Pandemie

Unter Pandemie versteht man eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit, im engeren Sinn einer Infektionskrankheit. Im Gegensatz zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt.

Bei Tierkrankheiten wird auch der Begriff Panzootie verwendet.

Auch bei Pandemien gibt es Gebiete, die nicht von der Krankheit betroffen werden. Durch ihre abgeschiedene Lage können manche Gebirgstäler, Völker im Urwald oder Bewohner abgelegener Inseln von einer Infektion verschont bleiben.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Das Wort Pandemie (πανδημία) ist aus den griechischen Wörtern πᾶν (Transliteration pān) ‚alles‘ und δῆμος dēmos ‚Volk‘ abgeleitet, es bezeichnet also etwas, das ‚das ganze Volk‘ trifft. Für pandemieartige Tierkrankheiten gibt es die Begriffe Seuchenzug und Panzootie (gr. ζῷον zóon ‚Tier‘).

Ausbreitung

Flugrouten sind heute die schnellsten Ausbreitungswege von Infektionskrankheiten. So entwickelte sich AIDS, das durch das HI-Virus verursacht wird, u. a. durch den Flugtourismus von einem lokalen zu einem weltweiten Problem. Nachvollziehbar war dieser Effekt auch während der SARS-Pandemie 2002/2003: Während man in Asien noch die klassischen Verbreitungswege für SARS annahm, zeigte die zunehmende Zahl der Erkrankungen in Kanada diesen Reise-Effekt schon recht deutlich.

Die Pest im Mittelalter kam wahrscheinlich an Bord von Handelsschiffen von Asien nach Europa.

Natürlich können sich manche Krankheitserreger, je nach Übertragungsweg, auch ohne solche „technische Hilfsmittel” schnell über große Flächen und Entfernungen ausbreiten, doch verhindern dabei meist geografische Barrieren die weltweite Verbreitung.

Zur quantitativen Beschreibung und Prognose pandemischer und ähnlicher Ausbreitungsprozesse nutzen Wissenschaftler Computersimulationen sowie Methoden der Theoretischen Biologie, beispielsweise das SIR-Modell.

Beispiele für Pandemien

Große Pandemien in der Geschichte waren:

  • Antoninische Pest (165–180), vermutlich eine Pockenpandemie, die sich auf dem Gebiet des Römischen Reiches ausbreitete; rund fünf Millionen Tote
  • die erste Pestpandemie (als so genannte Justinianische Pest), ausgebrochen 541, deren Auswirkungen bis ins 8. Jahrhundert bemerkbar waren. Die Erkrankung verbreitete sich im gesamten Mittelmeerraum, sogar der gesamten den Römern bekannten Welt und forderte zahlreiche Todesopfer
  • die zweite Pestpandemie (Schwarzer Tod, 1347–1352), aus Zentralasien kommend. Ausbreitung über ganz Europa mit geschätzten 25 Millionen Toten (ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung)
  • die dritte Pestpandemie von 1896 bis etwa 1945, mit weltweit rund 12 Millionen Toten
  • AIDS (seit etwa 1980, noch andauernd), weltweite Ausbreitung, mehr als 37 Millionen Tote, etwa 33 Millionen lebende Infizierte (Stand: 2009)[1]

Influenzapandemien

Auslöser der Epidemien und Pandemien sind Influenzaviren der Gruppen A und – seltener – B, da diese in der Lage sind, ihre antigenen Oberflächenmoleküle Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (N) ständig zu verändern. Solche Veränderungen können jederzeit eintreten und dazu führen, dass sie vom Immunsystem trotz Impfung (oder Immunität nach einer vorhergegangenen Influenza-Infektion mit Viren, die noch andere Oberflächeneigenschaften hatten) bei einer erneuten Infektion nicht mehr oder nur schlecht erkannt werden.

Bei einer Influenzaepidemie oder „Grippewelle“ werden 10 bis 20 Prozent einer Bevölkerung infiziert, aber die Ausbrüche bleiben lokal begrenzt. Bei Pandemien hingegen verbreiten sich die Viren rasch und mit Infektionsraten von bis zu 50 Prozent über den ganzen Globus. Auslöser ist immer ein neuer Subtyp des Influenza-A-Virus, der auch durch eine Antigenshift (eine Durchmischung von humanen und aviären Gen-Segmenten) entstehen kann. Eine solche Durchmischung von Vogelgrippe- und humanen Influenzaviren kann beispielsweise im Schwein stattfinden („Schweinegrippe“), wenn diese Tiere Träger beider Viren sind.

