PBEM

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PbeM (Play by eMail, zu Deutsch: Spiel via E-Mail) ist ein Spielprinzip für rundenbasierte Mehrspieler-Spiele, bei dem die Aktionen der Spieler und die Ergebnisse eines Spielzugs per E-Mail über das Internet verschickt werden. Diese Spielart entspricht dem des klassischen Postspiels, wobei an die Stelle von Briefen oder Depeschen das Medium E-Mail tritt. Es können sowohl Brettspiele als auch Computerspiele als PbeM gespielt werden. Viele Brettspiele, vor allem Schach in der Form von Fernschach, werden bereits seit dem 19. Jahrhundert in ähnlicher Weise gespielt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

PbeM-Spiele bilden unter den Mehrspieler-Computerspielen gewissermaßen das Gegenstück zu den Online-Spielen. Während bei Online-Spielen die Kommunikation zwischen den Computern synchron erfolgt, läuft sie bei PbeM-Spielen asynchron ab. Der Vorteil dieses Prinzips ist, dass die Spieler ihre Züge zu einem beliebigen Zeitpunkt ausführen können, weswegen nicht alle Teilnehmer zur selben Zeit am Computer sitzen müssen. Dies ist etwa für Partien mit Mitspielern aus verschiedenen Zeitzonen von Vorteil. Ein Nachteil der asynchronen Kommunikation ist der nicht unerhebliche Zeitaufwand für eine einzelne Runde, der durch das Warten auf die Ergebnisse der Züge anderer Mitspieler entsteht. Dies ist insbesondere bei Spielen mit einer reihum erfolgenden Zugauswertung, dem Prinzip der meisten Brettspiele, der Fall. Bei einer großen Anzahl an Mitspielern eignen sich daher Spiele, die die gleichzeitige Zugabgabe verlangen, wie es beispielsweise beim Brettspiel Diplomacy der Fall ist.

Aus diesen beiden Mechanismen klassischer Brettspiele ergeben sich die wesentlichen Ausprägungen des PbeM: das Nicht-Host-basierte und das Host-basierte PbeM.

Host-basiertes PbeM

Host-basiert: Die Spieler übertragen Ihre Züge zum Host und erhalten von dort die Auswertung.

Bei Host-basiertem PbeM werden vom Spieler Befehle via E-Mail an den Spielausrichter oder Gamehost geschickt. Die Auswertung der Spielzüge geschieht entweder manuell durch einen menschlichen Auswerter oder – vor allem bei komplexen Spielen – durch ein Computerprogramm. Beispiele für Auswerter sind der Judge bei Diplomacy oder die Game-Engine des Atlantis PbeM. Die Auswertung wird dann wieder an alle Spieler verschickt.

Große Host-basierte PbeMs können mehr als tausend Mitspieler in einer Partie haben. Beispiele für Spiele solcher Größe sind Eressea PbeM und Legends. Auch Sportspiele erfreuen sich großer Beliebtheit. Als Beispiel für ein Fußball-PbeM mögen Torrausch, Zoccer, Copa Mundial, Tipmaster oder die Interactive Soccer League dienen, bei denen sich mehr als 500 Spieler um die virtuelle Krone des Weltfußballs streiten. Auch für Radsport, Eishockey und andere Sportarten gibt es diese Form der Spiele, die nach dem Prinzip der All-pay-Auktion ablaufen.

Host-basierte PbeM-Spiele ähneln in ihrem Kommunikationsverhalten häufig den rundenbasierten Browserspielen.

Nicht-Host-basiertes PbeM

Nicht-Host-basiert: Die Spieler schicken Ihre Züge direkt von einem Spieler zum nächsten.

