4.-Mai-Bewegung
Studenten versammelten sich in Peking während der Bewegung des vierten Mai
Demonstrierende Studenten vor dem Tor des Himmlischen Friedens, 1919

Die Bewegung des 4. Mai (chin. 五四運動 / 五四运动, Wǔsì Yùndòng) war eine wichtige Bewegung unter den Intellektuellen in China. Damit sind die geistig-literarisch-politischen Strömungen der Zeit zwischen 1915 und 1925 angesprochen. Die Bezeichnung selbst geht auf die Ereignisse im Mai des Jahres 1919 zurück, die nur aus dem Zusammenhang der Bildungsinitiativen sowie der weitgehend von ausländischem Kapital kontrollierten Industrialisierung in den Küstenstädten zu verstehen sind. Einige Gelehrte nennen sie die chinesische Aufklärung. Überhaupt nahmen die wesentlichen modernen politischen und literarisch-geistigen Strömungen ihren Ausgang von der 4.-Mai-Bewegung, und auch die marxistischen Studienzirkel, die dann in die Gründung der KPCh im Jahre 1921 mündeten, gehören in den Kontext dieser Bewegung, ebenso wie die liberal-demokratischen Positionen und der Ruf nach einer wissenschaftlichen Kultur.

Die Bewegung begann am 4. Mai 1919. Sie markiert den Beginn des Aufkommens von nationalistischen Gefühlen und vereinigte alle Klassen der chinesischen Gesellschaft. Ursachen für die Bewegung waren die Unzufriedenheit mit den Verträgen von Versailles und der Effekt der neuen Kulturbewegung.

Einfluss des Vertrags von Versailles

China trat im August 1917 auf der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg ein in der Hoffnung, die Alliierten zur Aufhebung der Ungleichen Verträge sowie zur Nichtanerkennung der Einundzwanzig Forderungen Japans von 1915 zu bewegen. Japan hatte darin unter anderem Anspruch auf die deutschen Niederlassungen in der Provinz Shandong (Kiautschou) erhoben, die es 1914 erobert hatte. Die Unterzeichnung der Einundzwanzig Forderungen durch die chinesische Regierung erzeugte eine große Unzufriedenheit und Enttäuschung unter den Chinesen und verursachte starke nationalistische und anti-japanische Gefühle.

Während der Aushandlung des Friedensvertrags von Versailles auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 wurde die Absicht der Hauptsiegermächte Großbritannien und Frankreich deutlich, Kiautschou an Japan zu übergeben. Sie hatten während des Krieges mit Japan geheime Abkommen geschlossen, die besagten, dass der Westen die japanischen Ansprüche in China unterstützen würde und dass Japan im Gegenzug auf der Seite der Alliierten bleibt. Zudem wollten die westlichen Mächte ihre Konzessionen in China nicht aufgeben.

Die Bewegung hatte den Erfolg, dass neben den USA auch China den Versailler Vertrag nicht unterschrieb und stattdessen im Mai 1921 mit Deutschland einen eigenen Friedensvertrag abschloss.

Einfluss der Neuen Kulturbewegung

Die Neue Kulturbewegung, die in der jungen Republik China begonnen hatte, vereinigte viele Intellektuelle in China, um gemeinsam für die Zukunft des Landes zu arbeiten. Die Bewegung hatte zum Ziel, westliche Werte in China einzuführen, wie zum Beispiel Demokratie, Gleichheit und Freiheit. Es wurde auch ein neuer Stil in die chinesische Schrift und Literatur eingeführt; die neuesten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik wurden übernommen. Die berühmtesten Führer der Bewegung waren Chen Duxiu, Cai Yuanpei und Hu Shi. Ihre Ideen beeinflussen viele chinesische Studenten, die sich gegen die japanische Aggression wandten.

Am 4. Mai 1919 versammelten sich mehr als dreitausend Studenten von verschiedenen Universitäten in Peking, um gegen Japan zu demonstrieren. Viele Menschen, auch Arbeiter oder Händler, taten es den Studenten gleich und organisierten in Peking und anderen Städten Demonstrationen, Streiks und Boykotte japanischer Waren. Die Bewegung hatte Rückhalt in allen Klassen der chinesischen Gesellschaft. Zahlreiche Demonstranten wurden verhaftet.

Unter öffentlichem Druck musste die Regierung die verhafteten Studenten jedoch freilassen. Der unpopuläre Außenminister wurde entlassen. Am 28. Juni 1919 weigerten sich die chinesischen Delegierten, den Friedensvertrag zu unterschreiben, weil er die Wünsche Chinas nicht berücksichtigte.

Einfluss auf das intellektuelle Denken

Die Bewegung des 4. Mai bezeichnet den Beginn des Sozialismus in China. Es war das erste Mal in der chinesischen Geschichte, dass Menschen aus verschiedenen Klassen zusammen Ihren Wünschen Ausdruck verliehen. In den Jahrzehnten danach half diese Kraft, alle ungleichen Verträge abzuschaffen.

Die Bewegung des 4. Mai ist auch ein Wendepunkt im Denken der Intellektuellen, das sich radikalisierte. Davor hatte die liberale Demokratie des Westens eine große Vorbildwirkung gehabt. Der Vertrag von Versailles wurde jedoch als Betrug angesehen. Die chinesische Linke begann, den Marxismus/Leninismus zu studieren. Intellektuelle wie z.B. Chen Duxiu und Li Dazhao setzten sich mit den Ideen des Kommunismus auseinander. In der chinesischen Rechten begann der Faschismus Fuß zu fassen. Der Aufstieg der beiden radikalen Parteien, der Kommunistischen Partei Chinas und der Nationalistischen Partei Chinas (Guomindang), und der philosophische Konflikt zwischen diesen beiden Parteien, der letzten Endes zum Bürgerkrieg und zur Teilung Chinas führte, lassen sich auf die Geschehnisse der Bewegung des 4. Mai zurückverfolgen.


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