Astragaloi
Mädchen spielt mit Astragalen
Römische Statue, 130 - 150 n:Chr.

Astragaloi oder auch Astragale („Sprunggelenkknöchel“) ist der Name eines antiken Gesellschaftsspiels der Römer oder bezeichnet schlicht Tierknöchel, die in Spielen oder bei anderen Gelegenheiten genutzt wurden.

Der Name rührt von den zum Spiel verwendeten Sprunggelenkknochen (altgriechisch ἀστρἁγαλοι astragaloi „Sprunggelenk“) von verschiedenen Haustieren her. Die Astragale dienten auch als Astragalorakel.

Das Spiel Astragaloi stellt eine Variante des Spiels Pentelitha dar und stammt ebenso aus Griechenland. Als Astragale werden die Sprunggelenksknochen von Ziegen und Schafen bezeichnet. Das Spielen mit Astragalen war in Griechenland ungleich populärer als in Rom.

Inhaltsverzeichnis

Spielablauf

Astragale wurden in der Antike vor allem für Spiele verwendet, da sie sich aufgrund ihrer vier unterschiedlichen Flächen als natürliche Würfel anboten. Ein Astragal besitzt vier Flächen, wobei im Spiel jede Fläche einen unterschiedlichen Wert besaß. Da man die Seiten der Astragale sehr gut optisch voneinander unterscheiden kann, wurden sie – anders als Würfel – so gut wie niemals mit dem Wert gekennzeichnet. Dabei zählte die instabilste Seite des Astragals sechs Punkte, die konkave Seite vier, die konvexe drei und die letzte (einfachste) Seite einen Punkt.

Ein überliefertes Würfelspiel verwendete vier Astragalen. Diese wurden geworfen und anschließend die Werte der Seiten gezählt. Zeigte ein Wurf alle vier Astragale mit unterschiedlichen Seiten (1, 3, 4, 6), so nannte man den Wurf Venus und der Werfer gewann das Spiel bzw. die bis dahin gezahlten Einsätze. Zeigten alle Astragale eine 1, so wurde dieser Wurf Canis (lateinisch Hund) genannt.

Ähnlich den heutigen Würfelspielen besaßen verschiedene Wurfkombinationen spezielle Namen, die sich nach Gottheiten, Helden oder Herrschern richteten, jedoch sind außer den Begriffen Venus und Canis keine weiteren Begriffe für Wurfkombinationen bekannt. Die beiden Begriffe kennt man, weil Sueton aus einem Brief des Kaisers Augustus zitiert, in welchem dieser die Spielregeln beschreibt.[1]

Sanktionen gegen das Würfelspiel

Der Monat Dezember im Chronograph von 354.

Gespielt wurde vorwiegend um Geld. Teilweise waren die Einsätze derart hoch, dass Spielverluste zum Ruin führten.[2][3]. Wohl aus diesem Grund gab es schon früh Versuche, das Würfelspiel gesetzlich zu verbieten. Bereits bei Plautus ist von einem „Würfelgesetz“ (lex aleatoria) die Rede.[4] Die Gesetze scheinen nicht besonders wirksam gewesen zu sein, denn es wurde in allen Schichten gespielt, von den Minderbemittelten, die um Ring und Mantel spielten,[5] bis zu den Kaisern. Besonders Claudius war als leidenschaftlicher Spieler bekannt. Er verfasste nicht nur ein Buch über das Würfelspiel, sondern ließ einen Reisewagen so umbauen, dass das eingebaute Spielbrett bei der Fahrt nur wenig erschüttert wurde.[6]

Das Verbot des Würfelspiels war nur einmal im Jahr offiziell aufgehoben, nämlich zum im Dezember gefeierten Fest der Saturnalien. Da ertönte „überall der unbeständige September vom Klappern der launischen Würfelbecher“, wie Seneca vermerkt.[7] Aus diesem Grunde wurde noch im Chronograph von 354 des spätantiken Kalligraphen Furius Dionysius Filocalus der Monat Dezember neben einem Tisch mit Würfeln stehend abgebildet.[8]

Literatur

  • Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998. S. 110-122
  • J. Väterlein: Roma ludens. Kinder und Erwachsene beim Spiel im antiken Rom. Heuremata 5 (1976). S. 7-13, 54
  • Karl-Wilhelm Weeber: Nachtleben im alten Rom. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004. S. 43-60

Einzelnachweise

  1. Sueton divus Augustus 71.2
  2. Alkiphron 3.6
  3. Horaz epistulae 1.18.21-23
  4. Plautus miles gloriosus 164f
  5. Plautus Curculio 345-356
  6. Sueton divus Claudius 33.2
  7. Seneca epistulae 95.20f
  8. http://www.tertullian.org/fathers/chronography_of_354_06_calendar.htm

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