kreta und Sizilien an die Araber). Unter Michaels Sohn und Nachfolger, Theophilos, kam es schließlich zu einem letzten Aufflackern des Ikonoklasmus, welcher aber unter Michael III. (842–867), dem letzten Kaiser der Amorischen Dynastie, endgültig überwunden wurde. In Michaels Regierungszeit vollzog sich die Annahme des Christentums durch die Bulgaren – und zwar in dessen östlicher Form, womit die byzantinische Kultur, die nun immer mehr aufblühte, auch zur Leitkultur für das Bulgarische Reich wurde. Der Bilderstreit wurde endgültig beendet, während in Kleinasien mehrere Siege über die Araber gelangen. Flottenexpeditionen nach Kreta und sogar Ägypten wurden unternommen, blieben aber erfolglos. Byzanz hatte die Phase der reinen Abwehrkämpfe damit überwunden.

Die makedonische Dynastie: Byzanz wieder als Großmacht

Themeneinteilung um 950

Michael erhob 866 Basileios zum Mitkaiser, doch ließ Basileios Michael im folgenden Jahr ermorden, bestieg selbst den Thron und begründete damit die Makedonische Dynastie. Michaels Andenken wurde stark verunglimpft – zu Unrecht, wie die neuere Forschung betont. Kulturell erlebte Byzanz jedoch wieder eine neue Blüte (so genannte Makedonische Renaissance) wie etwa zur Zeit Konstantins VII., der von Romanos I. Lakapenos zunächst von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen worden war. Außenpolitisch gewann das Reich zudem nach und nach an Boden: Unter Nikephoros II. Phokas wurde Kreta zurückerobert; die Grenzsicherung im Osten lag nun weitgehend in den Händen der Akriten. Johannes I. Tzimiskes, wie Nikephoros II. nur als Regent für die Söhne Romanos’ II. regierend, weitete den byzantinischen Einfluss bis nach Syrien und kurzzeitig sogar bis nach Palästina aus, während die Bulgaren niedergehalten wurden. Byzanz schien wieder auf dem Weg zur regionalen Hegemonialmacht zu sein.

Byzanz und Europa um das Jahr 1000

Das Reich erreichte unter den makedonischen Kaisern des 10. und frühen 11. Jahrhunderts seinen Machthöhepunkt. Durch die im Jahre 987 vollzogene Heirat der Schwester von Kaiser Basileios II. mit dem ruthenischen Großfürsten Wladimir I. breitete sich der orthodoxe Glaube allmählich auf dem Gebiet der heutigen Staaten Ukraine, Weißrussland und Russland aus. Die russische Kirche unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel. Basileos II. eroberte in jahrelangen Kämpfen das Erste Bulgarische Reich, was ihm den Beinamen Bulgaroktónos („Bulgarentöter“) einbrachte. Im Jahre 1018 wurde Bulgarien eine byzantinische Provinz, und auch im Osten wurde Basileios expansiv tätig.[10]

Trotzdem durchlief das Byzantinische Reich bald darauf eine Schwächeperiode, die in hohem Grade durch das Wachstum des Landadels verursacht wurde, der das Themensystem untergrub. Ein Problem dabei war, dass das stehende Heer durch teils unzuverlässige Söldnerverbände ersetzt wurde bzw. ersetzt werden musste (was sich 1071 in der Schlacht von Manzikert gegen türkische Seldschuken bereits bitter rächen sollte). Bloß mit seinen alten Feinden, wie dem Kalifat der Abbasiden konfrontiert, hätte es sich vielleicht erholen können, aber um die gleiche Zeit erschienen neue Eindringlinge: die Normannen, die Süditalien eroberten (Fall von Bari 1071), und die Seldschuken, die hauptsächlich an Ägypten interessiert waren, aber auch Raubzüge nach Kleinasien, dem wichtigsten Rekrutierungsgebiet für die byzantinische Armee, unternahmen. Nach der Niederlage von Kaiser Romanos IV. im Jahr 1071 bei Mantzikert gegen Alp Arslan, den seldschukischen Sultan, ging der Großteil Kleinasiens verloren, unter anderem auch, da innere Kämpfe um den Kaiserthron ausbrachen und keine gemeinsame Abwehr gegen die Seldschuken errichtet wurde. Die bedeutendste Provinz ging aber nicht unmittelbar nach der Niederlage verloren, vielmehr begann der Einfall der Seldschuken erst drei Jahre danach, als der neue Kaiser sich nicht an die Abmachungen hielt, die zwischen Romanos VI. und dem Sultan getroffen worden waren. Dies lieferte den Seldschuken einen Vorwand zur Invasion.

Die Zeit der Komnenenkaiser

Das Byzantinische Reich um 1081 n.Chr.

Das nächste Jahrhundert der byzantinischen Geschichte wurde durch die Dynastie Alexios I. Komnenos, geprägt, der 1081 an die Macht gelangte und anfing, die Armee auf Basis eines Feudalsystems wiederherzustellen. Es gelangen ihm bedeutende Fortschritte gegen die Seldschuken und auf dem Balkan gegen die Petschenegen. Sein Ruf nach westlicher Hilfe brachte ungewollt den Ersten Kreuzzug hervor, denn statt der Söldner, um die der Kaiser gebeten hatte, kamen selbstständige Ritterheere, die unabhängig von seinen Befehlen agierten.[11] Alexios verlangte, dass jeder der Kreuzfahrerfürsten, der mit seinem Heer durch Byzanz zu ziehen gedachte, ihm den Lehenseid leisten sollte. Obwohl diese Unterwerfung von den meisten Kreuzfahrerfürsten akzeptiert und der Lehenseid geleistet wurde, vergaßen sie den Schwur gegenüber Alexios doch recht bald.

Weiterhin gestalteten sich die Beziehungen nach dem Ersten Kreuzzug, in dessen Verlauf es bereits zu jenen Spannungen gekommen war, zunehmend feindselig. Für weiteren Konfliktstoff sorgte der Briefwechsel zwischen dem fatimidischen Herrscher Ägyptens und dem byzantinischen Kaiser Alexios. In einem Brief, den Kreuzfahrer zu lesen bekamen, distanzierte sich Kaiser Alexios ausdrücklich von den lateinischen Eroberern des Heiligen Landes, was verständlich war angesichts der traditionell guten und strategisch wichtigen Beziehungen zwischen den Fatimiden und Byzanz, aber auch dadurch begründet war, dass den Byzantinern das Konzept eines „Heiligen Krieges“ eher fremd war.

Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Republik Venedig – paradoxerweise einst bis etwa ins 9. Jahrhundert selbst ein Vorposten byzantinischer Kultur im Westen – zu einer ernsten Bedrohung für die Integrität des Reiches. Die gegen militärische Unterstützung beim Kampf gegen Normannen und Seldschuken erworbenen Handelsvorrechte, versuchte Manuel durch Verhaftung aller Venezianer zurückzunehmen. Ähnlich versuchten die Kaiser gegen die anderen italienischen Händler vorzugehen. 1185 wurden zahlreiche Lateiner in einem pogromartigen Massaker umgebracht. Dennoch erlebte Byzanz in dieser Zeit auch eine kulturelle Blüte. Unter Kaiser Johannes II. Komnenos (1118–1143), dem Sohn des Alexios I., und dessen Sohn Manuel I. Komnenos (1143–1180) gelang es, die byzantinische Stellung in Kleinasien und auf dem Balkan zu festigen.[12] Manuel I. Komnenos hatte sich nicht nur mit den Angriffen des normannischen Königreiches in Süditalien und dem Zweiten Kreuzzug (1147–1149) auseinanderzusetzen, er betrieb auch eine ehrgeizige Westpolitik, die auf territoriale Gewinne in Italien und Ungarn abzielte; dabei geriet er auch in Konflikt mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Im Osten konnte er gegen die Seldschuken Erfolge erzielen. Sein Versuch, ihr Reich völlig zu unterwerfen, endete allerdings in der vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Myriokephalon 1176.

