Assurhaddon

Aššur-ahhe-iddina (biblisch Asarhaddon, neuassyrisch Aschschur-achche-iddina, Assur-ahhe-iddina) ist der Name eines assyrischen Königs von 680 v. Chr. bis 669 v. Chr.[1] und bedeutet: Aššur hat mir einen Bruder gegeben. Er ist der jüngste Sohn Sanheribs und der aramäischen Königin Naqi'a/Zakutu.

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Als Quellen zur Geschichte der Regierung Asarhaddons stehen die königlichen Inschriften, die Eponymenlisten, Teile des assyrischen Staatsarchivs, die sich in Niniveh erhalten haben, Chroniken, Staatsverträge, die sogenannten "Gottesbriefe", Orakeltexte (besonders gegen Ende seiner Regierungszeit) und Verwaltungsurkunden zur Verfügung.

Sieben Briefe des Kronprinzen Assurbanipal an seinen Vater sind erhalten, wie auch vier seines Bruders Šamaš-šuma-ukin und drei seines Bruders Šamaš-metu-uballit und einer von der Prinzessin Šerua-eterat, die sich mit ihrer zukünftigen Stiefmutter Libbali-šarrat nicht sonderlich gut verstanden zu haben scheint. Es sind keine Briefe der Provinzstatthalter überliefert, vermutlich wurden sie bereits in aramäisch auf Papyrus geschrieben und blieben daher nicht erhalten.

Das Nimrud-Prisma berichtet über die Zustände auf Iadnata (Zypern) und nennt die Namen von zehn Königen, die den Assyrern tributpflichtig sind.

Leben

Als Kronprinz nahm Asarhaddon an Kämpfen in Bit Hamban gegen die Kimmerer teil. König Sanherib wurde 681 v. Chr. ermordet; ob Asarhaddon hinter der Tat stand, ist unklar; tatsächlich musste er in einem sechswöchigen Bürgerkrieg seinen Anspruch gegen seine Brüder mit Gewalt durchsetzen.

Die Nachfolge in der Herrschaft wurde unter anderem über Verträge mit den Vasallen geregelt. So schloss Asarhaddon mit den Königen der Meder einen Vertrag, dass sie seinen Sohn Assurbanipal "den Kronprinzen vom Nachfolgehaus" an seiner Stelle als König anerkennen sollten, und Šamaš-šuma-ukin als König von Babylon. Sie sollten:

  • ihn schützen, im Felde und innerhalb der Stadt
  • ihm aus ganzem Herzen guten Rat erteilen
  • einen guten Weg für seine Füße bereiten
  • seine Brüder nicht gegen ihn unterstützen
  • ihm alle bösen Worte gegen ihn zutragen, sowohl aus dem Munde seiner Familie, der Beamten und Eunuchen wie auch des Volkes (der Schwarzköpfigen)
  • keine Verträge mit seinen Feinden schließen
  • auch seinen Söhnen ergeben sein
  • den Text dieser Vertragstafel nicht ändern oder versuchen, diese zu vernichten

Der Vertrag wird mit Verfluchungen von Vertragsbrechern bekräftigt. Wer ihm zuwiderhandelt soll (unter anderem)

  • kein hohes Alter erreichen
  • Anu möge sie mit Schlaflosigkeit, Trübsal und Krankheit schlagen
  • Sin möge sie mit Aussatz schlagen
  • Schamasch möge sie blenden
  • Ninurta möge sie mit seinen Pfeilen niederstrecken, ihr Blut möge die Steppe füllen
  • Ein Fremder möge den Schoß ihrer Frauen besitzen, ihre Söhne mögen sie nicht beerben
  • Adad, der Deichgraf des Himmels möge ihr Land überfluten
  • etc.

Der Eid wird mit dem Opfer eines Mutterschafes bekräftigt, und das Schicksal des Schafes magisch (und sehr ausführlich) mit dem der Eidbrüchigen gleichgesetzt.

