Assiut
Asyut in Hieroglyphen
O34
G39
G1 G43 t Z4
O49

Sawti
S3wtj

Asyut (arabischأسيوط‎ Asyūt, DMG Asyūṭ, auch Assiut oder Siyut, altägyptisch Sawti, griech. Lykopolis) ist eine Stadt in Mittelägypten mit 395.000 Einwohnern (2008) und Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements. Asyut liegt 375 km südlich von Kairo auf dem westlichen Nilufer. Die Stadt ist wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Fahrten in das Neue Tal in der Libyschen Wüste.

Inhaltsverzeichnis

Lage, Bevölkerung und politische Bedeutung

Asyut (Ägypten)
DMS
Lage in Ägypten

Die Stadt Asyut befindet sich auf dem westlichen Nilufer 375 km südlich von Kairo, 125 km südlich von al-Minya, 100 km nördlich von Suhag und 305 km nördlich von Luxor entfernt.

Die Lage war in der Antike strategisch wichtig. 30 km südlich der Stadt sperrt der Dschabal al-Fōda das gesamte Ostufer ab, und das Niltal an der Stelle von Asyut ist nur etwa 20 km breit.

Zudem beginnt in Asyut eine der bedeutendsten antiken Karawanenstraßen, der Darb al-Arba'in. Diese Route führt durch die Senke al-Charga bis nach Dār Fūr im heutigen Sudan. Nach ca. 40 km zweigt vom Darb al-Arba'in eine Route ab, die zum Darb aṭ-Ṭawīl führt, der seinen Ausgangspunkt in Manfalut besitzt. Über die letzt genannte Route gelangt man nach Balat, von dieser wiederum zweigt etwa 75 km vor Balat der Darb al-Chaschabiyy nach Qasr ad-Dachla ab. Beide Orte gehören zur Senke ad-Dachla.

Seit 1875 ist die Stadt an das Eisenbahnnetz angebunden.

Die Bevölkerungsanzahl nahm stetig, besonders stark aber in den letzten 40 Jahren zu. 1876 betrug sie 28.000 Einwohner, 42.000 vor dem Ersten Weltkrieg, 1928 dann 51.431 und 1960 schließlich 120.000.[1][2] Für 1996 ergab sich die Einwohnerzahl zu 343.500, 2008 zu 395.000.[3] Asyut ist eine der Städte mit dem höchsten Anteil an koptischen Christen.

Die Stadt trat in der Vergangenheit nur gelegentlich hervor. Sie ist im alten Ägypten die Hauptstadt des 13. oberägyptischen Gaus („Vorderer Sykomorengau“). In islamischer Zeit ist sie zuerst Bezirkshauptstadt (arabischمركز‎ Markaz), heutzutage die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements.

Wortherkunft

Die heutige Bezeichnung leitet sich von der altägyptischen Bezeichnung Z3wt(j), in griechisch-römischer Zeit auch Z3w.dj genannt, ab, das Wache oder Wächter bedeutet und Bezug auf seine strategische Lage nimmt. Die Assyrer nannten diese Stadt Šijāutu.[4] Die Griechen nannten diese Stadt zudem Λύκων πόλις (Lúkōn pólis, Lykopolis, „Wolfsstadt“) nach der hier verehrten Gottheit Upuaut (Wepwawet).

In koptischer Zeit wurde die Stadt ⲤⲒⲞⲞⲨⲦ, Siout, oder ⲤⲒⲰⲞⲨⲦ genannt, aus der die hocharabische Bezeichnung ‏أسيوط‎ Usyūṭ entstand. Erst im 15. Jahrhundert setzte sich die umgangssprachliche Nennung Asyūṭ durch.[1]