Das Byzantinische Reich am Ende der Komnenischen Periode

In der Folge konnten die Seldschuken ihre Macht auf die benachbarten muslimischen Reiche in Kleinasien und auch gegen Byzanz zur Mittelmeerküste hin ausdehnen. Andronikos I., der letzte Komnenenkaiser, errichtete eine kurze, aber brutale Schreckensherrschaft (1183–85), in deren Folge aber auch das von Alexios I. begründete Regierungssystem, das vor allem auf der Einbindung der Militäraristokratie beruhte, zusammenbrach. Damit verkamen auch die schlagkräftigen und straff organisierten Streitkräfte, mit denen das Reich unter Alexios, Johannes und Manuel ein letztes Mal erfolgreich in die Offensive gegangen war. Das Reich wurde unter den nachfolgenden Kaisern aus dem Hause Angelos von schweren inneren Krisen erschüttert, die schließlich dazu führten, dass sich Alexios IV. an die Kreuzfahrer wandte und sie dazu bewog, für ihn und seinen Vater um den Thron zu kämpfen. Als die erhoffte Bezahlung ausblieb, kam es zur Katastrophe: Unter dem Einfluss Venedigs eroberten und plünderten die Ritter des Vierten Kreuzzugs 1204 Konstantinopel und gründeten das kurzlebige Lateinische Kaiserreich. Dies bewirkte eine dauerhafte Schwächung der byzantinischen Macht und sorgte dafür, dass sich die Kluft zwischen den orthodoxen Griechen und den katholischen Lateinern weiter vertiefte.

Die spätbyzantinische Zeit

Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Teilnehmer des Vierten Kreuzzugs 1204 entstanden drei byzantinische Nachfolgestaaten: das Kaiserreich Nikaia, wo Kaiser Theodor I. Laskaris im Exil die byzantinische Tradition aufrecht erhielt, das Despotat Epirus und das Kaiserreich Trapezunt, das sich unter den Nachkommen der Komnenen bereits vor der Eroberung Konstantinopels abgespalten hatte. Theodoros I. Laskaris und seinem Nachfolger Johannes III. Dukas Batatzes gelang es, in Westkleinasien ein wirtschaftlich blühendes Staatswesen aufzubauen und die Grenze zu den Seldschuken, die sich seit ihrer Niederlage gegen die Mongolen 1243 im Niedergang befanden, zu stabilisieren. Gestützt auf diese Machtbasis konnten die Laskariden erfolgreich auch in Europa expandieren, Thrakien und Makedonien erobern und die Konkurrenten um die Rückgewinnung Konstantinopels (das Reich von Epiros, das nach einer Niederlage gegen die Bulgaren 1230 stark geschwächt war, und das Bulgarenreich, das auch durch einen Mongoleneinfall 1241 stark beeinträchtigt wurde) aus dem Feld schlagen.

Die Reichsgrenze von 1270 einschließlich der Vasallenstaaten (Despotat Epirus, Thessalien) stellte die größte territoriale Ausdehnung des Byzantinischen Reiches nach dessen Restauration 1261 dar, die allerdings nach der Katastrophe von 1204 und der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer an die alte Größe des Reiches nicht mehr anknüpfen konnte.

Nach der kurzen Regierung des hochgebildeten Theodoros II. Laskaris übernahm der erfolgreiche Feldherr Michael VIII. Palaiologos die Regentschaft für den minderjährigen Johannes IV. Laskaris, den er schließlich blenden und in ein Kloster schicken ließ, und begründete so die neue Dynastie der Palaiologen, die das Reich bis zu seinem Untergang regieren sollte.

Kaiser Michael VIII. konnte eine Allianz seiner Gegner (Despotat Epiros, Fürstentum Achaia, Königreich Sizilien, Serbien und Bulgarien) in der Schlacht von Pelagonien in Makedonien 1259 besiegen und durch einen glücklichen Zufall Konstantinopel 1261 zurückerobern. Das Reich war somit wiederhergestellt, aber große Teile des ehemaligen Reichsgebietes unterstanden nicht mehr der Kontrolle der Reichsregierung, denn die Herrscher, die sich nach dem Zusammenbruch im Jahr 1204 in diesen Teilgebieten etabliert hatten, waren nicht geneigt, sich Konstantinopel unterzuordnen. Auch Konstantinopel war nicht mehr die glanzvolle Metropole von einst: Die Einwohnerzahl war erheblich geschrumpft, ganze Stadtviertel waren verfallen, und beim Einzug des Kaisers waren zwar noch reichlich die Spuren der Eroberung von 1204 zu sehen, aber nirgendwo sah man Zeichen des Wiederaufbaus. Byzanz war nicht mehr die alte Großmacht, sondern nur noch ein Staat von höchstens regionaler Bedeutung.[13] Zudem war die Kluft zwischen den Byzantinern und den Lateinern erheblich vergrößert worden. Michael VIII. Palaiologos’ Hauptsorge galt aber nun der Sicherung des europäischen Besitzstandes und vor allem der Hauptstadt gegen erneute Kreuzzugsversuche aus dem Westen (vor allem durch Karl I. Anjou, der die Staufer in Unteritalien ablöste); deshalb ging Michael VIII. 1274 auch die innenpolitisch höchst umstrittene Union von Lyon mit der Westkirche ein, um den Papst von der Unterstützung von Kreuzzügen abzuhalten. Als Karl I. Anjou dennoch einen Angriff vorbereitete, setzte die byzantinische Diplomatie 1282 einen Aufstand in Sizilien in Gang, die Sizilianische Vesper. Daneben aber vernachlässigten die Palaiologen die Grenzverteidigung im Osten, was den verschiedenen türkischen Staaten, die sich während des Machtzerfalls des Sultanats der Rum-Seldschuken unabhängig machten, die Expansion nach Westkleinasien ermöglichte, das sukzessive bis in die 1330er Jahre fast vollständig dem Reich verloren ging.

„Ostrom zwischen dem Serbischen Großreich im Westen und dem Reich der Osmanen im Osten.“ Die Karte der politischen Lage des Balkans um 1350, verdeutlicht den für das Oströmische Reich so katastrophalen Zusammenbruch seiner territorialen Basis. Bis auf Thrakien, das mit Adrianopel bereits um 1360 vollständig an die Osmanen verloren geht, einigen Ägäisinseln und dem Despotat Mistra, das vollständige Wegbrechen der äußeren Peripherie von 1270, sowohl im europäischen, wie auch im asiatischen Reichsteil.

Während sich in Kleinasien auf dem ehemaligen Reichsgebiet verschiedene türkische Beyliks etablierten (Mentesche, Aydin, Germiyan, Saruhan, Karasi, Teke, Candar, Karaman, Hamid, Eratna und die Osmanen in Bithynien), stießen die Palaiologen in einer letzten, kraftvollen Offensive gegen die lateinische Herrschaft in Griechenland, und annektierten bis 1336 ganz Thessalien und 1337 das durch die Familie Orsini dominierte Despotat Epirus. Unterdessen sah sich Kaiser Johannes V. Palaiologos mit den Folgen der Großen Pestpandemie (1347–1351) konfrontiert, die das Fundament des Staates erschütterten, zudem leistete sich das Reich mehrere Bürgerkriege, die längsten (1321–1328) zwischen Andronikos II. Palaiologos und seinem Enkel Andronikos III. Palaiologos. Diesem Vorbild folgend, trugen ebenso Johannes V. Palaiologos und Johannes VI. Kantakuzenos mehrere Machtkämpfe (1341–47 und 1353–54) gegeneinander aus; dabei suchten beide Parteien die Hilfe der Nachbarn (Serben, Bulgaren, aber auch Aydın und Osmanen). Dies ermöglichte dem Serbenreich unter Stefan IV. Dušan den Aufstieg zur beherrschenden Macht des Balkans in den Jahren 1331–1355. So gerieten die Bulgaren nach der Schlacht von Küstendil 1330 in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Serbien, außerdem errang Stefan bis 1348 die Hegemonie über weite Teile Makedoniens, Albaniens, Despotat Epirus und Thessaliens, die unter der Suzeränität des Kaisers standen. Mit seiner Krönung zum Zaren der Serben und Selbstherrscher der Rhōmaíoi, beanspruchte dieser auch den byzantinischen Kaiserthron und die Herrschaft über Konstantinopel. Es gelang ihm aber nicht einmal, die zweite byzantinische Hauptstadt Thessaloníki zu erobern, und sein Großserbisches Reich zerfiel bereits nach seinem Tod 1355 in ein Konglomerat mehr oder weniger unabhängiger serbischer Fürstentümer (Despotate).