Auch in Grippejahren ohne Pandemie stirbt jährlich eine Vielzahl von Menschen an dieser Krankheit oder ihren Folgen.

Beispiele für Influenzapandemien in jüngerer Zeit:

Definition der Influenza-Pandemiephasen durch die WHO

Der Plan der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Vorbereitung auf Influenza-Pandemien[3] teilt das Risiko des Übergangs auf den Menschen, also die Wahrscheinlichkeit für die globale Verbreitung unter Menschen in sechs Stufen ein (Nur in Fußnoten wird die Möglichkeit erwähnt, für die Unterscheidung der Stufen 3 bis 5 auch die Pathogenität und Letalität zu berücksichtigen.):

  • Phase 1: Es wurde kein neuer Virussubtyp bei Menschen entdeckt. In Tieren können Virussubtypen umlaufen, die auch Menschen infizieren, jedoch wird das Risiko als gering bewertet.
  • Phase 2: Es wurde kein neuer Virussubtyp bei Menschen entdeckt. Ein in Tieren umlaufender Subtyp stellt ein erhebliches Risiko einer Erkrankung von Menschen dar.
  • Phase 3: Beginn der Alarmphase: Vereinzelt werden Menschen infiziert, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist jedoch sehr selten und tritt allenfalls bei engem Kontakt zu einem Infizierten auf.
  • Phase 4: Eng begrenztes Ausbruchsgeschehen (jeweils weniger als 25 Personen über weniger als 2 Wochen) oder sporadische Einzelfälle ohne nachweisbaren Kontakt der Erkrankten zu Tieren, was nahelegt, dass das Virus nur bedingt an den Menschen angepasst ist.
  • Phase 5: Erhebliches Pandemierisiko: Größere, aber noch örtlich und zeitlich eng begrenzte Ausbrüche in zwei Gebieten einer der sechs WHO-Regionen.[4] Das Virus ist besser, aber noch nicht vollständig an den Menschen angepasst. Letzte Chance, die globale Verbreitung zu verzögern.
  • Phase 6: Verlauf der Pandemie: Wachsende und anhaltende Übertragungen von Mensch zu Mensch in der gesamten Bevölkerung. Räumlich getrenntes Ausbruchsgeschehen in mindestens zwei WHO-Regionen.

Szenario einer Pandemie am Beispiel von Influenza A/H5N1

Besondere Brisanz könnte die so genannte Vogelgrippe vom Subtyp Influenza A/H5N1 gewinnen, die auch ohne jedes Zutun des Menschen von Zugvögeln verbreitet werden kann. Ihr hat die Weltgesundheitsorganisation die Pandemiewarnstufe 3 zugeordnet (Dezember 2010[5]).

Sollten die A/H5N1-Viren mutieren, so dass sie von Mensch zu Mensch übertragen werden können, erwarten einige Experten ein Szenario, das in zwei Phasen abläuft:[6]

  1. In einer ersten Phase von bis zu sechs Monaten stünde kein Impfstoff zur Verfügung, da die heute gängigen Herstellungsverfahren diese Zeitspanne bis zur Auslieferung der ersten Ampullen benötigen. In dieser Phase wären vermutlich antivirale Medikamente und Medikamente gegen opportunistische bakterielle Infektionen sowie nichtmedikamentöse Schutzmaßnahmen (z. B. Gesichtsmasken, Schulschließungen) und Quarantäne die einzig möglichen Maßnahmen zur Abwehr der Viren und ihrer Folgen. Es wird daher empfohlen, für 20 – 25 % der Bevölkerung solche Medikamente vorrätig zu halten.[7]
  2. In einer zweiten Phase wäre zwar ein Impfschutz entwickelt, die Produktionskapazitäten würden für den großen Bedarf jedoch sehr wahrscheinlich nicht ausreichen. Daher sehen die amtlichen Notfallpläne für den Pandemiefall u. a. auch vor, dass zum Beispiel Krankenhaus-, Polizei- und Feuerwehrpersonal mit Priorität versorgt werden soll. Viele Experten fordern deshalb, staatlich subventionierte Überkapazitäten bei den Arzneimittelherstellern aufzubauen. Weil außerdem nicht erwartet werden kann, dass Impfungen einen vollständigen Schutz bieten, müssen die anderen Schutzmaßnahmen auch in der zweiten Phase angewandt werden.