Geschichte

Pharaonische Geschichte

Der 13. oberägyptische Gau, dessen Hauptstadt Zawtj war, ist zwar seit dem König Snofru aus der 4. Dynastie belegt, die Stadt trat aber erst in der Zeit der Neuordnung Ägyptens nach dem Zusammenbruch der Zentralregierung aus der Zeit des Alten Reichs hervor und verfügt aus dieser Zeit auch über archäologische Belege. Sie gehört in der 9./10. Dynastie zum Einflussbereich der Herakleopoliten, der Gaufürsten des 20. oberägyptischen Gaus, mit denen die hiesigen Gaufürsten wohl auch verwandt waren. Die Inhaber der hiesigen Gaufürstengräber Jtj-jb-j (Tefib), Cheti II. und Cheti I. berichten in ihren Biografien über Kämpfe mit dem südlichen Nachbargau Theben. Nach anfänglichen Erfolgen fällt aber Zawtj schlussendlich in den Machtbereich der Thebaner.

Zu den bedeutendsten Denkmälern aus dieser Zeit zählen die Gaufürstengräber im Westen des heutigen Asyut am Kalksteinhügel Isṭabl ʿAntār (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stätte südlich von Beni Hasan). Die ursprünglich von Griffith postulierte zeitliche Reihung – sie entspricht ihrer geografischen Reihung von Süd nach Nord – Jtj-jb-j (Grab 3), Cheti II. (Grab 4) und Cheti I. (Grab 5) wird heutzutage wieder als korrekt angesehen.[5] Das Grab Chetis II. ist für seine Darstellungen von Polizeitruppen berühmt („Soldatengrab“). Neben diesen Bestattungen wurden zahlreiche Funde von Särgen und Bestattungen dokumentiert, die ebenfalls aus dieser Zeit stammen.

Ägyptische Lanzenkämpfer aus dem Grab des Mesehti

In die Zeit Ende der 11. Dynastie/Anfang der 12. Dynastie fällt das 1894 entdeckte Grab des Bürgermeisters und Prophetenvorstehers des Upuaut, Mesehti. Zu den Grabfunden gehören zwei Särge (CG 28118, 28119)[6], eine Alabasterstatue und die Modelle mit je vierzig nubischen Bogenschützen (CG 257) und ägyptischen Lanzenkämpfern (CG 258)[7], die heute im Ägyptischen Museum zu Kairo ausgestellt sind.

Im Mittleren Reich spielte die Stadt keine politische Rolle. Aus dem Mittleren Reich stammen die Gräber der Gaufürsten Hepdjefa I., Hepdjefa II. und Hepdjefa III., die sich ebenfalls auf dem Gräberberg befinden. Insbesondere das Grab des Hepdjefa I. erlangte Berühmtheit. Der während der Zeit Sesostris’ I. lebende Gaufürst lässt in seinem Grab den Text von zehn Verträgen anbringen, die seinen Totenkult absichern sollen.[8][9] Im Grab des Hepdjefa III. („Salachana-Grab“) wurden 600 Stelen, darunter zahlreiche Votivstelen für die hier verehrten Götter, Papyri und Wolfsmumien gefunden.[10][11]

In der Zweiten Zwischenzeit erlangte die Stadt eine gewisse Selbständigkeit. Am Ende der Zweiten Zwischenzeit wird die Stadt im Rahmen der Feldzüge des Königs Kamose (17. Dynastie) erwähnt.

Auch aus dem Neuen Reich gibt es einige archäologischen Belege. Darunter befinden sich die 600 schon erwähnten Stelen aus dem Grab von Hepdjefa III., die einen hier entstehenden Kult belegen. Aus der Nekropole, die jetzt weiter südlich liegt (beim heutigen Ort Dair Durunka), stammen bedeutenden Grabanlagen, wie die des Scheunenvorstehers Siese, der unter Ramses II. ein hoher Beamter war, und das mit Reliefs dekorierte Grab des obersten Vorlesepriesters Amenhotep aus derselben Zeit. Die Stadt wird auch im thebanischen Grab des Wesirs Rechmire (TT 100) aus der Zeit Thutmosis’ III. im Zusammenhang mit Tributzahlungen an Theben erwähnt. Grabfunde belegen, dass die hiesigen Gräber in der Spätzeit und in griechisch-römischer Zeit wiederverwendet wurden. Aus dieser Zeit stammen auch Papyrusfunde.