Während also die christliche Staatenwelt des Balkans zerstritten war und sich gegenseitig befehdete, setzten sich seit 1354 die Osmanen in Europa fest und expandierten in das byzantinische Thrakien, das sie in den 1360er Jahren großteils eroberten. Ein präventiver Schlag des südserbischen Königs Vukašin Mrnjavčević im Bund mit dem bulgarischen Zaren Iwan Schischman von Weliko Tarnowo gegen das Zentrum der osmanischen Herrschaft in Europa, Adrianopel, endete, trotz zahlenmäßiger Überlegenheit, in der Niederlage an der Maritza 1371. Der Sieg über die beiden slawischen Balkanmächte brachte dem Sultan Teile Südbulgariens, das serbische Makedonien und die Hegemonie über weite Teile des Balkans ein. Schließlich zwang er 1373 den bulgarischen Herrscher, das Supremat der Osmanen anzuerkennen. Diesem Beispiel folgten das zu einem Kleinstaat gewordene Byzanz (Konstantinopel samt Umland, Thessaloniki mit Umland, Thessalien, einige Ägäisinseln, Despotat Morea) und das Nordserbische Reich des Fürsten Lazar Hrebeljanović, der ebenfalls ein Vasall der Osmanen wurde. Mehrmals ersuchte Byzanz den Westen um Hilfe und bot dafür sogar die Kirchenunion an, so 1439 auf dem Konzil von Ferrara und Florenz, was jedoch am Widerstand der byzantinischen Bevölkerung scheiterte („Lieber den Sultansturban als den Kardinalshut“).

Nach der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 und der Niederlage der westlichen Kreuzfahrer bei Nikopolis 1396, schien die Lage des Reiches aussichtslos. Erst die vernichtende Niederlage der Osmanen gegen den mächtigen Turkmenen Tamerlan, der den Byzantinern wohlgesinnt war (bei dem Versuch Konstantinopel 1402 zu belagern, erschienen Tamerlans Unterhändler in Sultans Bayezid I. Lager und forderten ihn auf, dem christlichen Kaiser seine Gebiete zurückzugeben, die er ihm „gestohlen“ habe), bei Angora 1402 und das als Resultat der Schlacht entstandene Chaos im Osmanenreich, gewährten den Griechen eine letzte Atempause. Doch die Möglichkeit, den Todesstoß durch die Osmanen abzuwenden, hatte das Reich durch den Entzug der dafür notwendigen territorialen Basis und Ressourcen nicht mehr, so blieb ihm nichts anderes übrig als der Weg der Diplomatie. Die Gebietsverluste gingen dennoch weiter, da sich die europäischen Mächte auf kein Hilfskonzept für das bedrohte Byzanz einigen konnten. Besonders nach 1402 sahen sie dafür keine Notwendigkeit, befand sich doch das einst potente Türkenreich im Zustand der inneren Auflösung, ein Irrtum, dem viele im Westen erlagen und zudem die einmalige Chance vergaben, die Gefahr, die von der beträchtlich geschwächten Osmanlı Dynastie ausging, für alle Zeit auszuschalten.

Sultan Murad II., unter dem die Konsolidierungsphase des osmanischen Interregnums ihr Ende fand, nahm die Expansionspolitik seiner Vorfahren erneut auf. Er ließ Konstantinopel 1422 erfolglos belagern, wandte sich zum Ausgleich gegen Südgriechenland, indem er einen Plünderungszug gegen die kaiserliche Sekundogenitur, das Despotat von Morea schickte. 1430 annektierte er Teile des „fränkisch“ dominierten Epirus durch die Einnahme von Janina, während sich Fürst Carlo II. Tocco, als dessen Lehnsnehmer, in Arta mit dem „Rest“ abzufinden hatte (die Dynastie der Tocco wurde durch die Osmanen bis 1480 ganz aus dem heutigen Griechenland – Epirus, Ionische Inseln – verdrängt, wodurch die Herrschaft der „Franken“ über Zentralgriechenland, die seit 1204 bestand, bis auf wenige venezianische Festungen, endgültig ein Ende fand). Noch im gleichen Jahr besetzte er das seit 1423 venezianisch dominierte Thessaloníki, welches die Handelsrepublik Vendig vom Andronikos Palaiologos, einem Sohn Kaiser Manuels erwarb, da jener im Glauben war, die Stadt alleine gegen die Türken nicht behaupten zu können. Alsbald zog er gegen das Königreich Serbien des Fürsten Georg Branković, der formell ein Vasall der Hohen Pforte war, da sich dieser weigerte seine Tochter Mara dem Sultan zur Frau zu geben.

Die Belagerung Konstantinopels durch den türkischen Sultan Mehmed II. im Jahr 1453

Eine osmanische Strafexpedition Richtung Donau ließ die serbische Festung Smederevo 1439 zerstören und Belgrad 1440 erfolglos belagern. Der osmanische Rückschlag bei Belgrad rief seine christlichen Gegner auf den Plan. Unter der Führung Papst Eugens IV., der sich mit der Kirchenunion von Florenz von 1439 am Ziel sah, wurde erneut für einen Kreuzzug gegen die „Ungläubigen“ geplant. Ungarn, Polen, Serbien, Albanien, sogar das türkische Emirat Karaman in Anatolien, gingen eine anti-osmanische Allianz ein, doch durch den Ausgang der Schlacht bei Warna 1444 unter König Wladyslaw von Polen und Ungarn und der zweiten Schlacht auf dem Amselfeld 1448 unter dem ungarischen Reichsverweser Johann Hunyadi, zerschlugen sich endgültig alle Hoffnungen der Christen das Byzantinische Reich vor einer osmanischen Annexion zu entsetzen.

Am 29. Mai 1453, nach knapp zweimonatiger Belagerung, fiel die Reichshauptstadt an Mehmed II.. Der letzte byzantinische Kaiser, Konstantin XI., starb während der Kämpfe um die Stadt.

Der 29. Mai gilt auch heute noch bei den Griechen als Unglückstag, denn es begann die lange türkische Fremdherrschaft, während der nach teilweiser Sprachübernahme nur die Religion als bindende Kraft erhalten blieb. Die Anfangs- und Enddaten der Unabhängigkeit der Hauptstadt, 395 und 1453, galten lange auch als zeitliche Grenzen des Mittelalters. Bis 1461 wurden auch die restlichen Städte – wie Trapezunt am östlichen Schwarzen Meer und Mystras auf der Halbinsel Morea – erobert. Lediglich Monemvasia unterstellte sich 1464 dem Protektorat von Venedig. Die Stadt stellte staatsrechtlich das dar, was vom „Römischen Reich“ im Lauf der Jahrhunderte übrig blieb. Der Fall von Byzanz war einer der Wendepunkte von weltgeschichtlicher Bedeutung. Das Byzantinische Reich, das sich als eines der langlebigsten der Weltgeschichte erwiesen hatte, war damit untergegangen; mit ihm ging eine über 2000-jährige Ära zu Ende.

Das Wesen von Byzanz

Selbstverständnis

Die Byzantiner – und die Griechen bis ins 19. Jahrhundert hinein – betrachteten und bezeichneten sich selbst als Römer (Ῥωμαῖοι, Rhōmaîoi, zeitgenössische Aussprache: Romäi), das Wort Griechen (Έλληνες, Héllēnes/Éllines) wurde fast nur für die vorchristlichen, heidnischen griechischen Kulturen und Staaten verwendet. Um 1400 jedoch bezeichneten sich die Byzantiner zunehmend als Hellenen.

Die heute üblichen Bezeichnungen Byzantiner und Byzantinisches Reich sind modernen Ursprungs. Zeitgenossen sprachen immer von der Βασιλεία τῶν Ῥωμαίων (Basileía tōn Rhōmaíōn/Vasilía ton Romäon „Reich der Römer“) oder der Ῥωμαικὴ Αὐτοκρατορία (Rhōmaikḗ Autokratoría/Romaikí Aftokratoría „Römische Selbstherrschaft, Römisches Kaiserreich“). Nach ihrem Selbstverständnis waren sie nicht die Nachfolger des Römischen Reiches – sie waren das Römische Reich an sich, deutlich wird dies auch dadurch, dass die Bezeichnungen „Oströmisches“ und „Weströmisches Reich“ modernen Ursprungs sind und es nach zeitgenössischer Auffassung nur ein Reich unter zwei Kaisern gab, solange beide Reichsteile existierten. Staatsrechtlich war das auch korrekt, da es keinen Einschnitt wie im Westen gegeben hatte und Byzanz in einem intakten, an die Spätantike erinnernden Zustand fortlebte, der sich erst nach und nach veränderte und zu einer Gräzisierung des Staates unter Herakleios führte. Allerdings war bereits vorher die vorherrschende Identität des Oströmischen Reiches griechisch. Altgriechisch und seit der Wende um 600 das Mittelgriechische, lautlich dem heutigen Griechisch schon fast identisch, ersetzte nicht nur seit Herakleios Latein als Amtssprache, sondern war auch die Sprache der Kirche, der Literatur und aller Handelsgeschäfte.

