Astanga Hrdayam

Die Ashtanga Hridaya (Sanskrit: अष्टांग हृदय, aṣṭāṇga hṛdaya; dt. „Das achtfache Herz“) ist eines der drei wichtigsten Ayurveda-Lehrbücher aus dem alten Indien. Als Autor wird Vagbhata genannt, dessen Lebenszeit um 550–600 n. Chr. vermutet wird. Es ist in Sanskrit verfasst.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Ashtanga Hridaya basiert auf älteren Texten der Mediziner Charaka und Sushruta und vermutlich wesentlich älteren Quellen, die nicht mehr überliefert sind.

Sie wurde zwischen 773 und 808 von Ibun-Dhan unter Kalif Harun al-Rashid ins Arabische übersetzt[1] und etwa gleichzeitig ins Tibetische. 1941 übersetzen Luise Hilgenberg und Willibald Kirfel die Schrift ins Deutsche.[2] Zahlreiche Kommentare der Texte sind überliefert; erhalten sind Kommentare aus dem 6. Jh., dem 8. Jh. und mehrere aus dem Hochmittelalter. Einige Ausführungen von Hildegard von Bingen erinnern an den antiken indischen Text. Da schon seit der Römerzeit aus Indien Gewürze (Pfeffer usw.) importiert wurden, kann auch ein Informationsfluss angenommen werden.

Inhalt

Die Ashtanga Hridaya besteht aus 7120 Versen in sechs Teilen und insgesamt 120 verschiedenen Kapiteln.

  1. Sutrasthana (allgemeine Grundsätze) enthält
    1. Der Wunsch nach einem langen Leben
    2. tägliche Regime
    3. jahreszeitliche Regime
    4. Vermeidung von Krankheiten
    5. Wissen über Flüssiges
    6. Wissen über Essen
    7. Schutz des Essens
    8. Richtige Menge an Essen
    9. Wissen über Substanzen
    10. Einteilung der Geschmäcker
    11. Wissen über die Doshas
    12. Behandlung der Doshas
    13. zwei Arten von Behandlung
    14. Gruppen an Arzneimitteln für die Abführungstherapie
    15. Öl-Therapie
    16. Schwitz-Therapie
    17. Einlauf-Therapie
    18. Nasentropfen-Therapie
    19. Therapie durch Inhalieren von Rauch
    20. Mundspülungen und weitere Therapien
    21. Augentropfen
    22. Augentherapien
    23. Der Gebrauch von stumpfen Instrumenten
    24. Der Gebrauch von scharfen Instrumenten
    25. Chirurgie
    26. Verätzungen
  2. Sarira sthana (Anatomie Physiologie etc)
  3. Nidana sthana (Gründe, Symptome, Pathogenese und Prognose einiger wichtiger Krankheiten)
  4. Chikitsa sthana (Behandlungen organischer Krankheiten mit Rezepten, Diät und Pflege)
  5. Kalpa-Siddhi sthana (Herstellung von Rezepten, Behandlung von Komplikationen, Grundsätze der Pharmazie)
  6. Uttara sthana (über die restlichen 7 Zweige des Ayurveda)

Neben rein medizinischen Kapiteln wie der Chirurgie ist ein Großteil von Kapiteln Verfahren gewidmet, die man heute eher als Hausmittel bezeichnen würde (Einlauf, Schwitzen, Tropfen) oder als Wellness.

Ein weiterer großer Teil betrifft Empfehlungen zur Lebensführung in Bezug auf Tagesablauf, Jahreszeiten, Umgang mit anderen Menschen, Flüssigkeiten und Lebensmitteln bis hin zu Aphrodisiaka.

In der Astanga Hridaya wird wie auch in den anderen Klassikern großen Wert auf die Gesunderhaltung gelegt, im Gegensatz zur reinen Behandlung von Krankheiten.

Bedeutung

Die Ashtanga Hridaya liegt ähnlich der Texte von Charaka und Sushruta seit längerer Zeit vollständig in Übersetzungen vor. Die Studiengänge des Ayurvedas in Indien und z. B. England[3] widmen einen Teil der Ausbildung dem Studium eben dieser Schriften (wie Theologen der Bibel). Dadurch wirken sich die Ausführungen in diesen Büchern auch noch in der Jetztzeit aus. Die ayurvedische Medizin gehört in Indien neben der Schulwissenschaft zum Standard. Auch in westlichen Ländern befindet sich die traditionelle indische Medizin ebenso wie die Traditionelle chinesische Medizin (TCM) im Trend[4], was die Bedeutung auch dieses Buches unterstreicht.

Eine moderne Übersetzung aus dem Sanskrit liegt in ersten Teilen vor.[5]

Literatur

  • K. R. Srikantha Murthy: Vagbhata's Astanga Hrdayam, Krishnadas Academy, Varanasi-1, ISBN 8121800188
  • Markus Ludwig und Hendrik Wiethase: Aṣṭāñga Hṛdayam, Buch 1 – Sūtra Sthāna, Die grundsätzlichen Prinzipien, ISBN 3-937632-34-4

Einzelnachweise

  1. http://www.dabur.com/EN/Ayurveda/genesis/AyurvedaInTime/histPersp.asp Historical Perspective of Ayurveda bei dabur.com] (engl.)
  2. Luise Hilgenberg, Willibald Kirfel: Vāgbhaṭa’s Aṣṭāṅgahṛdayasaṃhitā – ein altindisches Lehrbuch der Heilkunde. Leiden 1941. – Aus dem Sanskrit ins Deutsche übertragen mit Einleitung, Anmerkungen und Indices
  3. Studium Master of Science in Ayurveda an der Middlesex University in London (engl.)
  4. Ayurveda-Trend-Bericht aus Indien (engl.)
  5. Markus Ludwig und Hendrik Wiethase: Aṣṭāñga Hṛdayam, Buch 1 – Sūtra Sthāna, Die grundsätzlichen Prinzipien., ISBN 3-937632-34-4

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