In dieser Stadt wurden mehrere Götter verehrt. Der bedeutendste ist der meist schakal- oder hundsköpfig dargestellte Totengott Upuaut (auch Wepwawet, der „Wegeöffner“), Herr von Asyut, dem zu Ehren auch ein Tempel errichtet wurde. Von diesem Gott, der von den Griechen fälschlicherweise als Wolf angesehen wurde, wurde der griechische Name der Stadt Lykopolis abgeleitet. Im engen Zusammenhang mit ihm steht der Totengott Anubis (von Raqereret), der in der benachbarten Nekropole verehrt wurde. Weitere verehrte Gottheiten sind Osiris (Herr von Asyut), Hathor (Herrin von Medjedni), bzw. Isis (Herrin von Medjedni, sie gilt als Mutter des Upuaut), Hereret, Amun-Re, Ptah und Thot.

Der oder die Tempel lagen wohl in der Stadt selbst, sind aber bis heute archäologisch nicht nachgewiesen worden. Es ist bekannt, dass ein Tempel für Upuaut unter Thutmosis III. errichtet wurde und dass Ramses III. einen Tempel für Upuaut restaurieren und zwei Totentempel für sich errichten ließ (Papyrus Harris).

Geschichte seit der Zeitenwende

Die Geschichte der letzten beiden Jahrtausende ist nur bruchstückhaft überliefert.

Die Stadt ist der Geburtsort des Plotinus (205–270 in Kampanien), des Begründers der neuplatonischen Philosophieschule. Er ist wohl der bedeutendste Sohn dieser Stadt.

Die Stadt ist in römischer und byzantinischer Zeit eines der bedeutendsten Zentren der koptischen Christen. Sie lebten hier mindestens seit der Zeit der Diokletianischen Christenverfolgung. Zu den hiesigen Märtyrern zählen die hl. Thekla[12] und Phoibammon.

Die Stadt ist Geburts- und Wirkungsstätte wichtiger Heiliger, so z. B. Victor von Schu, der hl. Claudius von Antiochien und Johannes von Lykopolis (320–395). Von letzterem, der als Asket etwa fünf Jahrzehnte in einer Zelle des Gräberberges lebte, wurde berichtet, dass er nur über ein Fenster mit der Außenwelt kommuniziere. Er war als Weissager sehr geschätzt. Seine berühmteste Weissagung betraf den Sieg des Kaisers Theodosius I. über seinen Widersacher Eugenius im Jahr 394.

Asyut ist schon früh Bischofssitz. Zu den frühen Bischöfen gehören Alexander von Lykopolis (Anfang 4. Jhd.), Apollonius von Lykopolis, Melitus († 325), Plusanius von Lykopolis und Constantine von Lykopolis. In der Folgezeit gibt es nur noch wenig Aufzeichnungen zu den hiesigen Bischöfen.[13]

Der Großraum Asyut wird von zahlreichen Klöstern überzogen. Der arabische Historiker al-Maqrizi (1364–1442) zählte zu beiden Seiten des Nils 360 Klöster, Abu Salih der Armenier (eigentlich Abū al-Makārim) benennt 60 Kirchen und sechs Klöster in oder bei Asyut.[14] Auf dem Gräberberg von Asyut lassen sich heute noch die Ruinen zweier Klöster ausmachen. In der näheren und weiteren Entfernung zu Asyut gibt es heute noch zahlreiche Kirchen und Klöster, so die Klöster Dair Abū Bifām, Dair Abū Isḥāq, Dair Abū Maqrūfa, Dair Abū Mūshā, Dair al-ʿAwana, Dair al-Balāyza, Dair al-ʿIẓām, Dair al-Ǧabrawiyy, Dair al-Malāk Mīchāʾīl, ad-Dair al-Muḥarraq, Dair al-Muṭṭin, Dair an-Naṣārā, Dair Buqṭur Schū, das Nonnenkloster Dair Durunka, ad-Dair al-Muʿallaq (Dair Mār Mīnā), Dair Rīfā (Dair Rifeh) und Dair Tāsā.