Die Produktionskapazität für den trivalenten Impfstoff, der jeweils ab Herbst gegen die ständig umlaufenden Influenzaviren bereitgestellt wird, belief sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation für die Saison 2007/08 weltweit auf 565 Millionen Dosen (2006: 350 Millionen) und sollte bis 2010 auf 1 Milliarde Dosen erhöht werden.[8] Im Jahr 2011 belief sich die Jahresproduktion auf 800 Millionen Dosen.[9]

Ferner sind Vorbereitungen dafür zu treffen, dass genügend Krankenhausbetten verfügbar gemacht werden können. So schrieb die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin Ende April 2006 in einer Pressemitteilung: „Sollte es eines Tages zu einem weltumspannenden Erkrankungsausbruch kommen, würden in Deutschland voraussichtlich 360.000 Menschen einen Platz im Krankenhaus benötigen.”

Auf einem Influenza-Fachkongress in Wien wurde im Oktober 2006 berichtet, dass mehr als 95 Prozent aller Impfstoffe in nur neun Ländern produziert werden, was bedeutet, dass 86 Prozent aller Menschen in Ländern leben, die selbst keine Produktionskapazitäten besitzen. Wären im Jahr 2007 alle Kapazitäten für den normalen Grippeimpfstoff auf Pandemie-Impfstoff umgestellt, hätten maximal 300 Millionen Menschen versorgt werden können. Bis zum Jahr 2011 begannen elf Entwicklungsländer mit dem Aufbau oder der Inbetriebnahme entsprechende Fertigungsanlagen.[9]

Nach Fertigstellung weiterer US-amerikanischer Anlagen (geplant für 2011) soll sich die weltweite Produktion auf 1,7 Milliarden Impfstoffdosen pro Jahr erhöhen. Dennoch sei absehbar, dass ein weltweiter Schutz vor einer H5N1-Pandemie durch Impfungen angesichts der Größe der Weltbevölkerung illusorisch sei.[10]

Sollten allerdings die Autoren eines im Juli 2006 in Nature veröffentlichten Berichts recht behalten, dann würden sich alle Planungen für Massenimpfungen – zumindest für die erste Erkrankungswelle – als obsolet erweisen: Sie prognostizierten, dass der Gipfelpunkt der ersten Erkrankungswelle zwei bis drei Monate nach dem Beginn der Pandemie erreicht und die akute Pandemiephase schon nach vier Monaten beendet sein würde.[11]

Krisenpläne für den Fall einer Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation hat in die betroffenen Gebiete Ermittler (Feldepidemiologen) entsandt. Diese beobachten zum Teil mit erheblichem Aufwand die aktuellen Übertragungswege und Entwicklungen des Virus.[12] In vielen Staaten wurden nationale Krisenpläne für den Fall eines massiven Übergangs von Vogelgrippeviren auf Menschen erarbeitet. In Japan wurde beispielsweise ein Notstandsplan vorgelegt, der auch die Zwangsverlegung von Erkrankten in Hospitale vorsieht, die Schließung von Schulen und das Verbot großer Versammlungen. Die VR China kündigte an, notfalls die Landesgrenzen zu schließen. Auch der australische Notfallplan sieht eine Schließung sämtlicher Häfen und Flugplätze für Verkehr mit dem Ausland vor. [13]

Auf betrieblicher Ebene befürchteten 92 % der Unternehmen 2006 im Falle einer Pandemie wie der Vogelgrippe mittlere bis schwere Unterbrechungen des Geschäftsbetriebs, da bis dahin bestehende Notfallpläne dieses Szenario weitestgehend ausklammerten.[14] Im Nachgang zu dieser Studie führten die Erfahrungen im Rahmen der Vogelgrippe bei zahlreichen Unternehmen (insbesondere bei der Produktion von Energie, Nahrungs- und Arzneimitteln) [15][16] zu einer Integration in überregionale Pandemiepläne und zu einer präventiven Schulung der Mitarbeiter mit Hygienemaßnahmen im Pandemiefall.[17]

