Astroarchäologie

Die Archäoastronomie beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Basis mit archäologischen Ausgrabungen und Baudenkmälern und deren astronomischer (Be-)Deutung. Einige Wissenschaftler nennen das Fachgebiet auch Astroarchäologie bzw. Paläoastronomie.

Frühe Arbeiten zur Archäoastronomie führte der britische Astronom Joseph Norman Lockyer aus. Als einer der Mitbegründer dieser Fachrichtung kann der amerikanische Astronom Gerald Hawkins gelten, der 1965 in seinem Buch Stonehenge decoded (und vorher 1963 in einem Nature-Artikel) darauf hinwies, dass in den Lage- und Abstandsverhältnissen zwischen den Steinen von Stonehenge Sonnen- und Mondvermessungen verschlüsselt seien. Man könne diese zur Voraussage von Sonnenauf- und -untergängen, der Bewegung des Mondes sowie Sonnen- und Mondfinsternissen verwenden. Seine Arbeiten wurden damals von Archäologen heftig kritisiert, in der breiteren Öffentlichkeit aber positiv aufgenommen. Auch wenn seine Interpretation von Stonehenge als Rechenmaschine heute kaum noch Anhänger findet, werden astronomische Ausrichtungen auch bei anderen Kreisgrabenanlagen angenommen.

Heute beschäftigen sich etliche Wissenschaftler mit dem astronomischen Wissen unserer Vorfahren. Bei der Interpretation der Funde arbeitet die Archäoastronomie eng mit der Astronomischen Chronologie zusammen und greift auf deren Methodik zurück.

Meist wird von Archäoastronomie bei Kulturen gesprochen, die keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterließen und wo nur archäologische Methoden weiterführen. Eine besondere Rolle nimmt die mesoamerikanische Archäoastronomie ein, da hier schriftliche Aufzeichnungen existieren (wie der Dresden Codex).

Einige Interpretation auf dem Gebiet der Archäoastronomie sind sehr umstritten, wie z. B. die Interpretation der Höhlenmalereien von Lascaux als eine Art Planetarium (siehe Weblink) sowie diverser Felsgravuren in Höhlen der gleichen Region als astronomische Markierungen.

Siehe auch: Astronomisches Wissen der steinzeitlichen Pueblo-Indianer, der Mayas; die Himmelsscheibe von Nebra, Kreisgrabenanlagen in Goseck und Kyhna, Berliner Goldhut, Nazca-Linien

Literatur

  • Giorgio de Santillana, Hertha von Dechend: Die Mühle des Hamlet. Ein Essay über Mythos und das Gerüst der Zeit. Berlin 1992. ISBN 3-926763-23-X
  • Wolfhard Schlosser, Jan Cierny: Sterne und Steine. Eine praktische Astronomie der Vorzeit. Wiss. Buchges., Darmstadt 1996, Theiss, Stuttgart 1997. ISBN 3-8062-1318-6, ISBN 3-534-11637-2
  • William H. Calvin: Wie der Schamane den Mond stahl - auf der Suche nach dem Wissen der Steinzeit. Hanser, München/Wien 1996. ISBN 3-446-17310-2
  • Fred Hoyle: On Stonehenge. Freeman & Company, San Francisco 1977. ISBN 0-7167-0364-5
  • H. Dittmar-Ilgen: Warum platzen Seifenblasen. Hirzel, Stuttgart 2002, S. 171. ISBN 3-7776-1149-2 (Zur Physik in historischen Steinkreisen)
  • Gerald S. Hawkins, John B. White: Stonehenge decoded. Doubleday & Company, New York 1965, 1972, 1993. ISBN 0-88029-147-8
  • Rolf Müller: Der Himmel über den Menschen der Steinzeit. Astronomie und Mathematik in den Bauten der Megalithkulturen. Springer Berlin 1970
  • Rudolf Drößler: Als die Sterne Götter waren. Sonne, Mond und Sterne im Spiegel von Archäologie, Kunst und Kult. Prisma Verlag Leipzig, 1976 und Astronomie in Stein. Archäologen und Astronomen enträtseln alte Bauwerke und Kultstätten, Prisma Verlag Leipzig, 1990. ISBN 3-7354-0019-1
  • Anthony Aveni, Gary Urton: Ethnoastronomy and archaeoastronomy in the American tropics. New York Academy of Sciences, NY 1982. ISBN 0-89766-160-5
  • Aveni: Skywatchers, University of Texas Press 2001
  • Edwin C. Krupp: Echoes of the ancient skies. The astronomy of lost civilizations. Oxford University Press 1983. ISBN 0-19-508801-8
  • Jarita C. Holbrook (et al.): African Cultural Astronomy. Current Archaeoastronomy and Ethnoastronomy research in Africa. Springer 2008. ISBN 978-1-4020-6638-2
  • Clive L.N. Ruggles: Ancient astronomy-an encyclopedia of cosmologies and myth. Abc-Clio, Santa Barbara 2005,ISBN 1-85109-616-7
  • Hannes D. Galter: Die Rolle der Astronomie in den Kulturen Mesopotamiens.Rm-Dr.&Verl.Ges. Graz 1993, ISBN 3-85375-009-05 (formal falsche ISBN)
  • Brian S. Bauer: Astronomy and empire in the ancient andes - the cultural origins of Inca sky watching. Univ. of Texas Press, Austin 1995, ISBN 0-292-70837-8

Weblinks


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