Aus islamischer Zeit gibt es nur wenige Informationen, sie sind erst ab dem Ende der Mameluckenzeit verfügbar. Unter dem Pascha ʿAlī Bey fand hier 1769/1770 AD eine Revolte statt.

In der gesamten Zeit war die Stadt ein blühendes Zentrum für Handel, Landwirtschaft und Handwerk (siehe Handwerk und Wirtschaft).

Asyut brachte auch mehrere arabische Gelehrte aus der Familie der al-Asyūṭī hervor, der bedeutendste war Ǧalāl ad-Dīn al-Asyūṭī (gestorben 1505).

Mit der Errichtung des Staudamms 1902 und der Anlage des Ibrāhīmiyya-Kanals (arabischالترعة الإبراهيمية‎ at-Turʿa al-ibrāhīmiyya) wurde der großindustrielle Baumwollanbau möglich. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde hier die Missionsarbeit der Amerikanisch-presbyterianischen Kirche verstärkt.

Seit dem Ende der 1970er-Jahre entwickelte sie die Universität Asyut zum Zentrum der al-Dschamaʿa al-islamiyya, die sich eine islamische Republik als Staatsform Ägyptens zum Ziel setzte. Sie wurde bis zur Ermordung Anwar as-Sadats am 6. Oktober 1981, an dem sie und der Islamische Jihad beteiligt waren, toleriert. In der Woche nach Sadats Ermordung stürmten Islamisten Polizeistationen in Asyut und Kairo. Allein in Asyut kamen 55 Menschen ums Leben.

Die Attacken flammten Anfang der 1990er-Jahre erneut auf. Die al-Dschamaʿa al-islamiyya erklärte 1992 der Regierung Mubaraks den Krieg. Nach mehreren Attacken wurden Mitglieder der Gruppierung Ende 1992, Anfang 1993 in mehreren Wellen verhaftet, zahlreiche Mitglieder wurden zum Tode verurteilt. Die Anschläge wurden auch 1993 bis 1997 fortgesetzt. Zu den Opfern gehören Kopten, ägyptische Offiziere und ausländische Touristen. Prominentestes Opfer wird am 14. Oktober 1994 der Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfuz. Trauriger Höhepunkt war das Massaker an 58 Touristen in Luxor am 17. November 1997.

In den 1990er-Jahren nutzen Anhänger der al-Dschamaʿa al-islamiyya das auf einer Insel gelegene und 10 km von Asyut entfernte Dorf an-Nachaila als Unterschlupf. Am 1. März 2004 wurde hier der Drogen- und Waffenhändler Izzat Hanafi von ägyptischen Sicherheitskräften nach mehrtägigen Kämpfen festgenommen.[15] An ihm und seinem Bruder wurde am 20. Juni 2006 das Todesurteil vollstreckt.[16] Eine Zusammenarbeit mit der al-Dschamaʿa al-islamiyya ist aber nicht belegt.

Als Folge dieser Anschläge wurde der Tourismus in den Gouvernements Asyut und al-Minya Mitte der 1990er-Jahre bis 1999 ausgesetzt, danach ist er nur unter polizeilicher Präsenz möglich, die aber in den letzten Jahren wieder deutlich verringert wurde.

Forschungsgeschichte

Die Forschungsgeschichte reicht zwar etwa 300 Jahre zurück.[17] Das Gebiet von Asyut ist jedoch niemals systematisch untersucht worden; die Untersuchungen betrafen fast ausschließlich die Gräber im Westen der Stadt. Die Grabfassaden und Türlaibungen aller Gräber sind heute nun aber völlig zerstört: sie wurden Opfer von Steinbruch.

Insofern stellt die Dokumentation der Napoléonischen Expedition von 1799 eine der wichtigsten Quellen dar. Allerdings sind die Inschriften zum Teil gar nicht oder fehlerhaft kopiert worden.