Beim Nicht-Host-basierten PbeM werden die Spielzüge reihum von einem Mitspieler zum nächsten geschickt. Der aktive Spieler gibt seine Befehle lokal in seinem System ein und kann meistens direkt die Auswirkung seines Handelns beobachten. Die Spielfiguren der anderen Spieler verhalten sich dabei passiv oder folgen vorher festgelegten Regeln. Dies ist auch das grundlegende Prinzip des Schachs, wo der aktive Spieler Figuren des anderen schlagen kann, ohne dass dieser bis zu seiner aktiven Phase eingreifen könnte. Moderne Computerspiele dieser Art, wie beispielsweise Empire, Battle Isle (II & III) oder Age of Wonders, haben indes deutlich komplexere Regeln und erfordern einen speziellen Rich-Client des Spiels auf dem System jedes Spielers. Rich-Clients können dafür aber auch aufgrund ihrer direkten Kontrolle über die Hardware, auf der sie laufen, dynamischere und komplexere multimediale Inhalte darstellen als es in einem Browserspiel oder einem text-basierten E-Mail-Spiel möglich wäre.

Rollenspiel-PbeM

Rollenspiel-PbeM (auch RPG) bilden eine Besonderheit unter den PbeM-Spielen, da das zugrundeliegende Spielprinzip nicht streng rundenbasiert ist. Vielmehr geschieht das Ausspielen der Handlung dadurch, dass jeder Teilnehmer beliebige Aktionen seines Charakters in Texten beschreibt. Diese Spiele können auch als eine Mischform aus Host-basierten und Nicht-Host-basierten PbeM gespielt werden. Grundsätzlich hat jedes Spiel zwar einen Spiel-Meister oder Gamehost, der das Geschehen steuert und mit seinen Auswertungen sozusagen eine Runde beendet, die Länge solcher Runden ist aber nicht streng festgelegt und die Spieler kommunizieren zuweilen auch direkt und zu unbestimmten Zeiten miteinander, um Situationen auszuspielen (zum Beispiel Handel mit Waren). Im Gegensatz zu einem Chatrollenspiel läuft ein PbeM-Rollenspiel nicht in Echtzeit ab, sondern die Teilnehmer können sich zur Beantwortung ihrer Mails Zeit lassen. Beispiele für Spiele dieser Art sind Chrestonim,Heldenwelt, Stargate X, USS Explorer und die PBeM-StarTrek-Community SFG[1].

Verbreitung von PbeM

Die Bestimmung der Beliebtheit von PbeM ist schwierig, da die Spiele mit Ausnahme der großen Host-basierten Spiele meist dezentral in abgeschlossenen Runden gespielt werden. Aus der Anzahl der verfügbaren Computerspiele[2] und der Erwähnung in Spiel-Foren, Zeitschriften[3][4] und auf Messen [5]lässt sich aber erkennen, dass PbeM nur von einer Minderheit aller Spieler wahrgenommen wird. Der Hauptgrund hierfür liegt vermutlich in der beschränkten Möglichkeit zur Erzeugung von actionreichen Spielsituationen, sowie der nötigen Geduld und hohen Ausdauer, die für das Durchspielen eines solchen Spiels nötig sind. Bei den Computerspielen sind Host-basierte PbeM-Spiele stärker verbreitet als die Nicht-Host-basierten, was auf den einfacheren Zugang zu diesem Spieltyp zurückgeführt werden kann: Host-basierte PbeM-Spiele erfordern meist nur einen Web-Browser bzw. Thin-Client oder sogar nur ein E-Mail-Programm, während Nicht-Host-basierte PbeM-Spiele normalerweise den Kauf einer speziellen Spiel-Software voraussetzen.

Weblinks

Literatur

  • Christian Wirsig: Das große Lexikon der Computerspiele, Schwarzkopf&Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 3-89602-525-2
  • Thorsten Quandt, Jeffrey Wimmer, Jens Wolling: Die Computerspieler: Studien zur Nutzung von Computergames, Vs Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 3-53115-085-5

Einzelnachweise

  1. http://www.sf-germany.de Starfleet Germany
  2. http://www.pbm.com/~lindahl/pbm.html Liste verfügbarer PbeM-Spiele
  3. c't, Heise-Verlag, Ausgaben 1/2003-10/2008
  4. GameStar, IDG Entertainment GmbH, Ausgaben 2/2005-3/2008
  5. Games Convention, Leipzig 2002-2008

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