Resultierend aus diesen Wurzeln war das Reich zunächst geprägt von hellenistischer Kultur, römischem Staatswesen und christlicher Religion. Das Oströmische bzw. Byzantinische Reich verlor seinen römisch-spätantiken Charakter erst im Laufe der arabischen Eroberungen im 7. Jahrhundert. Es sah sich Zeit seines Bestehens als unmittelbar und einzig legitimes, weiterbestehendes Römisches Kaiserreich und leitete daraus einen Anspruch auf Oberhoheit über alle christlichen Staaten des Mittelalters ab. Dieser Anspruch war aber spätestens seit etwa dem Jahr 600 nicht mehr durchsetzbar, wurde aber in der Staatstheorie konsequent aufrechterhalten.

Ethnien

Das Byzantinische Reich war zwar ein polyethnischer Staat, der außer Griechen auch Armenier, Illyrer und Slawen sowie in frühbyzantinischer Zeit auch Syrer und Ägypter einschloss, aber die meisten Gebiete, über die er sich erstreckte, waren seit Jahrhunderten hellenisiert, also dem griechischen Kulturkreis angeschlossen. Hier lagen bedeutende Zentren des Hellenismus wie Konstantinopel, Antiochia, Ephesos, Thessaloníki und Alexandria, und hier bildete sich auch die orthodoxe Form des Christentums heraus.

Das Gebiet des heutigen Griechenlands spielte im Byzantinischen Reich lange keine sonderlich bedeutende Rolle, da die neben der Hauptstadt wirtschaftlich und militärisch bedeutsamsten Gebiete die orientalischen Provinzen des Reiches waren. Als diese verloren gingen, spielte Kleinasien eine wichtige Rolle, erst seit dem Hochmittelalter auch wieder vor allem der Balkan. Als Kleinasien nach 1071 teilweise und im 14. Jahrhundert endgültig an türkische Invasoren fiel, begann der Abstieg von der Groß- zur Regionalmacht und schließlich zum Kleinstaat.

Innere Struktur

Das Byzantinische Reich besaß – im Gegensatz zu den meisten anderen Reichen des Mittelalters – auch nach dem Einfall der Araber noch lange eine recht straff organisierte Bürokratie, deren Zentrum Konstantinopel war. Daher konnte Ostrogorsky von einem Staat im modernen Sinne sprechen. Das Reich verfügte weiter über einen effizienten Verwaltungsapparat und ein organisiertes Finanzwesen, sowie über eine stehende Armee. Kein Reich westlich des Kaiserreichs China konnte etwa über so große Beträge verfügen wie Byzanz. Zahlreiche Handelsroute verliefen durch byzantinisches Gebiet und Konstantinopel selbst fungierte als ein wichtiger Warenumschlagsplatz, wovon Byzanz erheblich profitierte, etwa durch den Ein- und Ausfuhrzoll (kommerkion). Die wirtschaftliche Kraft und Ausstrahlung von Byzanz war so groß, dass der goldene Solidus zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert die Leitwährung im Mittelmeerraum war.[14] Der Kaiser wiederum herrschte de facto fast uneingeschränkt über Reich und Kirche, und dennoch war in keinem anderen Staat eine so große Aufstiegsmöglichkeit in die Aristokratie gegeben wie in Byzanz, welches eine Mischung aus römischem Staatswesen, griechischer Kultur und christlichem Glauben (G. Ostrogorsky) darstellte und sich immer noch dem Gedanken der antiken „Universalmacht“ verpflichtet fühlte.

40 Nummi und 5 Nummi des Kaiser Anastasios I.

Nur Byzanz, so die zeitgenössische Vorstellung, war die Wiege des „Wahren Glaubens“ und der Zivilisation. In der Tat war das kulturelle Niveau in Byzanz zumindest bis ins Hochmittelalter hinein höher als in allen anderen Reichen des Mittelalters, abgesehen vielleicht vom islamischen Bereich. Dabei spielte auch der Umstand eine Rolle, dass in Byzanz wesentlich mehr vom antiken Erbe bewahrt wurde als in Westeuropa; ebenso war der Bildungsstandard lange Zeit höher als im Westen.

In weiten Teilen wissen wir nur wenig über das „Neue Rom“. Relativ wenige Aktenstücke sind uns überliefert, und in Teilen schweigt auch die byzantinische Geschichtsschreibung, die in der Spätantike mit Prokopios von Caesarea einsetzte und im Mittelalter mit Michael Psellos, Johannes Skylitzes, Anna Komnena und Niketas Choniates über einige hervorragende Vertreter verfügte (siehe Quellenüberblick unten). Wenn uns daher für einige Zeiträume nur „kirchliche“ Quellen zur Verfügung stehen, so darf dies nicht zu der Annahme verleiten, Byzanz sei ein theokratischer Staat gewesen. Die Religion war wohl oft bestimmend, aber die Quellenlage ist in Teilen und besonders für die Periode vom 7. bis 9. Jahrhundert zu dürftig, um ein klares Bild zu erhalten. Umgekehrt hat sich die Forschung heute auch von der Vorstellung eines byzantinischen Cäsaropapismus, in dem der Kaiser fast absolut über die Kirche geherrscht habe, verabschiedet.

Das kulturelle Fortwirken von Byzanz

Nach dem Fall Konstantinopels 1453 brachten Flüchtlinge aus Byzanz, darunter zahlreiche Gelehrte, ihr naturwissenschaftlich-technisches Wissen und die alten Schriften der griechischen Denker in die westeuropäischen Städte und trugen dort maßgeblich zur Entfaltung der Renaissance bei. Am längsten bestand die byzantinische Kultur auf dem damals venezianischen Kreta fort, die als sogenannte „Byzantinische Renaissance“ in die Historie einging. Diese Reste autonomer hellenistisch-byzantinischer Kultur wurden mit der Eroberung der Insel durch die Türken 1669 vernichtet.

Bis heute wirkt die byzantinische Kultur vor allem im Ritus der östlich-orthodoxen Kirchen fort. Durch byzantinische Missionsarbeit verbreitete sich das orthodoxe Christentum bei vielen slawischen Völkern und ist bis in die Gegenwart die vorherrschende Konfession in Osteuropa und Griechenland, in Teilen von Südosteuropa und Kaukasien sowie bei den meisten arabischen Christen. Die byzantinische Kultur und Denkweise hat alle orthodoxen Völker tief geprägt.

Die slawischen Reiche auf dem Balkan und am Schwarzen Meer übernahmen neben der orthodoxen Kirche auch profane byzantinische Bräuche. Vor allem Russland, Serbien, die Ukraine und Weißrussland, aber auch in etwas kleinerem Maße Bulgarien sollten das Erbe des Byzantinischen Reiches fortführen.

Schon im 9. Jahrhundert kamen die Rus mit Byzanz in Kontakt, wodurch sich – trotz immer wiederkehrender Versuche von Seiten der Rus, Konstantinopel zu erobern – intensive wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und dem Reich der Kiewer Rus entwickelten, die 988 zum Übertritt der Rus zum orthodoxen Glauben führten. In den folgenden Jahrhunderten wurden auf ostslawischem Gebiet zahlreiche prachtvolle Kirchen nach byzantinischem Vorbild gebaut, byzantinische Priester und Mönche standen bei der Entwicklung der kyrillischen Schrift aus dem griechischen Alphabet Pate und machten die Bewohner der Rus mit rudimentärer griechischer Philosophie vertraut. So hat russische Architektur und Kunst neben (meist späteren) skandinavischen und genuin slawischen vor allem byzantinische Wurzeln. Dasselbe betrifft in vollem Maße auch die Architektur und die Kunst der Ukraine und Weißrusslands.