Kriege

Gewöhnlich zogen die assyrischen Könige jedes Jahr zu Feldzügen aus. Jahre, in denen der König "im Lande blieb", gelten gewöhnlich als Zeichen innerer Unruhen. Jedoch konnte auch der Rab-šarri Feldzüge leiten. Der König leitete gewöhnlich die Schlacht von einem Hügel aus, während seine Adeligen (rabiu) die Truppen in die Schlacht führten. Aus einem Brief an Asarhaddon (83-1-18,861) geht jedoch hervor, dass Asarhaddon seine Truppen teilweise auch persönlich anführte. Der (unbekannte) Verfasser des Briefes rät jedoch von einem solchen Vorgehen ab. Feldzüge Asaraddons:

Zunächst besiegte er die Dakkuri und Gambulu, Nomaden im südlichen Mesopotamien. Um 680 v. Chr. besiegte König Asarhaddon dann ins Land eingedrungene Kimmerer, ein nomadisierendes Reitervolk, bei Hubušna. Sie bezwangen anschließend Phrygien und verursachten Verwüstungen in Lydien. 677 v. Chr. wurde der König von Sidon, der sich gegen die assyrische Herrschaft erhoben hatte, besiegt und enthauptet. Seine Stadt wurde verwüstet und dann als "Hafen des Asarhaddon" wieder aufgebaut, während die phönizische Bevölkerung nach Assyrien deportiert wurde. 676 v. Chr. folgte ein erfolgreicher Feldzug ins Taurus-Gebirge. Unterdessen musste Assyrien auch die Mannäer an der Nordgrenze abwehren, ebenso die Meder unter ihrem König Khschathrita im Osten. Assyrische Vorstöße reichten offenbar bis in die Gegend des heutigen Teheran. Das Zagros-Gebirge wurde durch eine Reihe von Festungen gesichert. Melitene (assyrisch: Meliddu) wurde im Jahr 675 v. Chr. (erfolglos) belagert. Im selben Jahr wurde im Süden Mesopotamiens ein gegen die Stadt Sippar gerichteter Einfall der Elamiter zurückgeworfen. Es folgte ein assyrischer Vorstoß in das Land Bazu, wohl an der Nordküste des Persischen Golfs, den Quellen nach jedenfalls eine ausgetrocknete Landschaft.

Als der älteste Sohn von Asarhaddon starb, wurde Assurbanipal von 672-669 v. Chr. Kronprinz. Er war mit Libbali-šarrat verheiratet und folgte seinem Vater auf dem Thron.

671 v. Chr. stieß Asarhaddon schließlich nach Ägypten vor und schlug dessen König Taharqa. Memphis wurde eingenommen und Taharqa musste nach Oberägypten fliehen. Asarhaddon legte sich nun den Titel "König von Musur, Patros und Kusch" zu und kehrte mit reicher Beute heim. Sobald er aber Ägypten verlassen hatte, erhob sich das Land gegen die Invasoren. Darum marschierte Asarhaddon wieder gegen Ägypten, starb aber unterwegs an seiner schon länger bestehenden Krankheit am 27. Oktober 669 v. Chr.[2] in Harran.

Titel

Asarhaddon führte, wie alle vorderasiatischen Könige, die über andere Könige herrschten, den Titel Großkönig (Sarru rabû šarru), außerdem nannte er sich König: von Assyrien, des Weltreichs (šar-kiššati), der vier Weltufer (Sar kibrât erbetti), erster aller Könige, von Sumer und Akkad (mât Sumeri u Akkadiki), von Babel (Bâbìliki), von Karduniaš, von Ägypten, von Kuš, von Patros, von Subartu, von Amurru, König der Könige von Tilmun, Makan und Meluhha.

Als weitere Titel führte er: Statthalter des Enlil, Priester des Aššur, treuer Hirte, Liebling der großen Götter, Sohn Sanheribs, Sohn von Sargon, teurer Sproß von Baltil (= Aššur) und königlicher Nachkomme des Bêl-bani.