Notfallplanung im deutschsprachigen Raum

Für Deutschland hat das Robert Koch-Institut als Grundlage für die Abschätzung der Folgen einer Pandemie mehrere Szenarien entwickelt. Die schlimmste Variante unterstellt 21 Millionen zusätzliche Arztbesuche und bis zu 160.000 Tote. Als realistischer wird allerdings eine mittlere Variante angesehen, bei der aber auch noch ca. 100.000 zusätzliche Todesfälle unterstellt werden.[18] Das Auswärtige Amt hat zudem einen eigenen Pandemieplan[19] erstellt, um den Schutz seiner Mitarbeiter in Auslandsvertretungen zu gewährleisten.

Gefördert mit je 10 Millionen Euro wurden die Firmen Novartis und GlaxoSmithKline vertraglich verpflichtet, ihre Produktionskapazitäten so zu erweitern, dass die gesamte Bevölkerung mit einem Pandemie-Impfstoff versorgt werden könnte – das wären zweimal 80 Millionen Dosen.[20]

In dem Anfang 2005 veröffentlichten Nationalen Pandemieplan des Bundes und der Länder wurde für den Fall eines Ausbruchs einer Influenzapandemie als Mindestmaßnahme festgelegt, dass die Therapie aller Erkrankten durch antivirale Arzneimittel sichergestellt sein soll. Darauf begannen die Bundesländer mit Planungen zur Bevorratung dieser Medikamente. Ergänzt wurde der nationale Pandemieplan durch detailliertere lokale Planungen der Landkreise und der Gemeinden.[21]

In der Schweiz sollte das Pflichtlager mit antiviralen Medikamenten bis Ende 2005 aufgefüllt sein. Zudem wird vom Bundesamt für Gesundheit die vorsorgliche Anschaffung von Atemschutzmasken empfohlen.

Da in Österreich die Gesundheitsversorgung Landessache ist, kann der Bund nur Empfehlungen und Koordinationen anbieten. Bisher wurde vom Bund die Anschaffung von Medikamentendosen für 15 % der Bevölkerung beschlossen. Es werden auch laufend Stabsübungen der Einsatzorganisationen durchgeführt, wobei es immer eine Gratwanderung ist, die Menschen zu informieren und trotzdem keine Panik zu erzeugen. Der Zivilschutzverband in Österreich hat eine Homepage mit Verhaltensregeln für den Fall einer Pandemie aktiviert.[22]

Notfallplanung in den USA

In den USA sollen laut einer Ankündigung des Präsidenten vom 1. November 2005 erhebliche Gelder bereitgestellt werden, um eine neue Generation von Technologien zu entwickeln, damit innerhalb von sechs Monaten nach Ausbruch einer Epidemie genug Impfstoff für alle US-Bürger produziert werden kann. Ferner soll der Kauf von bereits vorhandenem Impfstoff gegen H5N1 finanziert werden, um 20 Millionen Amerikaner schützen zu können. Eine Milliarde US-Dollar soll schließlich für die Einlagerung von antiviralen Medikamenten ausgegeben werden, die die Symptome einer Grippeerkrankung mildern können.

Weitere Pläne sollen es ermöglichen, Reiseverbote auszusprechen und festzulegen, welche Personen mit den begrenzten Beständen der antiviralen Medikamente bevorzugt versorgt werden sollen. Auch die Haftungsregelungen für Impfstoffhersteller sollen entschärft werden, um deren Herstellungskapazitäten zu erhöhen. Im Moment seien die Pharmafirmen sehr zurückhaltend beim Herstellen neuartiger Impfstoffe, weil ihnen das Risiko von Schadensersatzklagen zu groß sei.