Nach dem Untergang des Byzantinischen Reichs übernahm dann das russische Moskowiterreich in vielen Teilen byzantinisches Zeremoniell. Der Patriarch von Moskau errang bald eine ähnlich prominente Stellung innerhalb der orthodoxen Kirche wie vormals der Patriarch von Konstantinopel. Moskau sah sich bald als Drittes Rom in der Nachfolge Konstantinopels. Iwan III., Herrscher des Großfürstentums Moskau, heiratete die Nichte von Konstantin XI., Zoe, und übernahm den byzantinischen Doppeladler als Wappentier. Iwan IV., genannt „der Schreckliche“, war der erste moskowitische Herrscher, der sich schließlich offiziell zum Zaren krönen ließ.

Die beinah kontinuierlich betriebene panslawistische Hegemonialpolitik Russlands kann in diesem Sinne als Fortwirken des römisch-byzantinischen Gedankens eines universalen Kaiserreichs interpretiert werden. Die russische Außenpolitik richtete sich vor allem gegen das Osmanische Reich und hatte bis in das 20. Jahrhundert hinein die Rückeroberung Konstantinopels für die orthodoxe Christenheit zum Ziel.

Aber auch die osmanischen Sultane betrachteten sich als legitime Erben des Byzantinischen Reiches, obwohl die seldschukischen und osmanischen Türken jahrhundertelang Erzfeinde der Rhomäer waren und das Byzantinische Reich letztlich vernichteten. Schon Sultan Mehmet II. bezeichnete sich als „Kayser-i Rum“ (Kaiser von Rom) - die Sultane stellten sich somit ganz bewusst in die Kontinuität des (Ost-)Römischen Reiches, um sich zu legitimieren. Das Osmanische Reich, das sich in der Auseinandersetzung mit Byzanz entwickelte, hatte mit diesem mehr als nur den geografischen Raum gemeinsam. Der Historiker Arnold J. Toynbee bezeichnete das Osmanische Reich – allerdings sehr umstritten – als Universalstaat des „christlich-orthodoxen Gesellschaftskörpers“. Eine staatsrechtliche Fortsetzung fand das Byzantinische Reich in ihm jedenfalls nicht.

Rezeption

Die ältere, westliche Forschungsmeinung sah in Byzanz oft nur eine dekadente, halborientale „Despotie“, so etwa Edward Gibbon. Dieses Bild wurde durch John Bagnell Bury, Cyril Mango, Ralph-Johannes Lilie, John Haldon und andere längst verworfen. Es wird inzwischen immer darauf hingewiesen, dass Byzanz als Vermittler von kulturellen Werten und dem Wissen der Antike Unschätzbares geleistet habe. Es war zudem der „Schutzschild“ Europas über viele Jahrhunderte hinweg, erst gegenüber den Persern und Steppenvölkern, später gegenüber dem Islam. Ironischerweise konnte das Byzantinische Reich diese Funktion erst nach der verheerenden Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204 nicht mehr wahrnehmen.

Zeittafel

  • 326: Grundsteinlegung Konstantinopels
  • 330: Am 11. Mai wird Konstantinopel als Nova Roma Hauptstadt des Römischen Reiches
  • 395: Reichsteilung
  • 451: Konzil von Chalcedon
  • 533: Der Feldherr Belisar erobert Karthago
  • 535–555: Gotenkriege des Kaisers Justinian I.
  • 582: Awaren und Slawen dringen auf dem Balkan vor
  • 610: Die von Karthago aus operierende Flotte unter Herakleios besetzt Konstantinopel. Sturz und Hinrichtung des Kaisers Phokas. Herakleios wird Kaiser, Beginn des Mittelbyzantinischen Reiches. In den folgenden Jahren wird Griechisch Amtssprache, Kaisertitel nun „Βασιλέυς (Basileus)“ statt „Imperator“.
  • 611–619: Die Sassaniden überrennen die orientalischen Besitzungen Byzanz’.
  • 622: Beginn der byzantinischen Gegenoffensive unter Kaiser Herakleios.
  • 626: Awaren, Slawen und Perser belagern Konstantinopel, Verlust der letzten Besitzungen auf dem spanischen Festland an die Westgoten.
  • 627: Sieg über die Sassaniden im Nordirak. Rückgabe aller eroberten Gebiete durch die Sassaniden.
  • 636: Niederlage bei der Schlacht am Jarmuk gegen die Araber. In den folgenden Jahren fallen sämtliche orientalischen Besitzungen an die Araber (bis 640 auch Ägypten und der Rest Syriens), ausgenommen Kleinasien. Ende der Spätantike.
  • 697/698: Karthago fällt an die Araber. Endgültiger Untergang des byzantinischen Nordafrikas.
  • 726–843: Byzantinischer Bilderstreit
  • 797: Kaiserin Irene: Erstmals Alleinregierung einer Frau im Römischen Reich. Der römische Papst nimmt dies zum Anlass, den Frankenkönig Karl zum römischen Kaiser zu krönen, da er die Herrschaft einer Frau nicht anerkennt.
  • 860: Erster Flottenangriff der warägischen Rus auf Konstantinopel.
  • 869: Photios-Schisma
  • 872: Basileios I. der Makedonier besiegt und vernichtet die Paulikianer.
  • 907: Flottenangriff der Rus auf Konstantinopel, der byzantinische Kaiser zahlt Tribut und bietet Handelsprivilegien an. Weitere Angriffe folgen 911 und 940.
  • 944: Die Byzantiner erobern Edessa von den Arabern zurück und erhalten zudem das als Reliquie wichtige Mandylion.
  • 1018: Eroberung des Bulgarenreiches. Die Donaugrenze ist wiederhergestellt.
  • 1054: Morgenländisches Schisma
  • 1071: Niederlage bei Mantzikert gegen die Seldschuken. Zusammenbruch der oströmischen Herrschaft über weite Teile Kleinasiens, der „Kornkammer“ des Reiches. Beginn der türkischen Kolonisation durch die Gründung des Sultanats der Rum-Seldschuken.
  • 1096: Beginn des Ersten Kreuzzugs und der Rückeroberung Kleinasiens bis auf das zentralanatolische Gebiet
  • 1176: Byzantinische Niederlage bei Myriokephalon. Letzter ernsthafter Versuch einer byzantinischen Rückeroberung des türkischen Teils Kleinasiens.
  • 1186: Abfall Bulgariens von Byzanz. Die byzantinische Vorherrschaft auf dem Balkan ist beendet.
  • 1204: Eroberung von Byzanz im Vierten Kreuzzug, Errichtung des Lateinischen Kaiserreichs und Bildung von byzantinischen Nachfolgerstaaten in Kleinasien und auf dem Balkan.
  • 1261: Rückeroberung von Konstantinopel; Wiederherstellung der Reichseinheit (außer Kaiserreich Trapezunt).
  • 1274: Auf dem Konzil von Lyon wird die Wiedervereinigung der West- und Ostkirche verkündet. Die Union scheitert jedoch nach kurzer Zeit.
  • 1330er: Endgültiger Verlust Bithyniens damit Kleinasiens durch sukzessive Eroberungen der Osmanen (Fall von Bursa 1326, Nicea 1331, Nikomedia 1337), bis auf wenige Ausnahmen wie Chrysopolis, Chalcedon oder die Enklave Philadelphia.
  • 1351: Der Hesychasmus wird anerkannt und revitalisiert die byzantinische Spiritualität.
  • 1354: Übergreifen der Osmanen über die Dardanellen auf den europäischen Kontinent durch die Einnahme von Gallipoli.
  • 1361: Eroberung Thrakiens durch die Osmanen. Verlegung der osmanischen Hauptresidenz von Bursa nach Adrianopel.
  • 1373: Kaiser Johannes V. sieht sich als erster oströmischer Herrscher gezwungen, die osmanische Suzeränität über sein Reich anzuerkennen, das nach dem Verlust Thrakiens und der kleinasiatischen Vororte Konstantinopels de facto zu einem Stadtstaat wird.
  • 1439: Auf dem Konzil von Florenz wird die Wiedervereinigung der West- und Ostkirche verkündet. Die Union scheitert jedoch wiederum am Widerstand der einfachen Christen des Ostens.
  • 29. Mai 1453: Konstantinopel wird von den Osmanen erobert.
  • 1460: Die Osmanen erobern das byzantinische Despotat Morea auf der Peloponnes.
  • 1461: Unterwerfung des griechischen Kaiserreichs Trapezunt durch die Osmanen. Der letzte Kaiser, David Komnenos, wird später hingerichtet.