Unter den Göttern, die Asarhaddon in seinen Inschriften anführt, tauchen vor allem Aššur, Ninlil (der, wie Aššur, seinen Schirm über ihn ausgebreitet hat), Šamaš, Marduk (der Oberrichter der Götter), Bêl und Nabû (der Schreiber des Alls) auf, ferner Nudimmud (der weiseste unter den Göttern), Sin (der Herr der Krone), die Ištar von Arbela, die Ištar von Niniveh, Nergal, Sarpânîtu (besonders in Babylon, Eru'a), Ninurta, Gušea, Bêltiia, Šarur und Šargaz, Aa, Irnini, Agušea, die Šebeti, und Enlil.

Hof

Als Kronprinz hatte Asarhaddon einen Palast in Guzana oder lebte im Palast der Nachfolge (bît ridûti). Als König benutzte er die königlichen Paläste in Niniveh und Kalach. Der Zugang zum königlichen Palast war genau geregelt. In den Texten des Staatsarchs aus Niniveh gibt es eine Liste, die 14 berechtigte Personen aufführt, darunter den königlichen Schreiber und Mitglieder seiner Familie und den Oberschreiber, Zer-Issar, den Anführer der öffentlichen Arbeiten (rab pilkāni) und die Höflinge Musurayu und Arbayu. Sein Ober-Schreiber war Nabû-zehr-lešir, der aus einer berühmten Familie von Schreibern kam, ab 672 v. Chr. dessen Sohn Issar-šumu-eresch, der vorher Oberschreiber gewesen war. Sein Stellvertreter war Kanunayu. Der Schreiber erledigte nicht nur die Korrespondenz, sondern hatte auch die Funktion eines Finanzministers. Majordomus (rab bēti) war ebenfalls ein hohes Hofamt. Sowohl der König als auch die Königin und die Kronprinzen hatten einen rab bēti. Auch der Ober-Eunuch war ein wichtiges Hofamt. So ist Milki-nuri, der Obereunuch der Königin, namentlich bekannt. Das Amt des königlichen Schirm-Trägers scheint zunächst wenig distinguiert, aber der Inhaber hatte immer das Ohr des Königs.

Der König und die Königin unterhielten getrennte Hofhaltungen. Wie ein Schreiben aus dem Staatsarchiv belegt, konnte auch ein Diener aus dem Palast der Königin nicht ohne weiteres Zutritt zum königlichen Palast erlangen. Ob die Königin-Mutter einen eigenen Haushalt unterhielt, ist unklar, es gibt jedoch Texte, die einen bet ummi šarri erwähnen. Die Königin hatte auch einen Palast in Kilizi.

Familie

Seine Mutter war die einflussreiche Aramäerin Na'qia (Zakutu). Ihr Schreiber war Issar-duri. Sein jüngerer Bruder, Assur-nadin-šumi, war von Sanherib 700 v. Chr. als König von Babylon eingesetzt worden, wurde aber auf Betreiben gewisser Sterndeuter von seinen Untertanen an die Elamiter ausgeliefert. Asarhaddon war mit Ešara-hammat verheiratet, der Mutter von Assurbanipal und Šamasch-šum-ukin. Sie verstarb im Februar 672 v. Chr. Es ist unbekannt, ob er erneut heiratete. Kinder:

  • Assurbanipal
  • Šamaš-šuma-ukin
  • Šamasch-metu-uballit, der dritte Sohn
  • Prinzessin Šerua-eterat
  • zwei weitere Töchter waren mit ausländischen Herrschern verheiratet, eine vielleicht mit Scheschonq

Außer der Königin hatte der König scheinbar auch einen Harem aus Sklavinnen. So wird berichtet, daß nach der Eroberung von Memphis Jungfrauen aus Kusch im königlichen Palast untergebracht wurden. Eine Gleichsetzung des Palasts der Königin mit dem Harem scheint aber unangebracht.