Erneute Ausgrabungen wurden in den 1880er-Jahren von Francis Llewellyn Griffith für den Egypt Exploration Fund und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Émile Gaston Chassinat und Henri Amédée Charles Palanque bzw. in den 1930er-Jahren von Jean Pierre Marie Montet für das Institut français d’archéologie orientale vorgenommen. Zwischenzeitlich gab es auch Erkundungen durch David George Hogarth, Ernesto Schiaparelli und Ahmed Kamal, die aber nur teilweise veröffentlicht wurden.[18] [19]

Seit den 1960er-Jahren bis Anfang der 2000er-Jahre war das Areal von Istabl Antar militärisches Sperrgebiet, so dass sich Untersuchungen sehr erschwerten. Ab 1987 erfolgte eine fotografische Aufnahme der Gräber durch Donald B. Spanel. Ab 2003 wird die Nekropole erneut in einem Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Sohag, Münster und Mainz untersucht.[20]

In den letzten Jahren unternimmt der ägyptische Antikendienst Anstrengungen, um wichtige Gebäude der Altstadt wie Moscheen und Karawansereien zu renovieren und einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Handwerk und Wirtschaft

In der gesamten Zeit war die Stadt ein blühendes Zentrum für Handel, Landwirtschaft und Handwerk. Zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen zählten Getreide, Datteln, Quitten und Gemüse. Zu den Handwerkserzeugnissen zählten Webartikel aus Wolle, Baumwolle und Leinen sowie Teppiche. Materialien zum Färben wie Alaun und Indigo erhielt man aus den nahe gelegenen Oasen. Weitere Erzeugnisse des hiesigen Handwerks waren Silberschmuck, Töpferwaren, Leder und Einlege-Holzarbeiten. Auch wenn das Handwerk stark zurückgegangen ist, so besteht es doch noch heute.

Ein reger Warenaustausch war durch die direkte Anbindung in den Sudan über den Darb al-Arba'in möglich. Die jährlichen Karawanen mit 1500 Kamelen brachten Sklaven, Elfenbein, Straußenfedern und andere Produkte aus dem Sudan im Austausch zu Produkten Ägyptens und seiner Nachbarländer. Heutzutage gibt es einen derartigen Austausch so gut wie gar nicht mehr. Um den Handel zu unterstützen, besaß Asyut zahlreiche Basare und Karawansereien. So beschreibt auch der Reisende Ibn Battuta das Asyut der Mameluckenzeit (14. Jahrhundert) als großartige Stadt mit wundervollen Märkten.

1902 wurde der Staudamm von Asyut fertig gestellt. Er reguliert u. a. die Wasserzufuhr zum Ibrāhīmiyya-Kanal, der über eine Länge von 320 km die Felder in den Gouvernements Asyut, al-Minya und Beni Suef bewässert, was die Grundlage für den Anbau von Baumwolle insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellte. Seit den 1980er-Jahren wird der Staudamm auch zur Energiegewinnung aus Wasserkraft eingesetzt.

Wichtig für die heutige Wirtschaft sind der Kalksteinabbau auf dem Ostufer nördlich von Asyut und die hiesige Zementfabrik CEMEX.

Seit Mitte der 2010er-Jahre wird versucht, den Tourismus wieder zu etablieren. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden, es bleibt aber ein schwieriges Unterfangen, nachdem der Tourismus wegen islamischer Anschläge bis 1999 ganz zum Erliegen kam.

Universitäten

Die seit 1957 bestehende Universität Asyūṭ verfügt Fakultäten für Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie, Wirtschaftswissenschaft, Jura, Kunst, Erziehungswissenschaft und Informatik. Sie ist die drittgrößte Universität Ägyptens mit 64.000 Studenten und befindet sich im Norden der Stadt.

Gegenüber dieser Universität gibt es die 1969 gegründete Zweigstelle der al-Azhar-Universität mit den Fakultäten für islamisches Recht, Theologie, Arabistik, Medizin, Pharmazie und Naturwissenschaften. Zudem gibt es auch eine islamwissenschaftliche Fakultät für Frauen.