Siehe auch

Quellenüberblick

Der folgende Abriss soll keinen erschöpfenden, sondern nur einen einführenden Überblick hinsichtlich der spätantiken bzw. byzantinischen Historiographie bieten. Ein Grundproblem erzählender Quellen, gleich ob es sich um antike, mittelalterliche oder neuzeitliche Werke handelt, ist ihre Zuverlässigkeit. Davon sind auch die Quellen bezüglich des byzantinischen Reiches betroffen. Teils glorifizieren bzw. dämonisieren die Autoren bestimmte Personen, teils ist die Chronologie oder die Darstellung der Ereignisse (vielleicht auch nur unabsichtlich) fehlerhaft. Dennoch stellen die erzählenden Quellen das Grundgerüst auch der byzantinischen Geschichte dar, zumal nur wenige Aktenstücke den Untergang von Byzanz überdauert haben. Dennoch sind neben den im Folgenden zu nennenden weltlichen Geschichtswerken auch die hagiographischen Werke, die diversen Fachschriften – etwa im medizinischen, administrativen (z.B. Philotheos) oder militärischen Bereich sowie das wichtige mittelbyzantinische Lexikon Suda –, Siegel, Münzen und archäologische Befunde von großer Bedeutung.[15]

Die Quellenlage bezüglich der byzantinischen Geschichtsschreibung ist insgesamt betrachtet sehr ambivalent. In der Spätantike fließen die Quellen bis ins frühe 7. Jahrhundert recht reichlich, versiegen aber anschließend bis ins späte 8./frühe 9. Jahrhundert fast völlig. Ein Charakteristikum der byzantinischen Geschichtsschreibung – wie im Allgemeinen das der byzantinischen Literatur überhaupt – ist das Bemühen, sich an den antiken Vorbildern (wie Herodot oder Thukydides) zu orientieren und diese sprachlich auch nachzuahmen (Mimesis); gleichzeitig wurde aber von den christlichen Autoren oft auch versucht, Grundzüge der christlichen Historiographie mit einzubinden.[16]

Neben den diversen spätantiken Kirchengeschichten (siehe dort weitere Hinweise), deren „Vater“ Eusebios von Kaisareia ist, sind vor allem die profanen Geschichtswerke von Bedeutung, von denen nicht wenige jedoch nur fragmentarisch, d. h. in mehr oder minder ausführlichen Auszügen oder knappen Zusammenfassungen, erhalten sind. Im 4. Jahrhundert verfasste Ammianus Marcellinus das letzte bedeutende lateinische Geschichtswerk der Antike (Res gestae). Dass Ammianus in lateinischer Sprache schrieb, macht ihn zudem zu einer Ausnahme unter den hier behandelten Autoren, die ansonsten ihre Werke in griechischer Sprache verfassten, wenngleich freilich auch die Latein verfassten Werke dieser Zeit bezüglich der Geschichte von Byzanz nicht ohne Bedeutung sind (siehe dazu die Ausführungen im Artikel Spätantike). Obwohl die ersten 13 Bücher des Werks verloren sind, schildern die erhaltenen Bücher 14 bis 31 die Zeit von 353 bis 378 sehr detailliert, anschaulich und überwiegend zuverlässig. Für das 5. Jahrhundert sind unter anderem die Werke einer ganzen Reihe von „klassizistischen Autoren“ zu nennen, die uns aber leider nur fragmentarisch erhalten sind; dennoch enthalten selbst diese noch bedeutendes Material: Olympiodoros von Theben verfasste eine 22 Bücher umfassende Geschichte des Westens, die von mehreren nachfolgenden Autoren benutzt wurde; die Fragmente aus der 8 Bücher umfassenden Zeitgeschichte des Priskos bieten wertvolle Einblicke in die diplomatischen Kontakte Ostroms zu den Barbaren, während die Fragmente aus den Historien des Malchos von Philadelphia und des Kandidos nicht unwichtige Informationen zum ausgehenden 5. Jahrhundert liefern. Um 500 verfasste der Heide Zosimos eine anti-christlich gefärbte Neue Geschichte, die aber oft nur wenig zuverlässig ist. Für die Zeit Justinians I. ist vor allem das umfassende Werk des Prokopios von Kaisareia zu nennen, der auch als einer der bedeutendsten oströmischen Geschichtsschreiber überhaupt gilt. Prokopios verfasste neben einer achtbändigen Kriegsgeschichte (in denen die Feldzüge gegen Perser, Vandalen und Goten geschildert wird) auch eine Baugeschichte sowie eine (erst nach seinem Tod veröffentlichte) gegen Justinian und dessen Herrschaft gerichtete Schmähschrift verfasste (Anekdota). An Prokopios schloss Agathias von Myrina an, an diesen wiederum Menander Protektor, dessen Werk nur fragmentarisch erhalten ist. Verschiedene andere Werke aus dem späten 6. Jahrhundert sind jedoch bis auf kurze Fragmente völlig verloren gegangen, so unter anderem die Historien des Johannes von Epiphaneia oder des Theophanes von Byzanz.

Als das letzte Geschichtswerk der Antike können die von Theophylaktos Simokates verfassten Historien angesehen werden, die bis zum Ende der Regierungszeit des Maurikios reichen (602). Anschließend bricht die antike-historiographischen Tradition ab,[17] was als eine Folge der enormen Umbrüche anzusehen ist, die das oströmische Reich am Ende der Regierungszeit des Herakleios durchlaufen musste.[18] Mit dem Beginn der arabischen Eroberungen und den Abwehrkämpfen auf dem Balkan gegen die Slawen, beginnt die Transformation des oströmischen zum byzantinischen Reich, was sich auf Gesellschaft und Kultur dramatisch auswirkte. Nur das sogenannte Chronicon Paschale ist uns aus der nachfolgenden Zeit (Mitte des 7. bis Ende des 8. Jahrhunderts) überliefert. Erst Ende des 8. Jahrhundert wurden wieder Geschichtswerke verfasst, die uns auch erhalten sind, wobei es sich dabei um Chroniken handelt, die nicht das stilistische Niveau der umfassenderen spätantiken Werke erreichen, die uns aber trotzdem wertvolle Informationen liefern. Hier sind vor allem die Chroniken des Nikephoros (602 bis 769, mit Lücken) und des Theophanes (284 bis 813) zu nennen. Theophanes griff auch auf für uns verlorene Quellen zurück, zeichnete jedoch aufgrund seiner Position während des Bilderstreits und seiner Abneigung gegen die Ikonodulen die diesbezüglichen Kaiser in den düstersten Farben. An Theophanes schlossen der sogenannte Theophanes Continuatus und andere Chroniken an, die die Makedonische Dynastie sehr positiv schilderten, während die nicht um Anknüpfung an Theophanes bemühte sogenannte Logotheten-Chronik diese eher kritisch betrachtete. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts schrieb dann Leon Diakonos ein knappes, aber mit rhetorischen Stilelementen angereichertes Geschichtswerk. Ebenso entstanden mehrere regionale Chroniken (beispielsweise die Chronik von Monemvasia).