Seit dem 2. November 2005 hat die US-Regierung zusätzlich eine offensive Homepage mit Verhaltensregeln für den Pandemiefall geschaltet.[23]

Im Rahmen der Notfallplanung wurde vom „National Vaccine Advisory Committee” (NVAC) im März 2006 auch ein Vorschlag vorgelegt, welche Personengruppen im Falle einer Influenzapandemie vorrangig geimpft werden sollen, wenn der Impfstoff nicht für die gesamte Bevölkerung verfügbar ist. Zu diesem vorrangig zu schützenden Kreis gehören die mit der Herstellung und Verteilung des Impfstoffs befassten Personen, Ärzte und Krankenschwestern, hohe Regierungs- und Behördenvertreter, Schwangere sowie Schwerstkranke, bei denen ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen besteht. Außerdem sollen diejenigen vorrangig geimpft werden, die zuhause immungeschwächte Personen oder ein Kind von unter sechs Monaten pflegen.

Zweite Priorität wurde für folgende Gruppen vorgeschlagen: Menschen jenseits des 65. Lebensjahres, Kinder unter zwei Jahren sowie die Beschäftigten von Polizei und Feuerwehr, von Energieversorgungs- und Transportunternehmen, von Fernsprech- und IT-Firmen.[24][25]

Vorbeugungsmaßnahmen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahre 1948 ein weltweites Überwachungssystem installiert, das die von 110 Referenzlaboratorien isolierten Virusstämme ständig auf neue Varianten überprüft, was zu den jährlich neuen Empfehlungen für die Impfstoffzusammensetzung der kommenden Saison führt, mit industriellem Herstellungszyklus von 10–12 Monaten. Das Nationale Referenzzentrum für Influenza in Deutschland befindet sich am Robert Koch-Institut.

Zudem hat die WHO 1999 von allen Ländern die Erstellung entsprechender nationaler Pandemiepläne gefordert.

Durch diese Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass im Fall einer Pandemie rasch sichere Impfstoffe hergestellt werden können. Für Europa hat die Vaccine Expert Group der Europäischen Arzneimittelagentur entsprechende Leitlinien erarbeitet.

Ende 2006 kam es zwischen der indonesischen Regierung und der WHO zu Spannungen, da das Land sich weigerte, wie vereinbart die im Land gewonnenen Virusproben des Influenza-Subtyps H5N1 an die WHO-Labors zu liefern. Indonesien versuchte so, Druck auf die WHO auszuüben, um zu erreichen, dass dem Land im Fall einer Pandemie ausreichende Mengen an Impfstoff zur Verfügung gestellt werden. Da Fabriken zur Impfstoffproduktion nur in Industrieländern existieren, befürchtet die indonesische Regierung, dass diese Impfstoffe im Fall einer Pandemie vorwiegend in den Herstellungsländern verteilt werden. Im März 2007 schien Indonesien einzulenken, nachdem die WHO zugesagt hatte, den Aufbau von Impfstoffproduktionen auch in den weniger entwickelten Regionen zu fördern.[26] Tatsächlich wurden im Jahr 2007 aber nur zwei indonesische Virusproben abgegeben, obwohl im Land mit mehr als 40 Neuerkrankungen die weltweit höchsten Fallzahlen aktenkundig wurden.[27]