Das Islamische Institut Fuads I. für Recht und Islamwissenschaften (arabischمعهد فؤاد الأول الديني‎, DMG Maʿhad Fuʿād al-awal ad-dīniyy) besteht seit 1928.

Sehenswürdigkeiten der Stadt

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen mehrere Moscheen (z. B. die Moschee des Galal ad-Din al-Asyutiyy und die al-Mudschāhidīn-Moschee), mehrere Karawansereien (z. B. die Wikala Schalabi) und zahlreiche Kirchen im Basarviertel el-Qasriyya. Unweit des Ibrahimiyya-Kanals befindet sich die as-Salam-Oberschule mit einem Museum ägyptischer, sudanesischer und indischer Ausstellungsstücke. Hierzu gehören auch einige Funde von William Matthew Flinders Petrie aus Dair Rifa.

Persönlichkeiten

  • Coluthus (5. Jahrhundert), griechischer Dichter
  • Gamal Abdel Nasser, der zweite ägyptische Präsident nach der Revolution.
  • Shenouda III, der gegenwärtige Patriarch von Alexandrien (geboren in der nordöstlichen Nachbarstadt Abnub).
  • Ahmed Lutfi el-Sayed, ägyptischer Nationalist.
  • Meletius von Lykopolis, Bischof.

Städtepartnerschaften

Literatur

Monographien

  • Description de l’Égypte, Antiquités, Vol. IV, Tafeln 43–49.
  • Francis Llewellyn Griffith, The inscriptions of Siût and Dêr Rîfeh, London: Trübner, 1889.
  • Émile Chassinat, Charles Palanque, Une campagne de fouilles dans la nécropole d’Assiout (MIFAO 24), Le Caire: Impr. de l’IFAO, 1911.
  • Helmut Brunner, Die Texte aus den Gräbern der Herakleopolitenzeit von Siut (Ägyptologische Forschungen 5), Glückstadt, Hamburg: Augustin, 1937.
  • Elmar Edel, Die Inschriften der Grabfronten der Siut-Gräber in Mittelägypten aus der Herakleopolitenzeit. Eine Wiederherstellung nach den Zeichnungen der Description de l’Égypte (Abhandlungen der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften 71), Opladen: Westdt. Verl., 1984, .
  • Jochem Kahl, Siut – Theben. zur Wertschätzung von Traditionen im alten Ägypten (Probleme der Ägyptologie 13), Leiden/Boston/Köln 1999.
  • Jochem Kahl, Ancient Asyut. The First Synthesis after 300 Years of Research (The Asyut Project 1), Wiesbaden 2007.

Wissenschaftliche Aufsätze

  • Pierre Montet, Les tombeaux de Siout et de Deir Rifeh, in: Kêmi, Band 1 (1928), S. 53–68, 4 Tafeln; Band 3 (1930), S. 45–111, 9 Tafeln; Band 6 (1936), S. 131–163, 5 Tafeln.
  • Donald B. Spanel, The Herakleopolitan Tombs of Kheti I, Jt(.j)jb(.j), and Kheti II at Asyut, in Orientalia [Roma, N.S.], Band 58 (1989), S. 301–314, Tafeln VI–XIII.