Die im 11. Jahrhundert verfasste Chronographia des Michael Psellos ist von nicht geringer Bedeutung für die Rekonstruktion der Ereignisse von 976 bis etwa 1075. Psellos bemühte sich um eine rhetorische Stilisierung, ließ aber ebenso stark seinen eigenen Standpunkt in die Darstellung einfließen. Ebenfalls im 11. Jahrhundert entstanden die Geschichtswerke des Johannes Skylitzes (zu erwähnen ist hier besonders die Madrider Bilderhandschrift des Skylitzes) und des Michael Attaleiates. Im 12. Jahrhundert entstanden schließlich eine Vielzahl bedeutender Geschichtswerke: Johannes Zonaras schrieb seine Weltchronik (in Fortsetzung des Skylitzes); Anna Komnena, die Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios I., verfasste mit der Alexias in Anlehnung an die klassischen Vorbilder eine Fortsetzung des Geschichtswerks ihres Mannes, Nikephoros Bryennios, in der Alexios I. sehr vorteilhaft dargestellt wurde. Zu nennen ist auch das Werk des Johannes Kinnamos, der die Zeit von 1118 bis 1176 beschrieb. Johannes Kinnamos scheint Niketas Choniates als Vorlage gedient hat, der die Zeit von 1118 bis 1206 schilderte; möglich ist allerdings auch, dass beide eine gemeinsame Quelle benutzt haben. An Niketas schloss Georgios Akropolites an, ebenfalls im 13. Jahrhundert schrieben Theodoros Skutariotes und Georgios Pachymeres. Die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204, die auch in westlich-lateinischen Quellen geschildert wird, nahm im 14. Jahrhundert Nikephoros Gregoras zum Ausgangspunkt, um den Zeitraum bis 1359 darzustellen. Sogar der Kaiser Johannes VI. verfasste ein Geschichtswerk, das vor allem seine eigene Politik rechtfertigen sollte. Für die Schlussphase des Reichs im 15. Jahrhundert sind unter anderem vier Historiker zu nennen: Laonikos Chalkokondyles, Doukas, Georgios Sphrantzes sowie Michael Kritobulos.

  • Hilfsmittel:
    • Johannes Karayannopulos und Günter Weiß: Quellenkunde zur Geschichte von Byzanz (324-1453). 2 Bde., Wiesbaden 1982.

Eine Auswahl von übersetzten Quellen bietet unter anderem die Reihe Byzantinische Geschichtsschreiber, hrsg. von Endre von Ivánka und Johannes Koder, 19 Bde., Verlag Styria/Fassbaender, Wien u. a. 1955–1995.

Literatur

Bezüglich aktueller bibliografischer Informationen sei vor allem auf die Byzantinische Zeitschrift hingewiesen. Daneben siehe unter anderem die Hinweise im Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik. Eine der wichtigsten Forschungsinstitutionen der Byzantinistik stellt die Dumbarton Oaks Research Library and Collection dar.

Nachschlagewerke

  • Alexander Kazhdan (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Byzantium. 3 Bände, Oxford University Press, New York 1991, ISBN 0-19-504652-8.
    (Grundlegendes Lexikon, alternativ: LexMA)
  • Lexikon des Mittelalters (LexMA). 9 Bde. München-Zürich 1980–1998.
    (Mit starker Berücksichtigung von Byzanz, zahlreiche Artikel stammen auch hier von ausgewiesenen Experten.)
  • Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit. Erste Abteilung (641–867). Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, nach Vorarbeiten Friedhelm Winkelmanns erstellt von Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Thomas Pratsch, Ilse Rochow, Beate Zielke u. a., 7 Bde. (Prolegomena + Bde. 1-6), Berlin–New York 1998–2001.
    (Wichtiges prosopografisches Nachschlagewerk, allerdings bislang nur bis 867 reichend; zweite Bearbeitung ist in Vorbereitung. Für die Zeit vor 641: The Prosopography of the Later Roman Empire.)
  • Tabula Imperii Byzantini. Hrsg. von Herbert Hunger und Johannes Koder. Wien 1976 ff.
    (Grundlegende historisch-geographische Darstellung der Kerngebiete des Byzantinischen Reiches, gegliedert nach einzelnen Regionen. Bislang sind 11 Bände erschienen, sieben weitere werden derzeit bearbeitet, vgl. [1].)

Überblicksdarstellungen

  • Hans-Georg Beck: Das Byzantinische Jahrtausend. C.H. Beck, München 1994.
    (Einblick in das „Wesen von Byzanz“ durch die Darstellung verschiedener Aspekte der byzantinischen Gesellschaft.)
  • Alain Ducellier (Hrsg.): Byzanz. Das Reich und die Stadt. Campus Verlag, Frankfurt a.M.-New York 1990.
    (Gut lesbare Gesamtdarstellung, in der nicht nur die politische Geschichte, sondern auch die Sozial- und Kulturgeschichte berücksichtigt wird. Originaltitel: Byzance et le monde orthodoxe. Paris 1986.)
  • Timothy E. Gregory: A History of Byzantium. Malden/Mass. und Oxford 2005.
    (Informatives Überblickswerk; fachwissen. Besprechung.)
  • John Haldon: Das Byzantinische Reich. Düsseldorf 2002. ISBN 3-538-07140-3.
    (Relativ knappes Überblickswerk.)
  • John Haldon (Hrsg.): A Social History of Byzantium. Blackwell, Oxford u.a. 2009.
    (Von mehreren angesehenen Forschern verfasste explizit sozialgeschichtlich ausgerichtete Darstellung, daher ohne Berücksichtigung der politischen Geschichte.)
  • Judith Herrin: Byzantium: The Surprising Life of a Medieval Empire. London 2007/Princeton 2008.
    (Unorthodoxe, thematisch anstatt chronologisch aufgebaute und gut lesbare Einführung.)
  • Joan M. Hussey (Hrsg.): The Cambridge Medieval History (The Byzantine Empire). Bd. 4 in 2 Teilbde., Cambridge 1966–1967.
    (Nicht mehr aktuelle, aber immer noch nützliche und detaillierte Gesamtdarstellung.)
  • Elizabeth M. Jeffreys, John Haldon, Robin Cormack (Hrsg.): The Oxford Handbook of Byzantine Studies. Oxford 2008.
    (Aktuelle fachwissenschaftliche Aufsatzsammlung zu einer Vielzahl verschiedener Aspekte von Byzanz und der damit verbundenen Forschung. Oft eher sehr knapp, aber mit guter Bibliographie.)
  • Ralph-Johannes Lilie: Byzanz – Das zweite Rom. Berlin 2003, ISBN 3-88680-693-6.
    (Die wohl umfangreichste wissenschaftliche Darstellung der Geschichte von Byzanz in deutscher Sprache.)
  • Ralph-Johannes Lilie: Byzanz. Geschichte des oströmischen Reiches 326-1453. München 2005, ISBN 3-406-41885-6.
    (Sehr kurze, leicht verständliche Überblicksdarstellung)
  • Ralph-Johannes Lilie: Einführung in die byzantinische Geschichte. Stuttgart u. a. 2007.
    (Ausgezeichnete, aktuelle Einführung, die auf die wichtigsten Aspekte der byzantinischen Geschichte [wenn auch knapp] eingeht.)
  • Cyril Mango (Hrsg.): The Oxford History of Byzantium. Oxford 2002, ISBN 0-19-814098-3.
    (Knappe, aber nützliche und reich illustrierte Einführung.)
  • John J. Norwich: Byzanz - Aufstieg und Fall eines Weltreichs. Berlin 2002, ISBN 3-549-07156-6.
    (Gut lesbare populärwissenschaftliche Byzanzchronik, jedoch ohne wissenschaftlichen Anspruch.)
  • Georg Ostrogorsky: Geschichte des byzantinischen Staates. Handbuch der Altertumswissenschaft XII 1.2, 3. Auflage. München 1963. ISBN 3-406-01414-3.
    (Lange Zeit das gültige Standardwerk, inzwischen jedoch in vielen Fragen veraltet und daher nicht mehr als Leitfaden zu empfehlen; als Sonderausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Byzantinische Geschichte 324 bis 1453. München 1996, ISBN 3-406-39759-X.)
  • Peter Schreiner: Byzanz. 3. überarbeitete Auflage. München 2007. (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 22) ISBN 978-3-486-57750-1.
    (Gute und knappe Einführung mit Forschungsteil; die 3. Aufl. wurde vollständig überarbeitet und erweitert.)
  • Ludwig Wamser (Hrsg.): Die Welt von Byzanz - Europas östliches Erbe: Glanz, Krisen und Fortleben einer tausendjährigen Kultur. Archäologische Staatssammlung München - Museum für Vor- und Frühgeschichte München vom 22. Oktober 2004 bis 3. April 2005, Schriftenreihe der Archäologischen Staatssammlung 4, Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1849-8.
  • The New Cambridge Medieval History. Verschiedene Hgg. Bd. 1ff., Cambridge 1995–2005.
    (Diverse Aufsätze in den verschiedenen Bänden, gut als erste Einführung geeignet. Dort auch umfangreiche Literaturhinweise.)
  • The Cambridge History of the Byzantine Empire. Hrsg. von Jonathan Shepard. Cambridge 2008.
  • Warren Treadgold: A History of the Byzantine State and Society. Stanford University Press, Stanford 1997.
    (Umfassende, aufgrund teils sehr subjektiver Wertungen aber umstrittene und nicht unproblematische Darstellung. Entgegen dem Titel wird hauptsächlich die politische Geschichte geschildert.)