Einzelnachweise

  1. UNAIDS REPORT ON THE GLOBAL AIDS EPIDEMIC (PDF). unaids.org. Abgerufen am 5. Februar 2011.
  2. 50 Millionen laut Johnson: Updating the Accounts: Global Mortality of the 1918–1920 ‚Spanish‘ Influenza Pandemic. In: Bulletin of the History of Medicine. 76, Nr. 1, Spring 2002, S. 105–115.
  3. WHO/CDS/CSR/GIP/2005.5: WHO global influenza preparedness plan, als Faltblatt
  4. Karte der sechs WHO-Regionen
  5. Aktuelle Pandemiestufe für H5N1. Aufgrund der Ausbreitung des Influenza-A-Virus H1N1 wurde die Warnstufe am 27. April 2009 auf 4 und am 29. April 2009 auf 5 erhöht.
  6. Deutschland ohne Grippeschutz | DasErste.de
  7. NETZEITUNG DEUTSCHLAND: BUND-Szenario: 160.000 Vogelgrippe-Tote
  8. „PROJECTED SUPPLY OF PANDEMIC INFLUENZA VACCINE SHARPLY INCREASES.“ News release, WHO/60, vom 23. Oktober 2007
  9. a b who.int: 2nd WHO Consultation on Global Action Plan for Influenza Vaccines, 15. Juli 2011, Zugriff am 28. Oktober 2011
  10. Joachim Müller-Jung: Im Schrebergarten der Pandemiewächter. FAZ Nr. 248 vom 25. Oktober 2006, S. N1 und www.faz.net
  11. Neil M. Ferguson u. a.: Strategies for mitigating an influenza pandemic. In: Nature. 442, Nr. 7101, 2006, S. 448–452. doi:10.1038/nature04795.
  12. Ein aktueller Hintergrundbericht hierzu findet sich hier.
  13. All ports to be closed if bird flu strikes – National – smh.com.au
  14. Erhebung des Chartered Management Institute in UK, 2006
  15. zum Beispiel in Frankfurt am Main: Influenzapandemieplan Frankfurt, Betriebe / Business Continuity
  16. zum Beispiel Handbuch "Betriebliche Pandemieplanung" im Rhein-Neckar-Raum [1]
  17. Schulung Hygienemaßnahmen im Pandemiefall
  18. Bild d. Wissenschaft 1/2006
  19. www.auswaertiges-amt.de Pandemieplan des deutschen Auswärtigen Amtes
  20. Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 248 vom 25. Oktober 2006, S. N1
  21. frankfurt.de als Beispiel: Informationsmappe der Stadt Frankfurt am Main (PDF) und Hintergründe dazu Hessisches Ärzteblatt 12/2007 (PDF)
  22. siehe hierzu: Österreichischer Zivilschutzverband
  23. US Homepage zum Pandemiefall
  24. Science 312 vom 12. Juni 2006, S. 854 f.
  25. Eine ausführliche Erörterung der Kriterien für eine Priorisierung von Bevölkerungsgruppen in den USA hat die School of Law der George Mason University im Oktober 2007 veröffentlicht: Vaccine Prioritization During an Influenza Pandemic (PDF, 30S., 737 kB)
  26. Indonesia to Share Flu Samples Under New Terms. Science Band 316 vom 6. April 2007, S. 37
  27. Science 318 vom 23. November 2007, S. 1229

Literatur

  • R. Fock et al.: Management und Kontrolle einer Influenzapandemie. Konzeptionelle Überlegungen für einen deutschen Influenzapandemieplan. Bundesgesundheitsblatt 44 (10), 2001, S. 969–980, doi:10.1007/s001030100267
  • W. H. Haas: Prinzipien und Aspekte der Seuchenalarmplanung am Beispiel der Influenzapandemieplanung. Bundesgesundheitsblatt 48 (9), 2005, S. 1020–1027, doi:10.1007/s00103-005-1120-8
  • Peter Schröder-Beck u. a.: Ethische Aspekte eines Influenzapandemiemanagements und Schlussfolgerungen für die Gesundheitspolitik. Bundesgesundheitsblatt 51 (2), 2008, S. 191–199, doi:10.1007/s00103-008-0449-1
  • Manfred Vasold: Grippe, Pest und Cholera. Eine Geschichte der Seuchen in Europa. Stuttgart 2008

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Pandemie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Weblinks zu den Ausbreitungsbedingungen

  • Um die Ausbreitung einer Seuche zu prognostizieren, muss man wissen, wie sich Menschen bewegen. Anhand der Bewegung von Geldnoten in den USA aufgrund eines Internetspiels stellen Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, der Universität Göttingen und der University of California in Santa Barbara in einer Ausgabe des Fachblatts „Nature“ Gesetzmäßigkeiten für das menschliche Reiseverhalten vor. Artikel dazu in Spiegel-online vom 26. Januar 2006.
  • Markus Becker: Computer simulieren die Killerseuche. In: SPIEGEL ONLINE vom 21. Februar 2006. Forscher und Gesundheitsbehörden bereiten sich darauf vor, dass der Vogelgrippeerreger eine globale Seuche unter Menschen auslöst. Computermodelle sollen zur Vorhersage des möglichen Pandemieverlaufs eingesetzt werden.

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