Verwaltung

Die wichtigsten Städte des Reiches, in Assyrien selber wie den unterworfenen Ländern, wurden von Statthaltern verwaltet. Einige davon sind namentlich bekannt:

  • Statthalter von Nippur: Illil-bani
  • Statthalter von Uruk: Nabû-ušabši
  • Statthalter von Guzana: Šamaš-emuranni und sein Stellvertreter Palti-Ia'u und der Buchhalter Niri-Ia'u
  • Statthalter von Gambulu: Bel-iqischa, der unter Assurbanipal 664 rebellieren sollte
  • Statthalter von Ur: Ningal-idina
  • Statthalter des Meerlandes: Nabû-zêr-kitti-lîšir, Sohn des Marduk-Apla-Iddina I., nach ihm sein Bruder Na'id-Marduk, später wird Bel-ibni als militärischer Kommandeur des Seelandes erwähnt
  • König von Borsippa: Nabû-šallim, Sohn des Balasu (von Asarhaddon eingesetzt, nachdem er den König von Bit-Dakkuri aus Borsippa vertrieben hatte).

Asarhaddon ermutigte seine Untertanen dazu, sich im Falle des Verrats assyrischer Interessen oder einer Verschwörung gegen den König direkt an ihn zu wenden, und in der Tat sind zahlreiche Briefe erhalten, die den König vor Verschwörungen warnen oder Übertretungen von Amtsinhabern melden, darunter auch mehrere anonyme Briefe. Außerdem hatte er in den wichtigsten Städten spezielle Agenten (qēpu), die ihm persönlich über die Aktivitäten der Einheimischen, aber auch der assyrischen Statthalter berichteten:

  • In Babylon war sein königlicher Agent der gelehrte Mar-Issar (671-669 v. Chr.)
  • Aufsicht über die nördliche Mittelmeerküste hatte Itti-Šamaš-balatu, Er berichtet über die illoyalen Aktivitäten von Ikkilû, dem König von Arwad, aber auch darüber, dass einige Assyrer systematisch versucht hätten, ihn einzuschüchtern. Ikkilû, König von Arwad hatte versucht, Schiffe daran zu hindern, assyrische Häfen anzulaufen und bevorteilt Händler, die direkt mit ihm verkehren. Er soll auch Händler getötet haben, die in assyrische Häfen einliefen, ihre Boote beschlagnahmt haben und Spione nach Assyrien geschickt haben.
  • Die Aufsicht über die Beziehungen zu Elam lag seit 675 v. Chr. in der Hand von Nabû-ra'im-nišešu und Salamanu, die vermutlich in Der oder dem nahe gelegenen Dunni-Šamash residierten. Einige ihrer Briefe an den Herrscher sind erhalten.
  • Der Kronprinz Assurnasipal mit der Überwachung der Beziehungen zu Urartu beauftragt, das Land wurde also durchaus als ernstzunehmende Bedrohung wahrgenommen. Außerdem war Assurbanipal mit der Betreuung von Überläufern aus Mannai, Medien und Hubuškia betraut, also mit der Sammlung und Koordination von Nachrichten von der Nordfront.

Bauten

Asarhaddon baute die Stadt Babylon wieder auf, die von Sanherib zerstört worden war. Zugleich kümmerte sich Asarhaddon auch um den Ausbau Assurs, wo er den Escharra-Tempel erbauen ließ.

Siehe auch

Literatur

  • Rykle Borger: Assyrische Staatsverträge. Freudenstadt 1982, 755-745.
  • Rykle Borger: Die Inschriften Asarhaddons, Königs von Assyrien. E. Weidner, Graz 1956 (Archiv für Orientforschung Beiheft 9).
  • Mikko Kuukko, Greta van Buylaere: The political correspondence of Essarhaddon. State Archives of Assyria 16. Helsinki 2002.

Weblinks


Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. siehe Datierung gemäß Liste der assyrischen Könige
  2. Der Beginn des 10. Arahsamna fiel 669 v. Chr. auf den Abend des 2. November und der Frühlingsanfang auf den 28. März im proleptischen julianischen Kalender. Zum gregorianischen Kalender beträgt die Zeitdifferenz 7 Tage, die vom 2. November in Abzug gebracht werden müssen. Berechnungen nach Jean Meeus: Astronomische Algorithmen - Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5 -, Barth, Leipzig 2000 und Ephemeris Tool 4,5 Umrechnungsprogramm.



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