Epochenspezifische Darstellungen

Spätrömische/Frühbyzantinische Zeit

Vgl. vor allem die Bibliografie Spätantike.

  • Alexander Demandt: Die Spätantike. Handbuch der Altertumswissenschaft III.6. 2. Auflage, C. H. Beck, München 2007.
  • John Haldon: Byzantium in the Seventh Century. The Transformation of a Culture. 2. Aufl. Cambridge 1997.
    (Wichtige Untersuchung zur „Transformation“ der spätantiken Kultur im 7. Jahrhundert.)
  • Arnold Hugh Martin Jones: The Later Roman Empire 284-602. A Social, Economic and Administrative Survey. 3 Bände durchgehend paginiert, Oxford 1964 (Nachdruck in zwei Bänden, Baltimore 1986).
    (Standardwerk)
  • John Moorhead: The Roman Empire divided, 400-700. Edinburgh 2001.

Mittelbyzantinische Zeit

  • Michael Angold: The Byzantine Empire, 1025-1204. 2. Auflage. London/New York 1997.
  • Jean-Claude Cheynet (Hrsg.): Le Monde Byzantin II. L’Empire byzantin (641–1204). Paris 2006.
  • Warren Treadgold: The Byzantine Revival, 780-842. Stanford 1988.
  • Mark Whittow: The Making of Byzantium, 600-1025. Berkeley 1996.

Spätbyzantinische Zeit

  • Donald M. Nicol: The Last Centuries of Byzantium, 1261–1453. 2. Auflage. Cambridge 1993.
  • Steven Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel. München 1966 (und Nachdrucke), ISBN 3-406-02528-5.
    (Das Standardwerk zum Thema, wenngleich in manchen Details veraltet.)

Spezialuntersuchungen

  • Hélène Ahrweiler: L'idéologie politique de l'Empire byzantin. Paris 1975.
  • Hans-Georg Beck: Kirche und theologische Literatur im byzantinischen Reich. München 1959.
  • Lynda Garland: Byzantine Empresses. Routledge, London-New York 1999.
  • John Haldon: Warfare, State and Society in the Byzantine World. 1999, ISBN 1-85728-495-X.
    (Umfangreiche und tiefgreifende Studie über das byzantinische Militär.)
  • John Haldon: The Byzantine Wars. 2001, ISBN 0-7524-1795-9.
    (Überblick über die byzantinischen Kriege.)
  • John Haldon: Byzantium at War. 2002. ISBN 1-84176-360-8.
    (Populärwissenschaftliche und reich illustrierte Einführung in das byzantinische Militärwesen.)
  • Herbert Hunger: Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner. 2 Bde., München 1978.
  • Herbert Hunger: Schreiben und Lesen in Byzanz. Die byzantinische Buchkultur. München 1989 (Einführung zu den materiellen Aspekten der byzantinischen Literatur).
  • Anthony Kaldellis: Hellenism in Byzantium. Cambridge 2007.
  • Johannes Koder: Der Lebensraum der Byzantiner. Historisch-geographischer Abriß ihres mittelalterlichen Staates im östlichen Mittelmeerraum (Byzantinische Geschichtsschreiber Ergänzungsband 1). Nachdruck mit bibliographischen Nachträgen, Wien 2001 (Einführung in die historische Geographie des Byzantinischen Reiches).
  • Angeliki E. Laiou, C. Morrisson: The Byzantine Economy (Cambridge Medieval Textbooks). Cambridge 2007 (Einführung in die byzantinische Wirtschaftsgeschichte auf dem neuesten Forschungsstand).
  • Angeliki E. Laiou (Hrsg.): The Economic History of Byzantium. 3 Bände, Washington, D.C. 2002 (Standardwerk zur byzantinischen Wirtschaftsgeschichte).
  • Ralph-Johannes Lilie: Byzanz und die Kreuzzüge. Stuttgart 2004, ISBN 3-17-017033-3.
  • John Lowden: Early Christian and Byzantine Art. London 1997.
  • Die Geschichte des Christentums. Religion ­ Politik ­ Kultur. Herausgegeben von Jean-Marie Mayeur u.a. Bd. 2–6. Sonderauflage, Verlag Herder, Freiburg i. Br. 2005 und 2007.
    (Umfassende Darstellung der Geschichte des Christentums einschließlich der byzantinischen und östlichen Kirchen.)
  • Dimitri Obolensky: Byzantium and the Slavs. 1994, ISBN 0-88141-008-X.
    (Studie zum byzantinischen Erbe bei den slawischen Völkern.)
  • Paul M. Strässle: Krieg und Kriegführung in Byzanz. Die Kriege Kaiser Basileios' II. gegen die Bulgaren (976-1019). Köln 2006, ISBN 978-3-412-17405-7 (Rezension von M. Prietzel)
  • Basil Tatakis, Nicholas J. Moutafakis: Byzantine philosophy. Hackett Pub., Indianapolis/In. 2003, ISBN 0872205630.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Allgemein zur Völkerwanderungszeit siehe als Einführung Walter Pohl: Die Völkerwanderung. 2 Aufl. Stuttgart 2005.
  2. Vgl. Michael Maas (Hrsg.): The Cambridge Companion to the Age of Justinian. Cambridge 2005, mit hervorragenden Beiträgen zum Thema.
  3. Allgemein siehe Haldon, Byzantium in the Seventh Century. Vgl. auch Whittow, Byzantium in the Making sowie, speziell zu Herakleios siehe Walter Kaegi: Heraclius. Cambridge 2003.
  4. Walter Kaegi: Byzantium and the Early Islamic Conquests. Cambridge 1992; Hugh Kennedy: The Great Arab Conquests. Philadelphia 2007.
  5. Allgemein zur Entwicklung im 7. Jahrhundert vgl. die wichtige Studie von Haldon, Byzantium in the Seventh Century.
  6. Für die mittelbyzantinische Epoche siehe neben den betreffenden Kapiteln in den diversen Handbüchern vor allem Whittow, Making of Byzantium.
  7. Zum Bilderstreit vgl. unter anderem Leslie Brubaker, John Haldon, R. Ousterhout: Byzantium in the Iconoclast Era (ca. 680–850): The Sources. Aldershot u. a. 2001
  8. Allgemein siehe Dirk Jäckel: Leon III. und die Anfänge des byzantinischen Bilderstreits. In: Mischa Meier (Hrsg.): Sie schufen Europa. München 2007, S. 259ff.
  9. Für die Zeit von 780 bis 842 siehe etwa Treadgold, Byzantine Revival.
  10. Zu Basileios II. und seine Zeit siehe Catherine Holmes: Basil II and the Governance of Empire. Oxford 2005.
  11. Allgemein zum Verhältnis zwischen Byzanz und den Kreuzfahrern: Lilie, Byzanz und die Kreuzzüge.
  12. Paul Magdalino: The Empire of Manuel I Komnenos. Cambridge 1993.
  13. Nicol, The Last Centuries of Byzantium.
  14. Allgemein zur Wirtschaft siehe Angeliki E. Laiou (Hrsg.): The Economic History of Byzantium. 3 Bde. Washington/DC 2002; hier online.
  15. Knapper, einführender Überblick unter anderem bei Lilie, Einführung in die byzantinische Geschichte, S. 239ff. Zu den Geschichtsschreibern vgl. allgemein Karayannopulos/Weiß, Quellenkunde.
  16. Umfassend dazu Hunger, Literatur. In vielen Fragen veraltet, als Überblick aber bisweilen immer noch nützlich: Karl Krumbacher: Geschichte der byzantinischen Literatur. 2. Aufl. München 1897.
  17. Dazu speziell Mischa Meier: Prokop, Agathias, die Pest und das „Ende“ der antiken Historiographie. In: Historische Zeitschrift 278, 2004, S. 281–310.
  18. Dazu vor allem Haldon, Byzantium in the seventh century, speziell S. 41ff.


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