Atabeylik von Lorestan

Das Atabekane Lorestan (kurdisch: Fedlewiyan) (1148-1424) war eine lokale kurdische Dynastie, die im Zagrosgebirge im Südwesten Persiens, hauptsächlich in Lorestan und den angrenzenden Teilen Fars herrschte und zu Zeit der Seldschuken, Ilchane, Muzaffariden und Timuriden aufblühte.[1]

Inhaltsverzeichnis

Name

Die Dynastie war unter verschiedenen Namen bekannt. So nannten die Perser die Dynastie Großluren (‏لر بزرگ‎; Lor-e bozorg). Nach dem Familiennamen der Dynastie wird sie auch die Fedlavi/Fadlawi (Fażlawayh) genannt. Ein anderer Name leitet sich von dem Beinamen des zweiten Herrschers Hazarasp ab, was auf Deutsch [Der mit] tausend Pferden bedeutet.

Die Bezeichnung Atabekane für das türkische Atabeylik ist irreführend, da die Dynastie nicht türkischstämmig war und - was noch wichtiger ist - nicht die eigentliche Rolle eines Atabeys ausübte, nämlich die Erziehung der türkischen Prinzen.

Geschichte

Die Vorfahren der Dynastie sollen aus Nordsyrien über Aserbaidschan nach Lorestan eingewandert sein und sich dort 1106 nieder gelassen haben. Der Gründer der Dynastie Abu Tahir bin Muhammad war anfangs ein Befehlshaber der Salgurlu Atabeylik von Fars und wurde zum Gouverneur von Kohkiluyeh ernannt[2], aber erlangte 1155 die Unabhängigkeit in Lorestan und dehnte seinen Herrschaftsbereich bis nach Isfahan aus und nahm den prestigeträchtigen Titel Atabey an.[3] Er beanspruchte seine Abstammung von dem kurdischen Clan der Schabankara in Lorestan.

Sein Sohn Malek Hazarasp kämpfte erfolgreich gegen die Salgurlu und half Dschalal ad-Din in seinem Kampf gegen die Mongolen. Ein anderer Herrscher namens Takla begleitete Hülegü auf seinem Marsch auf Bagdad, desertierte aber wegen des Mordes an dem letzten abbasidischen Kalifen. Er wurde letztendlich gefangen und auf Hülegüs Befehl hin exekutiert.

Yusuf Schah I. erhielt Abaqas Zusicherung für seine Herrschaft und fügte seinem Reich Chuzestan, Kohkiluyeh, Firuzan in der Nähe von Isfahan und Golpāyegān hinzu. Afrasiab I. versuchte, sein Reich bis zum Persischen Golf auszudehnen, traf dann aber auf den starken Widerstand der Mongolen, die seine Armee im Kuhrudgebirge in der Nähe von Kaschan besiegten. Er wurde von Gaichatu wieder eingesetzt, dann aber durch Ghazan Ilchan im Oktober 1296 hingerichtet.[2]

Die Hauptstadt der Hazarasp war bei Idaj (heute Izeh) im Norden des heutigen Chusestans. Yusuf Schah II. annektierte die Städte Schushtar, Hoveizeh und Basra in der ersten Hälfte des 14. Jhr.[4] Während der Herrschaft von Schams al-din Paschang griffen die Muzaffariden an und die Hauptstadt Idaj fiel vorüber gehend in deren Hände, bis die Besatzer sich wegen interner Konflikte zurück ziehen mussten.

1424 setzte der Timuride Schāh Ruch den letzten Herrscher Ghias al-Din ab und beendete so die Dynastie.

Herrscher

  1. Abu Tahir bin Muhammad (reg. 1148-1203)
  2. Malek Hazarasp (reg. 1203/04-1229 oder 1248)
  3. Emad al-Din (reg. 1248-1251)
  4. Nosrat al-Din (reg. 1252-1257)
  5. Takla (reg. 1258- )
  6. Schams al-Din Alp Arghun
  7. Yusuf Schah I. (reg. 1274-1288)
  8. Afrasiab I. (reg. 1288-1296)
  9. Nosrat al-Din Ahmad (reg.1296- 1330)
  10. Rokn al-Din Yusuf Schah II. (reg.1330-1340)
  11. Mozaffar al-Din Afrasiab II. (reg.1340-1355)
  12. Schams al-Din Paschang (reg.1355-1378)
  13. Malek Pir Ahmad (reg.1378-1408)
  14. Abu Saeed (reg. 1408- 1417)
  15. Schah Hussein (reg. 1417-1424)
  16. Ghias al-Din (reg.1424)

Einzelnachweise

  1. Eintrag (englisch) in der Encyclopædia Iranica (inkl. Literaturangaben)
  2. a b Eintrag (englisch) in der Encyclopædia Iranica (inkl. Literaturangaben)
  3. C. E. Bosworth, S. 205
  4. S. Lane-Poole, S. 174

Quellen

  • Eintrag (englisch) in der Encyclopædia Iranica (inkl. Literaturangaben)
  • C. E. Bosworth: The New Islamic Dynasties: A Chronological and Genealogical Manual, 389 Seiten, Columbia University Press, 1996, ISBN 0231107145
  • S. Lane-Poole: The Mohammedan Dynasties: Chronological and Genealogical Tables with Historial Introductions, 412 Seiten, Kessinger Publishing, 2004 (Original 1894), ISBN 1417945702

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