Artikel in Lexika

  • Horst Beinlich: Assiut, in: Wolfgang Helck (Hg.): Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden, Harrassowitz, 1975, Band 1, Sp. 489–495.
  • Donald B. Spanel: Asyut, in: Donald B. Redford (Hg.): The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt, Oxford, Univ. Press, 2001, Band 1, S. 154–156.
  • Randall Steward: Asyūṭ, in: Aziz Suryal Atiya (Hg.): The Coptic Encyclopedia, New York: Macmillan [u. a.], 1991, Band 1, S. 296 f.
  • C.H. Becker: Asyūṭ, in: Hamilton Alexander Rosskeen Gibb (Hg.): Encyclopaedia of Islam, neue Ausgabe, Leiden : Brill, 1960, Band 1, S. 728 f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Encyclopaedia of Islam, New Edition, op. cit., Band 1, S. 728.
  2. Karl Beadeker: Ägypten, Leipzig: Baedeker, 1928, S. 218.
  3. World Gazetteer: Ägypten: Die wichtigsten Orte mit Statistiken zur ihrer Bevölkerung
  4. Gerhar Fecht : Zu den Namen ägyptischer Fürsten und Städten in den Annalen des Assurbanipal und der Chronik des Asarhaddon, Mitteilungen des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo, Band 16 (1958), S.112–119, insbesondere S. 114.
  5. Diana Magee: Asyūt to the End of the Middle Kingdom: A Historical and Cultural Study, Dissertation, Universität Oxford, 1988, 3 Bände.
  6. Pierre Lacau, Sarcophages antérieurs au Nouvel Empire. Tome II: Deuxième fascicule, Le Caire: Imprimerie de l’Institut Français d’Archéologie Orientale, 1906, (Catalogue général des antiquités égyptiennes du musée du Caire; 33 Nr. 28100–28126), S. 101–133, Tafel IX.
  7. Ludwig Borchardt, Statuen und Statuetten von Königen und Privatleuten im Museum von Kairo. Teil 1. Text und Tafeln zu Nr. 1–380, Berlin, 1911, (Catalogue général des antiquités égyptiennes du musée du Caire; 53 Nr. 1–1294), S. 154, 164 f, Tafeln 49, 55 f.
  8. Adolf Erman, Zehn Verträge aus dem Mittleren Reich, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Band 20 (1882), S. 159–184.
  9. Anthony J. Spalinger: A Redistributive Pattern at Assiut, in: Journal of the American Oriental Society, Band 105 (1985), S. 7–20.
  10. Gerald Averay Wainwright, A subsidiary burial in Hap-zefi’s tomb at Assiut, in: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte, Band 26 (1926), S. 160–166
  11. Peter Munro, Einige Votivstellen an Wp w3wt, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Band 88 (1962), S. 48–58, vier Tafeln.
  12. Walter Till, Koptische Heiligen- und Märtyrerlegenden, zwei Bände, Rom, 1935–1936; Band 1, S. 116; Band 2, 131
  13. Henri Munier, Recueil des listes épiscopales de l’église copte, Kairo, 1943.
  14. Abû Sâliḥ the Armenian; Evetts, Basil Thomas Alfred : The churches and monasteries of Egypt and some neighbouring countries attributed to Abû Sâliḥ, the Armenian, Oxford : Clarendon Press, 1895; verschiedene Nachdrucke, z. B. Piscataway : Gorgias Press, 2001, ISBN 0971598673, S. 245 – 252, 352.
  15. Drug empire falls, Bericht der Al-Ahram Weekly vom 4. März 2004
  16. Newsreel, Bericht der Al-Ahram Weekly vom 22. Juni 2006.
  17. Jochem Kahl, Ancient Asyut: The first synthesis after three hundred years of research, Wiesbaden, Harrassowitz, 2008.
  18. Ahmed Kamal, Fouilles à Dara et à Qoçéîr el-Amarna, in: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte, Band 12 (1912), S. 128–142.
  19. Ahmed Kamal, Fouilles à Deir Dronka et à Assiout (1913–1914), in: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte, Band 16 (1916), S. 65–114.
  20. Jochem Kahl, Ursula Verhoeven, Die „Wächter-Stadt“ : Assiut – eine Stadt und ihre Nekropole in Mittelägypten gewähren wieder Einblicke, in: Antike Welt, Band 37 (2006), Heft 4, S. 65–72.

27.18333333333331.1833333333337Koordinaten: 27° 11′ 0″ N, 31° 11′ 0″ O


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  • Assiut — [ä syo͞ot′] alt. sp. of ASYUT …   English World dictionary

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  • Assiut — Assiout  Pour l’article homonyme, voir Gouvernorat d Assiout.  Article de la série Lieux égyptiens Lieux Nomes / Villes Monuments / Temples …   Wikipédia en Français

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